Hypnotisören (2012)

Hypnotisören

„Seine ganze Familie ist ermordet worden – nur er kann uns einen Hinweis auf den Täter geben!“

Lasse Hallström soll ja ein ganz ordentlicher Regisseur sein. Sagt man sich. Ich kann es nicht beurteilen, habe ich doch nur einen Film von ihm gesehen und fand den scheisse. Und auch seinen nächsten, Safe Haven, seine bisher zweite Nicholas Sparks-Verfilmung, finde ich bereits jetzt schon scheisse, und sei es nur wegen des doofen Trailers. Sein erster schwedischer Film seit Langem, der Thriller Hypnotisören (alias The Hypnotist), sah aber erstaunlich packend aus, und wurde von Schweden auch gleich noch an die Oscars geschickt, wo er es bekanntlich nicht in die engere Auswahl schaffte. Aber trotzdem, das spricht doch ziemlich für den Herrn.

Drei Morde an mehreren Tatorten und an einem Abend, bei der Mitglieder aus der selben Familie ums Leben kommen, lassen Kommissar Joona Linna keine Zweifel daran, dass es sich beim Täter um einen Serienkiller handelt, der eine ganze Familie auslöschen will. Ganz gelungen, ist dem Täter dieses Unterfangen jedoch nicht, denn der Sohn Josef überlebt schwerverletzt, ist im Schockzustand jedoch nicht ansprechbar. Linna ruft den Hypnotiseuren Erik Maria Bark auf den Plan, der dem Jungen die Informationen über den Mörder entlocken soll, ahnt jedoch nicht, dass er diesen damit ebenfalls auf die Abschussliste des Täters setzt…

Die Schwäche von Lasse Hallströms erstem Film in seiner Heimat ist ganz klar er selbst. Statt den Zuschauer zu schockieren oder an den Sessel zu fesseln, fokussiert er sich auf die Figuren und ihre Probleme. Das mag sicher interessant sein, nimmt dem Film aber einiges an Spannung. Klar, es fliesst Blut, es gibt brutale Metzelszenen, packende Verfolgungen und auch spannend ist der Film hie und da – aber das reicht leider nicht, wenn der Plot ohne Wendungen und Wirrungen auf seine bereits nach einer knappen Stunde feststehende und ziemlich bescheuerte Auflösung zudonnert.

Die Stärken des Films sind definitiv seine Hauptdarsteller – allen voran Beorn in Spe, der Mann mit den stechend blauen Augen, Mikael Persbrandt. Dieser gibt die mit Abstand beste Performance des Films als verletzlicher Hypnotiseur Erik, der plötzlich ins Zentrum eines Falls rückt, mit dem er eigentlich gar nichts zu tun hat. Auch Tobias Zilliacus als Kommisar Joona Linna sowie die Kinderdarsteller überzeugen, während Lasse Hallströms Frau Lena Olin der Part der nervigen Ehefrau zugeschrieben wird, den sie ganz ordentlich meistert – der Regisseur kennt sich da wohl aus.

Esså dö Pöppekörne
Esså dö Pöppekörne

In einer Zeit, in der laufend neue Verfilmungen nordischer Thriller anstehen und diese dann erst noch von den Amis ge-remaked werden, braucht keiner einen Film wie Hallströms Hypnotisören – es gibt schlichtweg soviel besseres. Abgesehen davon ist der Film aber brave Unterhaltung, die sich mit einer Tüte Popcorn oder einem Päckli M&Ms ganz gut schauen lässt, leider aber zu selten für wirkliche Spannung sorgt.

Und: Lieber Herr Hallström, lassen sie das mit den Stockholmer Luftaufnahmen künftig doch lieber bleiben…

4,5 Sterne

  • Lukas

    Mal davon abgesehen, dass ich diesen Film (aus nicht zu unterschätzendem Maße wegen dieser Review) vermutlich vorerst nicht sehen würde… Ich weiß nicht, ob der deutsche Titel genial oder einfach nur dumm ist. 😀

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  • Alice

    Höhö, der Titel ^^
    Wenigstens mal wieder ein Film, der meine überquellende To-Watch-Liste in Ruhe lässt =P

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  • Lukas

    Meinte übrigens den Originaltitel. Ist hierbei aber glaub ich auch irrelevant 😛

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  • Lukas

    @Owley: Ist mir klar, deshalb meinte ich ja auch, es sei eigentlich irrelevant (ich studier die Sprache ja nich umsonst 😛 ). Natürlich ists auf Schwedisch nicht wirklich lustig, genausowenig wie auf Englisch, aber der schwedische Titel auf Deutsch ist für mich einfach zum Brüllen weil unfreiwillig komisch. Vielleicht bin ich aber auch nur wieder leicht unterhaltbar.
    Oder haben sie ihn hier- und bei euch zulande einfach als „Der Hypnotiseur“ eingedeutscht? Falls ja: wär ja öde 🙁

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