Drive (2011)

„I give you five minutes when we get there. Anything happens in that five minutes and I’m yours. No matter what. Anything a minute on either side of that and you’re on your own. I don’t sit in while you’re running it down. I don’t carry a gun. I drive.“

Dieses Review zu Drive liegt schon seit vergangenem Sommer in den Entwürfen, aber ich wollte noch eine zweite Sichtung, bevor ich die Kritik raushaue. Nachdem ich ihn im August am Filmfestival Locarno sehen durfte, war heuer die BluRay dran. Da ich mittlerweile den Roman gelesen habe (den ich erstaunlich dürftig und bestenfalls als Filmvorlage tauglich fand) und mir ausserdem ein Bild von Nicolas Winding Refns Werk machen konnte, denke ich, bin ich ausreichend gerüstet, um mich der Gefahr der abgetippten Filmkritik zu stellen…

Bei Tag ein Stuntman, in der Nacht Fahrer bei Überfällen – so sieht das Leben des namenlosen Protagonisten, des Drivers, aus. Eines Tages begegnet er Irene, die mit ihrem Sohn in der Wohnung nebenan lebt. Ihr Mann ist im Gefängnis, doch als er kurz darauf wieder freikommt, holt ihn seine Vergangenheit ein – einige Schläger verlangen Schutzgeld. Der Versuch, solches mit der Hilfe des Drivers zu erbeuten scheitert, wodurch sich der Driver urplötzlich nicht nur mit den Bestohlenen, sondern auch mit den Gangstern, die ihr Schutzgeld einfordern, herumschlagen muss…

Bereits die ersten paar Minuten, die noch stark an „Transporter“ erinnern, zeigen, welchen Ton der Film einschlägt. Nicht adrenalingeladen wie in diesem geht es zu, sondern abgeklärt und beobachtend – wie eben auch der von Ryan Gosling genial gespielte Hauptcharakter, der nicht mehr spricht als nötig und cool an seinem Zahnstocher nuckelt. Als die hübsche und alleinerziehende Irene und deren Sohn Benicio in sein Leben treten, kommen auch die Probleme – der Driver verliert quasi die Sicherheit, die er sich schuf, indem er zuviele Freundschaften vermied und eine ruhige Kugel schob.

Passend zu dieser kargen, trostlosen Film Noir-Atmosphäre kommt ein Score von Cliff Martinez, der nur mit wenigen Eindrücken aufwartet, und für Szenen, in denen mehr Emotionen gefragt sind, astreinen Electro bietet. Aber nicht nur der Sound definiert den Stil des Films, den Nicolas Winding Refn konsequent bis zum Schluss durchzieht, sondern auch die Aufnahmen, die nicht durch hektische Schnitte, sondern klare Shots definiert sind, und trotzdem abwechslungsreich daherkommen. Wie beispielsweise beim Showdown, als der Ausgang dessen lange nicht klar ist, da Refn mit Schatten und eben solchen überlangen Aufnahmen arbeitet. Der spannendste Schluss eines Duells seit langem.

„Drive“ ist einfach nur schön – und besticht durch seinen Look und den Sound, sowie die verschiedenen liebevoll gezeichneten Figuren und eine packende Story. Einer der kunstvollsten Filme des vergangenen Jahres und ein bei den Oscars leider schändlich übergangenes Meisterwerk.

 

  • Dos Corazones

    Meisterwerk – hm. Dafür müsste ich ihn mir ebenfalls ein weiteres Mal angucken. Am besten zu Hause, am besten auf Blu-ray.
    Gosling spielt gut – macht aber ja nicht viel außer Zahnstocher kauen und gucken. In Lars und die Frauen oder Ides of March gefiel er mir besser.
    Trotzdem, ein ungewöhnlicher Film, den ich bei den Oscar-Nominierungen – wie so viele andere Filme auch – vermisse.

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  • Lukas

    Uff, das da mit dem Dingsda hätte ich nun wirklich nicht gespoilert – da geht ja der ganze szenerische Überraschungseffekt weg (auch wenn man es im Nachhinein sich hätte denken können)…
    Ansonsten stimm ich dir voll und ganz zu, der Film erzeugt einfach eine unheimlich dichte und geniale Atmosphäre und ist definitiv einer der bestgemachten, die ich seit langem – wenn nicht je – gesehen habe. Über Ryan Gosling brauch ich ja gar nicht erst was zu sagen 😉
    Und dass er bei den Oscars wirklich vollkommen übergangen wurde, finde ich auch leicht skandalös, auch wenn ich die Entscheidungen der Jurys sowieso noch nie so richtig nachvollziehen konnte.

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  • Cem

    Wenn du meine Kritik gelesen hast, weisst du, dass ich mit dieser Wertung nicht ganz einverstanden sein kann… Optik, Stimmung, Darsteller, Musik… alles vom Feinsten. Man möchte diesen Film einfach lieben… aber irgendwann wird er einfach nur langweilig. Die von dir erwähnte Eingangssequenz ist zwar ruhig, aber extrem spannend. Diese Spannung fehlt über weite Strecken des Films. DAS fehlt dem Film meiner Meinung nach, um eine 9.5 zu bekommen.

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  • Lukas

    @Owley: Wunderbar, danke. Sinnvoll es auch bei mir zu tun, wusste nur nicht, ob du sonst drauf gekommen wärst 😛
    @Cem: Ich fand ehrlich gesagt eher, dass der Film spannender wird, je länger er dauert – von der Einführungssequenz mal abgesehen, die war spannender als das Meiste, das ich seit Langem gesehen habe.
    @Generell: Ich finde, dass Gosling einfach genial passt und die Kontraste seiner Figur perfekt darstellt. Manchmal ist weniger eben mehr, damit im entscheidenen Moment ein bestimmter Effekt erzeugt wird, und seine Figur ist eben eher ruhig – dafür erzeugt die kurze Szene im Diner immer wieder einen kalten Schauer bei mir.

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  • donpozuelo

    Yeah, baby. This is a fucking Meisterwerk!!! Und ja, die Oscar-Leute sollen dafür brennen, dass sie weder Gosling noch den Film noch Refn für irgendwas nominiert haben.

    Mit 0,5 Punkten habe ich dem Film bei mir sogar volle Punktzahl gegeben. Ein absoluter Traum von einem Film und Gosling echt auf einem vorläufigen Höhepunkt. Ich liebe diesen Film!!!!

    Was viele kritisieren, fand ich gerade extrem gut: Die Langsamkeit, die bei mir zumindest auch gut angekommen ist. Das hat alles perfekt zusammen gepasst!!! Habe ich schon erwähnt, dass ich den Film liebe?

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  • Lukas

    Sagen wir einfach die, in der er einem Typen (vom Anfang) relativ unmissverständlich klar macht, dass er nichts mit ihm zu tun haben möchte 😉

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