Well done, Hans!

Es muss einfach mal gesagt werden.

Ich mag Hans Zimmer und kenne kaum einen Komponisten, der in den vergangenen Jahren konsequent so viel gutes Material lieferte. Eines seiner Highlights und in meinen Augen sein bestes Werk ist aber der Score zu Christopher Nolans The Dark Knight-Trilogie. Die Musik zu The Dark Knight Rises ist – im Gegensatz zum Film selber – um Längen besser als der Vorgänger, wobei dieser aber nun nicht etwa schlecht ist. Nein, Zimmer steigerte sich schlichtwegs mit jedem Soundtrack.

Batman Begins legte die Themen aus und zeigte, was für Potential in diesen Melodien steckte, verglichen mit den späteren Filmen ist dieser Score aber recht eindimensional und stark auf Batman fokussiert. Für The Dark Knight wählten Hans Zimmer und James Newton Howard, der ja bei den ersten beiden Filmen mitkomponierte, die spannendsten Themen aus und brachten den Film scoretechnisch auf ein neues Level: Die Melodien waren vielseitig und vom Chaos dominiert, das die Figur des Jokers ausstrahlte. Und selbst das konnte Zimmer noch toppen: The Dark Knight Rises ist wie der Film selber hart, kompromisslos und vielseitig, hat aber eine ganz klare Grundbotschaft: Angst.

Und so ist The Dark Knight Rises er- und bedrückend, die Bedrohung ist allgegenwärtig. Aber nicht nur das macht den Soundtrack so gut, es ist auch die Art, wie Zimmer die Figuren erfasst – beispielsweise Bane. Dessen Thema, zu hören in Gotham’s Reckoning, ist einerseits agil und verläuft sehr schwungvoll, andererseits aber auch kraftvoll und pushend. Die Gefahr, die von Bane ausgeht, löst sich erst spät auf, über lange Strecken dominieren feine Klänge, denen man aber anhört, dass etwas nicht stimmt. Erst wenn die virtuosen Kontrabasspassagen einsetzen, zeigt sich Banes ganze Wucht. Diesen Ansatz führt Zimmer zudem in The Fire Rises weiter, wo er die Bedrohung durch Banes League of Shadows demonstriert.

Auch Mind If I Cut In?, das Thema von Selina Kyle funktioniert über Kontraste – Auf der einen Seite die an sich sanften, durch ihren harten Beat aber starren Schellen, auf der anderen diese helle Pianomelodie, die durch die nachhallenden Klänge ein beunruhigendes Gefühl der Leere hervorruft. Selina Kyle hat mehr Probleme, als man auf den ersten Blick sieht (bzw. hört) und auch hier zeigt sich wieder das Talent des Komponisten, die Figuren mit nur wenigen Elementen in ihren Grundzügen zu erfassen. Ich bewundere Zimmer dafür sehr.

Im Vorfeld versprach der Komponist zudem, dass Batman diesmal endlich sein Theme verdienen würde, das ihm in den Vorgängerfilmen vorenthalten wurde, bzw. das man andeutete, aber nie fertigschrieb. Es fehlte immer der letzte Schliff, doch im Track Despair verdient sich der maskierte Held endlich sein Thema, als er nach Gotham zurückkehrt und das Batman-Symbol entflammt. Imagine The Fire setzt schliesslich noch einen drauf und untermalt die Verfolgungsszene am Schluss mit wuchtigem Synthesizer, stark akzentierten Streichern und einigen Piraten-Anleihen, if you know what I mean. Und wenn uns schliesslich Rise erst Batmans Abgesang, und dann das Thema in voller Dröhnung bringt, dann bleibt einem nichts anderes übrig, als aufzustehen, zu jubeln und zu applaudieren.

The Dark Knight Rises ist nicht nur Zimmers Bester, es ist ein würdiger Abschluss einer musikalischen Reise, die mit Batman Begins langsam begann und mit The Dark Knight einen zwischenzeitlichen Höhepunkt erreichte. Nur wenige Filmreihen haben einen derart epischen Soundtrack, dem der Begriff „Meisterwerk“ nur ansatzweise gerecht wird.

  • Dos Corazones

    Mein Problem bei Zimmers Scores ist ja, dass ich sie mir gut in den Filmen anhören kann, aber bis auf seine Musik zu Sherlock Holmes nicht ohne die Bilder.
    Insofern untermalt er das Geschehen immer ziemlich passend und einfach exzellent, aber allein stehend gibt die Musik dann leider nicht so viel her.

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  • Dos Corazones

    @Owley: Spinner gibts immer 😀
    (Jetzt kann sich ja jeder für sich denken, wer von uns der Spinner ist…)

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  • Lordy

    Da kann ich was den Soundtrack angeht einfach nur zustimmen :D.

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  • Damian

    Mich dünkts einfach immmer, dass man bei ihm uhuren merkt, wo er sich richtig richtig Mühe gab und wo er einfach nur mehr oder weniger recyclet hat. Manchmal macht er auch für Videospiele Zeugs…und das ist dann oft einfach nur Standard-Zeugs…schon cool und so…aber nicht vomhockerhauend.

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  • bullion

    Doch, der Zimmers Hans macht das schon gut. Meine Lieblingsscores von ihm sind immer noch „True Romance“ und „The Rock“.

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