Owley am ZFF 2018: Abgestumpft

Tag 7: Mittwoch, 3. Oktober 2018

Beinahe wäre es heute zu einem 6-Filme-Tag gekommen, doch letzten Endes habe ich mich zugunsten eines ein bisschen entspannteren Abends dagegen entschieden. Der Tag beginnt auch so genug früh, da ich diesmal von Luzern anreisen muss. Das lohnt sich nur bedingt, denn der erste Film des Tages, «Red Joan» (2/5) mit Judi Dench, ist ein ziemlicher Reinfall. Die britische Schauspielerin spielt in dem Film im Grunde die gleiche Rolle wie in «Philomena»: Auch Joan wird von ihrer Vergangenheit eingeholt, wird sie doch dafür angeklagt, während des Kalten Kriegs britische Geheimnisse an Russland weitergegeben zu haben. Auch eine solide (lies: nicht überragende) Darbietung von Judi Dench kann dieses seichte Drama, das seine Figuren selber nicht wirklich zu kennen scheint, retten.

Im direkten Anschluss steht «Kursk» (2/5) auf dem Programm, Thomas Vinterbergs Drama über den Untergang eines russischen U-Boots. Der Film wurde von Luc Bessons EuropaCorp produziert und entsprechend ist das Drama auch international besetzt, weshalb man sich darauf geeinigt hat, dass alle Russen im Film ein akzentbehaftetes Englisch reden. Das nagt an der Glaubwürdigkeit dieses auf wahren Tatsachen beruhenden Katastrophenfilms, der auch ansonsten nie wirklich in die Gänge kommt. Bis zum Schluss bleibt etwas zwischen uns und den Protagonisten und Vinterberg, der zuvor wiederholt bewiesen hat, dass er mit Figuren umzugehen weiss, tut sich mit diesem auf dem Papier stark besetzten Ensemble überraschend schwer. «Kursk» tut es seinem realen Vorbild gleich und ist eine Katastrophe.

Alle meine Filme heute laufen in Kinos, die in Gehdistanz zum Festivalzentrum liegen, was mir den Stress von Tram- und Zugfahren ersparen. So kann ich die Sonne ein bisschen geniessen, bevor mit «Monsters and Men» (4/5) mein nächstes Screening ansteht. Das Regiedebüt von Reinaldo Marcus Green erzählt vom Mord eines Polizisten an einem Schwarzen in New York, bzw. was diese Tat mit betroffenen Menschen macht. Mit seiner etwas holprigen Erzählweise ist «Monsters and Men» zwar kein perfekter Film, aber das charmant besetzte Drama besticht durch eine differenzierte Figurenzeichnung und authentische Inszenierung.

Auch der nächste Film stammt von einem Regiedebütanten, der aber alles andere als ein unbeschriebenes Blatt ist: Paul Dano. Bevor ich mich aber in sein Familiendrama «Wildlife» setze, schnappe ich mir noch einen Kaffee vom Vicafe-Stand beim Bellevue. Das ist eine meiner zwei ZFF-Traditionen: Die andere ist die Wurst vom Vorderen Sternen, die ich bereits am ersten Tag gegessen habe. Die Schlange vor dem Kaffee-Stand ist erwartungsgemäss ziemlich lang, ist ja schliesslich auch der beste Kafi der ganzen Stadt.

«Wildlife» (3/5) von Paul Dano ist ein interessantes Drama über eine Familie in den 60er-Jahren, deren heile Welt langsam auseinanderbricht. Der Film ist wunderschön gefilmt und überragend besetzt (Carey Mulligan, Jake Gyllenhaal, sowie der junge Ed Oxenbould), aber leider dann doch ein bisschen sehr schleppend erzählt. Was mir Dano mit «Wildlife» sagen wollte, weiss ich bis jetzt noch nicht so recht.

Mein letzter Film des Tages ist «Juliet, Naked» (3/5) von Jesse Peretz. Dabei handelt es sich ein bisschen um eine persönliche Angelegenheit, denn als grosser Nick Hornby-Fan mochte ich bislang alle seine Verfilmungen. Aus diesem Grund habe ich mir für den Film auch Tickets gekauft, um ihn sicher sehen zu können. Und ich habe es sogar geschafft, meine Freundin in ihre allererste ZFF-Vorstellung zu schleppen. Das Verdikt: «Juliet, Naked» ist okay. Die Geschichte über eine Frau, die sich ausgerechnet in den Lieblingsmusiker ihres Mannes verliebt war schon als Buch nicht mein Lieblingsstoff von Hornby, und auch die Verfilmung kann mich nicht vollends überzeugen. Der Charme eines «About a Boy» fehlt diesem Film, der mit Ethan Hawke, Rose Byrne und Chris O’Dowd gut besetzte Musikfilm ist nichtsdestotrotz eine kurzweilige Angelegenheit.

Immerhin: Der Film hat meiner Freundin deutlich besser gefallen als mir (4/5), und sie attestiert, dass ich nach 28 Filmen meine Sinne womöglich ohnehin abgestumpft habe und daher Filme nicht mehr richtig wahrnehmen könne. Vermutlich hat sie Recht.

