Fazit der Oscars 2012

Die Show ist durch und ich ebenfalls. Was mich erstaunte, war, wie konsequent die Academy auf Nostalgie setzte, und „Hugo“ und „The Artist“ mit je 5 Goldmännern eindeckte, während alle anderen Filme auf einem sitzenblieben oder leer ausgingen – bis auf „The Iron Lady“ die gleich in beiden nominierten Kategorien punktete. „The Artist“ mag ich ja auch (wer mein altes Review von damals liest, findet noch die Zeile „Sollte “The Artist” nicht mindestens einen Oscar abräumen, wäre ich schwer enttäuscht.“), aber „Hugo“ war schrecklich überbewertet, und das in Kategorien, die eigentlich anderen Filmen gehört hätten – aber egal, die wichtigen hat mein Favorit gewonnen. Ebenfalls überraschend war, dass es Billy Crystal tatsächlich geschafft hat, eine noch lahmere Show zu bieten, als James Franco & Anne Hathaway letztes Jahr. Unglaublich aber wahr.

In der Folge die Auswertung meiner kürzlich veröffentlichten Prognose.

Fett: Meine Favoriten
Kursiv: Filme, die ich gesehen habe

Best Picture:

  • „The Artist“
  • „The Descendants“
  • „Extremely Loud & Incredibly Close“
  • „Hugo“
  • „Midnight in Paris“
  • „The Help“
  • „Moneyball“
  • „War Horse“
  • „The Tree of Life“

Best Actor:

  • Demian Bichir, „A Better Life“
  • George Clooney, „The Descendants“
  • Jean Dujardin, „The Artist“
  • Gary Oldman, „Tinker Tailor Soldier Spy“
  • Brad Pitt, „Moneyball“

Best Actress:

  • Glenn Close, „Albert Nobbs“
  • Viola Davis, „The Help“
  • Rooney Mara, „The Girl With the Dragon Tattoo“
  • Meryl Streep, „The Iron Lady“
  • Michelle Williams, „My Week With Marilyn“

Best Supporting Actor:

  • Kenneth Branagh, „My Week With Marilyn“
  • Jonah Hill, „Moneyball“
  • Nick Nolte, „Warrior“
  • Christopher Plummer, „Beginners“
  • Max Von Sydow, „Extremely Loud & Incredibly Close“

Best Supporting Actress:

  • Berenice Bejo, „The Artist“
  • Jessica Chastain, „The Help“
  • Melissa McCarthy, „Bridesmaids“
  • Janet McTeer, „Albert Nobbs“
  • Octavia Spencer, „The Help“

Best Director:

  • Woody Allen, „Midnight in Paris“
  • Michel Hazanavicius, „The Artist“
  • Terrence Malick, „The Tree of Life“
  • Alexander Payne, „The Descendants“
  • Martin Scorsese, „Hugo“

Best Original Screenplay:

  • Woody Allen, „Midnight in Paris“
  • JC Chandor, „Margin Call“
  • Asghar Farhadi, „A Separation“
  • Michel Hazanavicius, „The Artist“
  • Kristen Wiig and Annie Mumolo, „Bridesmaids“

Best Adapted Screenplay:

  • Alexander Payne, Nat Faxton, Jim Rash, „The Descendants“
  • John Logan, „Hugo“
  • George Clooney, Grant Heslov, Beau Willimon, „The Ides of March“
  • Aaron Sorkin, Steven Zaillian, „Moneyball“
  • Bridget O’Connor, Peter Straughn, „Tinker, Tailor, Soldier, Spy“

Best Animated Feature:

  • „A Cat In Paris“
  • „Chico & Rita“
  • „Kung Fu Panda 2“
  • „Puss in Boots“
  • „Rango“

Best Foreign Language Film of the Year:

  • Bullhead (Belgium)
  • Footnote (Israel)
  • In Darkness (Poland)
  • Monsieur Lazhar (Canada)
  • A Separation (Iran)

Original Score:

  • „The Adventures of Tintin,“ John Williams
  • „The Artist,“ Ludovic Bource
  • „Hugo,“ Howard Shore
  • „Tinker Tailor Soldier Spy,“ Alberto Iglesias
  • „War Horse,“ John Williams

Best Original Song:

