Fast & Furious 6 (2013)

Fast6

„You don’t turn your back on family, even when they do.“

Behold! Wir haben es mit einer Filmreihe zu tun, die eine ganz spezielle Eigenart hat, eine Eigenart, die eine spezielle Erwähnung verdient hat. Oder kann mir jemand eine andere Filmreihe mit ähnlich vielen Filmen nennen, bei der kein einziger Filmtitel zum andern passt? Ihr glaubt, ich erzähle Mist? Nicht doch!

Alles begann mit The Fast and the Furious (man achte auf die beiden Artikel). Weils cool war, gabs eine Fortsetzung, die man dann coolerweise ganz cool mit 2 Fast 2 Furious betitelte. Immerhin war der Titel nicht ganz so bekackt wie der Film. Für den dritten Film gabs dann eine sogenannte Tagline, zudem wurden die Artikel wieder restauriert – das Ergebnis nannte sich The Fast and the Furious: Tokyo Drift. Wer dachte, dass es nun mit Taglines weitergehen würde, irrte selbstverständlich. Die Artikel fielen definitiv weg, der vierte Teil wurde ganz einfach Fast & Furious genannt. Nun standen die Macher aber vor einem Problem – einen fünften Teil müssten sie theoretisch mit Fast & Furious 5 bezeichnen, da er aber die Fortsetzung zu Teil 4 war, also der zweite Film mit diesem Titel, wäre das ja strenggenommen Fast & Furious 2.

Ach, viel zu blöd, dachten sich die Macher und nannten ihren Film einfach Fast Five, was einfacher und schneller ist. Spätestens damit sollte wieder Ruhe ins Titelwirrwarr gekehrt sein, könnte man nun – fälschlicherweise – glauben. Kein Fast Six zum zwölfjährigen, sondern eine halbherzige Rückkehr zum Titel des vierten Teils, die aber, wie ich oben geschildert habe, nicht ganz korrekt ist: Der sechste Teil hiess, oder heisst trotzdem Fast & Furious 6. Doch damit nicht genug, denn im Film selber haben die Macher diesen Titel ein weiteres Mal ersetzt, vermutlich, da sie merkten, dass das alles eigentlich nichts mehr mit schnellen Autos zu tun hat. Neu nennt man sich Furious 6. Und das wird sich garantiert mit dem siebten Teil nochmal ändern – da mache ich jede* Wette.

Long Einleitung is long. Aber nicht ganz so lang wie meine Review der ersten fünf Filme, die man hier nachlesen kann. Die Review gibts nach dem Klick und ich würde vor Spoilern im dritten Abschnitt warnen, aber eigentlich sind die keine Spoiler.

Eigentlich wollen sie ja endlich mal ausspannen, doch das kommt nicht in Frage für Dominic Toretto und Brian O’Conner – während letzterer sich über Nachwuchs freuen darf, erfährt Dom von DSS-Agent Hobbs, dass seine verstorbene Freundin Letty noch am Leben ist. Und als wäre das nicht genug, raubt sie obendrein auch noch Militärkonvois aus. In der Hoffnung, Letty wiederzusehen, willigt Dom darauf ein, Hobbs dabei zu helfen, die Verantwortlichen für diese Überfälle zu fassen, ohne genau zu wissen, worauf er sich da eingelassen hat. Und ehe er sich versieht, findet er sich in London, und noch wichtiger, hinter dem Steuer eines schnellen Autos, wieder.

Ehrlich, ich wollte den Film lieben. Schon seit dem letzten Teil, der mich nicht nur völlig weghaute, sondern auch das Unwahrscheinliche möglich machte: Dass ein fünfter Film einer eher durchschnittlichen Reihe derart herausragt. Auch die Trailer zu Fast & Furious 6 sahen gut aus, und ich war gehypt – am Ende wars dann aber wie bei A Good Day To Die Hard. Der Film hat nichts mehr mit dem eigentlichen Thema zu tun, wartet zwar mit lustigen Set Pieces, aber auch einer von Logiklöchern nur so durchzogenen Story und vorallem viel zu dümmlicher Action auf. Ich mag blöde Action, versteht mich nicht falsch, aber wenn The Rock in superheldenähnlicher Manier Leute gegen Wände aus Pappe schmettert, Vin Diesel über mehrere Meter breite Abgründe fliegt, dabei noch mit jemandem zusammentütscht und trotzdem unbeirrt weiterfliegt und nicht zuletzt, wenn ein paar Autölis eine Antonov mit Superkabeln daran hindern können, abzufliegen, strapaziert das auch meine Toleranz arg. Und eben, die Story. Die ist nur so voller hölzerner Dialoge, schlechter Gags („This is not a plane, this is a planet!“ ist ein sogar für meine Verhältnisse mieses Wortspiel) Filmklischees, vorhersehbarer Elemente und unnötiger Entscheidungen, dass es einem echt wehtut. Ein paar Beispiele gefällig?