Owley am ZFF 2018: 19 down

Tag 6: Dienstag, 2. Oktober 2018

Die erste Festivalhälfte ist bereits durch, 19 Filme habe ich hinter mir. Doch noch habe ich nicht genug, auch in der zweiten Halbzeit will ich mir noch so einige Filme anschauen. Alleine für heute habe ich mir fünf Filme vorgenommen. Los geht es mit dem schwarzweiss gefilmten «Cold War» (2/5) von Pawel Pawlikowski, der im Polen der Nachkriegszeit spielt und von der Liebesbeziehung zwischen einem Musiklehrer und einer Sängerin erzählt. Obschon es sich bei der Geschichte um eine Persönliche handelt (der Film basiert lose auf der Geschichte von Pawlikowskis Eltern) bleiben uns die Figuren fremd, und ihr Handeln irrational. So ist «Cold War» nicht mehr als eine weitere tragische Liebesgeschichte.

Rein rechnerisch sollte es eigentlich drinliegen, von dieser Pressevorführung am einen Ende der Stadt zur nächsten Vorstellung von «First Man» am anderen Ende der Stadt zu kommen, doch ein bisschen stressig wird es am Schluss dann doch. Im Gegensatz zum besser organisierten Vorjahr hat es das Zurich Film Festival in diesem Jahr wieder einmal geschafft, einen Pressevorführungs-Zeitplan aufzustellen, der so manche «Sophie’s Choice» bereithält – oder zumindest für viel Hektik und wenig Zeit zwischen den Filmen sorgt. Immerhin: Für «First Man» (4/5) reicht es dann doch rechtzeitig.

Damien Chazelle, der bisher alle seine Filme am Festival präsentiert hat, erzählt in seiner zweiten Zusammenarbeit mit Hauptdarsteller Ryan Gosling die Geschichte des ersten Mannes auf dem Mond. Wunderschön gefilmt und stark besetzt ist dieses Neil Armstrong-Biopic eine Wucht, selbst wenn die Story zwischendurch etwas gehetzt wirkt und die Nebenfiguren etwas gar blass bleiben. Doch nur schon für seine letzte Stunde ist «First Man» ein Muss für jeden Filmfan.

Ich nutze die kurze Pause bis zum nächsten Film für einen Unterbruch vom Festival und treffe mich mit Olivia zum Kaffee. Es tut gut, zur Abwechslung mal über etwas anderes als Filme reden zu können. So fühlt sich also ein normaler Alltag an. Habe ich fast schon vergessen.

Als Nächstes steht meine erste Reprise des Festivals an. Da Donald Sutherland zu Gast ist (bzw. war), zeigt das Filmpodium alte Filme mit ihm – heute ist «The Dirty Dozen» (3/5) dran, ein eher schlecht gealterter Kriegsfilm irgendwo zwischen «The Seven Samurai» und «Inglourious Basterds». Robert Aldrichs Film ist zwar unbeschwert inszeniert und mit Lee Marvin verfügt «The Dirty Dozen» auch über einen starken Protagonisten – nichtsdestotrotz ist der Film einen ganzen Akt zu lang geraten.

Als Nächstes muss ich ein Ticketproblem regeln. Ich habe für eine Vorstellung am nächsten Tag für meine Freundin und mich Tickets gekauft, die ich aber blöderweise zuhause vergessen habe. Und da gehe ich für die nächste Zeit auch gar nicht mehr hin. Mit guten Fotos der Tickets ausgerüstet begebe ich mich also zum Ticketdesk, in der Hoffnung, dass sie diese für mich noch einmal ausdrucken können. Doch einmal mehr zeigt sich das Festival von seiner komplizierten Seite. «Das können wir leider nicht tun», heisst es. Und so muss ich nun eine Lösung für dieses Problem finden. Ich beschliesse heute Abend den letzten Film sausen zu lassen um dafür nach Luzern zu fahren, und dort die Tickets zu holen.

Dadurch steht für mich nur noch ein Film an: «Loro» von Paolo Sorrentino, auf den ich mich schon seit Anfang des Festivals freue. Auf dem Weg ins Kino merke ich jedoch, dass ich am falschen Ort bin. Der Film läuft nicht wie ich dooferweise glaubte im Riffraff, sondern im Kino Arena am andern Ende der Stadt. Und ein Blick auf die Uhr verrät: Das schaffst du nicht mehr. Ich beschliesse, es doch zu versuchen und allenfalls halt die ersten zehn Minuten zu verpassen (der Film hat ja noch 140 weitere) und nerve mich ein bisschen über meine eigene Dummheit. Doch als ich zum Kino komme, verfliegt der Ärger schnell: Der Film läuft noch nicht. Zum ersten Mal dieses Jahr erwische ich eine Vorstellung, die nicht pünktlich beginnt, und ich könnte darüber nicht glücklicher sein.

Nicht völlig glücklich macht mich «Loro» (4/5). Paolo Sorrentinos wunderschön gefilmte Satire über einen gewissen ehemaligen italienischen Premierminister ist mit Toni Servillo (in einer Dopperolle) zwar top besetzt, kann aber seine 150 Minuten (die für die Ein-Film-Version von 210 Minuten heruntergekürzt wurden!) nicht rechtfertigen. Die Story ist schleppend und repetitiv – da helfen Sorrentino auch haufenweise nackte Frauen und Bunga Bunga-Spektakel nicht weiter.

Owley am ZFF 2018: Astrid, Puzzles und das ganze Leben


Tag 5: Montag, 1. Oktober 2018

Als ich mich zum Mittagessen mit meiner Schwester treffe, habe ich noch keinen einzigen Film gesehen. Ausschlafen konnte ich deswegen aber nicht, denn bereits am Morgen stand meine dritte Anmoderation des Festivals auf dem Programm. Zum letzten Mal für dieses Jahr durfte ich zudem ein Q+A mit einem Filmemacher leiten, was ich immer sehr spannend finde.