  • „Man or Muppet,“ The Muppets; Music and Lyric by Bret McKenzie
  • „Real in Rio,“ Rio; Music by Sergio Mendes and Carlinhos Brown, Lyric by Siedah Garrett

Best Achievement in Art Direction:

  • „The Artist“
  • „Harry Potter and the Deathly Hallows Part 2“
  • „Hugo“
  • „Midnight in Paris“
  • „War Horse“

Best Achievement in Cinematography:

  • „The Artist“
  • „The Girl With the Dragon Tattoo“
  • „Hugo“
  • „The Tree of Life“
  • „War Horse“

Best Achievement in Costume Design:

  • „Anonymous“
  • „The Artist“
  • „Hugo“
  • „Jane Eyre“
  • „W.E.“

Best Documentary Feature:

  • „Hell and Back Again“
  • „If a Tree Falls: A Story of the Earth Liberation Front“
  • „Paradise Lost 3: Purgatory“
  • „Pina“
  • „Undefeated“

Best Documentary Short Subject:

  • „The Barber of Birmingham: Foot Soldier of the Civil Rights Movement?“
  • „God Is the Bigger Elvis“
  • „Incident in New Baghdad“
  • „Saving Face“
  • „The Tsunami and the Cherry Blossom“

Best Achievement in Film Editing:

  • „The Artist“
  • „The Descendants“
  • „The Girl With the Dragon Tattoo“
  • „Hugo“
  • „Moneyball“

Best Achievement in Makeup:

  • „Albert Nobbs“
  • „Harry Potter and the Deathly Hallows Part 2“
  • „The Iron Lady“

Best Animated Short Film:

  • „Dimanche/Sunday“
  • „The Fantastic Flying Books of Mr. Morris Lessmore“
  • „La Luna“
  • „A Morning Stroll“
  • „Wild Life“

Best Live Action Short Film:

  • „Pentecost“
  • „Raju“
  • „The Shore“
  • „Time Freak“
  • „Tuba Atlantic“

Best Achievement in Sound Editing:

  • „Drive“
  • „The Girl With the Dragon Tattoo“
  • „Hugo“
  • „Transformers: Dark of the Moon“
  • „War Horse“

Best Achievement in Sound Mixing:

  • „The Girl With the Dragon Tattoo“
  • „Hugo“
  • „Moneyball“
  • „Transformers: Dark of the Moon“
  • „War Horse“

Best Achievement in Visual Effects:

  • „Harry Potter and the Deathly Hallows Part 2“
  • „Hugo“ 
  • „Real Steel“
  • „Rise of the Planet of the Apes“
  • „Transformers: Dark of the Moon“

Gerade, wenn es um Effekte und Sound ging, räumte „Hugo“ im grossen Stil ab – erstaunlich, weil der Film diesbezüglich eigentlich immer Konkurrenten hatte, die in der jeweiligen Kategorie weit besser waren. Ich meine – Riesenroboter vs. Fightroboter vs. Drachen vs. Horden von CGI-Affen, und was hat „Hugo“ zu bieten? Einen zeichnenden Automaten. Nicht wirklich das Wahre. Wie erwartet gingen die Preise auch an Bret McKenzie, Meryl Streep und Christopher Plummer, dafür ging folgerichtig dann „Transformers: Dark of the Moon“ leer aus, und ebenso „Inderschnäbeli Loud“ oder „War Whores“. Sei’s drum. Ich habe 12 von 24 richtig, was nicht umwerfend ist, aber bei den vielen Schnitzern der Academy im technischen Bereich durchaus vertretbar.

Die Bildchen und das System verdanke ich übrigens dem Eay.

  • christian

    Wie so oft kann ich bei den großen Gewinnern gar nicht mitreden, weil ich sie noch nicht gesehen habe. Aber dass Rango es geschafft hat, freut mich sehr.

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  • donpozuelo

    Mein Lieber!!! Hast du „Hugo“ schon gesehen? Scheinbar nicht. Die Technik-Oscars sind echt schon verdient. Scorsese hat da wirklich großartiges 3D-Kino draus gemacht. Wirklich sehenswert.

    Ansonsten geb ich dir bei der Veranstaltung selbst Recht. Es war das erste Mal, dass ich wach geblieben bin, und ich habe es gleich bereut. Sehr langweilige Angelegenheit das Ganze.

    Komplett ohne Überraschungen… gar nichts. Schade. Aber gut für „The Artist“.

