Owley am ZFF 2018: Vom Pressepass zum Moderatorenpass

Tag 4: Sonntag, 30. September 2018

Ich informiere mich am Zurich Film Festival nur noch über die wenigsten Filme. Meist ist es ein Regisseur oder ein Schauspieler, wegen dem ich mir den Film ansehe. Manchmal ist es auch einfach eine Filmkultur, wie etwa das chinesische oder dänische Kino, dem ich viel abgewinnen kann und weshalb ich mich dann ins Kino setze. Und zugegebenermassen: Viel zu oft ist es einfach nur das Bild im Katalog, das mir gefällt. Im Fall von «Werk ohne Autor» (5/5) von Florian Henckel von Donnersmarck war es aber einfach die Tatsache, dass sich der Film im Rennen um den deutschen Oscar-Beitrag gegen so starke Konkurrenz durchgesetzt hat, dass ich neugierig wurde.

Als ich also um 9 Uhr und entsprechend unausgeschlafen im Kino sitze, lerne ich, warum es manchmal doch noch gut ist, sich ein bisschen zu informieren. Sven von Outnow verrät mir nämlich, dass der Film über drei Stunden dauert. Ich verarbeite diese Information gerade, als das Saallicht gedimmt wird und der Film beginnt. Was folgt, fühlt sich bei Weitem nicht nach drei Stunden an. Henckel von Donnersmarcks Film ist ein ebenso schonungsloses wie berührendes Werk, das einen vom ersten Augenblick in seinen Bann reisst. Der deutsche Regisseur erzählt in seinem mehrere Jahrzehnte umspannenden Drama von Carl, einem jungen Künstler, der sich auf der Suche nach sich selbst auch seinen Erinnerungen aus der Zeit des Nationalsozialismus stellen muss.

Tom Schilling besticht in der Hauptrolle und auch Sebastian Koch als eiskalter Nazi ist grossartig besetzt. Es ist jedoch dieser gemeinsame Sideplot, der den Film mit seinen Wendungen bisweilen ausbremst und ihn ein bisschen seine Glaubwürdigkeit kostet. «Werk ohne Autor» ist dann am besten, wenn es um Carl und seine Kunst geht. Ich, ich, ich, eben.

Als Nächstes tausche ich meinen Pressepass gegen einen Moderatorenpass. In diesem Jahr stehe ich nämlich auch noch auf der Bühne und moderiere zwei Filme an. Heute stehen gleich beide Anmoderationen inklusive Q+As mit den Filmemachern an. Ich habe mich schon damit abgefunden, dass ich vor solchen Dingen immer nervös bin, auch wenn ich eigentlich gut vorbereitet bin. Und sowieso: Ein kleines bisschen Bammel tut gut. Und zum Glück ist das Publikum angenehm, und meine Gäste (Oscar-Preisträger Alexandre Espigares bzw. Produzent Tom Carpelan) ebenfalls.

Es ist inzwischen schon Abend und ich wechsle wieder auf die Seite des Publikums. Noch zwei Filme stehen heute an, «Quien te Cantará», der im internationalen Wettbewerb läuft und die Komödie «The Old Man and the Gun» mit Robert Redford. «Quien te Cantará» (2/5) erzählt von einer spanischen Popsängerin, die ihr Gedächtnis verliert und mit der Hilfe eines Fans versucht, sich an ihre Songs zu erinnern. Die Idee klingt eigentlich charmant und es ist auch nicht alles misslungen an diesem Film – doch die schleppende und repetitive Erzählweise, sowie die eindimensionalen Figuren, die keine Identifikation zulassen, machen es schwer, den Film zu mögen.

«The Old Man and the Gun» (4/5) hingegen ist ein waschechter Crowdpleaser, und nicht nur, weil mit Robert Redford der Rentner-Publikumsmagnet schlechthin in der Hauptrolle zu sehen ist. David Lowerys Film erzählt die larger-than-life-Story von Forrest Tucker, eines älteren Gentlemans, der leidenschaftlich Banken ausraubt. Robert Redford spielt seine Rolle so charmant, dass ihm nicht nur alle Bankangestellten verfallen, sondern auch wir. Da verzeiht man dem Film auch gerne seine unnötigen Nebenfiguren und die etwas gar geradlinige Story.

Owley am ZFF 2018: Von Kino zu Kino

Tag 3: Samstag, 29. September 2018

Ich gehe aus diversen Gründen am Zurich Film Festival lieber an Pressevorführungen als in reguläre Vorstellungen: Ohne Werbung, Anmoderationen oder Q+As sind sie zeitlich viel einfacher zu managen, man bekommt als Journalist immer einen Platz und auch das Publikum ist deutlich entspannter. Darum freue ich mich, dass ich heute gleich vier Pressevorführungen schauen kann und mir so keine Sorgen um Überlängen machen muss.

Es ist zwar erst der dritte Tag, aber die Tatsache, dass ich jeden Tag früh aufstehe und spät schlafen gehe, macht sich bereits ein bisschen bemerkbar. Auch der erste Film steht schon früh an, und mit viel Skepsis begebe ich mich ins Kino. Eine Schweizer Komödie von Michael Steiner – jeder einzelne dieser drei Faktoren kann sowohl gut als auch schrecklich ausgehen. «Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse» (5/5) heisst der neue Film des Regisseurs und man kann beruhigt aufatmen: Dieses Mal ging es nicht schief.

Joel Basman spielt Mordechai «Motti» Wolkenbruch, der sich von seiner jüdischen Familie partout nicht unter die Haube kriegen lassen will. Als er sich dann auch noch in eine «Schickse» (also eine Nicht-Jüdin) verliebt, ist das Drama perfekt. Sicher, die Geschichte über die schwierige Abnabelung von seiner Familie ist keine Neue, aber Michael Steiner erzählt sie mit soviel Charme, dass man einfach nicht anders kann, als diesen Film zu mögen. Da stört es auch nicht, dass Noémie Schmidt als Westschweizer Schickse etwas gar gefangen in ihrem Rollentyp als unbeschwertes Traumgirl zu sein scheint. Es ist dem Film (und mit ihm Steiner) zu wünschen, dass der Erfolg auch an den Kinokassen nicht ausbleibt.