Erst am Nachmittag geht es für mich los mit dem Filmeschauen, denn dann steht meine erste Vorstellung des Tages an. Ich treffe auf dem Weg noch auf Sven und – ein bisschen überraschender – auch auf Olivia, mit der ich eine Weile die Wohnung geteilt habe. Alle haben wir dasselbe Ziel: Die Pressevorstellung von «Astrid» (3/5) von Pernille Fischer Christensen. Der Film erzählt vom Leben der schwedischen Schriftstellerin Astrid Lindgren und kann (mit wenigen Abstrichen) überzeugen. Die berührende Geschichte über Astrids erste Liebe und den Kampf um ihr Kind bettet die Regisseurin in eine künstliche aufgebauschte Rahmenhandlung ein, die die Authentizität des eigentlichen Films immer wieder untergräbt. Weniger Pathos hätte diesem Film besser getan.

Auf dem Weg zum nächsten Kino begegne ich Linda, die mir Angst macht. Angeblich wurde «Life Itself» den ich als Nächstes sehen werde, von der Kritik in der Luft zerrissen. Na danke. Und tatsächlich belausche ich beim Verlassen des Kinos auch einige Leute, die sich lautstark über den Film aufregen. Ich kann ihnen nicht beipflichten, denn ich habe gerade einen der interessantesten Filme des Festivals gesehen. «Life Itself» (5/5) ist ein kitschiges, durchgeknalltes und bisweilen überbordendes Machwerk, das wirkt, als wolle es in seinen schlappen zwei Stunden Laufzeit mal eben die Welt erklären. Dan Fogelmans Drama über Familie, Liebe und Tod will insgesamt mehr, als ihm guttut – doch alleine für den Mut, solch einen wahnsinnigen Film zu machen, muss man dieser Produktion Respekt zollen.

Bei meiner letzten Vorstellung der ersten Festivalhälfte ist das Kino ziemlich leer. Das liegt einerseits daran, dass sie am Montagabend ist, und andererseits am Film selber. Sowohl die Hauptdarsteller (Kelly Macdonald und Irrfan Khan) auch die Story (eine vom Alltag erdrückte Hausfrau entdeckt ihre Liebe für Puzzles) sind jetzt nicht gerade das, was die breite Masse erreicht. Darüber kann «Puzzle» (3/5) auch nicht wirklich hinwegtäuschen – die Figuren und ihre Probleme sind zu einfach gezeichnet, die Story zu geradlinig. Marc Turtletaubs Remake eines argentinischen Dramas ist ein bisweilen gar zu seichter Film.

Owley am ZFF 2018: Vom Pressepass zum Moderatorenpass

Tag 4: Sonntag, 30. September 2018

Ich informiere mich am Zurich Film Festival nur noch über die wenigsten Filme. Meist ist es ein Regisseur oder ein Schauspieler, wegen dem ich mir den Film ansehe. Manchmal ist es auch einfach eine Filmkultur, wie etwa das chinesische oder dänische Kino, dem ich viel abgewinnen kann und weshalb ich mich dann ins Kino setze. Und zugegebenermassen: Viel zu oft ist es einfach nur das Bild im Katalog, das mir gefällt. Im Fall von «Werk ohne Autor» (5/5) von Florian Henckel von Donnersmarck war es aber einfach die Tatsache, dass sich der Film im Rennen um den deutschen Oscar-Beitrag gegen so starke Konkurrenz durchgesetzt hat, dass ich neugierig wurde.

Als ich also um 9 Uhr und entsprechend unausgeschlafen im Kino sitze, lerne ich, warum es manchmal doch noch gut ist, sich ein bisschen zu informieren. Sven von Outnow verrät mir nämlich, dass der Film über drei Stunden dauert. Ich verarbeite diese Information gerade, als das Saallicht gedimmt wird und der Film beginnt. Was folgt, fühlt sich bei Weitem nicht nach drei Stunden an. Henckel von Donnersmarcks Film ist ein ebenso schonungsloses wie berührendes Werk, das einen vom ersten Augenblick in seinen Bann reisst. Der deutsche Regisseur erzählt in seinem mehrere Jahrzehnte umspannenden Drama von Carl, einem jungen Künstler, der sich auf der Suche nach sich selbst auch seinen Erinnerungen aus der Zeit des Nationalsozialismus stellen muss.

Tom Schilling besticht in der Hauptrolle und auch Sebastian Koch als eiskalter Nazi ist grossartig besetzt. Es ist jedoch dieser gemeinsame Sideplot, der den Film mit seinen Wendungen bisweilen ausbremst und ihn ein bisschen seine Glaubwürdigkeit kostet. «Werk ohne Autor» ist dann am besten, wenn es um Carl und seine Kunst geht. Ich, ich, ich, eben.

Als Nächstes tausche ich meinen Pressepass gegen einen Moderatorenpass. In diesem Jahr stehe ich nämlich auch noch auf der Bühne und moderiere zwei Filme an. Heute stehen gleich beide Anmoderationen inklusive Q+As mit den Filmemachern an. Ich habe mich schon damit abgefunden, dass ich vor solchen Dingen immer nervös bin, auch wenn ich eigentlich gut vorbereitet bin. Und sowieso: Ein kleines bisschen Bammel tut gut. Und zum Glück ist das Publikum angenehm, und meine Gäste (Oscar-Preisträger Alexandre Espigares bzw. Produzent Tom Carpelan) ebenfalls.

