Good Kill (2014)

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„Don’t ask me if it’s a just war. It’s not up to us. To us, it’s just war.“

Thomas Egan sitzt am Auslöser einer US-Kriegsdrohne, die Tag für Tag im nahen Osten potentielle Terroristen auslöscht. Dass diese Arbeit nicht spurlos an ihm vorbeigeht, überrascht nicht – als dann auch noch die Zahl fragwürdiger Aufträge zunimmt, wird es allmählich zuviel für Thomas. Mit Good Kill bringt uns Andrew Niccol bereits seinen sechsten Film, und ein bisschen schliesst sich damit auch der Kreis: Zum ersten Mal seit Niccols Regiedebüt Gattaca spielt wieder Ethan Hawke die Hauptrolle.

Bei In Time und The Host bewies Andrew Niccol kein glückliches Händchen – die beiden Sci-Fi-Dystopien konnten mich wirklich überzeugen. Doch nun kehrt er, fast zehn Jahre nach dem grossartigen Lord of War also wieder zur Sozialkritik zurück und setzt uns eine ähnliche Thematik vor wie schon 2005. Doch anders als der zynische Waffenhändlerkrimi versteht sich Good Kill nicht als Satire, sondern als ernstes Drama, das uns geschickt die Gefahr der technologischen Kriegsführung aufzeigt. Wenn uns Kameramann Amir Mokri ganz subtil das Anwesen von Thomas und seiner Familie aus erhöhter Perspektive zeigt, dann verfehlt diese Message ihr Ziel nicht – wir sind genauso im Visier, wie die Andern. Doch Good Kill äussert sich nicht nur gegenüber der Technologie an sich, sondern nimmt sich auch der Frage an, was das für psychologische Folgen für die „Täter“, die Menschen am Auslöser hat.

Es gibt weniger schmerzhafteres, als zwei Männer, die, kurz nachdem sie versehentlich zwei unschuldige Kinder getötet haben, ihr Tun mithilfe leerer militarischer Floskeln zu rechtfertigen versuchen. Einer dieser Männer ist der ehemalige F-16-Pilot Major Thomas Egan, der seiner Zeit im Cockpit nachtrauert und sich für seine Taten im Namen der Regierung schämt – er sieht sich als Feigling, der zweifelhaften Befehlen ausgesetzt ist. Täglich ist er verantwortlich für unzählige Todesopfer, doch Egan ist nicht der Typ, der über solche Dinge spricht – erst recht nicht, wenn seine Kollegen ihr Tun für angemessen erachten. Und Ethan Hawke passt da natürlich perfekt in diese Rolle des stillen, in sich gekehrten Piloten, dem man sein Unglück regelrecht ansieht. Auch Zoë Kravitz, die die Co-Pilotin Vera Suarez, quasi die Stimme der Vernunft neben Egan spielt, überzeugt in ihrer Rolle.

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Good Kill ist Andrew Niccols bester seit Lord of War, was zwar auch nicht allzu schwer ist. Das Kriegsdrama gefällt vorallem aufgrund der soliden Regieführung, dem konsequenten Umgang mit der brisanten Thematik und authentischen Figuren.

9 Sterne

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