Snowpiercer (2013)

SnowpiercerFIFF

„I belong to the front, you belong to the tail. Keep your place!“

In nicht allzu ferner Zukunft löst ein misslungenes Experiment eine neue Eiszeit aus – nahezu alles Leben auf der Erde wird ausgelöscht. Die letzten Überlebenden versuchen in einem gepanzerten Zug die Zivilisation aufrecht zu erhalten. Doch soziale Ungerechtigkeiten an Bord und eine darauffolgende Revolution einiger Passagiere bringen dieses Projekt in grosse Gefahr. Mit Snowpiercer verfilmt der koreanische Regisseur Bong Joon-Ho eine französische Graphic Novel, von der er angeblich gleich alle drei Bände im Comic-Laden verschlungen haben soll. Wenn die Vorlage auch nur halb so packend ist wie der Film, ist das mehr als verständlich.

Wer das koreanische Action-Kino kennt, weiss, dass nicht mit leichter Kost zu rechnen ist. Snowpiercer erforscht zwar nicht so fasziniert die Abgründe der menschlichen Psyche, wie das etwa Park Chan-Wook – hier als Produzent dabei – gerne tut, aber dennoch sind die sehr grafischen Kampfeinlagen nichts für sanfte Gemüter. Wer damit aber klarkommt, kommt in den Genuss beinharter und erbarmungsloser Action. Auch auf erzählerischer Ebene ist der Film alles andere als ein Hollywood-Streifen – Bong geht seinen ganz eigenen Weg und bricht mit gängigen Klischees. So bleibt der Film durchwegs spannend, was bei zwei Stunden Laufzeit keine Selbstverständlichkeit ist.

Der Cast von Snowpiercer besteht aus einem bunten Haufen wild zusammengetrommelter Darsteller, die man sich so irgendwie nicht wirklich in einem Film vorstellen kann, die aber perfekt harmonieren. Überraschend ist dies im Fall von Chris Evans, der als grummliger Anführer dieser Truppe überzeugen kann und für einmal nicht der Schwachpunkt des Films ist. Tilda Swinton stellt erneut eindrücklich ihre Wandlungsfähigkeit unter Beweis, während das koreanische Duo Sang Kang-Ho und Go Ah-Sung als drogenabhängiges Vater-Tochter-Gespann für die berührenden Momente des Films sorgt.

"...Primrooooose Everdeen!"
„…Primrooooose Everdeen!“

Snowpiercer ist ein spannendes Stück Genrekino, das mit einer fesselnden Story und einem überzeugenden Cast aufwartet. Damit ist Bong Joon-Ho’s englischsprachiges Debüt einer der besten Filme, die ich dieses Jahr gesehen habe.

10 Sterne

Das 28e Festival International de Films de Fribourg zeigt Snowpiercer am 4. April um 21.45 Uhr (CapCiné 5).

  • donpozuelo

    Grandioser Film! Kann ich nur zustimmen. Story top, Darsteller top, Production Design top – alles top. Tilda Swinton ist großartig!!!!

    Und die Comic-Vorlage ist wirklich zu empfehlen. Der Film übernimmt ja wirklich nur die grobe Idee mit dem Zug und erschafft seine ganz eigene Geschichte – was ich ehrlich gesagt, ziemlich cool fand.

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  • Jan

    Ich kann offensichtlich als einziger Mensch auf der Erde diesem Film kaum positive Aspekte abgewinnen. Der war doch mal wieder total plump, zerfällt am Ende immer mehr in äußerst fragwürdigen moralischen Abwegigkeiten und ist alles andere als der immer wieder als intelligent angepriesene Sci-Fi-Streifen.

    Ich gebe ja noch zu, dass der Cast gut und teils auch gegen die Konvention besetzt wurde, aber so richtig warm werde ich mit dem Helden der Geschichte eben auch nicht. Evans bleibt für mich ziemlich blass und schrecklich eindimensional…

    Die Bilder sind zum größten Teil wirklich toll, die Ausstattung hervorragend. Aber ich habe mich nicht einmal gut unterhalten gefühlt über die 2 Stunden. Einzelszenen wie in der Grundschulklasse oder Swintons Reden sind immerhin auf ihre skurrile Art (typisch Boon Jo-Hong) witzig, aber doch auch irgendwie etwas außen vor im Hinblick auf das Gesamtwerk.

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  • donpozuelo

    @Owley: Da ich des FRanzösischen so gar nicht mächtig bin, erübrigte sich bei mir diese Überlegung 😉

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  • Jan

    @Owley: Ich bin mir auch nicht gänzlich sicher, was ich eigentlich von dem Film erwarten wollte, aber ich hatte mich im Vorfeld sehr darauf gefreut. Der Film feierte in Deutschland ja schon auf der Berlinale Premiere und bekam tolle Kritiken und dann kam da meiner Meinung nach recht wenig vom Film selbst… Zudem mag ich ja die neuen koreanischen Regisseure sehr mit ihrer teils verschrobenen Art und ihrem ästhetisierten visuellen Konzepten. Das steckt auch alles in SNOWPIERCER.
    Wahrscheinlich war es letztlich ein ähnliches Problem, wie ich es schon bei zum Beispiel ELYSIUM bei mir festgestellt habe: Die Filme bauen am Anfang eine ziemlich interessante Welt und tiefgründige Thematik auf, die mit fortschreitender Laufzeit immer weiter vernachlässigt wird.
    Die letzten wirklich klugen und intelligenten Sci-Fi-Filme wurden wohl alle in den 60-80er Jahren gedreht. Als nächstes bahnt sich mit TRANSCENDENCE aller (meiner) Voraussicht nach, der nächste Kandidat an, der auf ähnliche Weise enttäuschen könnte… (ich werde so pessimistisch und dramatisch!)

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  • Comicgirl

    Ich fand den Film grossartig. Ist schon lange her, dass mich ein Film so mitgerissen hat. Ton, Bild, Story, alles hat gepasst. Und ich fand gerade Chris Evans sehr überzeugend. Ich hatte das Gefühl, zum ersten Mal einen Film gesehen zu haben, bei dem er gezeigt hat, was er wirklich kann. Ich hab eine Woche vorher CapAm 2 gesehen und der Unterschied ist gigantisch.
    Den Comic hab ich vorher schon gelesen. Beides, Film wie Comic, kann ich empfehlen.

    Das einzige, was mir ein bisschen komisch vorkam war das Ende. Allerdings liessen mich die Enden im Comic genau so ratlos zurück.

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  • kalesco

    Ich hab mir jetzt auch diesen Film „gegönnt“ und bin sehr angetan. Idee, Umsetzung und Darsteller fand ich sehr gut, vor allem die beiden jungen Rebellen (Edgar, Grey) fand ich interessant und ich hätte gern mehr über ihre Geschichte erfahren. Edgar kam mir etwas älter vor als 17, aber naja.
    Bei einer Sache bin ich ganz bei Jan: in aktuellen SciFi und Endzeit-Filmen werden großartige Welten aufgebaut, die neu sind und neugierig machen (Elysium, Ender’s Game, Total Recall 2012) und leider nach einer Weile dann vernachlässigt werden. Das Setting wird aufgebaut und sobald die Action startet könnte der Film in beliebigen anderen Welten spielen. Das finde ich schade und enttäuschend, obwohl mir die Filme dennoch gefallen. 8/10 von mir 🙂

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  • Snowpiercer (2013) | Illegitim.

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