Es ist inzwischen schon Abend und ich wechsle wieder auf die Seite des Publikums. Noch zwei Filme stehen heute an, «Quien te Cantará», der im internationalen Wettbewerb läuft und die Komödie «The Old Man and the Gun» mit Robert Redford. «Quien te Cantará» (2/5) erzählt von einer spanischen Popsängerin, die ihr Gedächtnis verliert und mit der Hilfe eines Fans versucht, sich an ihre Songs zu erinnern. Die Idee klingt eigentlich charmant und es ist auch nicht alles misslungen an diesem Film – doch die schleppende und repetitive Erzählweise, sowie die eindimensionalen Figuren, die keine Identifikation zulassen, machen es schwer, den Film zu mögen.

«The Old Man and the Gun» (4/5) hingegen ist ein waschechter Crowdpleaser, und nicht nur, weil mit Robert Redford der Rentner-Publikumsmagnet schlechthin in der Hauptrolle zu sehen ist. David Lowerys Film erzählt die larger-than-life-Story von Forrest Tucker, eines älteren Gentlemans, der leidenschaftlich Banken ausraubt. Robert Redford spielt seine Rolle so charmant, dass ihm nicht nur alle Bankangestellten verfallen, sondern auch wir. Da verzeiht man dem Film auch gerne seine unnötigen Nebenfiguren und die etwas gar geradlinige Story.

Owley am ZFF 2018: Von Kino zu Kino

Tag 3: Samstag, 29. September 2018

Ich gehe aus diversen Gründen am Zurich Film Festival lieber an Pressevorführungen als in reguläre Vorstellungen: Ohne Werbung, Anmoderationen oder Q+As sind sie zeitlich viel einfacher zu managen, man bekommt als Journalist immer einen Platz und auch das Publikum ist deutlich entspannter. Darum freue ich mich, dass ich heute gleich vier Pressevorführungen schauen kann und mir so keine Sorgen um Überlängen machen muss.

Es ist zwar erst der dritte Tag, aber die Tatsache, dass ich jeden Tag früh aufstehe und spät schlafen gehe, macht sich bereits ein bisschen bemerkbar. Auch der erste Film steht schon früh an, und mit viel Skepsis begebe ich mich ins Kino. Eine Schweizer Komödie von Michael Steiner – jeder einzelne dieser drei Faktoren kann sowohl gut als auch schrecklich ausgehen. «Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse» (5/5) heisst der neue Film des Regisseurs und man kann beruhigt aufatmen: Dieses Mal ging es nicht schief.

Joel Basman spielt Mordechai «Motti» Wolkenbruch, der sich von seiner jüdischen Familie partout nicht unter die Haube kriegen lassen will. Als er sich dann auch noch in eine «Schickse» (also eine Nicht-Jüdin) verliebt, ist das Drama perfekt. Sicher, die Geschichte über die schwierige Abnabelung von seiner Familie ist keine Neue, aber Michael Steiner erzählt sie mit soviel Charme, dass man einfach nicht anders kann, als diesen Film zu mögen. Da stört es auch nicht, dass Noémie Schmidt als Westschweizer Schickse etwas gar gefangen in ihrem Rollentyp als unbeschwertes Traumgirl zu sein scheint. Es ist dem Film (und mit ihm Steiner) zu wünschen, dass der Erfolg auch an den Kinokassen nicht ausbleibt.

Etwas weniger unbeschwert geht es in «The Tale» (3/5) zu und her. Basierend auf ihren echten Erlebnissen erzählt Jennifer Fox von einer Filmemacherin, die von ihrer Vergangenheit eingeholt wird, und dabei merkt, dass sie sich einen Missbrauch als Teenager ihr Leben lang schöngeredet hat. Ein wichtiges Thema, gerade heute, wo immer mehr Frauen, die erst Jahrzehnte später über Missbrauch reden, nicht ernst genommen werden. Erzählerisch kann man Jennifer Fox, die geschickt mit der Erinnerung und Wahrnehmung ihrer Protagonistin und damit sich selbst spielt, nur den Vorwurf machen, dass ihr Film deutlich zu lang geraten ist. Was «The Tale» für mich jedoch wirklich zu einer schwierigen Angelegenheit macht, ist die Hauptdarstellerin Laura Dern, die bis zum Schluss irgendwie recht blass bleibt – leider.

Eigentlich recht spontan ist der eindrückliche «Colette» (4/5) auf meinem Schirm gelandet, doch ich überbrücke die Lücke in meinen ZFF-Plan sehr gerne mit einem weiteren Film. Die Prämisse von Wash Westmorelands Film erinnert an «Big Eyes» oder «The Wife» – beides Filme über erdrückende Ehemänner, die den Ruhm für die Arbeit ihrer Frauen einheimsen. Das ist auch hier nicht anders: Die titelgebende Colette (Keira Knightley) ist eine junge Frau vom Land, die einen Schriftsteller in Paris heiratet. Als sie für ihren Mann einen Roman über ihre Erfahrungen, schreibt, landen die beiden einen Bestseller. Es folgen Fortsetzungen, stets geprägt von den eigenen Erfahrungen des Paares. Auf dem Cover prangt jedoch nur der Name ihres Mannes.

