Kick-Ass 2 (2013)

KickAss2

„You don’t have to be a bad-ass to be a superhero. You just have to be brave.“

Ganz ehrlich – meine Erwartungen an Kick-Ass 2 waren echt tief. Ja, ich, der Mark Millar-Jünger, zweifelte an diesem Film. Unvorstellbar, ich weiss. Aber abgesehen von einigen Jim Carrey-Momenten gähnte ich mich eigentlich nur durch die Trailer und Previews. Irgendwie wollte der Funke nicht rüberspringen, und ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass mir Kick-Ass 2 auch nur ansatzweise so gut gefallen würde wie der erste Film. Damit hatte ich gewissermassen auch Recht. Gewissermassen.

Nachdem Kick-Ass seinen Vater umgebracht hat, schwört der Mafiosibengel Chris d’Amico Rache – als Superbösewicht The Motherfucker versammelt er ein Team aus zwielichtigen Gestalten, mithilfe derer er dem Self-Made-Superhelden kräftig den Hintern versohlen will. Doch auch Kick-Ass ist Teil einer Gruppe Superhelden namens Justice Forever, die unter der Führung des väterlichen Colonel Stars and Stripes für Recht und Ordnung sorgen. Nur Hit-Girl ist weit und breit nicht zu sehen – die kleine Mindy musste ihrem Vormund Marcus hoch und heilig versprechen, ihre Superheldenidentität ein für allemal hinter sich zu lassen. Stattdessen muss sie sich nun mit Teenieproblemen herumschlagen. Teenieprobleme, die angesichts des Auftauchens vom Motherfucker und seinen Toxic Mega Cunts plötzlich ganz unwichtig werden…

Kick-Ass 2 beginnt mit einer Referenz an eine legendäre Szene aus dem ersten Film, die stellvertretend für den ganzen Film steht: So witzig, selbstironisch und unverkrampft wie der letzte Teil ist diese Fortsetzung leider zu keinem Zeitpunkt. Regisseur Jeff Wadlow weiss nicht sehr viel mit der guten Idee aus dem ersten Teil anzustellen – und ist damit in guter Gesellschaft, denn auch Mark Millars Comicvorlage krankt an der selben Unfähigkeit, das Potential der Figuren richtig zu nutzen. Doch nicht nur in diesem Punkt bleibt die Verfilmung der Vorlage treu: So gibt es kaum Abweichungen zum Comic, was angesichts des Umfangs und der Schonungslosigkeit, die Mark Millar da an den Tag legt, keine Selbstverständlichkeit ist. Dass es dabei eine krasse Vergewaltigungsszene nicht in den Film geschafft hat, war zu erwarten. Wadlow hat die Sequenz aber geschickt umgeschrieben, sodass man diese Änderung problemlos hinnimmt.

Und so ist Kick-Ass 2 – abgesehen davon, dass er sich selber ein kleines bisschen zu sehr ernst nimmt und mit einem ziemlich durchzogenen Teenie-Girl-Sideplot aufwartet – doch überraschend gut gelungen. Die Protagonisten sind gewohnt charismatisch, und auch wenn einem die Moral des Films nicht wirklich deutlich wird, hat man zumindest Spass beim Zuschauen. Um es in den Worten von Jim Carreys Colonel Stripes zu sagen: „Try to have fun. Otherwise, what’s the point?“ Carrey ist denn auch das schauspielerische Highlight des Films und straft die Kritiker, die bei seiner Verpflichtung damals meckerten, Lügen – selbst wenn er kein zweiter Big Daddy ist. Carrey spielt die Rolle gewohnt abgedreht, geht einem hier aber nicht auf die Nerven. Ebenfalls lobend erwähnt werden muss Christopher Mintz-Plasse, der mit Sicherheit nicht allen gefallen wird, für mich aber einen coolen (und gleichzeitig total lächerlichen) Bösewicht abgibt.

I threw it on the ground!
I throw it on the ground!

Es wird wohl keinen erstaunen, dass Kick-Ass 2 nicht die Klasse des ersten Teils hat. Trotzdem ist dieser Film sehr zu empfehlen, handelt es sich dabei doch um ein höchst unterhaltsames Sequel, das aber wie schon der erste Teil nichts für sanfte Gemüter ist.

7,5 Sterne

  • Dos Corazones

    Deckt sich mit den Kritiken, die ich bisher aus dem angelsächsischen Raum gelesen habe. Ich passe bei diesem Film, auch wenn es sich nicht wirklich um Superhelden handelt, aber dem Thema sicherlich auch nichts Neues abgewinnen kann. Vielleicht dann irgendwann im Heimkino.

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  • donpozuelo

    1,5 Punkte mehr… Ich habe mich, wie schon beim ersten Teil, ein wenig schwer getan. Mir war’s ein wenig zu lieblos aneinander gereiht. Es hat sich für mich als Film nicht richtig zusammengefügt. Christopher Mintz-Plasse fand ich großartig, aber das war’s dann auch schon wieder fast.

    Naja… es ist halt unterhaltsam, aber eigentlich irgendwie auch unnötig. 😉

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  • Dos Corazones

    @Owley: Jup, ich kann mich da derzeit einfach nicht drauf einlassen. Ich könnte mir die Filme schon angucken, aber im Hinterkopf hätte ich andauernd so einen pochenden Drang, alles zu hinterfragen. Wie bei den letzten Superheldenfilmen, die ich letztes Jahr gesehen habe, hätte ich einfach keine Freude dran.

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  • Fox

    Aus mittelmäßigen Comics wurde ein guter Film, der leider nicht an den sehr guten Teil 1 rankommt – so sehe ich das 🙂
    Die Schurken waren mir zu goofy. Mark Strong war damals viel besser weil böser. ^^

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