Scheibenkritiken #12

Scheibenkritiken12

In den nunmehr zwölften Scheibenkritiken präsentiere ich vier Alben von vier Musikern, respektive Bands, die an vier total verschiedenen Punkten in der Karriere stehen. Die beiden New Yorker MS MR stehen mit ihrem Debütalbum ganz am Anfang einer (langen?) Karriere, während Fitz and the Tantrums beweisen müssen, dass ihre zweite Platte dem grossartigen Erstling gerecht wird. Für Grossstadtgeflüster ist spätestens mit der aktuellen vierten CD eine gewisse Routine eingekehrt. Derweil muss Kanye West mit Platte Numero 6 zeigen, dass er immer noch mit der Zeit geht.

Kanye West – Yeezus

Kanye West ist ja schon ein bisschen ein schräger Vogel. Datet Kim Kardashian, nennt seine Tochter North West und bringt uns auf seinem neuen Album Yeezus Zeilen wie die: „I keep it 300, like the Romans, 300 bitches, where the Trojans?“ Jeder, der sich auch nur ein bisschen für die Antike interessiert jault bei solchen Fehlgriffen auf. Ein bisschen zum Jaulen ist auch die musikalische Komponente – irgendwie ist das grösstenteils einfach nur Lärm, zwischen den sich das ein oder andere vernünftige Stück verirrt hat. Black Skinhead etwa ist Kanye mit seinen hämmernden Beats sehr gelungen. Und auch mit New Slaves und Hold My Liquor kann ich noch etwas anfangen. Der Rest ist aber so uninspiriert wie die Albumverpackung, sodass ich nur auf die nächste Kollaboration mit Jay-Z hoffen kann. Vielleicht klappt es ja dann.

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– 18. Juni 2013 (Roc-A-Fella)

Grossstadtgeflüster – Oh, ein Reh!

Grossstadtgeflüster hatte ich in Hamburg wiederentdeckt und von da an begleitete mich das Trio aus Berlin auf meiner ganzen Deutschlandtournee® – ihr neues Album Oh, ein Reh! ist ihnen nämlich wirklich gelungen. Eingängige und dröhnende Melodien en masse und auch noch ein klein wenig Gesellschaftskritik gibt es auch auf der vierten Platte der Electropop-Band um Jen Bender. Titel wie So viel Talente oder Konfetti und Yeah sind einfach grossartig, während Wir haben uns gerade noch gefehlt für etwas verträumte Momente sorgt. Das könnte ich stundenlang hören. Wenn es GSGF dereinst mal über die Grenze schaffen, werde ich da sein. Hoffentlich.

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– 7. Juni 2013 (Four Music)

Fitz And The Tantrums – More Than Just A Dream

Michael Fitzpatrick und seine Band sind zurück und wecken in mir wehmütige Erinnerungen an meine Zeit in New York. Denn bereits ihr grossartiger Erstling Pickin‘ Up The Pieces (für mich das beste Album überhaupt – ja, I just went there) begleitete mich im Big Apple. Auch die zweite Scheibe More Than Just A Dream ist der bewusst gitarrenlosen Gruppe gelungen, auch wenn nicht jedes Stück ein hundertprozentiger Volltreffer ist. Doch mit dem inoffiziellen Titelstück Out Of My Dreams, dem fröhlich-beschwingten The Walker und Break The Walls, einer kämpferischen Hymne bieten Fitz And The Tantrums auch auf ihrer neuen Platte Musik, die mitreisst und begeistert.

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– 7. Mai 2013 (Elektra Records)

MS MR – Secondhand Rapture

Eine Band, die einen Songtext mit der Zeile „my reality could never live up to my fantasy“ hat, kann aus Prinzip nicht schlecht sein. Wenn aber nicht nur die Lyrics gelungen sind, sondern auch der Sound stimmt, dann freut mich das umso mehr. So geschehen bei MS MR, einem Electropopduo aus New York. Ihre Debütplatte mit dem klingenden Titel Secondhand Rapture gefällt durch den facettenreichen Sound, der ein bisschen an Florence + the Machine und CHVRCHES erinnert, aber auch viele eigene Elemente mitbringt. Wer mit einem solch starken Debüt aufwartet, dem ist definitiv eine vielversprechende Zukunft gewiss.

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– 14. Mai 2013 (Columbia Records)

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