Captain Phillips (2013)

CaptainPhillips

„I am the captain now.“

Als plötzlich zwei Boote auf dem Schiffsradar der Maersk Alabama auftauchen, weiss Kapitän Richard Phillips genau, was das heisst. Der Thriller Captain Phillips von Paul Greengrass schildert packend die Geschehnisse des 8. bis 12. April 2009, als eine Gruppe somalischer Piraten im indischen Ozean einen amerikanischen Frachter kaperte. Damit kann man den Film durchaus als amerikanisches Pendant zum dänischen Wunderwerk Kapringen bezeichnen, das eine ähnliche, wenn auch fiktive Situation behandelte.

Mit einer Laufzeit von über zwei Stunden ist Captain Phillips nicht gerade kurz geraten, doch der Film wirkt zu keinem Zeitpunkt langfädig oder gestreckt. Bis zum Schluss bleibt die Geschichte um den Schiffskapitän spannend, was auch an der nüchternen und unverblümten Erzählung liegen dürfte. Greengrass verzichtet auf Schwarz-Weiss-Malerei und räumt damit meine Bedenken aus dem Weg, dass der Film ein moralinschwangeres und heroisches Biopic wird. Der Piratenführer Muse ist nicht per se ein Böser – er tut nur seinen undankbaren Job. So anders als Phillips ist er gar nicht, es ist ein Aufeinandertreffen unterschiedlicher Interessen, das unschön endet. Oder um es in den Worten von Komponist Henry Jackman zu sagen: „Had Captain Phillips been born in Somalia, he would have been doing what Muse was doing.“

Diese verschwommene Charakterzeichnung tut Captain Phillips enorm gut. So sehr man die Piraten dafür hasst, was sie tun, so sehr leidet man mit ihnen mit, merkt man doch, dass sie auch nur gehorchen. Herausragend spielen alle von ihnen, am stärksten in Erinnerung behält man aber Barkhad Abdi, der den Anführer, Muse, spielt. Dass das Abdis erste Schauspielrolle überhaupt ist, würde man nicht denken, so überzeugend und selbstverständlich verkörpert er diese tragische Figur. Auch Tom Hanks spielt seine Rolle mit Bravour – er ist ein Antiheld, verletzlich und bringt zum Schluss in seiner Verzweiflung sogar noch die Mission in Gefahr. Seine letzte Szene zählt für mich zudem zum Besten, was das Kino 2013 produziert hat – da lief es mir eiskalt den Rücken herab.

"I am the Captain, now!" - "Verdammt, Chris, du bist wieder mal auf dem falschen Set!"
„I am the Captain, now!“ – „Verdammt Chris, du bist schon wieder auf dem falschen Set!“

Nach Zero Dark Thirty ist Captain Phillips der zweite Film in kurzer Zeit, der ein Ereignis, in das das SEAL Team Six massgeblich involviert war, aufarbeitet. Paul Greengrass‘ Thriller ist ebenfalls ein packender und kurzweiliger Film, der dem Wort Spannung eine ganz neue Bedeutung gibt und der mit Tom Hanks und Barkhad Abdi zwei umwerfende Darsteller an ganz unterschiedlichen Punkten ihrer Karriere präsentiert.

9 Sterne

  • donpozuelo

    😀 DAS BILD!!! ZU GEIL!!! Der Cap A wäre sicherlich ganz anders mit den Piraten umgesprungen 😀

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