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  • donpozuelo

    @Owley: Na gut, den Sound geb ich dir. Die Frage bei den visuellen Effekten ist nur, ob da auch 3D mit gemeint ist. Dann finde ich das völlig gerechtfertigt, denn Scorsese setzt das 3D wirklich perfekt ein.

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  • donpozuelo

    @Owley: Ist ja genauso ein Teufelskreis wie mit der Frage, ob „Tintin“ nun Animationsfilm ist oder nicht! Performance Capturing ist ja immer noch was anderes als reine Animation. Irgendwie… eine Frage, die man sich mal stellen sollte 😉

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  • Dos Corazones

    Och, ich fand Billy Crystal nicht wirklich schlecht. Die Höhepunkte wurden eben durch andere (Downey jr/Paltrow und Emma Stone) oder durch die witzigen Einspieler gesetzt. Insgesamt war es für mich weniger interessant, weil ich nur sehr wenige Nominierte gesehen habe.

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  • Lukas

    Ich fand die Gewinner letztlich eigentlich nicht wirklich überraschend, nur Meryl Streep kam etwas unerwartet daher, da es eben ihr mittlerweile dritter Oscar ist und ich Viola Davis da eher als Kandidaten für die Academy eingeschätzt hätte.
    Und ich fand Billy Crystal an sich auch ziemlich unterhaltsam, jedenfalls deutlich besser als die Schnarchpartie letzten Jahres… Natürlich war nich jeder Gag der Hammer und bis ins Letzte gespielt und einstudiert ist das bei diesen Veranstaltungen halt immer, typisch Amis; entweder mag man das, oder nicht. Ricky Gervais werden sie bei den „großen“ Academy Awards wohl kaum von der Leine lassen 😉
    Das, was mich definitiv am meisten genervt hat war je doch, dass sie selbst im Vergleich zum letzten Jahr nochmal mehr Werbung am Ende rausgehauen haben. Gegen Schluss nach jeder Kategorie (selten mal nach zweien) erstmal 2 Minuten Pause zu machen war für mich um 5 Uhr morgens schon ein Härtetest – vom Nervfaktor mal ganz abgesehen.
    Und Sandra Bullocks fränkisches Mandarin fand ich gezwungener Maßen auch lustig. 😀

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  • Lichtschwert

    Und John Williams geht zum 42. Mal leer aus. 🙁

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  • Roberto

    Ich hab nun die Show auch endlich ganz durchgeschaut, und ich muss sagen, dass ich durch und durch zufrieden mit ihr bin. Im Gegensatz zu dir fand ich Crystal nicht schlimmer als die beiden Typinnen letztes Jahr. Die Show setzte auf Nostalgie, auf die Liebe zum Kino und zum Film, und diese Botschaft unterscheib ich gerne. Die Gewinner waren meist keine Überraschung. Meistens jedenfalls. Mit deinen Kritikpunkten zu „Hugo“ bin ich gleicher Meinung, der hat einfach in den falschen Kategorien gewonnen. Aber man muss auch sagen, dass dieses Jahr die Konkurrenz in vielen Kategorien einfach unglaublich war, und es kann ja nur einer gewinnen. Am meisten fällt diese Eigenschaft in meinen Augen in sämtlichen Königsklassen, der Filmmusik, den Visual Effects, der Kamera und den beiden Drehbuch-Kategorien auf.

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  • Owley

    Crystal hatte etwa eine zündende Pointe und das bei vier Stunden Moderation? Nicht wirklich, oder? Und bei „Hugo“ ist das Problem, dass er auch in den falschen Kategorien nominiert war.

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  • Roberto

    @Owley: 4 Stunden Moderation kann man diese kleinen Zwischensprüche nicht nennen, oder? Crystal bewahrte durchgehend immer Stil und Eleganz, verkörperte nie Lächerlichkeit wie das Püppi von 2011 (sorry Ann, nichts gegen dich als Schauspielerin) in ihrem Ringel-Raschel-Surrli-Kleid. Ich sage nicht, dass er DIE Show der letzten Jahre geliefert hat, aber er war in meinen Augen besser als James und Ann. Ich hätte viel lieber wieder einen Steve Martin oder Hugh Jackman gehabt. Der grösste Reinfall in der Show war für mich mit Abstand Emma Stone. Und zu Hugo: Jawoll!

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