Es ist denn auch – man mag es eigentlich gar nicht hervorheben – ausgerechnet der Mann in «Colette», der herausragt. Dominic West spielt seine Figur so subversiv und so facettenreich, dass man zwar nie auf den Gedanken kommt ihn zu mögen, aber in ihm auch nicht den abscheulichen Bösewicht sieht, der er im Grunde ist. Und so kann man irgendwie nachvollziehen, dass sich Colette nicht von Anfang an gegen ihn stellt, sondern sich von ihm immer und immer wieder um den Finger wickeln lässt.

«Dead Pigs» (4/5) heisst mein nächster Film, ein chinesisches Drama über tote Schweine und fünf Menschen, deren Leben diese toten Schweine plötzlich auf den Kopf stellen. Ich weiss ehrlich gesagt nicht mehr, warum ich diesen Film damals als ich ihn ausgesucht habe, so reizvoll fand – aber er landete auf meiner Liste, und ich bin rückblickend sehr froh darum. Alles in «Dead Pigs» ist ein bunter, überdrehter Film, bei dem man nie so richtig weiss, ob das alles nicht doch viel realistischer ist, als wir glauben. Cathy Yans Langfilmdebüt zieht einen mit seinen schrägen Charakteren und seinem absurden, eigenartigen Humor sofort in seinen Bann.

Zum ersten Mal am Zurich Film Festival schaue ich mir einen Film im neuen Kino Kosmos an, das dieses Jahr neu mit dabei ist. Das heisst, genau ein Film wird dort gezeigt, und dies nur gerade zweimal. Das ist ein bisschen eine Verschwendung, denn das neue Kino wäre mit seiner angenehmen Einrichtung und den gut ausgerüsteten Sälen eine perfekte zusätzliche Location für das Festival – vielleicht in den kommenden Jahren? Für dieses Jahr bleibt es aber zunächst bei nur einem Film: «Roma» (5/5) von Alfonso Cuarón, der erste Netflix-Film ist, der am Festival gezeigt wird.

Von Trailer und Bildern wenig beeindruckt setze ich mich also in den Film. Als ich im Kino sitze, stelle ich fest, dass das die erste ZFF-Vorstellung des Jahres ist, die ich alleine besuche. Bei den vorherigen Festivalfilmen waren entweder befreundete Journalisten oder sonstige Freunde mit mir im Kino, doch nicht so diesmal. Und so erliege ich diesem schwarzweissen Meisterwerk des mexikanischen Regisseurs ganz allein – aber bin dabei alles andere als einsam. «Roma» ist eine Wucht. Der Film erzählt vom turbulenten Leben einer Familie aus der Mittelschicht im Mexiko der Siebziger-Jahre. Cuaróns nüchterner und ungeschönter Blick auf diesen kleinen Mikrokosmos und vorallem auf die starken Frauenfiguren, die diesen prägen, entlockt dem einfachen Alltag dieser Familie ungeahnte Schönheit. Für mich der absolute Höhepunkt des Festivals – und auch der meines Kinojahres.

Owley am ZFF 2018: Vier Award-Filme… und High-Life

Tag 2: Freitag, 28. September 2018

Nach einem lockeren ersten Tag verspricht der zweite Tag mehr Action – gleich fünf Filme sollen es heute werden. Den Anfang macht «Girl» (5/5) von Lukas Dhont, den ich (wie alles, eigentlich) in Cannes verpasst habe und den ich jetzt zum Glück nachholen kann. Der Debütfilm erzählt von der sechzehnjährigen Lara (Victor Polster), die gerade mitten in ihrer Hormonbehandlung steckt – denn Lara wurde im Körper eines Jungen geboren. Lara geht es gut: Ihre Familie unterstützt sie wo sie nur kann, ihre Freunde stehen hinter ihr, und auch ihre Ausbildung an einer renommierten Ballettschule steht unter einem guten Stern. Doch Laras heile Welt beginnt allmählich zu bröckeln. Behutsam erzählt Dhont von Unsicherheiten und Zweifeln im Leben eines jungen Transmenschen und kann dabei auf einen brillianten Hauptdarsteller zählen. Victor Polster wurde in Cannes mit dem Un Certain Regard Award für die beste Darbietung ausgezeichnet – man beachte dabei den Verzicht auf das Geschlecht in der Bezeichnung des Preises.

Eine Serie von vier eindrücklichen Filmen zum Festivalstart, das muss ja irgendwie schiefgehen, denke ich mir, als ich vom Sihlcity zum Bellevue tingle, wo die nächste Pressevorführung ansteht. «High Life» (1/5) ist der Film, der mich wieder daran erinnert, wie schlecht Kino sein kann. Claire Denis schickt Robert Pattinson als Häftling ins Weltall, wo er an einem Forschungsprojekt teilnehmen soll. Klingt eigentlich vielversprechend, ist es aber leider überhaupt nicht. Sichtlich überforderte Darsteller (mitunter auch eine als sexgeile Weltraumärztin gecastete Juliette Binoche) und ein wirres Drehbuch, in das sich solche pornotauglichen Stilblüten wie «You’re a shaman of sperm» oder «Fill me! Fill me!» verirrt haben, machen diesen Film zu einer echten Herausforderung.