Etwas weniger unbeschwert geht es in «The Tale» (3/5) zu und her. Basierend auf ihren echten Erlebnissen erzählt Jennifer Fox von einer Filmemacherin, die von ihrer Vergangenheit eingeholt wird, und dabei merkt, dass sie sich einen Missbrauch als Teenager ihr Leben lang schöngeredet hat. Ein wichtiges Thema, gerade heute, wo immer mehr Frauen, die erst Jahrzehnte später über Missbrauch reden, nicht ernst genommen werden. Erzählerisch kann man Jennifer Fox, die geschickt mit der Erinnerung und Wahrnehmung ihrer Protagonistin und damit sich selbst spielt, nur den Vorwurf machen, dass ihr Film deutlich zu lang geraten ist. Was «The Tale» für mich jedoch wirklich zu einer schwierigen Angelegenheit macht, ist die Hauptdarstellerin Laura Dern, die bis zum Schluss irgendwie recht blass bleibt – leider.

Eigentlich recht spontan ist der eindrückliche «Colette» (4/5) auf meinem Schirm gelandet, doch ich überbrücke die Lücke in meinen ZFF-Plan sehr gerne mit einem weiteren Film. Die Prämisse von Wash Westmorelands Film erinnert an «Big Eyes» oder «The Wife» – beides Filme über erdrückende Ehemänner, die den Ruhm für die Arbeit ihrer Frauen einheimsen. Das ist auch hier nicht anders: Die titelgebende Colette (Keira Knightley) ist eine junge Frau vom Land, die einen Schriftsteller in Paris heiratet. Als sie für ihren Mann einen Roman über ihre Erfahrungen, schreibt, landen die beiden einen Bestseller. Es folgen Fortsetzungen, stets geprägt von den eigenen Erfahrungen des Paares. Auf dem Cover prangt jedoch nur der Name ihres Mannes.

Es ist denn auch – man mag es eigentlich gar nicht hervorheben – ausgerechnet der Mann in «Colette», der herausragt. Dominic West spielt seine Figur so subversiv und so facettenreich, dass man zwar nie auf den Gedanken kommt ihn zu mögen, aber in ihm auch nicht den abscheulichen Bösewicht sieht, der er im Grunde ist. Und so kann man irgendwie nachvollziehen, dass sich Colette nicht von Anfang an gegen ihn stellt, sondern sich von ihm immer und immer wieder um den Finger wickeln lässt.

«Dead Pigs» (4/5) heisst mein nächster Film, ein chinesisches Drama über tote Schweine und fünf Menschen, deren Leben diese toten Schweine plötzlich auf den Kopf stellen. Ich weiss ehrlich gesagt nicht mehr, warum ich diesen Film damals als ich ihn ausgesucht habe, so reizvoll fand – aber er landete auf meiner Liste, und ich bin rückblickend sehr froh darum. Alles in «Dead Pigs» ist ein bunter, überdrehter Film, bei dem man nie so richtig weiss, ob das alles nicht doch viel realistischer ist, als wir glauben. Cathy Yans Langfilmdebüt zieht einen mit seinen schrägen Charakteren und seinem absurden, eigenartigen Humor sofort in seinen Bann.

Zum ersten Mal am Zurich Film Festival schaue ich mir einen Film im neuen Kino Kosmos an, das dieses Jahr neu mit dabei ist. Das heisst, genau ein Film wird dort gezeigt, und dies nur gerade zweimal. Das ist ein bisschen eine Verschwendung, denn das neue Kino wäre mit seiner angenehmen Einrichtung und den gut ausgerüsteten Sälen eine perfekte zusätzliche Location für das Festival – vielleicht in den kommenden Jahren? Für dieses Jahr bleibt es aber zunächst bei nur einem Film: «Roma» (5/5) von Alfonso Cuarón, der erste Netflix-Film ist, der am Festival gezeigt wird.

Von Trailer und Bildern wenig beeindruckt setze ich mich also in den Film. Als ich im Kino sitze, stelle ich fest, dass das die erste ZFF-Vorstellung des Jahres ist, die ich alleine besuche. Bei den vorherigen Festivalfilmen waren entweder befreundete Journalisten oder sonstige Freunde mit mir im Kino, doch nicht so diesmal. Und so erliege ich diesem schwarzweissen Meisterwerk des mexikanischen Regisseurs ganz allein – aber bin dabei alles andere als einsam. «Roma» ist eine Wucht. Der Film erzählt vom turbulenten Leben einer Familie aus der Mittelschicht im Mexiko der Siebziger-Jahre. Cuaróns nüchterner und ungeschönter Blick auf diesen kleinen Mikrokosmos und vorallem auf die starken Frauenfiguren, die diesen prägen, entlockt dem einfachen Alltag dieser Familie ungeahnte Schönheit. Für mich der absolute Höhepunkt des Festivals – und auch der meines Kinojahres.

Owley am ZFF 2018: Vier Award-Filme… und High-Life

Tag 2: Freitag, 28. September 2018

Nach einem lockeren ersten Tag verspricht der zweite Tag mehr Action – gleich fünf Filme sollen es heute werden. Den Anfang macht «Girl» (5/5) von Lukas Dhont, den ich (wie alles, eigentlich) in Cannes verpasst habe und den ich jetzt zum Glück nachholen kann. Der Debütfilm erzählt von der sechzehnjährigen Lara (Victor Polster), die gerade mitten in ihrer Hormonbehandlung steckt – denn Lara wurde im Körper eines Jungen geboren. Lara geht es gut: Ihre Familie unterstützt sie wo sie nur kann, ihre Freunde stehen hinter ihr, und auch ihre Ausbildung an einer renommierten Ballettschule steht unter einem guten Stern. Doch Laras heile Welt beginnt allmählich zu bröckeln. Behutsam erzählt Dhont von Unsicherheiten und Zweifeln im Leben eines jungen Transmenschen und kann dabei auf einen brillianten Hauptdarsteller zählen. Victor Polster wurde in Cannes mit dem Un Certain Regard Award für die beste Darbietung ausgezeichnet – man beachte dabei den Verzicht auf das Geschlecht in der Bezeichnung des Preises.

