Kreative Woche

Oktoberliebe

Dass ich gestern im Rennen um einen Platz im Tschutti Heftli war, dürfte dank meinem sehr offensiven Likeaufruf wohl keinem von euch entgangen sein. An dieser Stelle möchte ich mich bei allen, die geliked, geteilt, retweetet, gebloggt und geworben haben – mit einem Resultat von 250:60 Likes konnte ich dieses Duell relativ knapp für mich entscheiden. Ich habe mich sehr über das grossartige Echo gefreut und bin gespannt, was da auf mich zukommt. Ehrensache, dass ich euch über den Arbeitsprozess auf dem Laufenden halten werde.

Ein anderes Projekt von mir nimmt dagegen konkrete Formen an, und ich werde euch gerne am Donnerstag näher darüber informieren, wenn es online geht. Es handelt sich dabei um eine Herzensangelegenheit, für die ich mich in den letzten Monaten stark eingesetzt habe, und die nun endlich zustandekommt. Genaueres dazu werde ich euch verraten, sobald ich darf. Bis dann lasse ich euch einmal dieses kryptische aber auch sehr symbolische Bild da:

HeaderProject

Tonari no Totoro (1988)

TotoroAnimontag

„Früher waren Menschen und Bäume einmal gute Freunde.“

Als ich Tonari no Totoro (Mein Nachbar Totoro) vor Kurzem im Kino gesehen habe, besuchte ich eine Nachmittagsvorstellung. Das bedeutete, dass das Kino voller Kinder war, die alle den Film in- und auswendig kannten (und dies lautstark kundtaten). Irgendwie überraschte mich das. Ich hätte nicht gedacht, dass Hayao Miyazakis wohl berühmtester Film auch heute noch Anklang finden würde – doch eine Schar kleiner Kinder belehrte mich eines Besseren. Diese anhaltende Begeisterung wurzelt sicher auch darin, dass der Film mit seiner einfachen Geschichte leichter zugänglich ist für ein westliches Publikum als Miyazakis fantastischere Stoffe. Die Geschichte der beiden Schwestern Mei und Satsuki, die mit ihrem Vater aufs Land ziehen und dort den Waldgeist Totoro treffen, Hayao Miyazakis erster wirklich ruhiger Film. Es geht nicht darum, die Welt zu retten oder böse Mächte in Schach zu halten – in Tonari no Totoro geht es um die Erfahrungen, die die beiden Schwestern in dieser, ihnen neuen Welt machen.

Miyazaki ist mit seiner vierten Regiearbeit ein visuell beeindruckendes Werk gelungen, das für mich auch heute, fast dreissig Jahre später immer noch zu den am schönsten animierten Filmen überhaupt zählt. Der Art Director des Films, Kazuo Oga, haucht der Landschaft auf eindrucksvolle Art und Weise Leben ein und auch das Charakterdesign, das mit bunten Farben einen deutlichen Kontrast zu den dunklen Tönen der Landschaft bildet, ist einzigartig. Die beim Publikum noch immer anhaltende Begeisterung für den knuffigen Totoro – quasi einen Bären mit Hasenohren – der es ins Logo der Ghibli Studios und sogar in Toy Story 3 geschafft hat, spricht in dieser Hinsich Bände. Dass Tonari no Totoro Kult ist, ist auch nicht zuletzt Joe Hisaishis Verdienst. Der japanische Komponist kreiert stimmige Themen und eingängige Songs, die mal melancholisch, mal verspielt die Gefühlswelt der kleinen Mädchen reflektieren.

In Kürze:

Tonari no Totoro ist ein beschaulicher, aber nicht minder berührender Film von Hayao Miyazaki, den ich mir immer wieder ansehen könnte.

Wertung:

5 von 5 kleinen Totoros

Übrigens:

Dass der Film beschaulich und familientauglich ist, ist lediglich meine Interpretation. Es gibt Theorien, die ziemlich schlüssig nahelegen, dass Tonari no Totoro eigentlich ein sehr tragisches Thema behandelt und damit eigentlich überhaupt nicht für Kinder geeignet ist.

The Force Awakens, die Zehnte.

