The Lone Ranger (2013)

LoneRanger

„Never take off the mask!“

Erinnerungen an John Carter kamen hoch, als Disney bekanntgab, dass Gore Verbinskis The Lone Ranger dem Studio ein Minus von bis zu 200 Millionen beschert hat. Bereits im letzten Jahr schrieb der Mickey Maus-Konzern ähnlich grosse Verluste, laut eigenen Aussagen vorallem wegen Andrew Stantons John Carter-Verfilmung. Dass jetzt The Lone Ranger diese Zahl noch einmal überbietet, damit hätte wohl kaum jemand gerechnet – zumal die Voraussetzungen vielversprechend waren. Ein actionreicher Western im Look von Pirates of the Caribbean mit Johnny Depp – was sollte da schon schief gehen?

Bei einem Hinterhalt des Gauners Butch Cavendish kommen sämtliche Ranger eines texanischen Kaffs ums Leben. Einem von ihnen, John Reid, gelingt es aber, dem Tod ein Schnippchen zu schlagen – und mit der Unterstützung des Indianers Tonto macht er Jagd auf Cavendish. Damit seine Gegner nicht gleich erfahren, dass einer der Ranger überlebt hat, rät ihm Tonto dazu, sich eine Maske überzuziehen – der Lone Ranger ist geboren.

You can’t teach an old dog new tricks. Mit neunundvierzig Lenzen ist Gore Verbinski zwar noch lange kein alter Hund, aber trotzdem scheint er nicht wirklich darauf erpicht, Neuland zu betreten. Nach drei Filmen mit und über Johnny Depp als schrulligen Piraten bringt er uns nun Johnny Depp als schrulligen Indianer. Denn eigentlich trägt Tonto The Lone Ranger und nicht der Titelcharakter, der von Armie Hammer etwas gar brav verkörpert wird und damit spätestens nach Verlassen des Kinosaales in Vergessenheit gerät. Den Vorwurf, dass Depp hier erneut einfach einen 0815-Weirdo spielt, kann ich nicht ganz unterstreichen – Tonto gefällt mir deutlich besser als manche von Depps neueren Charakteren, dass der Mann aber eigentlich zu gut wäre für solche Rollen, das steht ausser Frage. Auch William Fichtner und Tom Wilkinson hat man schon in besserer Form erlebt, aber schlecht ist keiner der Beiden.

Die grosse Schwäche von The Lone Ranger liegt woanders: Das Drehbuch von Ted Elliott und Terry Rossio wartet mit einem vorhersehbaren und extrem ausgelutschten Plot auf, den man aus jedem zweiten Lucky Luke-Comic kennt – Storylücken und unzählige Längen sind da nur die logische Folge. Und so muss der Zuschauer geschlagene zwei Stunden warten, bis der Film in Fahrt kommt und der Lone Ranger endlich auf seinem Schimmel über Zugdächer reitet. Immerhin tut er das in einer Actionsequenz (untermalt von der wunderschönen Willhelm Tell-Ouvertüre von Gioachino Rossini), die einem schlagartig in Erinnerung ruft, warum man sich in erster Linie in diesen Film gesetzt hat. Schade nur, dass es sich dabei auch um die einzige wirkliche Actionszene des Films handelt. Denn Action, das kann Verbinski ohne Frage – hier hätte es gerne mehr davon sein dürfen und dafür weniger verkrampftes Blabla.

The Lone Ranger in einem Bild: Züge, Rössli und haufenweise unkoordiniertes Chaos
The Lone Ranger in einem Bild: Züge, Rössli und haufenweise unkoordiniertes Chaos

Er ist extrem langatmig geraten und präsentiert eine schwache Story – doch in einer Welt, in der Pirates of the Caribbean als gut betrachtet wird, verdient auch The Lone Ranger zumindest das Prädikat „sehenswert“. Ein Film, der einem nach dem Kinobesuch noch gross in Erinnerung bleibt ist Gore Verbinskis actionarmer Western aber dennoch nicht.

6 Sterne

  • donpozuelo

    Ich war auch nicht sonderlich begeistert von dem Film. Armie Hammer fand ich sogar recht gut, nur leider kam er halt nie so richtig zum Zug (haha… Zug-Wortwitz!!!). Für mich war es irgendwie zu sehr „Fluch der Karibik“ in der Wüste… und wie du schon sagst, dass Drehbuch kann nicht überzeugen und der ganze Film ist eine gute Stunde zu lang.

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  • Zeke Midas

    Dein Text trifft’s ziemlich gut – ich hab mich von den Loks, den Pferden, der ganzen Westernatmosphäre, William Fichtner und Tonto noch ganz gut einwickeln lassen, sodass ich das Kino nicht gerade frustriert verlassen musste, aber letztendlich ist der Film recht lau ausgefallen.
    So cool nebenbei die ganze zu-Ross-auf-den-Dächern-eines-Zuges-Sache ist, ich fand den Titelcharakter hier so lasch, dass mich diese Szene dann irgendwie auch nicht richtig packen konnte. Ich find’s gar nicht mal tragisch, dass sich nicht eine Actionszene an die andere gereiht hat, aber mir fehlte generell ein bisschen so ein „Woah!“, das sich mal auf die Story statt bloß auf die Optik bezieht.
    Andererseits, wie gesagt, bereut hab ich den Kinobesuch auch nicht. Schätze, dein letzter Absatz bringt’s auf den Punkt – ein „Pirates of the Caribbean“ im Wilden Westen kann halt nicht wirklich schlecht sein. Vielleicht sind wir von PotC auch einfach zu verwöhnt.

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