Weiter geht es ohne Pause, und auch für meinen dritten Film des Tages wechsle ich das Kino – diesmal sitze ich im Riffraff, wo «Shoplifters» (4/5) ansteht. Hirokazu Kore-edas charmante Komödie über eine Familie von Ladendieben und Schlitzohren wurde in Cannes mit der Palme d’Or ausgezeichnet, und das völlig verdient. Man kann dem japanischen Filmemacher höchstens vorwerfen, dass er seiner herrlich abgedrehten Prämisse nicht bis zum Schluss treu bleibt. Das etwas gar brave Ende ist zwar erzählerisch konsequent, aber mit ihm büsst der Film auch ein bisschen von seiner märchenhaften Art ein.

Auf dem Weg zu «The Miseducation of Cameron Post» (4/5) treffe ich auf Alan, der wie ich auch für Maximum Cinema am Festival unterwegs ist, und dem ich in den letzten Tagen auffallend häufig über den Weg laufe. Wir haben noch ein bisschen Zeit für einen Kaffee und um ein bisschen über das Festival zu schreiben – doch aus Letzterem wird nichts da beide unsere Rechner gleichzeitig den Geist aufgeben. Dann eben nur Kaffee, auch gut.

«The Miseducation of Cameron Post» ist ein aufwühlender Film, der von einem lesbischen Teenagermädchen erzählt, das von seiner strenggläubigen Pflegemutter in ein christliches Camp geschickt wird. Dem emotionalen Missbrauch dieser Jugendlichen durch selbsternannte Christen zuzusehen, ist nur schwer erträglich – aber es ist gerade das, was dieses Coming-of-Age-Drama zu einem der stärkeren Vertreter seines Genres macht. Zu Recht wurde der Film am Sundance Festival auch mit dem Grossen Jurypreis bedacht.

Auch bei meinem letzten Film des Tages handelt es sich um einen Festivalgewinner – doch in diesem Fall kann ich das weniger nachvollziehen. «The Sisters Brothers» (3/5) hatte ich ursprünglich nicht auf meinem Radar, denn irgendwie habe ich mit Western in den vergangenen Jahren am Zurich Film Festival keine so guten Erfahrungen gemacht. Doch die guten Kritiken in Venedig sowie eine Einladung einer Freundin liessen mich dem Film dann doch noch eine Chance geben. Das englischsprachige Regiedebüt von Jacques Audiard erzählt von zwei Brüdern (John C. Reilly und Joaquin Phoenix), die Jagd auf einen Flüchtigen machen. Auch wenn die Prämisse vertraut klingt, schlägt «The Sisters Brothers» den ein oder anderen erzählerischen Haken und spielt mit den Konventionen des Genres. Das und ein überragender Soundtrack von Alexandre Desplat reichen letztendlich aber nicht, um diesen irgendwie unschlüssigen Film über das Mittelmass herauszuheben. Und an einem Tag, an dem ich auch «Shoplifters» und «Girl» gesehen habe, ist Mittelmass nun einmal nicht gut genug.

Owley am ZFF 2018: Ein ruckliger Start


Tag 1: Donnerstag, 27. September 2018

Zum bereits siebten Mal stürze ich mich dieses Jahr in den Trubel des Zurich Film Festival, und ich habe mir Einiges vorgenommen. Gleich 42 Filme sollen es heuer werden – ob ich mir am Ende auch wirklich alle ansehen werde, muss sich aber erst noch zeigen. Dieses Jahr bin ich vor dem Festivalbeginn ein bisschen nervöser als sonst, denn zum ersten Mal darf ich nicht nur im Publikum sitzen, sondern werde auch zwei Filme anmoderieren. Das ist für mich zwar nicht neu, aber jedes Festival hat bekanntlich seinen eigenen Vibe, und so bin ich vor diesem Debüt eben doch ein bisschen aufgeregt.

Doch zum Glück sitze ich am ersten Festivaltag nur im Publikum, und kann mich zudem gleich auf vier Filme freuen. Den Anfang macht die Pressevorführung von «Green Book» von Peter Farrelly (5/5), der am Abend auch gleich das Festival eröffnen wird. Der Hauptdarsteller, Viggo Mortensen wird dann über den Teppich laufen, einer von auffällig wenig grossen Namen in diesem Jahr. Vom anstehenden Rummel spürt man in der Pressevorführung aber noch herzlich wenig, statt Viggo sitzt neben mir nur mein guter alter Freund Cem, aber man nimmt nun mal was man kriegen kann.

«Green Book» spielt in den USA der 60er-Jahre und erzählt von einem schlitzohrigen Türsteher aus New York, der einen gefeierten schwarzen Jazzpianisten durch die Südstaaten chauffieren muss. Der Film ist ein klassischer Crowdpleaser, der eine hochaktuelle Thematik gekonnt als charmantes Buddymovie verpackt und nicht zuletzt nach seinem Toronto-Gewinn als veritabler Oscar-Kandidat gehandelt werden darf.

Bis zu meiner nächsten Vorstellung ist es noch ein bisschen hin, also gehe ich wie jedes Jahr am ersten ZFF-Tag ins Festivalzentrum und hole meinen Pass ab. Und jedes Jahr haben alle Journalisten zur gleichen Zeit die gleiche Idee, sodass das Festival, das jedes Jahr nur einen Ticketschalter öffnet, komplett überrannt wird. So stehe ich eine halbe Ewigkeit in der Schlange in diesem von der Herbstsonne zum Treibhaus verwandelten Glastempel, bevor mir mein Badge in die Hand gedrückt wird.