Eine Serie von vier eindrücklichen Filmen zum Festivalstart, das muss ja irgendwie schiefgehen, denke ich mir, als ich vom Sihlcity zum Bellevue tingle, wo die nächste Pressevorführung ansteht. «High Life» (1/5) ist der Film, der mich wieder daran erinnert, wie schlecht Kino sein kann. Claire Denis schickt Robert Pattinson als Häftling ins Weltall, wo er an einem Forschungsprojekt teilnehmen soll. Klingt eigentlich vielversprechend, ist es aber leider überhaupt nicht. Sichtlich überforderte Darsteller (mitunter auch eine als sexgeile Weltraumärztin gecastete Juliette Binoche) und ein wirres Drehbuch, in das sich solche pornotauglichen Stilblüten wie «You’re a shaman of sperm» oder «Fill me! Fill me!» verirrt haben, machen diesen Film zu einer echten Herausforderung.

Weiter geht es ohne Pause, und auch für meinen dritten Film des Tages wechsle ich das Kino – diesmal sitze ich im Riffraff, wo «Shoplifters» (4/5) ansteht. Hirokazu Kore-edas charmante Komödie über eine Familie von Ladendieben und Schlitzohren wurde in Cannes mit der Palme d’Or ausgezeichnet, und das völlig verdient. Man kann dem japanischen Filmemacher höchstens vorwerfen, dass er seiner herrlich abgedrehten Prämisse nicht bis zum Schluss treu bleibt. Das etwas gar brave Ende ist zwar erzählerisch konsequent, aber mit ihm büsst der Film auch ein bisschen von seiner märchenhaften Art ein.

Auf dem Weg zu «The Miseducation of Cameron Post» (4/5) treffe ich auf Alan, der wie ich auch für Maximum Cinema am Festival unterwegs ist, und dem ich in den letzten Tagen auffallend häufig über den Weg laufe. Wir haben noch ein bisschen Zeit für einen Kaffee und um ein bisschen über das Festival zu schreiben – doch aus Letzterem wird nichts da beide unsere Rechner gleichzeitig den Geist aufgeben. Dann eben nur Kaffee, auch gut.

«The Miseducation of Cameron Post» ist ein aufwühlender Film, der von einem lesbischen Teenagermädchen erzählt, das von seiner strenggläubigen Pflegemutter in ein christliches Camp geschickt wird. Dem emotionalen Missbrauch dieser Jugendlichen durch selbsternannte Christen zuzusehen, ist nur schwer erträglich – aber es ist gerade das, was dieses Coming-of-Age-Drama zu einem der stärkeren Vertreter seines Genres macht. Zu Recht wurde der Film am Sundance Festival auch mit dem Grossen Jurypreis bedacht.

Auch bei meinem letzten Film des Tages handelt es sich um einen Festivalgewinner – doch in diesem Fall kann ich das weniger nachvollziehen. «The Sisters Brothers» (3/5) hatte ich ursprünglich nicht auf meinem Radar, denn irgendwie habe ich mit Western in den vergangenen Jahren am Zurich Film Festival keine so guten Erfahrungen gemacht. Doch die guten Kritiken in Venedig sowie eine Einladung einer Freundin liessen mich dem Film dann doch noch eine Chance geben. Das englischsprachige Regiedebüt von Jacques Audiard erzählt von zwei Brüdern (John C. Reilly und Joaquin Phoenix), die Jagd auf einen Flüchtigen machen. Auch wenn die Prämisse vertraut klingt, schlägt «The Sisters Brothers» den ein oder anderen erzählerischen Haken und spielt mit den Konventionen des Genres. Das und ein überragender Soundtrack von Alexandre Desplat reichen letztendlich aber nicht, um diesen irgendwie unschlüssigen Film über das Mittelmass herauszuheben. Und an einem Tag, an dem ich auch «Shoplifters» und «Girl» gesehen habe, ist Mittelmass nun einmal nicht gut genug.

Owley am ZFF 2018: Ein ruckliger Start


Tag 1: Donnerstag, 27. September 2018

Zum bereits siebten Mal stürze ich mich dieses Jahr in den Trubel des Zurich Film Festival, und ich habe mir Einiges vorgenommen. Gleich 42 Filme sollen es heuer werden – ob ich mir am Ende auch wirklich alle ansehen werde, muss sich aber erst noch zeigen. Dieses Jahr bin ich vor dem Festivalbeginn ein bisschen nervöser als sonst, denn zum ersten Mal darf ich nicht nur im Publikum sitzen, sondern werde auch zwei Filme anmoderieren. Das ist für mich zwar nicht neu, aber jedes Festival hat bekanntlich seinen eigenen Vibe, und so bin ich vor diesem Debüt eben doch ein bisschen aufgeregt.

Doch zum Glück sitze ich am ersten Festivaltag nur im Publikum, und kann mich zudem gleich auf vier Filme freuen. Den Anfang macht die Pressevorführung von «Green Book» von Peter Farrelly (5/5), der am Abend auch gleich das Festival eröffnen wird. Der Hauptdarsteller, Viggo Mortensen wird dann über den Teppich laufen, einer von auffällig wenig grossen Namen in diesem Jahr. Vom anstehenden Rummel spürt man in der Pressevorführung aber noch herzlich wenig, statt Viggo sitzt neben mir nur mein guter alter Freund Cem, aber man nimmt nun mal was man kriegen kann.

«Green Book» spielt in den USA der 60er-Jahre und erzählt von einem schlitzohrigen Türsteher aus New York, der einen gefeierten schwarzen Jazzpianisten durch die Südstaaten chauffieren muss. Der Film ist ein klassischer Crowdpleaser, der eine hochaktuelle Thematik gekonnt als charmantes Buddymovie verpackt und nicht zuletzt nach seinem Toronto-Gewinn als veritabler Oscar-Kandidat gehandelt werden darf.

