Owley am ZFF 2018: Astrid, Puzzles und das ganze Leben


Tag 5: Montag, 1. Oktober 2018

Als ich mich zum Mittagessen mit meiner Schwester treffe, habe ich noch keinen einzigen Film gesehen. Ausschlafen konnte ich deswegen aber nicht, denn bereits am Morgen stand meine dritte Anmoderation des Festivals auf dem Programm. Zum letzten Mal für dieses Jahr durfte ich zudem ein Q+A mit einem Filmemacher leiten, was ich immer sehr spannend finde.

Erst am Nachmittag geht es für mich los mit dem Filmeschauen, denn dann steht meine erste Vorstellung des Tages an. Ich treffe auf dem Weg noch auf Sven und – ein bisschen überraschender – auch auf Olivia, mit der ich eine Weile die Wohnung geteilt habe. Alle haben wir dasselbe Ziel: Die Pressevorstellung von «Astrid» (3/5) von Pernille Fischer Christensen. Der Film erzählt vom Leben der schwedischen Schriftstellerin Astrid Lindgren und kann (mit wenigen Abstrichen) überzeugen. Die berührende Geschichte über Astrids erste Liebe und den Kampf um ihr Kind bettet die Regisseurin in eine künstliche aufgebauschte Rahmenhandlung ein, die die Authentizität des eigentlichen Films immer wieder untergräbt. Weniger Pathos hätte diesem Film besser getan.

Auf dem Weg zum nächsten Kino begegne ich Linda, die mir Angst macht. Angeblich wurde «Life Itself» den ich als Nächstes sehen werde, von der Kritik in der Luft zerrissen. Na danke. Und tatsächlich belausche ich beim Verlassen des Kinos auch einige Leute, die sich lautstark über den Film aufregen. Ich kann ihnen nicht beipflichten, denn ich habe gerade einen der interessantesten Filme des Festivals gesehen. «Life Itself» (5/5) ist ein kitschiges, durchgeknalltes und bisweilen überbordendes Machwerk, das wirkt, als wolle es in seinen schlappen zwei Stunden Laufzeit mal eben die Welt erklären. Dan Fogelmans Drama über Familie, Liebe und Tod will insgesamt mehr, als ihm guttut – doch alleine für den Mut, solch einen wahnsinnigen Film zu machen, muss man dieser Produktion Respekt zollen.

Bei meiner letzten Vorstellung der ersten Festivalhälfte ist das Kino ziemlich leer. Das liegt einerseits daran, dass sie am Montagabend ist, und andererseits am Film selber. Sowohl die Hauptdarsteller (Kelly Macdonald und Irrfan Khan) auch die Story (eine vom Alltag erdrückte Hausfrau entdeckt ihre Liebe für Puzzles) sind jetzt nicht gerade das, was die breite Masse erreicht. Darüber kann «Puzzle» (3/5) auch nicht wirklich hinwegtäuschen – die Figuren und ihre Probleme sind zu einfach gezeichnet, die Story zu geradlinig. Marc Turtletaubs Remake eines argentinischen Dramas ist ein bisweilen gar zu seichter Film.

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