The Road to Star Wars: The Force AwakensIIIIIIIVVVIVIIVIII – IX

YouTube Preview Image

Gestern Nacht wurde, nachdem man am Morgen den Vorverkauf eröffnete, dann auch der Trailer veröffentlicht. Und meine Fresse, sieht das cool aus. Schöne Visuals und coole Action, berührende Musik, die alten Schauspieler melden sich zu Wort (ausser Luke) und dieser Finn/Poe Dameron-Moment… Meine Fresse. Ich freue mich jedenfalls tierisch auf den kommenden Dezember und werde mir bis da den Trailer noch fünfzig Mal ansehen. Mindestens. Meine Prognose hat sich insofern bewahrheitet:

Thought you should know. #starwars #trailer

A photo posted by Owley (@herrowley) on

Ich habe übrigens noch gute Neuigkeiten: Mein gestern geschildertes Problem mit der Ticketbuchung konnte sich dank der Hilfe von Paul klären. Paul ist mein Brieffreund aus den UK und nebenbei auch noch der CEO von ODEON, einer der grössten Kinoketten der UK. Ich schilderte ihm (in Caps Lock) mein Problem und Paul sorgte dafür, dass ich nun im Besitz von zwei Tickets für den Film im BFI IMAX bin. Beziehungsweise liess er mich wissen, dass seine Assistentin mir diese zur Seite gelegt hätte. Paul ist ein cooler Typ.

The Force Awakens, die Neunte.

Eine Lektion, die ich mir irgendwann zu Herzen nehmen werde. Nicht aber heute.

Was bisher geschah: IIIIIIIVVVIVIIVIII

Die Vorgeschichte: Meine Freundin und ich haben im vergangenen Jahr beschlossen, dass wir uns in London den neuen Star Wars-Film ansehen würden. Als jemand, der im Kino arbeitet und pro Jahr unzählige Filme sieht, wollte ich den Kinostart von Star Wars: The Force Awakens speziell feiern. Also haben wir Flugtickets für ein Wochenende in London gebucht und beschlossen, dass wir den Film am Samstag sehen würden. Um welche Zeit war eigentlich nicht wichtig, aber im BFI IMAX, dem coolsten Blockbusterkino Londons sollte es bitte sein. So weit der Plan. Dann ging alles schief.

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Tenkū no Shiro Rapyuta (1986)

LaputaAnimontag

„Wie willst du König sein, wenn dein Reich nur eine Ruine ist?“

Immerhin erklärt Hayao Miyazaki in seinem dritten Film Tenkū no Shiro no Rapyuta (Das Schloss im Himmel), dass der Name der titelgebenden, fliegenden Insel nicht seine Erfindung ist, sondern die von Jonathan Swift. Der Brite schrieb in seinem Roman Gulliver’s Travels nämlich von einer fliegenden Insel namens Laputa. Es ist anzunehmen, dass er sich der Mehrdeutigkeit dieses Begriffs durchaus bewusst war. Miyazaki übernahm diesen Namen in der Folge für seinen Film, der wohl deshalb in fast allen internationalen Märkten ganz bewusst als „Schloss im Himmel“ vermarktet wird und in spanischsprachigen Regionen sogar von einer Insel namens „Lapuntu“ erzählt. Versteht sich von selbst, dass Hayao Miyazakis Film über die Suche nach einer geheimen fliegenden Insel nicht einaml ansatzweise so schlüpfrig ist wie sein Titel. Noch immer dem Steampunk verfallen, erzählt der japanischen Filmemacher in Tenkū no Shiro no Rapyuta eine berührende Geschichte über Freundschaft und Treue, übt aber auch einmal mehr offen Kritik am Kriegstreiben.

Seine zauberhafte Insel ist nämlich, so schön und idyllisch sie aussehen mag, eine gefährliche Waffe, mit der ein sinistrer Spion die Erde unterwerfen will. Sowohl die Prinzessin Sheeta und der Waisenjunge Pazu als auch eine Bande von ruchlosen Luftpiraten stellen sich ihm in den Weg und es entbrennt ein wilder Wettstreit. Tenkū no Shiro no Rapyuta ist ein packender Abenteuerfilm, der den bescheuerten Humor von Rupan Sansei: Kariosutoro no Shiro (Das Schloss des Cagliostro) mit den atemberaubenden Bildern von Kaze no Tani no Naushika (Nausicaä aus dem Tal der Winde) kombiniert. Joe Hisaishi, der nach Miyazakis Manga-Verfilmung hier nun zum zweiten Mal die Musik schreiben darf, setzt abermals stark auf Synthesizerklänge. Er versieht diese mit pompösen Bläsern und einem dezenten Streicherteppich und kreiert daraus einen stimmigen und immer wieder berührenden Soundtrack.

