Flight (2012)

Flight

„No one could have landed that plane like I did. No one.“

Robert Zemeckis hätte sich für den deutschsprachigen Kinostart seines neuen Films Flight keinen besseren Zeitpunkt wünschen können. Sein Drama über einen Flugzeugpiloten, der sich aufgrund seiner Alkoholsucht allmählich in einem Netz von Lügen und Ausreden verstrickt, erschien hier genau zu dem Zeitpunkt, als sich die Weltöffentlichkeit mit einem anderen gefallenen Helden, dem die Lügen letztlich zum Verhängnis wurden, befasste: Dopingsünder Lance Armstrong. Und diese Parallele macht den Film gleich noch viel interessanter, auch wenn er das eigentlich gar nicht nötig hätte.

Mit einem waghalsigen Manöver verhindert der Pilot William „Whip“ Whitaker eine Flugzeugkatastrophe und rettet so einen Grossteil der Passagiere. Whip wird in der Folge als Held gefeiert, doch was keiner weiss: Der Flugzeugpilot ist alkoholkrank und war auch während des Flugs betrunken. Und mit dem Fortschreiten der Ermittlungen droht Whips dunkles Geheimnis zum Vorschein zu kommen…

Schon den Titel des Films finde ich in seiner Mehrdeutigkeit gelungen. Denn der Flugzeugcrash wird eigentlich recht schnell zur Nebensache, im Zentrum steht je länger je mehr Whips Alkoholsucht und seine Realitätsflucht. Mit diesem Element entwickelt sich die Story dann auch von einer nüchternen und dokumentarischen Schilderung zu einer packenden und schonungslosen Erzählung, die gerne etwas kürzer gefasst hätte werden dürfen. Stellenweise erzählt Zemeckis sein Drama nämlich etwas gar repetitiv, gerade bei Whips wiederholtem Griff zur Flasche. Immerhin ist es erfreulich, dass der selber seit den 80ern trockene Regisseur die Thematik des Alkoholkonsums nicht herunterspielt, auch wenn er dabei immer wieder altbekannte Wege beschreitet.

Was Flight aber so einzigartig macht, ist sein Hauptdarsteller. Denzel Washington spielt seine Rolle bravourös und zieht meine Sympathie wie Antipathie gleichermassen auf sich – oder wie es Hugh Lang zusammenfasst: „When I first met you, I couldn’t believe what an arrogant scumbag you were!“. Und da Denzels Figur im Film ziemlich einsam ist, fallen auch die Nebendarsteller nicht gross ins Gewicht, was ein bisschen schade ist, denn gerade von John Goodman, Don Cheadle oder James Badge Dale hätte ich gerne ein bisschen mehr gesehen. Aber letztlich ist Flight eben eine One-Man-Show, und in diesem Punkt ist Zemeckis dann auch ziemlich konsequent, auch was Whips Läuterung zum Schluss betrifft. Da könnte sich manch ein Lance Armstrong was ehrliche Reue und Selbsteinschätzung betrifft, eine Scheibe abschneiden.

John Goodman in a hospital - one could say, he'd entered a world of pain
John Goodman in a hospital – one could say, he has entered a world of pain…

Flight wird getragen von seinem umwerfenden Hauptdarsteller – Denzel Washington ist eine Wucht. Dazu noch ein gutes Drehbuch und ein starker Regisseur und fertig ist der Film, der eigentlich mindestens eine Best Picture-Nomination bei den Oscars verdient hätte.

9 Sterne

 

  • donpozuelo

    Mmh… hat mir nicht so gut gefallen, der Film. Ich fand die Alkoholiker-Story irgendwie ein bisschen lahm. Auch wenn Denzel großartig spielt, hat sich das für mich nicht schlüssig angefühlt. Mir persönlich hätte der ganze Film ruhig etwas prozess-lastiger sein können. Damit hätte man dann auch mehr von John Goodman sehen dürfen, der wirlich großartig war.

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  • Fox

    Ich finde den Film gut – das liegt an den Darstellern und dem Filmende.

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  • Dominik

    Ich fand den Film auch ziemlich gelungen und finde deine Kritik dazu echt gut. Bei mir kam er zwar nur mit 7/10 weg, aber ich wiederhole es: Denzel ist schon klasse. 🙂

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