The Wolf of Wall Street (2013)

WolfWallStreet

„There is no nobility in poverty.“

Mit 26 verdient Jordan Belfort knapp eine Million Dollar pro Woche. Dass das nicht wirklich auf legalem Weg geschieht, ist dabei sekundär – Jordan lebt ein Leben in Saus und Braus. Als das FBI seinen Machenschaften langsam auf die Schliche kommt, beginnt jedoch die heile Welt des „Wolf of Wall Street“ zu bröckeln. Mit The Wolf of Wall Street verfilmt Martin Scorsese die wahre Geschichte des dekadenten Stock Brokers Jordan Belfort, der im Film von Leonardo DiCaprio gespielt wird. Für diesen Film gewann Leo auch bereits den Golden Globe, doch das ist nicht die einzige erwähnenswerte Auszeichnung: Mit über 500 F-Wörtern hat der Film die höchste Fuck-Dichte überhaupt.

Gerade als Kinomitarbeiter nerve ich mich in letzter Zeit an jenen Filmen, die um jeden Preis Überlänge haben müssen (meiner Meinung nach alles ab 2 Stunden), das aber inhaltlich nicht rechtfertigen können, weil sie an total vielen Stellen gekürzt hätten werden können. Und umso mehr freue ich mich über Filme wie Prisoners oder Captain Phillips, die zwar lange dauern, sich aber nie lang anfühlen. Das trifft auch auf The Wolf of Wall Street zu, der mit 179 Minuten Laufzeit vieles schlägt, aber bis zum Schluss spannend bleibt. Das liegt in erster Linie an Terence Winters bissigem Script, das weder repetitiv noch langatmig daherkommt.

Sattsehen kann man sich auch nicht an Leonardo DiCaprios Performance, die meiner Meinung nach eine von seinen Besten, wenn nicht sogar die Beste, ist. Sein Jordan Belfort ist ein moderner Gatsby, ein Calvin Candie im Schafspelz, ein Mann, dessen Bild von sich selber in erster Linie darauf basiert, wie dick sein Portemonnaie ist und wie teuer sein Wagen. DiCaprio erfindet sich mit dieser Rolle nicht neu, aber er spielt sie so gut wie noch nie. Jordan ist ein dekadenter Typ, der vor Nichts Halt macht – Hauptsache, das Geld fliesst in seine Tasche. Wer jetzt bemängelt, dass The Wolf of Wall Street die Opfer solcher Szenarien vergisst, der kann sich bei Woody Allen Trost suchen – bei Scorsese stehen die Bad Boys im Zentrum.

Vielleicht dieses Mal?
Vielleicht dieses Mal?

Nach seinem Ausflug in die Kinderbuchwelt kehrt Martin Scorsese mit The Wolf of Wall Street souverän in die unschöne Welt der Erwachsenen zurück: Sein neuer Film ist so lässig wie unverschämt und präsentiert uns Leonardo DiCaprio in Bestform – ein echtes Meisterwerk.

10 Sterne

  • donpozuelo

    Oh, da freue ich mich schon sehr drauf!!!! 😀

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  • Verena

    Dein Artikel bestätigt meinen Wunsch diesen Film unbedingt auch sofort sehen zu müssen!

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  • Roger

    Schön sind wir uns einig 🙂

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  • Dominik

    Ich fand ihn definitiv zu lang und kann das von dir nicht bestätigen. Eine kürzere Laufzeit hätte dem Film gut getan. Aber Leo ist toll, ja. Dennoch möchte ich es nicht als seine beste Arbeit abtun. Vermutlich trifft „typisch Leo“ da besser zu.

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  • Andreas

    Woah, vor ein paar Tagen habe ich „Hugo“ geschaut, und jetzt „The Wolf of Wall Street“. Die Filme könnten nicht unterschiedlicher sein, aber gefallen haben mir beide.
    The Wolf of Wall Street ist wirklich sehr beeindruckend, die schauspielerische Leistung hervorragend. Aber gestört hat mich, dass trotz all der provozierenden Szenen die sehr brave Aussage liegt, dass neureiche Broker, die Drogen nehmen und fluchen und Prostituierte anheuern böse sind, und sogar illegale Sachen machen. Leider kann man auch Geld auf diese Art in seine Taschen bringen, ohne dabei illegale Bereiche zu betreten.

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  • Jan

    Ich musste leicht schmunzeln, als du die Laufzeit des Films rechtfertigst. Ich sehe in dem Skript nämlich viel zu viele wiederholende Momente, ausufernde Dialoge und einfach unnötige, da vollkommen unwichtige Szenen, die mir den Film auf Dauer madig gemacht haben. Die Fuck-Dichte war für mich einfach auf Dauer unterträglich, sodass ich ab etwa der Hälfte des Films genervt auf den Jargon der Broker reagiert habe.

    Kein Zweifel besteht an der schauspielerischen Leistung von DiCaprio, den ich ohnehin für einen tollen Schauspieler halte und nicht verstehen kann, wie ihn viele immer noch als Jack aus TITANIC sehen und seine große Wandlungsfähigkeit nicht so recht wahrhaben wollen.

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  • Andreas

    @Owley: Ja, stimmt, und ich habe es auch sehr genossen, einem absolut verwerflichen Broker zuzuschauen. 😉
    Natürlich muss man nicht die Geschichte irgendwie abändern. Diese war auf jeden Fall hervorragend. Es kam einfach bei mir durch einige Aussagen im Film das Gefühl auf, dass soloche Aktivitäten, sobald sie legal sind, nicht schlimm sind.
    Die Fuck-Dichte war wirklich ein Highlight, aber woher weisst du, dass es mehr als 500 waren? Hast du gezählt? 😉

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