The Impossible (2012)

„You know, what was the most scary bit for me?“ – „When the water hit?“ – „When I came up, and I was all on my own.“

Monika Schärer, die Moderatorin, die am Zurich Film Festival Juan Antonio Bayonas Film The Impossible ankündigte, hielt richtig fest, dass die Tsunami-Katastrophe 2004 eines dieser einschneidenden Ereignisse ist, bei dem man noch genau weiss, was man getan hat, und wann man wo war. In meinem Fall war das zu Hause, am Spielen, mit dem Radio neben mir. Ich dachte mir damals noch, dass das eh nur ein „gewöhnliches“ Erdbeben gewesen wäre und die Weltöffentlichkeit dieses Unglück sicher bald vergessen hätte. Wie ich mich doch irren sollte.

Es ist kurz vor Weihnachten 2004, als die fünfköpfige Familie Bennett in Thailand ankommt, wo sie ihre Ferien verbringen möchten. Doch am 26. Dezember 2004 setzt eine riesige Tsunaimwelle diesen ein jähes Ende, als sie ganze Landstriche überflutet und die Familienmitglieder voneinander trennt. Während sich der älteste Sohn Lucas um seine verletzte Mutter kümmern muss, sucht der Vater zusammen mit den beiden jüngeren Söhnen nach den beiden anderen – wohlwissend, dass sie unter den unzähligen Toten, die diese Katastrophe forderte, sein könnten.

Bereits noch bevor der Film wirklich beginnt, zeigt der spanische Regisseur, was einen in den kommenden rund 100 Minuten erwartet – mit einem ohrenbetäubenden, tsunamigleichen Dröhnen schiesst der Flieger, der die Bennetts nach Thailand bringt, über die Leinwand. Das sollte bekanntlich nicht der letzte Schocker von The Impossible bleiben, der gerade während der ersten Filmhälfte dafür sorgt, dass sich einem der Magen regelmässig zusammenzieht. Schonunsglos und unter Einbeziehung des Zuschauers schildert er die Ereignisse der Protagonisten, die keine Helden sind, sondern einfach glückliche Überlebende, die mit einer gewissen Schuld leben müssen, überlebt zu haben. Es gibt keine heroischen Grosstaten, sondern nur Zufälle. Glück, wenn man so will, doch was ist Glück, wenn es über 200.000 Menschen ins Unglück stürzte?

Ewan McGregor und Naomi Watts seien für ihn keine typischen Hollywood-Stars, sagte Bayona, und ich stimme ihm völlig zu. Die beiden schaffen es, glaubhaft zwei durchschnittliche Allerweltsbürger zu spielen, mit denen man sich identifizieren kann, und tragen damit massgeblich dazu bei, dass The Impossible so einfährt. Denn das könnten wir sein, bzw. hätten wir sein können. So leiden wir mit, als es den Leuten schlecht geht, und bangen um den Verbleib der jeweils anderen Familienmitglieder. Diese paralellen Geschichten erzählt Bayona sehr geschickt, und lässt den Zuschauer, wie auch die Familie, über längere Zeit im Dunkeln tappen. Und wenn The Impossible auch unglaublich viel Negatives thematisiert, so tut er dies doch immerhin auf atemberaubende Weise: Mit eindrücklichen und schockierenden Bildern, gekonnten Kamerafahrten und einem nicht zu unterschätzenden Mass an Horror. Untermalt wird das Ganze mit einem starken Score, der aus der Feder des offensichtlich talentierten Fernando Velázquez stammt.

„The council has granted me permission to train you. You will be a Jedi, I promise!“

Für sanfte Gemüter ist The Impossible definitiv der falsche Film, denn gerade der zweite Akt hat es definitiv in sich. Man erlebt den Horror dieser Katastrophe hautnah (obwohl das zu beurteilen, Sache von Beteiligten ist) und leidet mit den Figuren mit, deren Leben urplötzlich zum Todeskampf wird. Selten fühlte sich ein Film, der „based on a true story“ war, auch wirklich so echt an.

  • Dos Corazones

    Das hört sich ja nach einem echt krassen Kinoerlebnis an. Zudem gehören McGregor und gerade Naomi Watts ja zu den Schauspielern, auf die ich große Stücke halte (und in Stay schon sehr gut harmonierten).
    Den Film merke ich mir jedenfalls vor!

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  • Lukas

    Klingt ja in der Tat sau gut; wirklich emotional bewegendes Kino gibts zwar schon immer mal, aber leider viel zu selten, und das hier scheint ja wohl wirklich solches zu sein. Merk ich mir auf jeden Fall.
    Allerdings muss ich in einem Punkt widersprechen: Ich habe nicht die geringste Ahnung, was ich am Tag (oder gar im Moment) der Katastrophe gemacht habe. Ich war zuhause, es war Weihnachten, das wars. Der Schock über das Ausmaß der Katastrophe kam ja erst etwa eine Woche später, als öffentlich klar wurde, wie heftig die ganze Situation war – und als mir das bewusst wurde, saß ich gerade am PC 😉 Okay, wieder halb OT, ich verzieh mich ja schon 😀

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  • Lukas

    @Owley: Ich normalerweise auch, bestes und schlimmstes Beispiel ist da der 11. September 2001. Da diese ganze Tsunamigeschichte aber nicht wirklich ein Moment war, weil anfangs so gut wie keine Informationen kaumen und es ja fast eine Woche gedauert hat, bis die Opferzahl aufs Gröbste festgelegt war, kann ich mich nicht an „die“ Situation erinnern… Nur eben daran, wie mir im Büro meiner Eltenr klar wurde, dass 230.000 Menschen auf mehr oder weniger einen Schlag gestorben sind. :/

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