Bis zu meiner nächsten Vorstellung ist es noch ein bisschen hin, also gehe ich wie jedes Jahr am ersten ZFF-Tag ins Festivalzentrum und hole meinen Pass ab. Und jedes Jahr haben alle Journalisten zur gleichen Zeit die gleiche Idee, sodass das Festival, das jedes Jahr nur einen Ticketschalter öffnet, komplett überrannt wird. So stehe ich eine halbe Ewigkeit in der Schlange in diesem von der Herbstsonne zum Treibhaus verwandelten Glastempel, bevor mir mein Badge in die Hand gedrückt wird.

Mein akribischer 42-Filme-Plan bekommt einen ersten Dämpfer, als ich Film 3 und 4 des ersten Tages buchen möchte. Denn: Beide sind bereits komplett ausverkauft. Am meisten überrascht mich das bei «Der Himmel über Berlin» von Wim Wenders, der als Retrospektive gezeigt wird. Dass eine Retrospektive ausverkauft war, habe ich noch nie erlebt, doch es gibt für alles ein erstes Mal. Ich versuche, Tickets für andere Filme zu ergattern, doch auch daraus wird nichts.

So begebe ich mich entsprechend enttäuscht zu meiner zweiten Pressevorführung des Tages, die zugleich auch bereits mein letzter Film des Tages zu sein droht. Immerhin verspricht dieser Film gute Unterhaltung: «The Favourite» (4/5) ist der neueste Streich von Yorgos Lanthimos, dem griechischen Regisseur von «The Lobster» und «The Killing of a Sacred Deer». Der Film wurde in Venedig gefeiert und mit dem Grossen Jurypreis ausgezeichnet, doch meine Vorfreude hält sich in Grenzen: Rachel Weisz und Kostümfilm? Das ist eigentlich so überhaupt nicht meins.

Zum Glück werde ich dann doch sehr gut unterhalten. Mit zwei Stunden Laufzeit ist «The Favourite» etwas zu lang geraten und die eigentliche Story ist dann doch etwas gar plump – was den Film aber so herrlich macht, ist Lanthimos’ eigenwillige Inszenierung dieser eigentlich simplen Prämisse. Emma Stone spielt im Film eine Magd, die sich durch geschickte Intrigen in die Gunst der britischen Königin bringt – sehr zum Unmut des restlichen Hofs, allen voran ihrer von Rachel Weisz gespielten Nebenbuhlerin.

Nach dem Film gehe ich noch einmal zum Festivalzentrum zurück um zu schauen, ob nicht inzwischen doch noch ein Ticket für irgendeinen Film für mich rausspringt. Wenigstens für den dänischen Thriller «Den skyldige» von Gustav Möller hätte ich eigentlich sehr gerne ein Ticket, doch zuvor war dieser noch ausverkauft. Ich treffe vor dem Festivalzentrum unverhofft auf Sarah, die ich aus meiner Jugendzeit kenne und komplett aus den Augen verloren habe und die nun am Festival arbeitet.

Wir tauschen uns ein bisschen aus und merken, dass wir beide denselben Plan haben, nämlich doch noch einen Platz für den Film zu ergattern. Und tatsächlich: Beim zweiten Versuch klappt’s und nicht viel später sitzen wir im Film drin. «Den skyldige» (5/5) erzählt von einem Polizisten in der Notrufzentrale, der einen Anruf von einer entführten Frau erhält. Als der Anruf abbricht, ermittelt er auf eigene Faust. Gustav Möllers Regiedebüt ist ein stark besetztes und aufwühlendes Kammerspiel, das meinen ersten Festivaltag aller anfänglichen Tücken zum Trotz mehr als würdig abschliesst.

«Roar» auf der grossen Leinwand

Der Kurzfilm als Vorfilm im Kino hat es nicht leicht. Einerseits ist das Publikum immer weniger bereit, sich darauf einzulassen, andererseits stellen Kurzfilme für viele Kinos auch verlorene Werbezeit dar, für die sie dann meist auch noch die Rechte bezahlen müssen. Das ist schade, verschwindet so doch immer mehr ein anregendes Amuse Bouche aus den Kinos. In der Schweiz gibt es zwar Bestrebungen, den Kurzfilm zurück auf die Kinoleinwände zu bringen, etwa von Base Court oder Pro Short, aber das braucht alles seine Zeit.

Umso mehr freut es mich daher, dass sich gleich zwölf Schweizer Kinos bereit erklärt haben, den Kurzfilm «Roar», den ich zusammen mit Ramón Arango umgesetzt habe, im Vorprogramm von «Jurassic World: Fallen Kingdom» zu zeigen. Somit habt ihr jetzt einen guten Grund, euch den Film nicht in irgendeinem Multiplex, sondern in einem der zwölf folgenden Kinos anzusehen:

Bülach (Kino ABC)
Kloten (Cinema Claudia)
Langenthal (Kino Scala)
Luzern (Verkehrshaus Filmtheater)
Rapperswil-Jona (Kinobar Leuzinger)
Rapperswil-Jona (Schlosskino)
Schöftland (Cinema 8)
Sins (Cinepol)
Spiez (Movieworld)
Stans (AFM Cinema)
Zug (Kino Lux)
Zug (Kino Seehof)

Status Quo: Mai

So ein Lebenszeichen ab und zu, das sei schon gut, hat mir das Mami gesagt. Und weil ich inzwischen einen Punkt im Leben erreicht habe, wo man erkennt, dass das Mami amigs wirklich Recht hat, gebe ich also mal wieder so ein Lebenszeichen von mir.

Ja, es geht mir gut.

Ich habe inzwischen ein schönes Plätzli in Emmenbrücke gefunden, wo ich mir ein Atelier mit Roli, Marina und Tino und vielen anderen tollen Menschen teile und ab und zu kalten oder warmen Kaffee trinke. Juhui! Dort arbeite ich an meinen grossen und kleinen Projekten, mehr dazu dann später einmal.

