Devil’s Knot (2013)

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„What if they did it?“ – „What if they didn’t? I think three dead kids is enough!“

Im letzten Jahr zeigte uns Jagten eindrücklich, welche Folgen es haben kann, wenn ein Unschuldiger plötzlich für etwas beschuldigt wird, was er gar nicht getan hat. Während Thomas Vinterbergs Meisterwerk zwar von wahren Gegebenheiten inspiriert war, aber generell eine fiktive Geschichte präsentierte, nimmt sich der kanadisch-armenische Regisseur Atom Egoyan mit Devil’s Knot einer wahren Geschichte über dasselbe Thema an. Und landet damit einen Volltreffer.

Am 5. Mai 1993 verschwinden die drei Jungen Stevie Branch, Christopher Byers und Michael Moore spurlos. Als am nächsten Tag ihre Leichen in einem Fluss gefunden werden, fällt der Verdacht auf die drei Teenager Damien Echols, Jason Baldwin und Jessie Misskelley Jr. denen unterstellt wird, einem satanistischen Kult anzugehören. Der Privatdetektiv Ron Lax ist überzeugt, dass die Jugendlichen unschuldig sind, seine Zweifel an der Arbeit der Ermittler stossen aber auf taube Ohren…

Devil’s Knot wartet mit einem eindrücklichen Cast auf: Colin Firth spielt die eigentliche Hauptrolle und eignet sich dafür einen Südstaatenakzent an, den man ihm – wohl weil man einfach zu sehr an sein Britisch gewöhnt ist – nur bedingt abkauft. Firth spielt solide auf und trägt den Film über weite Strecken. Mit Reese Whitherspoon, Bruce Greenwood, Dane DeHaan und Kevin Durand sind auch die Nebenrollen stark besetzt, auch wenn gerade Durand in der Rolle des hinterwäldlerischen Südstaatenvaters fast ein bisschen zuviele Lacher auf sich zieht. Denn zum Lachen zumute ist einem bei diesem Film nicht wirklich – die Tragödie nimmt schnell ihren Lauf und von da an wird der Film zu einer zermürbenden Geduldspartie.

Denn Devil’s Knot ruft einem immer wieder unmissverständlich in Erinnerung, dass das Ganze auf einer wahren Geschichte beruht. Unter diesem Aspekt schockiert diese Hexenjagd auf die drei Jugendlichen, bei der die Justiz augenscheinliche Hinweise bewusst ignoriert, umso mehr. Regisseur Atom Egoyan macht aus seinem Film auch kein „Haben sie’s getan? Haben sie’s nicht getan?“-Quatsch, sondern stellt bereits früh klar, dass die Angeklagten unschuldig sind und widmet sich stattdessen der Frage, wer wirklich der Mörder ist und warum die Justiz wiederholt die Augen vor den Tatsachen verschliesst. Dass er dabei dann auch auf ein klassisches Hollywood-Ende verzichtet, ist ihm hoch anzurechnen.

"Grüezi. Einmal Pi-Pi-Pi-Pizza Pro-Pro-Prosciu-t-t-to! Merci!"
„Grüezi. Einmal Pi-Pi-Pi-Pizza Pro-Pro-Prosciu-t-t-to! Mit vi-vi-viel Fllllleisch!“

Atom Egoyans Devil’s Knot ist ein schockierender Film über Vorurteile und die Folgen ebensolcher. Aufgrund der wahren Grundlage sind Analogien zu Dürrenmatts Das Versprechen rein zufälliger Art. Die Frage, ob die Kunst das Leben imitiert, oder umgekehrt, bekommt mit diesem Thriller aber neuen Diskussionsstoff.

8 Sterne

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