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Owley.ch

Wer A sagt muss auch B sagen, nach dem ganzen ABC fragen.

Ich hatte ja bereits erwähnt, dass ich das neue Helden-Album, “Bring mich nach Hause”, mittlerweile besitze. Es ist bekanntlich die vierte Scheibe einer Band, die wohl seit Beginn zu den momentan besten deutschen Bands zählt. Wenn man mit dem ersten Album so erfolgreich ist, wie Wir sind Helden 2003 mit “Reklamation”, besteht die Gefahr, dass man mit den Nachfolgern auf das altbewährte Schema zurückgreift und damit meist nur eine Kopie seiner Selbst ist. Die Helden haben in meinen Augen mit keinem Album diesen Fehler gemacht. “Reklamation” ist, wie es der Titel sagt, ein reklamierendes, rebellisches Album, der Nachfolger “Von hier an Blind” ist ein eher ruhigeres und suchenderes Album. “Soundso” schliesslich ist eine unbeschwerte, aber doch nachdenkliche Scheibe. Alle drei haben jedoch den ähnlichen quietschentigen und kindlich naiven Stil, der mir zwar sehr gefällt, den ich auf dem neuen Album aber nicht vermisse.

Denn “Bring mich nach Hause” ist die melancholische Scheibe von Wir sind Helden. Der Titeltrack ist wohl das beste Beispiel für diesen klagenden Stil. Das Stück erzählt von der Suche nach sich selbst und lebt von seiner trägen, schleppenden Klaviermelodie. Im letzten Stück der Scheibe “Nichts, das wir tun könnten” singt Judith Holofernes über emonotone Gitarrenakkorde von der Hoffnungslosigkeit. Dem melancholischen Gesamtbild des Albums stehen stimmungsvollere, aber nicht weniger zum Nachdenken anregende Titel wie “Alles” oder “Was uns beiden gehört” gegenüber, die mit ihrem Stil eine leichte Verbindung zu den vorherigen Alben der Band herstellen. Letztlich steht für mich dieses Album aber allein und unabhängig von den letzteren Alben, denn die Band hat nicht nur einen eigenwilligeren und neuer instrumentalisierten Musikstil gesucht, sondern auch, und das finde ich weniger schön, den für die Vorgänger so bezeichnenden Schreibstil weggelassen.

Ich vermisse die poetischen Texte, die ausdrucksstarken Parolen, wie man sie aus “Denkmal” kennt, oder die Wortspiele, die für mich den Track “Die Nacht” zu einem der besten Helden-Titel machen. Es gibt zwar noch Wortdreher, der im Titel erwähnte Auszug findet sich beispielsweise auf “23.55: Alles auf Anfang”, ein Stück, das in meinen Augen ohnehin vor Wortwitz nur so strotzt. Auch die anderen Tracks enthalten solche Wortspiele, ich finde sie aber nicht so prägnant, wie jene, die gewisse Tracks der alten Alben aufweisen. Oftmals gibt es auch so pseudopoetische Zeilen wie “Du auch, du auch, du auch, auch du.”, die für mich nicht wirklich dem Stil der Helden entsprechen und nicht so aussagekräftig sind wie auf anderen Alben.

Wir sind Helden sind also nach dreijähriger Pause wieder zurück, mit einem neuen Album, das sich deutlich von den vorherigen Scheiben unterscheidet. Man merkt es den harmonika- und steeldrumsgeprägten Tracks an, dass eine neue Heldenzeit angebrochen ist. Dass sich die Helden neu erfinden wollen, mache ich ihnen auch nicht zum Vorwurf. Das Album ist gelungen, die Tracks überzeugen und ich bin zufrieden. Ich weiss aber nicht, ob dieses Album nun besser ist als die letzten drei Scheiben. Es fehlen spürbar die guten Texte der letzten Helden-Platten. Abgesehen davon haben wir vor uns eine Platte, die eine gute, folkige Mischung aufweist, im Grundton jedoch melancholisch rüberkommt. Ohne Judith Holofernes’ Stimme wäre es schwer als Heldenalbum zu erkennen – ob das nun gut ist, oder schlecht, kann jeder für sich selbst entscheiden. Mir gefällt dieser Abstecher zwar, ich freue mich aber auch auf ein nächstes, heldigeres Album.

Bilderquelle: Einslive.de

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    6 Kommentare

  • ich mag die band (*ist das der 6000. comment?*) ;)

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  • Langweiler -.- :P

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  • Das neue Album habe ich noch nicht gehört. Die Single fand ich langweilig und das letzte Album war sehr ideenlos – hatte also noch keinen Drang, da mal reinzuhören. Die ersten beiden Alben sowie die französiche Best Of sind natürlich grandios.

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  • Echt jetzt? Ich finde “Alles” sehr gut, wenn es für mich auch nicht das ideale Stück um das Album zu repräsentieren ist. Und “Soundso” fand ich wie alle Alben grandios. Die französischen Stücke finde ich auch ganz genial, da gebe ich dir Recht ^^

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  • “Soundso” war ein groooßer Fehler, eine belanglose Platte, die neben dem herausragenden “The Geek” noch zwei, drei weitere gute Songs hatte; der Rest war unfassbar mies und hätte mich sicher dazu gebracht, Wir Sind Helden als viel versprechende Band aufzugeben, wenn ich das Debütalbum nicht bis heute gerne höre. Und gerade daran knüpfen die Helden wieder an, wenngleich herausragende Stücke wie “Denkmal”, “Due erkennst mich nicht wieder” oder “Außer dir” fehlen, die man auch auf den beiden Folgealben immer mal wieder gefunden hat. Trotzdem: Well done, Helden.

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  • Hm. Ich finde “Soundso” eigentlich ganz gut. Mir gefielen “Arbeit” und “Der Krieg kommt schneller zurück als du denkst”. Ich finde es einfach eine spielerische Platte mit lockererem Umgang mit den Themen der ersten zwei. Nein, “Soundso” finde ich gleich gut wie die andern.

    Musste sie innert weniger Tag gleich zweimal kaufen, weil meine Freundin damals versehentlich die CD zerscheppert hatte xD Aus dem übrigen Booklet gibts sicher noch was lustiges.

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  • 6000. Kommentar « Ploppers Wörld

    […] feiert auch, also feier ich mit. Und zwar den 6000. Kommentar auf meinem Blog von Maloney8032. Ein bisschen fies, weil er wusste, dass der 6000er naht… Freuen wir uns und jubilieren […]

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