Was ich aber sagen kann: Soeben habe ich meine 50. Karikatur für die Zürichsee-Zeitung abgeliefert – das ist bereits die 18. in diesem Jahr. Dass es schon soviele sind, liegt auch daran, dass ich seit Kurzem jeden Samstag einen gezeichneten Rückblick auf die Woche in der Zürichsee-Region werfen darf. Keine leichte Aufgabe, muss ich doch mit jeder Illustration gleich drei Regionalausgaben bedienen – aber eine, die mir immer wieder aufs Neue enorm viel Spass bereitet.

Und das war meine Fünfzigste:

Mit dem Frühling scheinen auch meine Filme in Fahrt zu kommen:

Foglä wird vom 1.-6. Mai am Anifilm in Třeboň (Tschechien) als Midnight Screening gezeigt. Zwei Wochen später dann folgt ein persönliches Highlight dieses eigentlich ja noch jungen Jahres: Mein Kurzfilm geht nach Cannes ans Filmfestival! Auf Einladung von Animation Nights New York darf ich Foglä dort präsentieren – und das erst noch an meinem Geburtstag. Das hätte ich mir selbst in meinen kühnsten Träumen nicht vorstellen können.

Auch Roar, dem zweiten Kurzfilm, den ich letztes Jahr zusammen mit Ramón fertiggestellt habe, geht es gut. Er stellt sich Ende Mai dem Wettbewerb des Kinderfilmfestivals VAFI & RAFI in Varaždin (Kroatien), wo er in der Kategorie der Kurzfilme für 0-6-jährige Zuschauer gezeigt wird.

Vom 10. bis 12. Mai werde ich zudem wieder mit einem Stand an der Fantasy Basel vertreten sein und es wäre natürlich schön, wenn jemand vorbeikommt und mir Hallo sagt! Ihr findet mich in der Halle 2.2 in der Artist Alley (616 bei den kleinen Tischen).

Und zuguterletzt gilt es noch, eure Aufmerksamkeit auf zwei Filmscreenings im Mai zu lenken: Am 9. Mai findet im Kosmos in Zürich die Vorpremiere zu Isle of Dogs in Zusammenarbeit mit Maximum Cinema statt – wenn ihr den Film noch nicht gesehen habt, solltet ihr euch diese Gelegenheit nicht entgehen lassen, zumal ich auch da sein und den Film anmoderieren werde. Tickets gibt’s hier.

Dasselbe werde ich auch am 23. Mai tun, wenn es im Poolkino in Luzern heisst: «Hey, girl…» Im letzten Screening der Saison zeigt der coolste Filmclub der Stadt einen Film mit Ryan Gosling, der euch hoffentlich ins Schwitzen und Schmachten bringt. Welcher Film gezeigt wird, könnt ihr auf Facebook auswählen, der Eintritt ist wie immer 5 Stutz. Ich würde mich freuen, wenn sich ein paar bekannte Gesichter unters Publikum mischen.

Aber jetzt hoffe ich, eurem unbändigen Drang nach Lebenszeichen Genüge getan zu haben und widme mich wieder meinen Projekten. Ich hoffe, ihr versteht.

Die Wutbürger

Eine kleine Hintergrundstory zu einer Illustration und ihren Varianten:

Vergangene Woche schrieb mich Andrea, eine Redaktorin der Zürichsee Zeitung an, und bat mich um Ideen zu einem von ihr verfassten Artikel. Es ging darin um ein Postulat einiger bürgerlichen Parteien, die wollen, dass Eltern ungezogener Schüler mit einer Busse bestraft werden können. Ich liebe solche schrägen Themen, weil sie eine gute Basis für eine überspitzten Illustration bieten.

Eine meiner ersten Ideen war der ungezogene Trump, wie man ihn oben sieht. Normalerweise brauche ich mehrere Anläufe, aber in diesem Fall war ich überzeugt, dass das die bestmögliche Karikatur zum Thema war. Auch auf der Redaktion kam die Illustration gut an, aber es stellte sich heraus, dass sie an meinem Timing zu scheitern drohte. Denn: Am gleichen Tag sollte in der Zeitung meine wöchentliche Karikatur zu sehen sein, die den Besuch des US-Präsidenten in der Schweiz zum Thema hatte. Zweimal Trump, das war dann doch etwas viel, das war sogar mir bewusst.

Ganz klein beigeben wollte ich dann aber doch nicht und schlug eine Variation dieser Karikatur vor, bei der Trump durch den Sion-Präsidenten Constantin ersetzt wurde. Dieser war vor einigen Monaten in den Schlagzeilen, als er auf einen TV-Kommentatoren einprügelte. Mir gefiel dabei die Dynamik in der Karikatur, wohingegen die erste ein bisschen statisch wirkte. Dort war ich aber mit dem frech grinsenden Mini-Trump umso mehr zufrieden. Das Problem bei der zweiten Version war, dass der «Fall Constantin» zwar medial ausgeschlachtet wurde, aber ziemlich schnell auch wieder vergessen war. Die Karikatur würde in dieser Form also nur bedingt funktionieren, weshalb wir diese Variante begruben.

Am Ende kam dann aber doch alles wie es sollte: Das Datum des Artikels hatte sich um fast eine Woche nach hinten verschoben, sodass die Trump-Variante nun wieder passte. Den fertigen Artikel kann man hier nachlesen, und ich bin natürlich sehr froh, dass es am Ende doch gut ausgegangen ist für den kleinen, blonden Despoten.

Kinostatistik 2017

Zum dritten Mal werfe ich einen statistischen Blick auf mein Kinojahr. Schnappt euch einen heissen Punsch oder eine Tasse Kakao und erfahrt, welch‘ wichtige Ereignisse mein Kinojahr 2017 prägen.

