Filth (2013)

Filth ZFF2013c

„Nobody steams in like the Edinburgh police!“

Schottisches und irisches Kino hat es alleine schon aufgrund der Sprache, der Location und des fiesen Humors bei mir leicht. Während ich mit irischen Filmen ziemlich vertraut bin, fehlt mir beim schottischen Kino aber das fundierte Fachwissen. Aus diesem Grund, und ganz generell, weil mich der Film reizte, habe ich mir Filth angesehen, ein Film, der auf dem Buch von Irvine Welsh, seines Zeichens wiederum Autor von Trainspotting, basiert.

Übrigens hat es in dieser Review Spoiler. Wollte ich mal gesagt haben.

Detective Sergeant Bruce Robertson erhofft sich eine baldige Beförderung zum Detective Inspector der Edinburgher Polizei. Dabei spricht alles gegen eine Beförderung: Robertson ist frauen- und schwulenfeindlich, konsumiert Drogen und Alkohol im Übermass, manipuliert und besticht seine Mitmenschen und hat ausserdem eine Affäre mit der Frau seines Kollegen. Dass das auf die Dauer nicht gut gehen kann, ist Bruce, dem zudem jegliche Fähigkeit zur Selbstreflexion abhanden gekommen zu sein scheint, aber nicht klar.

Was mich an Filth am meisten überraschte, ist der krasse Richtungswechsel, den der Film im zweiten Akt vollzieht. Während uns in der ersten Filmhälfte gezeigt wird, was für ein korruptes Arschloch der Cop Bruce Robertson ist, und wir ihm begeistert dabei zusehen können, wie er seine Mitmenschen manipuliert und ausnutzt, lernen wir in der zweiten Hälfte sein zweites Gesicht kennen: Das des ängstlichen Jungen, auf dem die Schuld für den Tod seines Bruders lastet und der damit hadert, dass ihn seine Frau verlassen hat. Hier zeigt sich erst richtig, warum diese Rolle James McAvoys beste ist. Wie er diese tragische Figur zwischen Genialität und Wahnsinn spielt, ist einfach unglaublich.

Das Setting des Films ist ebenfalls sehr schön: Der Hauptteil von Filth spielt in Edinburgh kurz vor Weihnachten, und Regisseur Jon S. Baird holt das Maximum aus dieser Stadt raus, sodass man sich wirklich unbehaglich fühlt. Auch die Szenen in Hamburg, wo Bruce und Bladesey das Rotlichtmillieu unsicher machen, sind sehr schön gefilmt. Dazu kommt ein der Grundstimmung des Films diametral entgegengesetzter Soundtrack, der uns solche Klassiker wie Winter Wonderland bietet und bereits so andeutet, dass irgendwas in diesem Film sehr verkehrt ist.

Despicable Me
Despicable McAvoy

Filth ist ein krasser Trip, der einen fasziniert und schockiert. James McAvoy legt mit diesem Film die beste Schauspielleistung seiner Karriere ab.

9 Sterne

Das 9. Zurich Film Festival zeigt Filth am 3. Oktober um 20.30 Uhr (Corso 1).

  • Cem

    Da bin ich ziemlich mit einverstanden. Habe – mit ganz anderen Worten – ziemlich das Selbe gesagt. Und Leute, trotz Owleys Spoilern habt ihr noch gar nichts gesehen, bevor ihr den Film nicht gesehen habt. Deshalb tut es: schon alleine wegen der unglaublichen McAvoy Performance!

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  • Kryll

    sein Bandwurm hat im Film keine Nebenrolle?

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  • donpozuelo

    Auf den Film freue ich mich schon sehr, kann dir da aber auch nur das Buch ans Herz legen. Da hat Roberston nämlich einen Bandwurm, der zu sowas wie seiner inneren Stimme, seinem Gewissen wird. Das Buch ist wirklich spitze.

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  • Spanksen

    Hey, das Bild da ganz oben, dass ist doch meine Lieblings Kult-Kiezkneipe „Zur Ritze“

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