Kaze Tachinu (2013)

KazeTachinu

„Airplanes are beautiful dreams. Engineers turn dreams into reality.“

Als ich mich vor einigen Monaten für den Studiengang Animation 2D an der Hochschule Luzern beworben habe, sollte man neben einem Portfolio der bisherigen Arbeiten auch eine Filmkritik zu einem Animationsfilm einreichen. Für mich war sofort klar, über welchen Film ich diesen Beitrag schreiben würde, lag die Erstsichtung von Hayao Miyazakis letztem Film Kaze Tachinu (Wie der Wind sich hebt) nur wenige Tage zurück. Mittlerweile habe ich den Film bereits zweimal im Kino gesehen und bin immer noch begeistert, weshalb ich euch diese Rezension in überarbeiteter Form präsentieren möchte. Nicht zuletzt, da ich auch der Überzeugung bin, dass sie auch für meine Aufnahme mitentscheidend war.

Miyazakis aktuellste Werke zeigen eindrücklich das Ausmass der thematischen Bandbreite, die er abdeckt: Während er 2008 mit Gake No Ue No Ponyo (Ponyo) die Beziehung zwischen Mensch und Natur kindergerecht aufarbeitete (und nebenbei einen riesigen Tsunami für Japan prophezeihte) widmet sich Miyazaki im bildgewaltigen Kaze Tachinu den Biografien zweier Männer, die der Zweite Weltkrieg auf unterschiedliche Weise geprägt hat. Der Erste heisst Jiro Horikoshi und war der Entwickler des späteren Kamikazefliegers Mitsubishi A5M. Er ist der Protagonist und als solcher ein Fliegernarr sondergleichen. Der Zweite ist Miyazaki selber, der die zahlreichen Lücken in Horikoshis Biografie mit seiner eigenen füllt. Der Sohn eines Flugzeugdesigners fabriziert auf diese Weise eine berührende und überraschend intime Geschichte über die Liebe eines Mannes zur Fliegerei. Durch die persönliche Note, die dem Film zugrunde liegt, gewinnt Miyazakis Aussage, dass Kaze Tachinu sein letzter Film sein soll, zusätzlich an Bedeutung. Schliesslich gibt es kaum einen besseren Weg, die Karriere abzuschliessen, als mit einem Rückblick auf dieselbe.

Auf den ersten Blick mag es irritieren, dass sich der bekennende Pazifist Miyazaki der Biografie eines Mannes, der vom Krieg profitiert hat, annimmt. Doch dem Filmemacher ist der Krieg egal, ihm haben es die Flugmaschinen angetan. Diese Faszination gibt Miyazaki mit Kaze Tachinu ans Publikum weiter: Selbst der grösste Aviatikmuffel kommt nicht umhin, die Schönheit dieser Flieger – ganz ungeachtet ihres Zwecks – zu bewundern. Es fasziniert auch immer wieder aufs Neue, wie behutsam Miyazaki mit seinen Figuren umgeht. Wie der japanische Filmemacher die Liebesgeschichte zwischen Jiro und seiner kranken Frau Naoko aufbaut und erzählt, ist einfach nur schön und dürfte niemanden kalt lassen. Einzigartig ist der Film auch in Bezug auf seine Tonspur, und ich meine jetzt nicht einmal Joe Hisaishis erneut wunderbaren Soundtrack. Nein, auch die Geräuschkulisse ist einzigartig: Miyazaki hat sämtliche Motorengeräusche mit dem Mund gemacht – genauso, wie das ein kleiner Junge, der mit dem Spielzeugflugi durchs Wohnzimmer rennt, tut.

Jiro war ziemlich genervt, als er sah, dass sich Naoko bei seinen Hüten bedient hatte.
Jiro war ziemlich genervt, als er sah, dass Naoko sich bei seinen Hüten bedient hatte.

Kaze Tachinu ist Hayao Miyazakis erwachsenster Film – ein ergreifendes und bildgewaltiges (auto)biografisches Drama über einen Visionär und dessen Leidenschaft, das bis zum Schluss zu faszinieren weiss. Eine passendere Geschichte für seine Dernière hätte sich der japanische Filmemacher kaum einfallen lassen können.

10 Sterne

  • donpozuelo

    Oh Mann, da freue ich mich ja jetzt gleich noch viel mehr drauf. Gott sei Dank hat der Film jetzt endlich auch einen deutschen Kinostart. Hauptsache, ich finde dann nur ein Kino, in dem der im Original mit Untertiteln läuft 😀

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  • Poly

    Ich finde es zwar sehr schade, dass Miyazaki hier die offensichtliche Verbindung zum Krieg mehr oder weniger ausblendet, aber bisher mochte ich noch jeden Film von ihm und da wird dieser wohl auch keine Ausnahme machen.

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