Nightcrawler (2014)

Nightcrawler

„My motto is if you want to win the lottery you’ve got to make money to get a ticket.“

Lou Bloom ist auf der Suche nach einem Job, als er an einem Autounfall vorbeikommt. Fasziniert betrachtet er nicht nur das Tun der Rettungskräfte, sondern auch das der Kameramänner, die die Szenen filmen, um die Aufnahmen anschliessend an TV-Stationen zu verhökern. Überzeugt davon, dass dies seine Berufung ist, legt sich Lou eine Kamera zu und begibt sich auf die Suche nach Unfällen und Verbrechen.

Wer mich kennt, weiss, dass mich Journalismus sehr fasziniert. Ich finde es spannend, dieses Medium kritisch auf seine ethischen und moralischen Grauzonen zu untersuchen und zu erkennen, mit welchen Mitteln und Methoden die Beteiligten arbeiten. Und auch wenn gewisse Zustände schon hierzulande Besorgnis erregen, so ist das meiner Meinung nach nichts im Vergleich zu den USA, wo den Quoten zuliebe oft auf gesunden Menschenverstand oder ethische Prinzipien verzichtet wird – und genau da setzt Nightcrawler an.

Dan Gilroy gelingt es, beim Zuschauer neben der offensichtlichen Abscheu auch eine perverse Faszination für dieses Metier zu wecken. Wir fiebern mit Lou mit, den wir als schussligen Aussenseiter kennenlernen und der mit zunehmender Laufzeit zum berechnenden Creep wird, der vor nichts zurückscheut. Dabei geht Gilroy aufs Ganze – es reicht nicht, dass Lou seinen Praktikanten Rick mit tollen Geschichten über sein Business hinters Licht führt, nein, er nimmt den naiven Assistenten auch noch nach Strich und Faden aus.

Natürlich ist viel von dieser Faszination für Lou auch Jake Gyllenhaals Verdienst, der dank Method Acting als ausgehungerter Boulevard-Koyote gefällt. Mit seinem aufgesetzten Grinsen ist Lou eine der unheimlichsten Figuren, die mir in letzter Zeit auf der Kinoleinwand begegnet ist. Am Besten gefällt mir Gyllenhaal im Zusammenspiel mit der fast dreissig Jahre älteren Rene Russo, die als Nachrichtenchefin Nina aus dem gleichen Holz wie Lou geschnitzt ist. Interessant ist dabei auch, wie das Machtverhältnis plötzlich wechselt, und die anfangs taffe Nina plötzlich mit dem Rücken zur Wand steht und dem Willen von Lou ausgesetzt ist.

Nightcrawler2

Nightcrawler ist ein absurder Thriller, der von seinem durchgeknallten Protagonisten lebt. Jake Gyllenhaals unheimliche Performance verleiht dem packenden Script von Dan Gilroy den letzten Schliff.

8 Sterne

  • donpozuelo

    Oh ja, ich fand den super. Wirklich absurd und makaber… einer dieser Filme, bei dem man sich irgendwie nie wirklich wohl dabei fühlt, mit dem Hauptdarsteller mitzufiebern… Gyllenhaal ist auch mal wieder großartig!!!

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  • Karo Kafka

    Uuh, klingt nach dem perfekten Film, um mir mit (hoffentlich) bedrückender Atmosphäre mal wieder meine Eingeweide vor Unbehaglichkeit zusammen ziehen zu lassen. Was bei einem Thriller ein gutes Zeichen ist. Kommt gleich auf die Merkliste. 🙂

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  • donpozuelo

    @Owley: Ja, ja, die arme Sau….

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  • Jan

    Schließe ich mich dir vollends an. Fieser, bissiger Film mit einem (in letzter Zeit) gewohnt übermäßig starkem Gyllenhaal und einer lange nicht mehr gesehenen Rene Russo!

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