Mein akribischer 42-Filme-Plan bekommt einen ersten Dämpfer, als ich Film 3 und 4 des ersten Tages buchen möchte. Denn: Beide sind bereits komplett ausverkauft. Am meisten überrascht mich das bei «Der Himmel über Berlin» von Wim Wenders, der als Retrospektive gezeigt wird. Dass eine Retrospektive ausverkauft war, habe ich noch nie erlebt, doch es gibt für alles ein erstes Mal. Ich versuche, Tickets für andere Filme zu ergattern, doch auch daraus wird nichts.

So begebe ich mich entsprechend enttäuscht zu meiner zweiten Pressevorführung des Tages, die zugleich auch bereits mein letzter Film des Tages zu sein droht. Immerhin verspricht dieser Film gute Unterhaltung: «The Favourite» (4/5) ist der neueste Streich von Yorgos Lanthimos, dem griechischen Regisseur von «The Lobster» und «The Killing of a Sacred Deer». Der Film wurde in Venedig gefeiert und mit dem Grossen Jurypreis ausgezeichnet, doch meine Vorfreude hält sich in Grenzen: Rachel Weisz und Kostümfilm? Das ist eigentlich so überhaupt nicht meins.

Zum Glück werde ich dann doch sehr gut unterhalten. Mit zwei Stunden Laufzeit ist «The Favourite» etwas zu lang geraten und die eigentliche Story ist dann doch etwas gar plump – was den Film aber so herrlich macht, ist Lanthimos’ eigenwillige Inszenierung dieser eigentlich simplen Prämisse. Emma Stone spielt im Film eine Magd, die sich durch geschickte Intrigen in die Gunst der britischen Königin bringt – sehr zum Unmut des restlichen Hofs, allen voran ihrer von Rachel Weisz gespielten Nebenbuhlerin.

Nach dem Film gehe ich noch einmal zum Festivalzentrum zurück um zu schauen, ob nicht inzwischen doch noch ein Ticket für irgendeinen Film für mich rausspringt. Wenigstens für den dänischen Thriller «Den skyldige» von Gustav Möller hätte ich eigentlich sehr gerne ein Ticket, doch zuvor war dieser noch ausverkauft. Ich treffe vor dem Festivalzentrum unverhofft auf Sarah, die ich aus meiner Jugendzeit kenne und komplett aus den Augen verloren habe und die nun am Festival arbeitet.

Wir tauschen uns ein bisschen aus und merken, dass wir beide denselben Plan haben, nämlich doch noch einen Platz für den Film zu ergattern. Und tatsächlich: Beim zweiten Versuch klappt’s und nicht viel später sitzen wir im Film drin. «Den skyldige» (5/5) erzählt von einem Polizisten in der Notrufzentrale, der einen Anruf von einer entführten Frau erhält. Als der Anruf abbricht, ermittelt er auf eigene Faust. Gustav Möllers Regiedebüt ist ein stark besetztes und aufwühlendes Kammerspiel, das meinen ersten Festivaltag aller anfänglichen Tücken zum Trotz mehr als würdig abschliesst.

«Roar» auf der grossen Leinwand

Der Kurzfilm als Vorfilm im Kino hat es nicht leicht. Einerseits ist das Publikum immer weniger bereit, sich darauf einzulassen, andererseits stellen Kurzfilme für viele Kinos auch verlorene Werbezeit dar, für die sie dann meist auch noch die Rechte bezahlen müssen. Das ist schade, verschwindet so doch immer mehr ein anregendes Amuse Bouche aus den Kinos. In der Schweiz gibt es zwar Bestrebungen, den Kurzfilm zurück auf die Kinoleinwände zu bringen, etwa von Base Court oder Pro Short, aber das braucht alles seine Zeit.

Umso mehr freut es mich daher, dass sich gleich zwölf Schweizer Kinos bereit erklärt haben, den Kurzfilm «Roar», den ich zusammen mit Ramón Arango umgesetzt habe, im Vorprogramm von «Jurassic World: Fallen Kingdom» zu zeigen. Somit habt ihr jetzt einen guten Grund, euch den Film nicht in irgendeinem Multiplex, sondern in einem der zwölf folgenden Kinos anzusehen:

Bülach (Kino ABC)
Kloten (Cinema Claudia)
Langenthal (Kino Scala)
Luzern (Verkehrshaus Filmtheater)
Rapperswil-Jona (Kinobar Leuzinger)
Rapperswil-Jona (Schlosskino)
Schöftland (Cinema 8)
Sins (Cinepol)
Spiez (Movieworld)
Stans (AFM Cinema)
Zug (Kino Lux)
Zug (Kino Seehof)

Status Quo: Mai

So ein Lebenszeichen ab und zu, das sei schon gut, hat mir das Mami gesagt. Und weil ich inzwischen einen Punkt im Leben erreicht habe, wo man erkennt, dass das Mami amigs wirklich Recht hat, gebe ich also mal wieder so ein Lebenszeichen von mir.

Ja, es geht mir gut.

Ich habe inzwischen ein schönes Plätzli in Emmenbrücke gefunden, wo ich mir ein Atelier mit Roli, Marina und Tino und vielen anderen tollen Menschen teile und ab und zu kalten oder warmen Kaffee trinke. Juhui! Dort arbeite ich an meinen grossen und kleinen Projekten, mehr dazu dann später einmal.