Anzahl Kinobesuche

Mein persönliches Kinojahr 2017 begann gleich, wie 2016 aufgehört hatte: Mit erschreckend wenigen Kinobesuchen ging es auch im neuen Jahr weiter, was vorallem meiner Bachelorarbeit geschuldet war. Betrachtet man nur die zehn Monate, in denen ich an meinem Abschlussprojekt sass (Ende September 2016 – Juni 2017) betrachten, so kommt man auf 52 Kinobesuche. Das sind 5.2 Kinobesuche pro Monat. Auf ein Jahr hochgerechnet ergäbe das 62.4 Kinobesuche. Nur 2010, als ich gerade einmal 33 Kinobesuche anhäufte, war ich noch seltener im Kino.

Ganz so bescheiden ging es zum Glück nicht weiter, in der zweiten Jahreshälfte 2017 habe ich deutlich mehr Kinotickets gesammelt: 98 an der Zahl. Insgesamt komme ich so auf 118 Kinobesuche in diesem Jahr. Damit habe ich es nicht mehr in einen rekordverdächtigen Bereich geschafft – im Gegenteil: Das ist ein neuer Tiefstwert seit 2012. Wenigstens den Durchschnittswert der letzten acht Jahre von 104.6 Tickets vermochte ich zu überbieten.

Dass ich in der ersten Jahreshälfte ausserordentlich selten im Kino war, wird deutlich, wenn man die maximalen Intervalle zwischen Kinobesuchen betrachtet. 2017 habe ich diesbezüglich für einen neuen Rekordwert gesorgt – so war ich nämlich fast einen ganzen Monat (28 Tage) lang nicht im Kino. Das geschah in der Schlussphase meiner Abschlussarbeit und war mit dafür verantwortlich, dass ich Filme wie «Kong: Skull Island», «Alien: Covenant» oder «Despicable Me 3» verpasst habe.

In acht Jahren komme ich so auf 837 Tickets. Damit nähere ich mich langsam (LANGSAM) dem 1000. Kinobesuch. Ausgehend vom aktuellen Richtwert von 118 Filmen pro Jahr wäre das in 518 Tagen der Fall – also am 5. Mai 2019. Das wäre also etwa um den Kinostart des vierten «Avengers» herum. Klingt machbar.

Monatsvergleich

Schaut man die Monate an, zeichnet sich ein ähnliches Bild wie schon im Vorjahr: Erneut ist der September der stärkste Monat mit 31 Tickets (2016: 33), und somit mehr Kinoeintritte als der Monat Tage hat. Dafür verantwortlich waren auch heuer die diversen Festivals, an denen ich mir mehrere Filme oder Filmblöcke pro Tag anschaute: Das Fantoche in Baden (10 Filme), Upcoming Film Makers in Luzern (4 Sichtungen) und das Zurich Film Festival (34 Filme, davon aber nur 11 im September).

Ich wollte herausfinden, ob es einen Trend gibt, in welchen Monaten ich oft ins Kino gehe und habe deshalb die letzten drei Jahre zusammen betrachtet. Tatsächlich gehe ich in der ersten Jahreshälfte deutlich weniger ins Kino. Das hat sicher auch damit zu tun, dass die Festivals, an denen ich die meisten Filme sehe, im Herbst sind – und sich die kalten Monate ohnehin anbieten, um sich im warmen Kino zu verkriechen. Auffällig ist aber auch der Akzent ins Negative, den der November setzt und den ich mir nicht schlüssig erklären kann (ausser vielleicht, dass ich nach September/Oktober die Schnauze voll habe).

Mehrfachsichtungen

In diesem Jahr ist die Zahl mehrfach angeschauter Filme noch einmal zurückgegangen. Das liegt daran, dass ich ohnehin schon seltener als sonst im Kino war, und dann nicht nochmal dieselben Filme sehen wollte. Und 2017 war meiner Meinung nach auch ein extrem ernüchternder Filmjahrgang. Nur gerade vier Filme habe ich mehrfach im Kino gesehen, und alle davon nur gerade zweimal: Beauty and the Beast, The Square, Loving Vincent und Star Wars: Episode VIII – The Last Jedi. Damit bleibt meine Rangliste der meisten Mehrfachsichtungen EVER wie gehabt:

8 Sichtungen: Star Wars: Episode VII – The Force Awakens
6 Sichtungen: The Dark Knight Rises
5 Sichtungen: The Dark Knight
4 Sichtungen: Inception, The Avengers, Jurassic World, Mad Max: Fury Road, Monsters University, Spectre

Laufzeit

Als jemand, dem die immer länger werdenden Blockbuster auf den Sack gehen (hörst du, Rian Johnson?), bin ich auch immer an den Laufzeiten interessiert. Johnson ist dieses Jahr jedoch nicht der grösste Übeltäter, die Krone in dieser Sache schnappt sich Denis Villeneuve für seinen fast dreistündigen «Blade Runner 2049» (164 Minuten), der aber fairerweise einer der wenigen nicht ermüdenden Blockbuster war. Die Reprise von «Saving Private Ryan» dauerte sogar noch länger, und zwar 169 Minuten.

Total war ich so 12674 Minuten im Kino (Werbung, Pause und Abspann ausgenommen). Wenn man die Kurzfilmblöcke, die meist nach unten ausscheren weglässt, komme ich so auf einen Durchschnittswert von 114 Minuten und 32 Sekunden pro Film, was minim weniger ist als im Vorjahr (115 Minuten). Das entspricht in Etwa den Laufzeiten von «Atomic Blonde» und «The Florida Project» und liegt wie schon zuvor unter den von mir geforderten zwei Stunden, die ein Film dauern darf.

Yorgos & Steven

2017 war ich für zwei Filmemacher mehrmals im Kino, denn beiden widmete mein Lieblingskino Xenix eine Programmreihe.

Gut, nicht ganz, denn Yorgos Lanthimos (4 Filme) war im November lediglich Teil einer Filmreihe zum neuen griechischen Kino. Drei seiner Filme habe ich dort entdeckt, einen weiteren habe ich am Zurich Film Festival gesehen. Das schräge Kino von Lanthimos ist jedem zu empfehlen, und es wird mir das Herz brechen, wenn «The Killing of a Sacred Deer» im Januar von der Academy schmerzlich übergangen wird.