In Kürze:

Ich hatte bislang immer ein bisschen Mühe mit Tenkū no Shiro no Rapyuta, den ich zu wirr und trashy fand. Doch nach erneuter Sichtung gefällt mir dieser Steampunk-Abenteuerfilm mit seiner tollen Musik und den schönen Bildern sogar sehr gut.

Wertung:

5 von 5 plongenden Robotern

The Force Awakens, die Achte.

TFA_Poster

Was bisher geschah: IIIIIIIVVVIVII

Endlich ist das Plakat zu Star Wars: The Force Awakens da und ich freue mich natürlich tierisch über dieses knallbunte Sujet, das eindrücklich zeigt, dass die Grundfarben noch lange nicht ausgedient haben, wenn es darum geht, Action und Spannung zu vermitteln. Natürlich ist es überladen. Natürlich fehlt Luke. Natürlich ist es schade, dass man so tut, als wäre es von Drew Struzan gestaltet nur um es dann NICHT von Drew Struzan gestalten zu lassen. Aber nichts von alledem kann meine Freude über dieses wundervolle Sujet auch nur ein bisschen trüben. Im Gegenteil: Ich werde es mir morgen gleich bestellen und es mir übers Bett hängen.

Was ich morgen auch tun werde, ist mir meine Kinotickets für das Startwochenende in London zu sichern. Denn morgen gehen die in den Verkauf und wir haben beschlossen, dass uns niemand davon abhalten wird, den Film am Startwochenende im BFI IMAX zu sehen.

Der Film kann kommen!

Schellen-Ursli (2015)

Schellen-Ursli

„Er wird doch nit öppe öppis tumms gmacht haa?“ – „Bi ihm weiss mer nie so recht!“

2015 scheint das Jahr der grossen Schweizer Kinderbuchproduktionen zu werden – gleich zwei solcher Ikonen schaffen es in diesem Herbst auf die grosse Leinwand. Im Dezember erscheint Alain Gsponers Heidi-Verfilmung mit Bruno Ganz als Alpöhi und schon jetzt bringt Xavier Koller den Schellen-Ursli ins Kino. Der Oscar-Preisträger scheint das junge Publikum für sich entdeckt zu haben: Die Umsetzung von Alois Carigiets Kinderbuch ist für Koller nach der starken Verfilmung von Die Schwarzen Brüder bereits der zweite Film für ein jüngeres Publikum. Doch zwischen der Verfilmung eines fünfhundertseitigen Jugendromans und der Adaptation eines fünfzig Seiten umfassenden Bilderbuches liegen Welten – und Schellen-Ursli konnte mich leider nicht überzeugen. Xavier Kollers Film krankt an Hobbititis – die ohnehin schon ziemlich dünne Story der Vorlage wird auf 100 Minuten gestreckt und mit unzähligen Nebengeschichten erstickt. Es geht in Kollers Film eigentlich gar nicht mehr um den Bub Ursli, der am Frühlingsumzug „Chalandamarz“ die grösste Glocke läuten möchte, sondern um gestohlenen Käse und Freundschaften mit Ziegen und Mädchen.

Das wäre an sich kein Problem – ich verstehe, dass Koller diesen Stoff irgendwie bearbeiten muss, um das überhaupt filmisch umsetzen zu können. Aber das wirkt halt alles gezwungen und unecht, was dazu führt, dass ich mich eher in einer Gotthelf-Verfilmung als einer Umsetzung von Schellen-Ursli wähne. Als Umsetzung vom Buch auf die Leinwand ist dieser Film für mich deshalb, so schön er gefilmt sein mag und so bezaubernd er die Landschaft wiedergibt, gescheitert. Auch die jungen Darsteller können, so sehr sie sich auch bemühen, leider nicht überzeugen und bleiben blass. Immerhin gleichen das die gut aufspielenden erwachsenen Schauspieler ein bisschen aus – allen voran Marcus Signer der Urslis liebevollen Vater spielt oder Leonardo Nigro, der als geldgieriger Kolonialwarenhändler Armon den Antihelden des Filmes gibt.

