Smashed (2012)

„I hate fucking AA! They turned you into a fucking bitch!“

Als ich am Zurich Film Festival Smashed schaute, war da auch Regisseur James Ponsoldt anwesend, der anschliessend noch kurz über den Film sprach. Das wäre eigentlich spannend gewesen, aber einerseits wiederholte er sich im kurzen Interview unzählige Male, sodass dieses noch deutlich kürzer hätte ausfallen können, und andererseits geriet er an eine ziemlich doofe Moderatorin, die allen Ernstes wissen wollte, ob die Schauspieler denn wirklich betrunken waren, als der Film gedreht wurde. Und irgendwie passt das ganz zum Film, der an und für sich auch spannend gewesen wäre, aber irgendwie ein paar Schwächen zuviel hatte.

Die Grundschullehrerin Kate lässt es sich mit ihrem Mann Charlie gut gehen – jeden Abend betrinkt sich das junge Paar und der morgendliche Kater wird zur Selbstverständlichkeit. Doch Kate realisiert allmählich, dass sie sich bereits viel zu stark in den Fängen der Alkoholsucht befindet, und besucht Treffen der Anonymen Alkoholiker, wo ihr Jenny und Dave tatkräftig zur Seite stehen. Das wiederum passt Charlie, der nun alleine um die Häuser ziehen muss, gar nicht in den Kram.

Über grosse Strecken hinweg ist Smashed ein gelungener Film, der überzeugend erzählt, wie Kate immer stärker ihrer Sucht ausgeliefert ist, und die Konsequenzen zeigt, die diese Situation mit sich bringt. Mary Elizabeth Ramona Flowers Winstead spielt ihre Rolle sehr überzeugend – und das, ohne sich betrunken zu haben. Und auch Breaking Bad-Star Aaron Paul spielt die undankbare Rolle des Ehemannes, der um die Zukunft der Ehe fürchtet, und um jeden Preis die alte Kate zurückmöchte. Leider sind die weiteren Rollen ziemlich eindimensional und klischiert geraten, gerade der dauerspitze Lehrerkollege oder die verständnislose Rektorin rauben dem Film wieder viel seiner Glaubwürdigkeit, ein Übel, gegen das selbst Sonnenschein vom Dienst Octavia Spencer nicht ankommen kann.

Aber damit kommt man noch klar, zumindest, bis Regisseur Ponsoldt auf dem Höhepunkt der Erzählung einen krassen und störenden Schnitt vollzieht und den Film von da an in plakative Bahnen lenkt, wo solch moralinschwangere Floskeln im Stile von „You’re not doing this for me! You have to do this for yourself!“ fallen. Hätte ich Smashed nach der ersten Stunde Laufzeit noch eine gute Bewertung gegeben, da er doch immerhin ein zwar nicht sehr neues Thema solide behandelte, so zerstörte er sich diese mit seinem unschönen Ende gleich selber.

„Coffee makes you fat?!“

Dass Smashed kein wirklich neues Thema, nämlich die Alkoholsucht, behandelt, ist nicht einmal so schlimm, denn das kriegt der Film ganz passabel hin. Leider setzt er aber auf unpassenden Humor und ein Ende, das dermassen Out of Tune ist, dass meine Zustimmung innert weniger Minuten drastisch sank.

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