Begin Again (2014)

BeginAgain

„Musicians for the most part are monosyllabic teenagers who really don’t have a whole lot to say.“

Der gescheiterte Musikproduzent Dan trifft in einer Bar in New York Gretta, eine britische Musikerin, die sich soeben von ihrem Freund getrennt hat. Gemeinsam möchten sie ein Album aufnehmen, das den Beat der Grossstadt einfangen soll. 2006 feierte der irische Regisseur John Carney mit dem Musikerdrama Once seinen Durchbruch. Die Kleinproduktion mit einem Budget von schlappen 150’000 Pfund und zwei Laien in den Hauptrollen gewann überraschend einen Oscar. Begin Again, Carneys vierte Regiearbeit, teilt viele Storyelemente mit Once – weshalb ein Vergleich der beiden Filme, so ungerecht er auch sein mag, mehr als angebracht ist.

Begin Again ist ein Film, der die Independent-Musikszene zelebriert – und irgendwie will es mir da überhaupt nicht in den Kram passen, dass da ausgerechnet zwei A-Lister, die mit Musik wenig am Hut haben, die Hauptrollen spielen müssen. Selbst die Musiker, die sich in den Film verirrt haben, also Adam Levine, CeeLo Green (der in diesem Film niemandem was in den Drink mischt) und Mos Def, könnte man jetzt nicht gerade als Indie-Musiker bezeichnen. John Carneys erste US-Produktion wirkt zudem wie ein lustloses Remake von Once, das mit einer ausgelutschten Story und durchschnittlichen Darstellern aufwartet. Selbst der Soundtrack war beim irischen Musikdrama besser – hier bekommen wir haufenweise überproduzierte Chartstürmer, zu denen sich der ein oder andere brauchbare Titel gesellt.

Immerhin: Die Idee des auf der Strasse produzierten Albums, das den Sound der Stadt einzufangen versucht, finde ich wirklich genial. Aber die Umsetzung dieser Idee gefällt mir nicht wirklich. Ich hätte mir halt gewünscht, dass die Songs, die die Musiker aufnehmen, auch wirklich live aufgezeichnet würden und nicht noch zusätzlich abgemischt würden. Das ist mir dann doch ein bisschen zu inkonsequent und widersprüchlich. Und bin ich der einzige, der findet, dass es ironisch anmutet, wenn die Musiker ihr Album in einem heldenhaften Schachzug für 1 Dollar online feilbieten während wir den Soundtrack zu Begin Again mit denselben Songs für deutlich mehr Geld erstehen müssen?

BeginAgain2

„I think that you lost the song in the production“, mahnt Gretta ihren Ex-Freund Dave, als dieser angesichts seiner wachsenden Popularität eine Indie-Ballade zu einem Stadion-Hit hochstilisiert. Und diese Aussage passt auch zu John Carneys Begin Again, der offiziell zwar kein Remake von Once sein will, diesen aber ziemlich dreist und nicht überzeugend kopiert.

4 Sterne

  • Julian

    Ich fand Once damals (und auch heute noch) ziemlich genial. Gerade die Musikszene kam sehr realistisch rüber, besonders, wie das Album produziert wurde und danach jeder seinen Weg alleine ging (das ist so oft so, man kommt für ein paar Tracks zusammen, ohne feste Band). Dazu ein großartiger Soundtrack, der zumindest Glen Hansards Karriere vorantrieb. Marketa Irglova war leider nie wieder so gut, wie mit ihm. Es war klar, dass irgendwann ein Versuch unternommen wird, den Erfolg zu kopieren (zwischenzeitig gab es ja auch das Musical). Warum aber mit Chartsoundtrack und Bekannten Schauspielern? Nun, ich werde mir den Film dann wohl auf Blu-ray ansehen.

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  • Julian

    Oder ich warte aufs Free TV.

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