Iron Man 3 (2013)

IronMan3

„No politics here – just good old fashioned revenge!“

Manchmal wünschte ich, dass ich meine Gedanken zu einem Film auf dieselbe holografische Art und Weise sortieren könnte, wie das Tony Stark mit seinen Plänen und Entwürfen tut. Es fällt mir nicht immer leicht, Gefühle und Emotionen, die ein Film in mir weckt, in Worte zu fassen und ich denke, darin unterscheide ich mich dann eben auch von richtigen Journalisten. Dieser kann einen Film ohne Wimperzucken als gut oder schlecht abstempeln, während mir das immer wieder extrem schwerfällt – gerade, wenn ich mit dem Film viel verbinde. Schliesslich fiebere ich Iron Man 3 seit nunmehr drei Jahren entgegen. Ein Versuch, meine Erwartungen mit dem Gesehenen zu vereinen, nach dem Klick, in meiner andeutungsweise spoilerhaltigen Review.

Ein Terrorfürst namens Mandarin bedroht Amerika, was an und für sich keine Neuigkeit und vorallem keine Aufgabe für Tony Stark alias Iron Man wäre. Das macht ihm auch sein Freund Rhodey, der jetzt als Iron Patriot für sein Land kämpft, klar. Doch als der Mandarin seine Aufmerksamkeit Tony Stark zuwendet und ihn an einer ganz persönlichen Stelle trifft, ist für den Superhelden klar, dass das nicht ungesühnt bleiben darf. Und so macht sich Iron Man auf, dem Terroristen eine Lehre zu erteilen, nichtsahnend, worauf er sich dabei tatsächlich einlässt…

Für den dritten Teil wurde so manches geändert – auf dem Regiestuhl nimmt nach Jon Favreau nun Shane Black Platz, der Robert Downey Jr. vor acht Jahren mit Kiss Kiss Bang Bang half, nach seinem Karriereknick Fuss zu fassen. Und der Regisseur scheint den Hauptdarsteller auch bei ihrer zweiten Zusammenarbeit zu inspirieren, denn der bereits fünfte Auftritt von Downey Jr. als Tony Stark ist bei Weitem sein bester. Stark ist verletzlich, in die Ecke gedrängt und kann, als ihn seine Technik im Stich lässt, endlich zeigen, dass er mehr ist, als der von Captain America proklamierte „big man in a suit“. Und auch Ben Kingsley und Guy Pearce sind zu loben als zwei der besseren Bösewichte des Superheldenkinos – Pearce ist extrem bedrohlich, während Kingsley eine Naturgewalt ist und endlich einmal einen würdigen Gegenpart für Tony Stark darstellt. Wer jetzt befürchtet, Iron Man 3 wäre so trocken und bierernst wie sein Vorgänger, irrt. Witziger und selbstironischer war kein Film der Reihe. Leider bremst sein Humor den Film ein bisschen, was dazu beiträgt, dass die Story nur noch mehr ihr Ziel aus den Augen verliert, als sie das ohnehin tut, ein Ziel, auf dessen Weg ein dicker, fetter Plottwist liegt, der den Zuschauer schon von Weitem hämisch angrinst, als wollte er sagen: „You’ll never see me coming!“

Doch irgendwie fühlt sich Iron Man 3 trotz der tollen Story nie wirklich „richtig“ an, irgendetwas stört. Er wirkt mehr wie ein eigenständiger Film, als wie ein dritter/siebter Teil einer soliden Reihe. Dabei gibt sich Drehbuchautor Drew Pearce doch solche Mühe, den Film in Verbindung mit den anderen Filmen zu bringen, auch wenn gerade die Anspielungen auf New York mit der Zeit ein bisschen nerven. Umso besser gelungen ist da die Eröffnungssequenz (in Bern, notabene), deren Coolness einem erst so richtig auffällt, wenn man den ersten Teil der Reihe im Hinterkopf hat. Ganz zu schweigen von den zahlreichen Popkulturreferenzen, die schon in The Avengers für Lacher sorgten. Doch eben – irgendwo ist der Wurm drin. Es ist kein grosser Wurm, aber gross genug, dass bei mir nach dem Kinobesuch eine gewisse Ernüchterung mitschwang. Vielleicht ist es der uninspirierte Soundtrack von Brian Tyler, der sämtliche Themen seiner Vorgänger über den Haufen wirft und der zudem auf AC/DC und Tom Morello verzichtet, vielleicht ist es aber auch die Action, die für meinen Geschmack etwas gar lange auf sich warten lässt. Wenn es dann aber endlich zur Sache geht, stimmt eben doch alles – nicht ohne Grund hat Iron Man 3 das höchste Budget der MCU-Filme, von The Avengers mal abgesehen. Vielleicht bin es ja auch einfach nur ich.

