Spring Breakers (2013)

SpringBreakers

„Let’s just get that fucking cash and go on Spring Break. Pretend it’s a video game.“

Die Kritiken im Vorfeld von Spring Breakers waren ja ganz unterschiedlich – manche bezeichneten den Film als Meisterwerk und lobten ihn als tiefgründigen Kunstfilm, andere wiederum waren der Meinung dass der Film nicht mehr als anderthalb Stunden Scheisse wär und das Geld nicht wert. Ob das vermutlich weniger am Film, als an der (gut-)mitteleuropäischen Borniertheit liegt, wenn es um solches Zeug geht, darüber werde ich mich an dieser Stelle nicht äussern. Soll jeder gut finden, was er mag. Ich für meinen Teil finde diesen Film sehr stark, wobei er natürlich seinem auf Sex Sells ausgerichteten Marketing viel gerechter wird, als ich nach den ersten Kritiken annahm.

„Spring Break, bitches!“ – Was die vier Teenie-Mädels Faith, Candy, Brit und Cotty für die kommenden Frühlingsferien geplant haben, ist kein Geheimnis. Als ihnen das Geld für die Reise nach Florida nicht reicht, beschliessen sie, ein Diner auszurauben und sich damit den Trip in den sonnigen Süden zu finanzieren. Während des Spring Breaks werden sie wegen Drogenkonsums festgenommen, doch der Rapper Al, besser bekannt als Alien, kauft sie aus dem Gefängnis frei. Er nimmt sie bei sich auf und führt sie in seine Welt aus Kriminalität und Drogen ein, eine Welt, die nicht allen der Mädchen gleich gut gefällt…

First things first – wie sexy ist Spring Breakers eigentlich? Und darf man den mit der Freundin schauen? Das wurde ich immer wieder gefragt, und ich kann sagen: Ja, die Freundin darf mit, denn eigentlich ist Spring Breakers gar nicht so ein typischer Männerfilm. Sicher, es wird extrem viel nackte Haut gezeigt (und damit dürfte dann auch gleich noch die Frage nach der Sexyness beantwortet sein), doch irgendwie wirkt das alles sehr heuchlerisch. Während die Mädels nämlich ausgelassen und hemmungslos feiern, folgt Korine einem ganz strikten Plan, mit dem, was er aufzeichnet: Auf keinen Fall unter die Gürtellinie gehen, höchstens Brüste zeigen und auch die nur von den Nebendarstellerinnen. Oder der eigenen Frau. Creepy, dude. Wenn Korine also die eigene Frau räkelnd vor der Linse hat, darf man sicher auch die Freundin in so einen Film mitnehmen. Auch, weil Spring Breakers eben bei allen schaukelnden Titten noch mehr ist als nur ein überlanger Softporno.

Da wäre zum Beispiel einmal die Prämisse: Ein paar Mädels haben das Kleinstadtleben satt und hauen ab. Das gabs schon in verschiedensten Formen, etwa in Little Birds oder King Kelly. Nichts Neues, also. Doch Korine setzt dieses Konzept in einer angenehm abgedrehten Version um und und gibt uns sympathische Figuren, die man gleichzeitig liebt und verabscheut – allen voran James Franco in der grossartigen Rolle des bemitleidenswert peinlichen Rappers Alien. Aber auch die Mädchendarstellerinnen schaffen den Spagat zwischen totaler Freizügigkeit und glaubhaftem Spiel perfekt. So hin- und hergerissen wir bei den Figuren sind, so durcheinander ist der Film selber: Viel wird uns vorenthalten, viel überlässt der Regisseur der Fantasie und wenn er uns nicht gerade repetitiv Floskeln eindrescht, hüpft er eben in der Zeitachse herum. Das verwirrt vielleicht manchen Zuschauer, ich fand es sehr erfrischend. Auch optisch holt Korine extrem viel aus dem Film heraus, seine grellen Bilder gefallen und irgendwie wirkt Spring Breakers selbst bei den billigsten Shots kunstvoll. Der Soundtrack von Cliff Martinez und Skrillex passt da perfekt in diese Mischung aus Elaboration und Trash.

"They see us rollin', they hatin'!"
„They see us rollin‘, they hatin‘!“

„Wenn jetzt noch ein Britney Spears-Song kommt, gebe ich dem Film 10 Sterne“, versprach ich meinem Kollegen noch während der Sichtung. Und der Britney Spears-Song kam. Spätestens damit stünde aber auch fest, dass Spring Breakers längst nicht der anspruchsvolle Kunstfilm ist, von dem einige sagten, dass er es sei. Vielmehr ist Harmony Korines knallbunte Trash-Orgie ein einfach gestrickter Film mit viel nackter Haut, starken Bildern und tollem Sound, der sich aber aller Primitivität zum Trotz von der Masse und dem durchschnittlichen YouPorn-Filmchen abheben kann.

Und sowieso, wer mehr erwartet hat, ist irgendwie ziemlich selber schuld.

10 Sterne

  • donpozuelo

    😀 Der Britney Spears Song am weißen Klavier ist eine der besten Szenen überhaupt. Plus Francos „Look at my shit“-Rede. Ein toller Film. Ich würde zwar nicht volle Punktzahl geben (hab ich ja auch nicht), irgendwie nervten mich die Wiederholungen am Ende dann doch ein bisschen. Aber ansonsten ein höchst interessanter Film.

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  • Kryll

    Ein neuer Film von Harmony Korine lässt bei jedem der seine alten Filme kennt und mochte die Erwartungen relativ hochsteigen und wenn du es creepy findets dass er seine Freundin die Brüste in die Kamera strecken lässt dann hast du seine alten Filme definitiv verpasst…der Typ ist sozusagen bei Larry Clark in die „Schule“ gegangen und der ist nun mal der Ober-Creep von ganz Hollywood

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  • maloney

    No sir! I highly disagree…aber der Film scheint extrem unterschiedliche Meinungen hervor zu rufen.

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  • Fox

    Soeben gesichtet und für gut befunden – und das ist bei dem Hype darum sozusagen ein riskantes Spiel gewesen. Nach dem Trailer hätte ich nämlich eher Abstand gehalten.
    Teilweise fand ich den Film abstoßend ohne Ende, aber irgendwie setzt dann ein Gewöhnungsprozess ein.
    Leider ist der Schluss etwas arg übertrieben… sonst aber wirklich abgedreht unterhaltsam.

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