In Kürze:

Ich wünschte, ich könnte Schellen-Ursli ein gutes Zeugnis ausstellen – aber Xavier Kollers Film bleibt mit seinem überladenen Script weiter hinter den Erwartungen zurück.

Wertung:

2 von 5 gestohlenen Käselaiben

Black Mass (2015)

BlackMass
ZFF2015

„It’s not what you do, it’s when and where you do it, and who you do it to or with. If nobody sees it, it didn’t happen.“

Ich hätte nach dem schrecklichen Mortdecai ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, dass Johnny Depp noch im gleichen Jahr mit einem Film aufwartet, der uns für all seine Fehltritte der vergangenen Jahre entschädigt. Doch genau das ist Black Mass – ein Film, in dem der Hollywoodstar eindrücklich beweisen kann, was eigentlich in ihm steckt. Der Film von Scott Cooper, der die Lebensgeschichte des amerikanischen Mobsters James „Whitey“ Bulger erzählt, zeigt Depp (hinter tonnenweise Make-Up) als bedrohlichen und unberechenbaren Kriminellen. Dass Depp gerade in diesem Film so herausragt, ist umso beeindruckender, wenn man bedenkt,  dass sich mit Benedict Cumberbatch, Kevin Bacon, Joel Edgerton und Peter Sarsgaard auch einige der angesagtesten Charakterdarsteller der Gegenwart die Ehre geben. Doch sie können alle nicht darüber hinwegtäuschen, dass Black Mass in erster Linie eine Johnny Depp-Show ist.

Daran ist auch Scott Cooper nicht ganz unschuldig: Dem Filmemacher ist mit seiner dritten Regie-Arbeit ein packender und schonungsloser Mafia-Thriller gelungen, der geschickt den Aufstieg und Fall einer schillernden Figur zeigt. Schockierend ist dabei vorallem die Art und Weise, wie sich der von Depp eiskalt verkörperte Bulger seine Machtposition sichert: Mittels politischer Spielchen und der Unterstützung korrupter Beamter schaltet Bulger einen Kontrahenten nach dem anderen aus, bis er sich in eine Lage bringt, in der selbst das FBI Mühe bekundet, ihm das Handwerk zu legen. Diesen ikarischen Höhenflug von Bulger (der natürlich im krassen Fall des Protagonisten enden muss) inszeniert Cooper dann für meinen Geschmack aber ein wenig gar repetitiv, ein Faktor der sich in der erdrückenden Laufzeit niederschlägt. Das Gangster-Biopic hätte durchaus eine halbe Stunde kürzer und dafür knackiger ausfallen dürfen.

In Kürze:

Johnny Depp liefert in Black Mass eine denkwürdige Leistung ab und straft all jene, die ihn bereits abgeschrieben hatten, Lügen. Ein trotz einiger Längen denkwürdiger Film.

Wertung:

4 von 5 geheimen Familienrezepten

Hoher Besuch

Oktoberliebe

Vergangene Woche war eine gute Freundin aus Deutschland in der Schweiz zu Besuch, nämlich die geschätzte Frau Zimt. Früher mal Bloggerin, heute Twittererin – aber auch trotz diesem Abstieg in der virtuellen Gesellschaft eine nicht minder geschätzte Zeitgenossin. Dass sie ausgerechnet in jener Woche im Land war in der ich meine militärische Rekrutierung hatte und auch sonst kaum Zeit für Anderes, ist natürlich wieder einmal typisch für mich. Trotzdem habe ich es geschafft, der netten Frau zumindest am ersten Tag ihres Besuchs Zürich zu zeigen, und wie immer, wenn ich Freunde durch die Limmatstadt führen darf, lerne ich selber auch wieder total viel über meine Stadt.

Den Tag, den wir uns ausgesucht hatten war erstaunlich warm und sonnig, sodass die dicke Winterjacke, in die ich mich in den Tagen zuvor gemummt hatte, fast schon überflüssig war. In Begleitung von Änni, die unserer Besucherin aus dem Norden Gastrecht gewährte, schlenderten wir also durch die Altstadt von Zürich. Wir schauten uns die Kirchen an (darum kommt man meiner Meinung nach nicht herum) – das Fraumünster mit den Fenstern von Chagall und das Grossmünster auf dessen Turm man steigen darf. Die Aussicht von da oben ist sehr schön, aber wir mussten feststellen, dass das Opernhaus von so hoch oben alles andere als pompös wirkt. Eine Touristin meinte enttäuscht, dass das wohl kaum das Opernhaus sein könne.

