Scheibenkritiken #5

Eigentlich wollte ich hier auch noch die neuesten Alben von Miike Snow und Züri West erwähnen, aber das hätte den Rahmen von 4 Alben deutlich gesprengt. Kommt aber dann schon noch, halt ein bisschen baldiger als normal. Maybe. Hier also, wie gehabt vier Alben, die kürzlich erschienen (das von One EskimO kam vor Kurzem erst hier raus) und in meine Sammlung gewandert sind.

One EskimO – All Balloons

Es fällt mir schwer, den Musikstil der britischen One EskimO in einen Begriff zu fassen – in ihrem Sound schwingt Soul, Blues ebenso mit wie Indie Pop und -Rock. Das erste Album (das in gewissen Quellen auch nach der Gruppe benannt wird, obwohl All Balloons gross darauf steht) der Band, die aus einem gitarrenspielenden Pinguin, einem Eskimo, einer Perkussions-Giraffe und einem Trompeten-Affen besteht besticht eben gerade durch diesen vielseitigen Sound, der aber immer ruhig, und nie hektisch daherkommt. Dabei wird in liebevoll verfassten Texten die Geschichte eines Eskimos Inuit erzählt, die auch in einem Kurzfilm à la Interstella 5555, abgehandelt bzw. von Sänger Kristian Leontiou mit dessen unglaublich wohlig klingenden Stimme besungen wurde. Definitiv eine der ersten Entdeckungen des jungen Jahres.

– 22. September 2009 (Columbia Records)

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Dabu Fantastic – Disco Titanic

Es war der Track Min Ort, mit dem ich mich in Dabu Fantastic, ein Projekt von Dabu und einigen Zürchern und Bündnern, verliebte. Viele solcher Tracks findet man auf der aktuellen Scheibe Disco Titanic zwar nicht, aber da die guten Texte, die nicht nur durch gute Ideen, sondern auch Inhalt überzeugen, wieder an Bord sind, gebe ich mich auch gerne mit etwas aktiveren Titeln zufrieden. Und wenn es dann auch noch solche Perlen wie Sunne über Liebe bei Sonnenschein und Trauer bei Regen, oder das beste Liebeslied aller Zeiten mit F**k Verliebt sind, dann wird es schwer, Dabu Fantastic überhaupt für irgendetwas böse zu sein. Das beste mundartsprachige Album seit einigen Jahren, soviel ist klar, und die Jungs wurden auch zu Recht mit einem Swiss Music Award ausgezeichnet.

– 4. November 2011 (Nation Music)

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Swimming – Ecstatics International

Da die Jungs von Swimming mit dem Rückgeld für ein Shirt nicht wirklich klarkamen, drückten sie mir stattdessen kurzerhand ein Album in die Hand. Find ich genial. Wie auch das Album, das es in sich hat, wenn darauf auch nicht die Wucht spürbar wird, mit der sie die Bühne eroberten. Dennoch beweisen die jungen Briten, dass sie etwas können und beweisen sich als grosses Versprechen für die Zukunft – denn schon jetzt können sie mit den grossen Namen des britischen Indie-Rocks mithalten. Ecstatics International ist eine solide Scheibe, die gleichermassen mit ungewöhnlichen, eher experimentiellen Tracks, aber auch dem einen oder anderen Zugeständnis an das Mainstream-Publikum aufwartet. Und das ganz ohne sich dafür völlig zu verändern, denn Ecstatics International ist ohnehin ein Mix aus diversen Stilen, wie Indie-Rock, Synthie Pop, Prog und Art Rock, um nur ein paar zu nennen. Daraus entsteht der einzigartige und unverkennbare Sound von Swimming, der von der eingängigen Stimme von Leadsänger John getragen wird. Definitiv eine der Bands, die man auf dem Radar behalten sollte.

– 7. November 2011 (Tummy Touch Records)

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Die Antwoord – Ten$ion

Ich stelle immer wieder mit Schrecken fest, dass es Leute gibt, die Die Antwoord ernst nehmen – das ist wohl das Letzte, was die südafrikanisch Prollrap-Kombo verdient hätte. Ihr Sound gefällt dennoch, auch wenn es ihnen vorallem darum geht, mit diesem und den „New Kids“ Konkurrenz machenden Rumgepöbel zu provozieren. Dafür ist Ten$ion aber fast schon zu brav, was das ganze Konzept von Die Antwoord irgendwie in ein unangenehmes Licht rückt. Dazu fehlt noch der ganz grosse Wurf, wie Enter The Ninja oder Rich Bitch, der die ersten Single-Auskopplungen Fok Julle Naaiers und  I Fink U Freeky ganz und gar nicht sind. Am interessantesten kommt der total verdubbte Opener Never Le Nkemise 1 daher, den ich ja seinerzeit auch für mein Filmchen verwurstelt hab. Ansonsten ist Ten$ion viel zu verhalten für Die Antwoord – das war nichts.

– 29. Januar 2012 (Zef Recordz)

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