Im Dezember schliesslich zeigte das Xenix einen Überblick des Schaffens von Steven Spielberg (5 Filme), teilweise sogar mit 35mm-Kopien. Das wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen, letztlich ist es aber den Feiertagen und dem ohnehin schon stressigen Dezember zu verdanken, dass es am Ende „nur“ fünf Filme waren.

Fun Fact: Diese Quote werde ich bereits am 2. Januar getoppt haben. Der Steven Spielberg-Block greift nämlich auch ins neue Jahr über, wo das Xenix am Neujahrstag alle vier Indiana Jones-Filme am Stück zeigt und Tags darauf eine Double Feature aus den ersten beiden Jurassic Park. Damit wäre ich dann 2018 bereits nach zwei Tagen sechsmal für Spielberg im Kino gewesen. Crazy.

Immerhin zwei Filme habe ich von Rob Reiner («When Harry Met Sally» und «Shock and Awe»), Robert Zemeckis («Forrest Gump» und «Allied»), Gus van Sant («Psycho» und «Elephant») sowie Denis Villeneuve («Arrival» und «Blade Runner 2049») gesehen. Villeneuve ist zudem der einzige Filmemacher von dem ich zwei neue Filme in einem Jahr gesehen habe. Damit gesellt er sich als erst dritter Regisseur zu dieser renommierten Kategorie – nach David Yates (2016) und Ridley Scott (2015).

Animationsfilme

Als Animator habe ich natürlich ein speziell grosses Interesse am Trickfilm. In den vergangenen Jahren war fast jeder vierte Film, den ich mir angesehen habe, ein Animationsfilm. 2017 waren es insgesamt deren 26 – miteingeschlossen sind auch Filmblöcke an Festivals, sofern sie ausschliesslich aus Animationskurzfilmen bestehen. 17 solcher Filmblöcke habe ich 2017 angesehen, und lediglich neun Tickets habe ich für animierte Langspielfilme gelöst.

26 Animationsfilme auf 92 Realfilme entspricht einem Anteil von 22.1%, womit die Quote tiefer ist als in den Vorjahren (2016: 23.9%, 2015: 23.2%). Ein weiterer Bereich wo ich mich im kommenden Jahr freilich verbessern kann.

Kosten

Dieses Jahr sind die Kosten für meinen Filmkonsum noch einmal massiv angestiegen. Das hat einen ganz einfachen Grund: Seit Januar 2017 arbeite ich nicht mehr im Kino und kann somit nicht mehr kostenlos Filme schauen. Entsprechend belaufen sich meine Ausgaben für alle Kinobesuche 2017 auf insgesamt 742 Franken, mehr als doppelt soviel wie im Vorjahr. Einmal mehr holt sich das KKL Luzern die Krone für den teuersten «Kinoeintritt» für zwei Besuche von Live-to-Projection-Vorführungen mit jeweils 60 Franken. Das ist aber jetzt auch nicht so überraschend, da es immerhin ein Konzert mit einem Orchester darstellt.

Im Schnitt habe ich pro Kinoticket 6 Franken und 29 Rappen hingeblättert, was für hiesige Verhältnisse, wo ein Ticket durchschnittlich 18 Franken kostet, verdammt wenig ist. Die Gründe finden sich bei zahlreichen kostenlosen Pressevorführungen und Festivals, sowie Vergünstigungen durch meine diversen Kinokarten.

Nachtrag vom 15. Januar 2018: Wie jedes Jahr muss ich auch dieses Jahr eine kleine Korrektur vornehmen, da ich einen Film vergessen habe und die Statistik sich so verändert. Wobei böse Zungen behaupten, dass die Tatsache, dass Gus van Sants «Psycho» existiert, ja auch gerne vergessen werden darf.

2017 in Review

Hier ist alles ein bisschen tot. Zumindest, während ich noch versuche, herauszufinden, wie es denn auf diesem Blog weitergeht. Am Wahrscheinlichsten ist, dass es genauso bleibt. Mehr Persönliches, mehr Kunst, weniger Film, weniger Privates. Ausgenommen natürlich eine Sache: Der Jahresrückblick, den ich nunmehr zum neunten Mal durchführe.

Was bisher geschah: 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016

2017 war für mich ein turbulentes Jahr. Ich habe viele Pläne geschmiedet und viele Projekte angedacht, von denen am Ende praktisch alle gescheitert sind. Das kostete mich einiges an Nerven, aber ich habe auch viel Neues gelernt und gehe voller Zuversicht ins 2018.

2017 zum ersten Mal getan?
Zunächst einmal habe ich erstmals einen eigenen Film an einem Festival gezeigt, das war schon eine Premiere für mich. Aber dann konnte ich sogar auch noch an Festivals dabei sein, an denen mein Film lief, was alles nochmal zauberhafter macht.

2017 nach langer Zeit wieder getan?
Eine neue Stelle angetreten, wenn auch nur Teilzeit.

2017 leider gar nicht getan?
«Kingsman: The Golden Circle» im Kino gesehen. Ist jetzt nicht so tragisch, aber doch überraschend, dass ich solch einen Film verpasse. Und im Moment ist das auch gerade das Einzige, was mir einfällt.

Der hirnrissigste Plan?
Am 24-Stunden-Comic teilzunehmen (ein Projekt wo man innert 24 Stunden einen 24-seitigen Comic zeichnet) und effektiv durchzuhalten und noch frühzeitig abzugeben. Crazy.

Die teuerste Anschaffung?
200 Kondome – zu Merchandisingzwecken, versteht sich.

Wort des Jahres?
«Gspässig»

Unwort des Jahres?
«Leider»

Stadt des Jahres?
Theoretisch müsste ich sagen Szamotuły (Samter) in Polen – meine Heimatstadt, die wir im Sommer besucht haben. Aber so warm wurde ich jetzt auch nicht. Dafür hat mir Ljubljana sehr gefallen, trotz Kälte und Winter. Brrr.

