The Amazing Spider-Man (2012)

„There’s rumor of a new species in New York. It can be aggresive if threatened.“

„Mimimimi Reboots! Mimimimi Geldmache! Mimimimi keine Ideen mehr! Mimimimi immer das gleiche Zeug!“ So, haben die werten Damen und Herren Meckerzwerge genug geheult? Okay, gut. Denn The Amazing Spider-Man ist nicht einfach nur ein Reboot (das berechtigterweise geschah, die alten Spidey-Filme fand ich eher schlecht), sondern erzählt die Geschichte von Peter Parker aus einer etwas neuen Perspektive. Nun gut, Peter ist immer noch ein Nerd, wird von einer Spinne gebissen und kämpft sich durch New York, aber – und das ist sehr wichtig – er ist nicht mehr Tobey Maguire. Das ist ja schonmal ein Anfang.

Als er noch ein kleiner Junge ist, verlassen Peter Parkers Eltern ihn Hals über Kopf und bringen ihn zu seiner Tante und seinem Onkel. Sie kehren nie zurück, und erst spät erfährt Peter, dass sie bei einem Unfall ums Leben gekommen sind. Von einem Mitarbeiter und Freund seines Vaters, Dr. Curtis Connors erhofft sich Peter Informationen, wird beim Besuch dessen Unternehmen OSCORP jedoch von einer Spinne gebissen und erhält Superkräfte. Connors dagegen wurde durch den jungen Spross auf eine Idee gebracht, die ihn dazu verleitet, selber mit chemischen Mixturen zu spielen – mit verheerenden Folgen.

Das Problem mit The Amazing Spider-Man ist wohl, dass er zu keiner der momentan wirksamen Superheldenschienen dazugezählt werden kann. Er ist zu wenig düster und tiefschürfend für einen Film im Stil von The Dark Knight, und gleichzeitig zu wenig bunt und selbstironisch, um mit The Avengers mithalten zu können. Und so schwankt der Streifen bis zum Schluss zwischen den beiden Extremen, ohne wirklich einem zuzugehören. Das ist schade, denn eine eigenständige Handhabung hätte dem Film gut getan – und ihn von den anderen Beispielen abgehoben. Aber auch trotz dieser Kritikpunkte kann der Film mit etwas Tiefgang aufwarten, sei das im Bezug auf seinen Onkel und seine Tante oder die Beziehung zu Gwen Stacy. Leider bietet letztere gerade auch wieder viel Anlass für unfreiwillige Komik, was vermutlich unter anderem der eher deplazierten Emma Stone zuzuschreiben ist.

Abgesehen von ihr hat The Amazing Spider-Man einen unglaublich soliden Cast. Andrew Garfield spielt den Titelhelden mit Bravour und zeigt ihn tatsächlich von einer weniger bekannten Seite. Die ganze High School Thematik ist spannend umgesetzt, und gerade im Bezug darauf kann Regisseur Marc Webb einige Lacher landen – stellenweise auf dem Niveau gewisser Szenen aus The Avengers. Auch Martin Sheen und Sally Field als Peters Onkel, respektive seine Tante überzeugen. Rhys Ifans ist zwar cool, gibt aber als Lizard einen eher lächerlichen Bösewicht ab, was unter anderem auch den Effekten vorzuwerfen ist. Diese sind nicht grottig, genügen aber nur höchst selten. Dass man einen Grossteil der POV-Szenen geschnitten hat, ist für mich ziemlich unverständlich und dumm. Ebenso die Tatsache, dass der Film soviele Chancen auf ein grossartiges Easter-Egg hatte (viele Aspekte hat man sich für später aufgespart), zum Schluss aber mit so einem Mist aufwartet.

The Gwenstacing Spider-Man

So harsch meine Worte klingen mögen, eigentlich ist The Amazing Spider-Man kein schlechter Film und hat viele gute Aspekte (unter anderem einen der coolsten Stan Lee-Cameos). Leider fehlt dem Film aber ein klares Statement, das entscheidende Etwas, das ihn von anderen Superheldenfilmen unterscheidet und ihn zu einem einzigartigen Must-See macht. Ohne das ist der Film verdammt, neben den Avengers und Batman unterzugehen, ganz zu schweigen von all den anderen Blockbustern des Sommers…

  • Lukas

    Mhm, das klingt ja doch eher weniger berauschend, als erwartet, nachdem ich doch bisher durchaus schon eine Menge Gutes gehört hatte. Naja, ich werde ihn mir am Montag trotzdem zu Gemüte führen und mal sehen. Das Einzige, was ich weiß, ist, dass ich genug Sitzfleisch mitbringen werde 😀