Die böse Verräterin in den eigenen Reihen, die irgendwie gar keine Verräterin ist, weil sie gar nichts verrät und auch sonst nichts Böses tut. Und das liebe Mädchen, das plötzlich bei den Bösen mitmacht, aber gar nicht weiss, dass sie mal gut war, weil sie – how fucking convenient – das Gedächtnis verloren hat, und darum natürlich entschuldigt ist. Oder das Meitli vom armen Asiaten, das einfach so stirbt, und deren Tod die Story nicht weiterbringt, aber irgendwer muss ja sterben, wenn schon sonst alle wiederauferstehen. Der arme Asiate, der dann, als hätte er nicht schon genug durchgemacht, auch noch selber einmal über den Jordan gehen muss. Und nicht zuletzt der totale MacGuffin, der so macguffig ist, dass nicht mal gesagt wird, was er eigentlich ist. Vermutlich haben die Drehbuchautoren einfach keinen Plan von Raketentechnik, sodass ihnen der Begriff „the last piece“ völlig genügte, um die Dramatik des geplanten Raubes zu beschreiben. Er ist böse, er will ein Raketenteil – stoppen wir ihn! Und warum nochmal ist das Ganze Sache der Amis? Ach ja, ALLES ist Sache der Amis. Bei all dieser Vorhersehbarkeit passt es auch, dass selbst der coole Cameo des Films schon bekannt war, ein Cameo, der erst so richtig genial gewesen wäre, wenn man ihn nicht bereits im Vorfeld verraten hätte.

"Does it come in black?"
„Does it come in black?“

Dass dieser Film kein Meisterwerk würde, war mir ja schon klar, aber ich erhoffte mir davon zumindest so etwas wie eine Daseinsberechtigung. Und ich hoffe immer noch, dass ich zumindest nach Sichtung des siebten Teils weiss, warum dieser Film genau gemacht wurde. Denn bei Fast & Furious 6 fehlt das. Der Streifen ist selbst für meine Verhältnisse zu doof, unwitzig, nervig und abgesehen von der allerletzten Szene komplett unnötig. Gut, dass Justin Lin abtritt.

2,5 Sterne

*Fast jede. Bier?

  • Orlindo

    Diesel for Spider-Man, The Rock for Colossus. Genrejumping im Filmtakt. Vom Actionheist zur Superheldensatire. Fast5 hatte bereits den Blues Brothers gezeigt wo der Hammer hängt, nun gehts den Avengers an den Kragen. Kein Dumb Fun sondern Dump Fun. Allein dieser Showdown, das reinste Duracellhäschen-Ende mit der längsten Landebahn der Filmgeschichte! Ach, es war einfach schön. <3

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  • Christian H.

    Naja, ich fand 2 Fast 2 Furious den besten Teil der Reihe. Wenigstens gehts dabei noch um Autos. Beim vierten und (besonders) beim fünften Teil hat man das Gefühl, sie hätten mehr Freude an Pistolen und Explosionen als an Autos.. Beim dritten Teil hat mich der Hauptdarsteller dermassen genervt, dass ich überhaupt keine Sympathie für ihn entwickeln konnte und immer hoffte, dass die Japaner gewinnen.
    „Gut, dass Justin Lin abtritt.“ Endlich! Mit ihm wurde die Serie immer dümmer und immer mehr Hollywood..

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  • donpozuelo

    Ich habe mich ja vor dem Film auch noch durch alle fünf Vorgänger gequält… 😉 Aber so dramatisch schlimm fand ich den jetzt auch nicht. Ja, viele Sachen waren echt haarsträubend. Doch allein für den Fight Carano-Rodriguez hat es sich irgendwie ein bisschen gelohnt 😉

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  • @Pokernatic

    was bin ich froh, dass ich mir die PV geschenkt habe! :))

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  • Dominik

    Krass, ich bin fast ganz deiner Meinung. Spaß hatte ich irgendwie/irgendwo/irgendwann. Das ergab für mich dann einen mittelmäßigen Film, den ich eben mit 2,5/5 bewertete. Doch das ist definitiv zu wenig für einen „Fast & Furious“, von denen ich vor allem Teil 4 und 5 sehr zu schätzen wusste.

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  • Dominik

    @Owley: Ja, naja, aber immerhin finden wir ihn beide nicht so dolle. Und das kommt doch eher selten bei uns vor. 😉

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  • Fast & Furious 6 (2013) | Film-Blogosphäre

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