The Stark Knight Rises
The Stark Knight Rises

Ich war selten so hin- und hergerissen von einem Film, wie nach der Sichtung von Iron Man 3. Ich könnte konkret nur wenig an Shane Blacks Einstand im Blockbusterkino aussetzen – die Story ist spannend, die Action stimmt und auch schauspielerisch ist es der beste Film der Iron Man-Reihe. Vielleicht muss ich es einfach hierbei belassen, und dem geneigten Leser ans Herz legen, sich eine eigene Meinung zu bilden, denn ich erachte mich als schlichtweg unfähig, mir einen Reim auf diesen Film zu bilden. Was mich ehrlich gesagt ziemlich verzweifeln lässt.

8 Sterne

  • Silencer

    Ganz ehrlich – mir geht es ganz genauso. schön, das Du den Mut hattest, die Ratlosigkeit, mit der einen der Film zurücklässt, aufzuschreiben.
    Ich fühlte mich gut unterhalten, obwohl so einiges schon zur Laufzeit schief läuft und Dinge gemacht werden, die ich eigentlich nicht sehen will: Kinder! Helden in der schlecht gespielten Krise! Dicke Ex-Regisseure! Dumme Witzchen! Ein nicht presenter Böser! Undd och läuft auch so viel so gut: Die Beantwortung der sich durchziehen Frage „Ist Iron Man der Mann oder der Anzug?“ wird hier in vielen Stufen und evtl. schon zu lang durchdekliniert. In der Summe bleibt gute Unterhaltung und doch das Gefühl, dass irgendwas nicht stimmt und man sich auf Bluray vermutlich oft die besten Szenen, selten aber den ganzen Film ansehen wird.

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  • Kevin

    Also was mich ein bitzeli gestört hat, war, dass der Anzug ein wenig von seinem Zauber verloren hat und Stark irgendwie keine Gelegenheit ausliess, sich von Selbigem zu befreien.

    „Oh, der böse Aldrich tut meine Brust ein bitzeli wärmen, schnell raus aus dem Anzug und Pepper völlig ungeschützt retten!“

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  • maloney

    „The Stark Knigh Rises“? Bei dem Bild hätte man doch viel besser einen Winter is Coming Joke machen können 😉

    Aber back zum Topic, ich fand ihn definitiv besser als den 2ten Teil und es ist natürlich schwer für einen neuen Regisseur den Stil seines Vorgängers beizubehalten, wobei ich finde dass dies recht gut gelungen ist. Man konzentrierte sich diesmal halt mehr auf Tony als auf Iron Man, wie es Dark Knight Rises schon gemacht als man sich mehr auf Bruce als auf Batman konzentrierte aber Tony ist halt als Charakter weitaus unterhaltsamer und darum funktionierte das ganze für mich eigentlich recht gut.

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  • Lukas

    Inhaltlich kann ich leider noch nich wirklich mitreden, das muss bis Montag warten. Aber der erste Absatz zeigt mir mal wieder ziemlich, warum wir uns so gut verstehen.
    Ohne den Storyteil oben jetzt gelesen zu haben freu ich mich vor allem drauf, weil ich bei Shane Black nur Kiss Kiss Bang Bang im Hinterkopf habe und ich mir – auch, wenns natürlich ein völlig anderes Genre ist – nicht vorstellen kann, dass solch ein Regietalent plötzlich flöten geht. Noch dazu mit der Riege an Schauspielern 🙂

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  • donpozuelo

    Bin erstaunt, dass du so hin und her gerissen bist. Ich war sofort begeistert, vor allem weil man wirklich so viele Fehler der Vorgänger ausgemerzt hat: bessere Action, bessere Gegenspieler, bessere und intensivere Story. Hat mich alles sofort gefesselt.