Nachdem wir jede Ecke des Niederdorfs fünfmal begutachtet hatten, zogen wir zum Seebecken und spazierten dem Seeufer entlang. Weil es so warm war, beschlossen wir, ein Pedalo zu mieten. Pedalos, so erfuhr ich meinerseits bei meinem Besuch in Deutschland, ist ein Wort, das ausserhalb der Schweiz nicht verwendet wird. Der Deutsche sagt dazu Tretboot. Wir mieteten also so ein Ding und tuckerten damit auf den See hinaus, wo wir gemütlich in der Sonne brutzelten und von vorbeifahrenden Kursschiffen immer wieder durchgeschüttelt wurden. Weil das Pedalogeschäft ein hartes Business ist und die Miete dieser Dinger schnell mal ein Vermögen kostet, kehrten wir nach einer halben Stunde zurück ans Ufer.

Nicht viel später trennten sich unsere Wege auch schon wieder. Die beiden Damen beschlossen, den Heimweg anzutreten, um ihr Domizil zu beziehen, das, so munkelt man, irgendwo in den hohen Alpen zwischen Adlerhorsten und Kuhfladen liegt. Leider schafften wir es nicht mehr, uns in den folgenden Tagen noch einmal zu sehen, weshalb ich wohl oder übel wieder einmal in den hohen Norden reisen muss.

Kaze no Tani no Naushika (1984)

NausicaaAnimontag

„Sie kann den Wind lesen wie ein Buch!“

Nachdem er mit Rupan Sansei: Kariosutoro no Shiro (Das Schloss des Cagliostro) eine Quasi-Auftragsarbeit ablieferte, setzte Hayao Miyazaki mit seinem zweiten Film ein persönliches Projekt um. Kaze no Tani no Naushika (Nausicaä aus dem Tal der Winde) ist die Verfilmung seines gleichnamigen Manga-Epos. Der Film, der nur lose auf der zu diesem Zeitpunkt wenig fortgeschrittenen Vorlage basiert, erzählt von einer postapokalyptischen Zukunft. Nach einem brutalen Krieg breitet sich ein giftiger Pilzwald auf der Erde aus, das „Meer der Fäulnis“. Die Prinzessin des durch seine günstige Lage vor den Sporen geschützte Tal der Winde, Nausicaä, strebt ein friedliches Zusammenleben zwischen der Natur und der Menschheit an. Es brauchte mehrere Anläufe, bis ich in dieser überladenen Story ganz durchblickte, doch mittlerweile stört mich die Komplexität dieses Films nicht mehr so stark wie früher. Dennoch ist das holprige Storytelling eine der hauptsächlichen Schwächen dieses Filmes.

Kaze no Tani no Naushika deckt mehrere Themenbereiche ab, die Hayao Miyazakis Karriere auch in späteren Jahren massgeblich prägen. Der japanische Filmemacher prangert in seinem Film den Umgang des Menschen mit der Umwelt an und zeigt die Folgen von Kriegen, die auf Kosten der Natur ausgetragen werden. Miyazaki schlägt in diesem Film aber noch hoffnungsvollere Töne an als er das 13 Jahre später im deutlich düstereren Mononoke Hime (Prinzessin Mononoke) tun wird. Die Fliegerei ist allgegenwärtig im Schaffen von Hayao Miyazaki – und das ist auch in Kaze no Tani no Naushika nicht anders. Die dynamischen Flugszenen wurden – gerade im Vergleich zu den ansonsten sehr simplen Animationen – für ihre Zeit sehr gekonnt umgesetzt und können sich auch heute noch sehen lassen. Weniger gut gealtert ist dagegen der allzu dominante Synthesizer-Score von Joe Hisaishi, der im Schaffen des Komponisten stark abfällt.

In Kürze:

Kaze no Tani no Naushika ist ein wirrer Film, den man mehrmals gesehen haben muss, um wirklich durchzublicken. Das macht Hayao Miyazakis Steampunk-Ökofabel aber nicht weniger kultig – alleine schon wegen den ikonischen Bildern und den starken Animationen sollte man diesen Film nicht verpassen.

Wertung:

4 von 5 wutentbrannten Ohmus

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