No (2012)

No

„Ein Regenbogen? Steht das nicht für die Schwuchteln?“

Könnte ich die Zeit noch einmal zurückdrehen auf den 24. Februar 2013, würde ich bei der Vergabe des Preises für den besten fremdsprachigen Film bei den 85. Academy Awards nicht freudig aufschreien, sondern enttäuscht das Gesicht verziehen. Meine Meinung, dass Amour der verdiente Gewinner war, muss ich jetzt nämlich revidieren, nachdem ich auch No, den chilenischen Beitrag mit Gael García Bernal gesehen habe. Der meiner Meinung nach doch ein bisschen mehr hermacht, auch wenn er kein dermassen tiefschürfender und künstlerischer Film ist, wie Michael Hanekes Gewinnerfilm. Dafür hat er andere Qualitäten.

„Was sie gleich sehen werden, passt in den aktuellen sozialen Kontext“ verspricht der chilenische Werber René seinen Kunden jeweils zu Beginn eines Meetings. Als ihn José Tomás Urrutia, einer der Köpfe der Revolution gegen Präsident Pinochet an Bord der Kampagne gegen eine weitere achtjährige Amtszeit des Diktatoren holt, wird dieser simple Satz zu einer Grundwahrheit für René. Zusammen mit einigen anderen kreativen Köpfen muss er ein ganzes Konzept auf die Beine stellen, und dafür sorgen, dass das Volk auch wirklich „No“ stimmt. Doch schon bald merkt er, dass man sich so einfach nicht mit einem Diktatoren anlegt.

Irgendwie erinnert René mich an den von Ben Affleck verkörperten Tony Mendez in Argo – mit viel Kreativität und einer ordentlichen Portion Mut erreicht er Grosses und hält sich dabei allem Rummel zum Trotz bewusst im Hintergrund. Die Bühne überlässt er anderen. Auch optisch gleicht der von Gael García Bernal toll gespielte Werber dem CIA-Agenten, zumindest der Filmversion, wobei der Protagonist des chilenischen Films weit sympathischer und fassbarer daherkommt. Auch wenn seine persönlichen Probleme nur am Rande thematisiert werden, und die Charakterzeichnung vorallem über seine Arbeit geschieht, funktioniert die Identifikation mit René mühelos.

Damit die zahlreichen echten TV-Aufnahmen in den Film passen, kommt No zudem im U-Matic-Look der späten 80er daher, was dem einen vielleicht störend auffällt, mir aber als Stilmittel total gefiel. Und in diesem Look ist es eine helle Freude, René dabei zuzusehen, wie er einem einsamen Cowboy gleich zu den Klängen von Shostakovich in den Sonnenuntergang skatet, quasi einer vielversprechenden Zukunft entgegen. Eine Symbolik, die Regisseur Larraín gleich selber kommentiert, in dem er seinen Protagonisten kurz darauf zeigt, wie er zurück im alten Trott einem neuen Kunden verspricht, dass seine Werbung „in den aktuellen sozialen Kontext“ passe. Hat sich tatsächlich etwas geändert? Die Zeit wird es zeigen.

Stormtrooper! Stormtrooper! Stormtrooper!
Stormtrooper. Stormtrooper. Stormtrooper.

Pablo Larraíns oscarnominiertes Drama ist packend und faszinierend zugleich, auch wenn nicht ganz klar ist, wieviel davon tatsächlich so geschehen ist. Doch mit seinem Achtzigercharme sowie einem Gael García Bernal in Höchstform sorgt No dafür, dass einem solche Dinge völlig egal sind.

9 Sterne

  • Lukas

    Läuft in ein paar Wochen hier im Unikino. Hätte ich ansonsten wohl gar nich wirklich beachtet, so jetzt schon. Danke 😀

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  • Alan

    Immer dieses ‚Amour‘-Bashing… 😛

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