Was ich aber sagen kann: Soeben habe ich meine 50. Karikatur für die Zürichsee-Zeitung abgeliefert – das ist bereits die 18. in diesem Jahr. Dass es schon soviele sind, liegt auch daran, dass ich seit Kurzem jeden Samstag einen gezeichneten Rückblick auf die Woche in der Zürichsee-Region werfen darf. Keine leichte Aufgabe, muss ich doch mit jeder Illustration gleich drei Regionalausgaben bedienen – aber eine, die mir immer wieder aufs Neue enorm viel Spass bereitet.

Und das war meine Fünfzigste:

Mit dem Frühling scheinen auch meine Filme in Fahrt zu kommen:

Foglä wird vom 1.-6. Mai am Anifilm in Třeboň (Tschechien) als Midnight Screening gezeigt. Zwei Wochen später dann folgt ein persönliches Highlight dieses eigentlich ja noch jungen Jahres: Mein Kurzfilm geht nach Cannes ans Filmfestival! Auf Einladung von Animation Nights New York darf ich Foglä dort präsentieren – und das erst noch an meinem Geburtstag. Das hätte ich mir selbst in meinen kühnsten Träumen nicht vorstellen können.

Auch Roar, dem zweiten Kurzfilm, den ich letztes Jahr zusammen mit Ramón fertiggestellt habe, geht es gut. Er stellt sich Ende Mai dem Wettbewerb des Kinderfilmfestivals VAFI & RAFI in Varaždin (Kroatien), wo er in der Kategorie der Kurzfilme für 0-6-jährige Zuschauer gezeigt wird.

Vom 10. bis 12. Mai werde ich zudem wieder mit einem Stand an der Fantasy Basel vertreten sein und es wäre natürlich schön, wenn jemand vorbeikommt und mir Hallo sagt! Ihr findet mich in der Halle 2.2 in der Artist Alley (616 bei den kleinen Tischen).

Und zuguterletzt gilt es noch, eure Aufmerksamkeit auf zwei Filmscreenings im Mai zu lenken: Am 9. Mai findet im Kosmos in Zürich die Vorpremiere zu Isle of Dogs in Zusammenarbeit mit Maximum Cinema statt – wenn ihr den Film noch nicht gesehen habt, solltet ihr euch diese Gelegenheit nicht entgehen lassen, zumal ich auch da sein und den Film anmoderieren werde. Tickets gibt’s hier.

Dasselbe werde ich auch am 23. Mai tun, wenn es im Poolkino in Luzern heisst: «Hey, girl…» Im letzten Screening der Saison zeigt der coolste Filmclub der Stadt einen Film mit Ryan Gosling, der euch hoffentlich ins Schwitzen und Schmachten bringt. Welcher Film gezeigt wird, könnt ihr auf Facebook auswählen, der Eintritt ist wie immer 5 Stutz. Ich würde mich freuen, wenn sich ein paar bekannte Gesichter unters Publikum mischen.

Aber jetzt hoffe ich, eurem unbändigen Drang nach Lebenszeichen Genüge getan zu haben und widme mich wieder meinen Projekten. Ich hoffe, ihr versteht.

Die Wutbürger

Eine kleine Hintergrundstory zu einer Illustration und ihren Varianten:

Vergangene Woche schrieb mich Andrea, eine Redaktorin der Zürichsee Zeitung an, und bat mich um Ideen zu einem von ihr verfassten Artikel. Es ging darin um ein Postulat einiger bürgerlichen Parteien, die wollen, dass Eltern ungezogener Schüler mit einer Busse bestraft werden können. Ich liebe solche schrägen Themen, weil sie eine gute Basis für eine überspitzten Illustration bieten.

Eine meiner ersten Ideen war der ungezogene Trump, wie man ihn oben sieht. Normalerweise brauche ich mehrere Anläufe, aber in diesem Fall war ich überzeugt, dass das die bestmögliche Karikatur zum Thema war. Auch auf der Redaktion kam die Illustration gut an, aber es stellte sich heraus, dass sie an meinem Timing zu scheitern drohte. Denn: Am gleichen Tag sollte in der Zeitung meine wöchentliche Karikatur zu sehen sein, die den Besuch des US-Präsidenten in der Schweiz zum Thema hatte. Zweimal Trump, das war dann doch etwas viel, das war sogar mir bewusst.

Ganz klein beigeben wollte ich dann aber doch nicht und schlug eine Variation dieser Karikatur vor, bei der Trump durch den Sion-Präsidenten Constantin ersetzt wurde. Dieser war vor einigen Monaten in den Schlagzeilen, als er auf einen TV-Kommentatoren einprügelte. Mir gefiel dabei die Dynamik in der Karikatur, wohingegen die erste ein bisschen statisch wirkte. Dort war ich aber mit dem frech grinsenden Mini-Trump umso mehr zufrieden. Das Problem bei der zweiten Version war, dass der «Fall Constantin» zwar medial ausgeschlachtet wurde, aber ziemlich schnell auch wieder vergessen war. Die Karikatur würde in dieser Form also nur bedingt funktionieren, weshalb wir diese Variante begruben.

Am Ende kam dann aber doch alles wie es sollte: Das Datum des Artikels hatte sich um fast eine Woche nach hinten verschoben, sodass die Trump-Variante nun wieder passte. Den fertigen Artikel kann man hier nachlesen, und ich bin natürlich sehr froh, dass es am Ende doch gut ausgegangen ist für den kleinen, blonden Despoten.

 « 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 ... 286 287 288 »