News, die wirklich unterhalten.

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Muss man sich über den Blick am Abend noch aufregen? Darf man überhaupt? Oder haben wir den Punkt erreicht, an dem wir einfach stillschweigend akzeptieren, dass sich der Grossteil der Schweizer über eine Abendzeitung informiert, die keinerlei journalistischen Ansprüchen zu genügen weiss? Die angebliche Affäre von Françoise Hollande oder die Kleiderwahl irgendeines Cervelatpromis schaffen es auf die Titelseite, und Christoph Mörgeli wird eine Kolumne gewidmet. Es muss nicht immer relevant sein, das beweist Blick am Abend. „News, die wirklich unterhalten.“, verkündet die Stimme im neuen Kinowerbespot und damit fasst sie treffend zusammen, wie viel mit dieser Zeitung und auch der Schweizer Medienlandschaft effektiv schiefläuft.

„News, die wirklich unterhalten.“

Seit wann müssen News unterhalten? News haben genau einen Zweck: Uns über einen Sachverhalt informieren. Das Ganze darf von mir aus gerne mit einer persönlichen Einschätzung ergänzt werden, aber unterhalten müssen uns News weissgott nicht. Und das mussten sie noch nie. Wenn ich unterhalten werden will, lese ich ein Buch oder ein Heftli. Wenn ich eine Zeitung oder zumindest ein Medium, das sich Zeitung schimpft, in der Hand habe, will ich informiert werden – sachlich und kompetent. Zwei Worte, die im Repertoire der Blick- und auch der Blick am Abend-Redaktion augenscheinlich nicht existieren.

Auf einer halben Seite wird langfädig eine Studie eines Datingportals ausgewertet, die besagt, dass Schweizer beim Skifahren auf Sex verzichten – und wo immer das Wort „Sex“ im Titel vorkommt, wird es fett gesetzt. Das Foto das die angebliche Freundin von Bachelor Vujo zeigt, setzt den Fokus auf ihren beachtlichen Vorbau. Klar, Sex sells, und wir müssen uns auch nicht verklemmter geben, als wir sind. Aber um jeden Preis? Im Gegenzug sucht man vergeblich News, die irgendwie relevant sind, und wenn, dann handelt es sich dabei um müde Agenturmeldungen. Ähnlich düster sieht es auf dem buzzfeedigen Onlineportal der Zeitung aus: „10 skurille Knigge-Tipps für britische Hoteliers“ lautet der Titel des Beitrags, der zuoberst in der Sparte „Very Best of News“ zu lesen ist. Ich empfehle hier auch Rogers Beitrag zum Thema – wahrere Worte wurden selten gesprochen.

Geht es nach den Journalisten des Blick am Abend, ist anscheinend so ziemlich jedes geschriebene Wort „News“. Eine Studie, die besagt, dass Kaffee teurer wird? News. Schweizer bei DSDS? News! Ein uraltes* Bild, das Chewbacca-Darsteller Peter Mayhew zeigt, wie er Carrie Fisher am Set begrapscht? So fucking News, dass wir es gross zelebrieren müssen! Und darin liegt eben auch das Problem, das ich mit solchen Publikationen wie dem Blick am Abend habe. Tatsächlicher Journalismus, Storys, denen nachzugehen sich lohnt? Seriöse Recherche? Fehlanzeige. Den Leuten, die diesen brombeerroten Seich Tag für Tag abtippen, sollte man eigentlich das Recht auf journalistische Tätigkeiten absprechen. Auf Lebzeiten.

Dabei muss ich immer an Macs Aussage denken. Mac ist eine Figur in Aaron Sorkins The Newsroom und als solche die Programmchefin einer Nachrichtensendung. Sie verfolgt noble Prinzipien, die man in der aktuellen Medienlandschaft vergeblich sucht und fasst diese folgendermassen zusammen:

„Reclaiming the fourth estate. Reclaiming journalism as an honorable profession. A nightly newscast that informs a debate worthy of a great nation. Civility, respect, and a return to what’s important; the death of bitchiness; the death of gossip and voyeurism; speaking truth to stupid. No demographic sweet spot; a place where we all come together.“

Sollte sich mancher Journalist zu Herzen nehmen.

* uralt heisst in dem Fall vor fast zehn Jahren veröffentlicht. Just sayin‘.

  • Sascha

    das ist nicht ma bild niveau 😀

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  • Marco

    Manche Menschen fressen viel Fastfood, andere schauen, was sie zu sich nehmen.

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  • Alice

    Wahre Worte, mein Freund.

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