Neue Orte entdeckt?
Ljubljana, Warschau, Poznan, Szamotuły, Zofingen.

Alkoholexzesse?
Keine wirklichen Exzesse. Ich werde alt und langweilig.

Davon gekotzt?
Nein.

Haare länger oder kürzer?
Nach fast einem Jahr ganz kurz sind sie wieder ein bisschen länger.

Kurzsichtiger oder Weitsichtiger?
Ich sage jedes Jahr, dass ich das überprüfen will und tue es dann doch nicht. Folglich: Keine Ahnung.

Mehr Kohle oder weniger?
Weniger, aber genug.

Mehr ausgegeben oder weniger?
Ich glaube, eher weniger.

Mehr bewegt oder weniger?
Etwa gleich wenig.

Höchste Handyrechnung?
138 Franken, aber auch nur, weil die Swisscom neu mehrere Monate zusammennimmt.

Krankenhausbesuche?
Keine und das ist auch gut so.

Verliebt?
Sehr.

Getränk des Jahres?
Glühwein. Bier oder Wein wäre ja irgendwie gewöhnlich, aber Glühwein ist in einer Klasse für sich.

Essen des Jahres?
Irgendwas vom Subway oder McDonald’s oder der Dönerbude neben unserer Schule.

Most called persons?
Meine Familie oder meine Freundin. Ich achte da nicht drauf und telefonieren find ich blöd.

Die schönste Zeit verbracht mit?
Meiner Freundin, denks.

Die meiste Zeit verbracht mit?
Gaspard, Ursula und Keni.

Song des Jahres?
Irgendwas hiervon:

«I’m Still Standing» von Elton John
«Vincent» von Don McLean
«Swing it like Roger» von Klischée

Special Mention für: «Woki mit deim Popo»

CD des Jahres?
Ich habe in diesem Jahr der CD praktisch ganz abgeschworen und auf Spotify gewechselt. Nichtsdestotrotz: «Ich vs. Wir» von Kettcar ist ein verdammtes Brett.

Buch des Jahres?
«Di schön Fanny» von Pedro Lenz hat mich sehr berührt, aber ich merke auch wieder, dass ich eindeutig zu wenig gelesen habe.

Film des Jahres?
2017 war filmtechnisch eher ernüchternd, die Blockbuster liessen mich zumeist kalt. «Loving Vincent» und «The Square» haben mich am Meisten berührt.

Konzert des Jahres?
Ich konnte über einen Freund an Tickets für ein Konzert von Keb’Mo und Taj Mahal am Blue Balls in Luzern gelangen und das war einfach wunderbar.

TV-Serie des Jahres?
Ich glaube, das dürfte «House of Cards» oder «Brooklyn Nine-Nine» gewesen sein, die ich beide gebinged habe bis zum Umfallen.

Erkenntnis des Jahres?
Manchmal einfach durchatmen.

Drei Dinge auf die ich gut hätte verzichten können?
1. Scheitern, Rückschläge und Misserfolge
2. Finanzielle Turbulenzen
3. Floating Leia Organa

Nachbar des Jahres?
Da die Auswahl begrenzt ist: Meine Nachbarin mit der ich zum ersten Mal so richtige Worte gewechselt habe und ihre Tochter, die ich mit einer Findelkatze zum Weinen gebracht habe. Nicht im guten Sinn.

Beste Idee/Entscheidung des Jahres
Obwohl ich es mir eigentlich nicht wirklich leisten konnte und nicht wirklich Zeit hatte dafür an ein Filmfestival in Slowenien zu gehen und einfach mal eine Woche Ferien zu machen.

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Ich konnte meinen Vater davon überzeugen, mit mir nach Polen in unsere «Heimatstadt» zu reisen.

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Ich glaube, mit einer grossen Überraschung, die ich im Sommer für einen guten Freund organisiert habe, habe ich ihm eine Freude bereitet.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Eigentlich nur ein virtuelles Geschenk: Eine persönliche Videobotschaft von Damian von OK GO an unseren studentischen Filmclub. Das war schon ein bisschen surreal.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
War zwar nicht zu mir, aber über mich, und das hat mich sehr gefreut: «Er geht seinen Weg»

Die grösste Enttäuschung?
2017 hatte ich zahlreiche Ideen, Träume und Wünsche und viele davon haben sich nicht erfüllt. Ich versuche inzwischen, mich davon gar nicht mehr enttäuschen zu lassen.

Schönstes Ereignis?
Mein Abschluss. Es war eine turbulente Zeit, aber ich verbinde sie mit verdammt vielen schönen Erinnerungen.

2017 war mit einem Wort?
2.0 (oder, damit es auch ein Wort ist: Zweikommanull)

Owley an der Gezeichnet 17

Seit knapp zwei Jahren zeichne ich im Auftrag der Zürichsee-Zeitung und nun darf ich zum ersten Mal einige dieser Arbeiten ausstellen. Zusammen mit 45 anderen Schweizer KarikaturistInnen bin ich Teil der Gezeichnet 17, der jährlichen Werkschau der Pressezeichner im Museum für Kommunikation in Bern. Für mich ist das eine riesengrosse Ehre und ich freue mich enorm zusammen mit diesen grossartigen Zeichnern abzuhängen.

Einen kleinen Übersicht über meine Arbeiten für die Zürichsee-Zeitung findet man in meinem Portfolio.

Die Gezeichnet 17 läuft vom 15. Dezember 2017 bis und mit 28. Januar 2018, die genauen Öffnungszeiten (speziell über die Festtage) kann man der Website des Museum für Kommunikation entnehmen. Am 14. Dezember um 18 Uhr wird die Ausstellung in Anwesenheit der Karikaturisten (inklusive meiner Wenigkeit) und einiger politischer Persönlichkeiten eröffnet.

Weitere Informationen über die Werkschau und die Teilnehmer gibt’s auf der offiziellen Website der Veranstaltung.

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