Sie wars.

Nein, okay. Ist ja gut. Man macht keine Witze darüber. Aber ich scherze ja auch nicht über die Toten. Sondern darüber, dass es ein, wenn auch trauriger, Zufall ist, dass „Ponyo“ (der dazu noch bald auf DVD erscheint) sich dieser Thematik annimmt. Das ist ein Anime-Film, bei dem eine Riesenwelle Japan bedroht. Und eine alte Frau ständig „Tsunami!“ schreit. Und als dann das halbe Land überflutet ist, haben alle voll den Spass, und wenn nicht, dann fahren sie in lustigen Booten. Ich hab nachgeschaut, im Moment hat in Japan keiner seinen Spass.

In Ordnung, ich hör jetzt auf makaber zu sein. Ich war und bin ja auch von der Katastrophe schockiert. Vorallem, wie es ein Erdbeben-erprobtes Land, wie Japan so stark treffen kann. Und dann erst noch, kaum ein halbes Jahrzehnt nach der Tsunami-Katastrophe in Südostasien. Irgendwie finde ich das doch ein bisschen fahrlässig. Aber vielleicht hat es so etwas gebraucht, um die Welt wieder ein bisschen wachzurütteln, und uns klarzumachen, dass wir der Natur noch längst nicht Herr sind. Vermutlich ist es auch, so unglücklich die Umstände auch sind, politisch von Interesse, wie es jetzt weitergeht. Wird der asiatische Stolz über die Rationalität siegen, und werden die Japaner Fehler einsehen und Hilfe von aussen akzeptieren, oder werden sie sich verschliessen und die ganze Sache im wahrsten Sinne des Wortes alleine „ausbaden“?

Und jetzt noch die ganze angesprochene Szene mit Walkürenritt-ähnlichem Joe Hisaishi-Thema sowie Miley Cyrus‘ Bruder/Schwester als Sprecher:

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Bilderquelle: TVHeute.at

  • Dr. Borstel

    Fahrlässig? Nein! Japan ist das am Besten gegen Naturkatastrophen gesicherte Land auf der ganzen Welt; wäre das nicht der Fall, wären gestern Hunderttausende gestorben. 1923 ist bei einem Erdbeben von nicht ganz dieser Größenordnung ganz Tokio zerstört worden; seitdem wurde unglaublich viel in Erdbebenvorwarnung und -schutz gesteckt. Nach 2004 hat Japan an die meisten südostasiatischen Länder die sehr weit entwickelte japanische Vorwarntechnik geliefert. Japanische Neubauten unterliegen unheimlich strengen Vorschriften; man baut viel öfter neu, anstatt marode Altbauten zu sanieren. Und ich glaube auch nicht, dass Japan zu stur sein wird, um internationale Hilfe anzunehmen. Dafür ist das Land heute zu sehr in die internationale Gemeinschaft eingebunden.
    Allerdings ist das Erdbeben politisch von großem Interesse, da liegst du richtig. Atomkraft wurde im rohstoffarmen Japan stark gefördert, um sich nicht von Öllieferanten wie Russland abhängig zu machen; angesichts der japanischen Erfahrungen mit nuklearer Strahlung wird man diese energiepolitische Leitlinie aber sicherlich überdenken.

    Im Übrigen: Nicht über die Opfer, aber über Katastrophen muss man lachen können. Ein gewisser Zynismus ist einfach notwendig in einer Welt, in der globalisierte Medien uns jeden Tag mit Katastrophenmeldungen zutexten.

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  • Lichtschwert

    „Denn so direkt kann sich ja wohl kaum ein Erdbeben oder Tsunami auf ein AKW auswikren. Oder darf.“
    Mein Vater hat in den Nachrichten gehört, dass die Pumpen, die das Kühlwasser zum Reaktorkern gepumpt haben, von der Flutwelle überschwemmt wurden, was eindeutig ein menschlicher Fehler ist, da man Pumpen keinesfalls so niedrig über dem Meeresspiegel bauen sollte.

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  • Dr. Borstel

    Ich wollte jetzt nicht den Hitlervergleich zücken, aber ja, das Prinzip ist dasselbe. 😉

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