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  • Alice

    *Senfdazugeb*
    Wenn der Film die übertriebene Awkwardness zwischen Gwen und Stacy, äh, Spidey heruntergeschraubt hätte, eine Schauspielerin genommen hätte, die auch als 17 durchgeht, die First-Person-Schwing-Szenen drin gelassen hätte, mehr Selbstironie gewagt hätte (wie in der Szene mit dem Autodieb), und vielleicht einen etwas besseren Bösewicht gehabt hätte… Dann, naja, dann würde der Film vielleicht in die Nähe des Avengers-Nivau kommen.
    So wie er ist, ist er durchaus unterhaltsam und wie der Owley sagt besser als die letzten drei, aber er geht halt schon etwas unter, vor allem in einem Jahr wie diesem.

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  • donpozuelo

    Mein Reden. Und wirklich Lees bester Cameo überhaupt.

    Ich hoffe ja, dass sie – nachdem sie jetzt die Story erzählt haben – in den Nachfolgern ein bisschen besser werden.

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  • Dos Corazones

    Ich werde ja heute Abend mein Urteil bilden können (bei den bisher etwas enttäuschten Meinungen wird das sicherlich etwas leichter, da die Erwartungen erfahrungsgemäß heruntergeschraubt werden). Gerade die ersten beiden Spidey-Teile von Sam Raimi waren sehr gute Unterhaltung (der zweite gar einer der besten Comic-Verfilmungen der – sagen wir mal wie du – letzten 10 Jahre) – das Reboot erscheint mir deshalb schon etwas fragwürdig zu diesem Zeitpunkt. Aber ich bleibe gespannt.

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  • Lordy

    Immerhin gehe ich nun nicht mehr mit so hohen Erwartungen ins Kino :D.

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  • ReservoirHog

    Was hast du denn gegen Raimis Version? Ich finde, trotz einiger Änderungen (z.B. den Netzschuss) kommt er viel näher an die Original-Comics ran und ist, wie du es beim 2012er anmerkst, geradlinig, was die Aufmachung betrifft.
    Dazu zeigt die Entwicklung von Spidey in einem besseren Kontext mit dem Mord an seinem Onkel, bei dem er den Täter erst später erkennt und nicht sofort, was einen großen Unterschied macht. Dazu ist Toby nicht zu cool für die Rolle gewesen, die jetzt mit Andrew der Fall und es gibt viele gute Gags, die unseren Helden nicht so bloßstellen, wie in der Autodiebszene. „Willst du noch einen Bissen? – Nein danke, ich hatte schon einen.“
    Und dieses völlig überzogene pathetische Ende im Reboot, das wirklich einige aus der Vorstellung, der ich beiwohnte, zum Stöhnen gebracht hat.
    Für mich macht der neue Film die technische Kompnente besser (wär auch traurig, wenn nicht), bietet viel Geheimnisse für Teil 2 und bietet die Komponente, dass die Beiden ihre Superkräfte durch den jeweiligen Gegenspieler erlangen. Aber so Sachen woher der Name Spiderman kommt, wie das Kostüm entsteht, warum er sich den Dienst der Menschen stellt, dass seine Liebsten durch ihn in Gefahr sind, die Wahrnehmung der Medien und der Bürger, also das was Spiderman auch ausmacht, das fehlt fast völlig.
    Er schafft eine gute Basis für einen zweiten Teil, aber gebraucht hat man dieses Remake leider nicht, wie ich finde.
    „Trotzdem“ muss ich sagen, dass mir deine Seite gut gefällt und ich bereits einige Reviews gelesen habe. Und wir oft unterschiedlicher Ansicht sind 🙂 Aber das gefällt mir wiederum, das das Platz für Diskussionen schafft. Wenn du Bock hast, kannste mal auf unserer Filmkritiken-Seite vorbeischauen, ich schreib den Namen jetzt nicht groß hier rein, da aufgezwungene Werbung nicht sein muss.
    Gute Blog und ich werd bestimmt noch ein paar Kommis abgeben.

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  • Wir reden über: The Amazing Spider-Man « Jason Auric – Sweet Nonsense

    […] Denis Leary als Captain Stacy und Michael Sheen als Onkel Ben überzeugten. Zudem muss ich dem Owley für einmal Recht geben, was seine Meinung zum Stan Lee Cameo angeht, das war in der Tat wirklich […]

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