    Wo ich dir allerdings sofort Recht gebe: Es fühlt sich tatsächlich wie ein „Einzelfilm“ an. Die kleinen Verweise zu „The Avengers“ sind zwar nett, aber so verdammt subtil, das man sie auch gut und gerne übersehen könnte. Abgesehen vielleicht von „dem Ereignis in New York“… Naja, trotzdem: Ich war begeistert… und du ja eigentlich auc 😉 Vielleicht brauchst du nur noch ein bisschen… einen zweiten Versuch, dann wird alles wieder gut 😉

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  • Pfirsich

    Geiler Film! Am besten war ja die Anspielung auf Dowton Abbey haha!

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  • Dominik

    Mir geht es ähnlich wie don. Ich war auch sofort begeistert. Das Beste an deiner Kritik ist allerdings der „Vorspann“ zu „you’ll never see me coming“. Zu genial – made my day.

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  • Cem

    Dein „komisches Gefühl“ was diesen Film betrifft habe ich mit dir geteilt. Sogar noch viel stärker als du. Klar: der Film bereitet viel Vergnügen. Doch die Überdosis Comedy versalzt dem Film eindeutig etwas die Suppe. Weniger wäre hier eindeutig mehr gewesen. Von mir gibt’s 7 von 10 Sternen.

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  • Heuni

    So, gestern gesehen. Fand ihn ziemlich geil. Kingsley ist fantastisch, Pearce spielt super, Downey jr. ist natürlich wieder mal Weltklasse, die Story finde ich gar nicht mal übel, die Effekte sind toll, die Actionszenen genial, die Synchro toll – rundum gelungen eben. Würde auch 8 von 10 Punkten geben.

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  • Roger

    8 von 10 (?). Die einzige Erklärung wird wohl sein, dass Du mit der Iron Man 3 Brille eine Director’s Cut Version zu Gesicht bekommen hast 🙂

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  • Roger

    Nope not really. Iron Man 2, TASM (not MCU aber Marvel), Cap und selbst The incredible Hulk haben mir gut bis sehr gut gefallen. Aber Iron Man 3 fand ich, bis auf wenige Szenen, zum abkotzen. Hatte zudem, nach dem genialen zweiten Teil, viel zu hohe Erwartungen. Schade, schade.

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  • Roger

    @Owley: Der Mandarin war bestimmt mitschuldig, jedoch nicht das einzige Debakel. Also, hier mal so ein, zwei Faktoren weshalbe ich Iron Man 3 die goldene Himbeere in seinen, nun vergoldeten Arsch treten würde: Iron Man, Iron Man 2, episch … da habe ich eine Conclusion mit heftigem Gegenspieler und viel drum herum erwartet – Nix da, der halbwegs gut aufgebaute Bösewicht wird ins lächerliche gezogen! Geht ja mal gar nicht! Nicht bloss, dass sich Hollywood mal wieder aus dem Terroristen (gähn) Repertoire bedient hat, ne … dann wird dem Ganzen mit Guy Pearce noch ordentlich das Sahnehäubchen aufgesetzt. Ich meine, echt? Tony bekämpft einen Schurken der einem weiteren (erbärmlichen) Teil der Resident Evil Reihe entsprungen hätte sein können UND noch der Mandarin sein soll!? GET THE F**** OUTTA HERE. Noch schlimmer!! Iron Man wird im dritten Teil absolut, heftig unfähig dargestellt! Da hat mein Marvel Herz geblutet! Klar … up and down gehört dazu … ABER in einer ver*** Comicverfilmung will ich am Schluss sehen wie der Held jedem und allen in den Arsch tritt! Scheiss auf jegliches, Mitgefühl, Moral … Whatever! Iron Man soll mit all seinen Versionen (die er über Monate / Jahre produziert hat) alles und jeden auf noch so spektakuläre Weise abziehen. Hulkbuster – Proto Cannon – Hyper Combo in Guy Pearce’s hässliche Fresse … ABER NEIN, nicht mal dazu ist er fähig. Seine Pepper muss den finalen KO Schlag übernehmen und … „Stop, lassen wir das lieber … ich sehe, dass ich mich hier vollkommen (aus Comic-Liebe zu Iron Man) in was reinsteigere :)“ Ich schlage vor wir diskutieren darüber sobald wir uns das nächste mal sehen 🙂

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