Killing Them Softly (2012)

„I’m living in America, and in America you’re on your own. America’s not a country. It’s just a business. Now fuckin‘ pay me!“

Als ich Killing Them Softly gesehen habe, schlief neben mir ein älterer Herr immer wieder ein. Und schnarchte lautstark. Was mir zwar auch schon oft passiert ist (also nicht mir, aber Leuten, mit denen ich im Kino war). Aber doch nicht an einer Pressevisionierung. Hätte gerne herausgefunden, für welches Medium der Mann schrieb, damit ich seine Kritik dazu dann hätte lesen können. Ich sehs schon vor mir: „Zum Schnarchen der Film!“ oder „Die Aliens waren voll cool. Glaube ich.“ Und übrigens hatte ich keinen Plan, was hier als Einleitung schreiben. Gut gerettet, würde ich meinen.

Die beiden Gauner Frankie und Russell sollen für Johnny Amato, besser bekannt als Squirrel, einen idiotensicheren Überfall auf eine Pokerrunde durchziehen. Idiotensicher deshalb, weil sie überzeugt sind, dass der Verdacht auf den Veranstalter der Runde, Markie Trattman, fällt. Leider geht der Schuss trotz allen Sicherheitsvorkehrungen nach hinten los, und Frankie und Russell sind plötzlich die Gejagten, als sich der Killer Jackie im Auftrag der Mafia auf ihre Fersen hetzt.

Als Rahmenhandlung des Films dient die amerikanische Wirtschaftslage, sowie die Präsidentschaftswahl 2008 – Andrew Dominik lässt einen das nicht vergessen, indem er gewisse Szenen immer wieder mit Reden untermalt, und den Film mit einem Shot von grossen Wahlplakaten einleitet. Analog zur Offenbarung der Verwundbarkeit der amerikanischen Wirtschaft durchlebt auch die Mafia eine Krise, bei der sich Schwächen im System zeigen, die Jackie ausmerzen muss. Diese Parallele setzt Killing Them Softly gekonnt um, ohne dem Zuschauer irgendeine Symbolik aufzwingen zu wollen. Vielmehr werden die Hinweise ausgelegt, und der Zuschauer kann daraus machen und interpretieren, was er eben will. Diesem ernsthaften Plot und der realistischen Umsetzung gegenüber steht die Situationskomik, die vorallem von den beiden eher untalentierten Gaunern herrührt.

Das stört aber die Integrität von Dominiks Erzählung nicht, sondern sorgt einfach für ungezwungene Auflockerung und entlockt dem Zuschauer so manchen Lacher. Während sich der kürzlich von Chris Nolan geadelte Ben Mendelsohn und Scoot McNairy um den Humor kümmern, sorgt der solide aufspielende Brad Pitt für den Bad-Ass-Anteil, auch wenn er gar nicht wirklich, wie die Trailer und die ganze Kampagne vermuten lassen, der Protagonist von Killing Them Softly ist. Aber das muss man ja nicht dem Film selber zuschreiben. Was mir an diesem am Besten gefällt, ist wie er zwar verhältnismässig wenige Actionszenen aufweist, aus diesen aber das Maximum herausholt, was die Gewalt, die Action, den Sound – und ja, den Blutgehalt betrifft. In dieser Hinsicht erinnerte mich der Film immer wieder an Drive, was bekanntlich durchaus etwas Gutes ist.

„Das ist Ihre erste Fahrstunde? Nun denn, einige grundlegende Informationen: Das Ding in dem wir sitzen, nennt sich Auto, und das hier ist ein Lenkrad. Und jetzt fahren Sie mal los.“

Ein ganz so grosses Highlight wie Nicolas Winding Refns Film ist Killing Them Softly dann aber doch nicht. Zumindest einen Kinogang dürfte er trotz Allem wert sein, denn Andrew Dominik erzählt in seiner erst dritten Regiearbeit eine packende Geschichte, für deren Umsetzung er eine Reihe talentierter Darsteller gewinnen konnte.

  • donpozuelo

    Auf den Streifen freue ich mich auch schon seit langem. So langsam habe ich das Gefühl, dieser Winter wird (den kommenden Oscars sei Dank) auch etwas für die Leute, die etwas mehr weg vom Mainstream wollen… siehe Argo und Co.

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  • donpozuelo

    P.S.: Geile Story mit dem Schnarcher… auf die Rezension wäre ich auch sehr gespannt. 😉

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  • donpozuelo

    @Owley: Ich kann zwar zum Vergleich noch nichts sagen, aber „Argo“ fand ich auch großartig.

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  • Dos Corazones

    Argo werde ich wohl nicht mehr im Kino sehen können, irgendwie will das kein Kino hier zeigen, geschweige denn in einer OV…
    Dafür hast du mir gerade noch mehr Lust auf diesen Film hier gemacht, vor allem der Vergleich zu Drive klingt vielversprechend!

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  • Fox

    oha, stimme dem Vorredner zu… kommt auf meine Liste ^^

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  • Killing Them Softly (2012) | Film-Blogosphäre

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