The Reward: Tales of Alethrion

Alethrion

Vermutlich ist das alt, aber gewissermassen bin ich ja auch alt, und darum ist das alles wieder ganz schön relativ. Jedenfalls möchte ich das hier posten, weil ich gerade hin und weg bin. Vor einigen Jahren bescherten uns einige dänische Animationsstudenten den schicken und extrem witzigen Abschlussfilm The Reward, der die Geschichte einer Schatzsuche in bester Dungeons & Dragons-Manier erzählt. Der Film wurde bis heute über anderthalb Millionen Mal auf Vimeo angeschaut, davon alleine am ersten Tag über 150’000 Mal. Was mich – neben dem ikonischen Charakterdesign, der angenehm schaurigen Brutalität und der süssen Message – faszinierte, ist die skurille Welt in die Mikkel Mainz Elkjær und Kenneth Ladekjær uns entführen. Obgleich das Land Alethrion, in dem The Reward spielt, nicht wirklich gross in Szene gesetzt wird, lassen die beiden Regisseure erahnen, wie viel diese Welt zu bieten hat.

Da sie nur so vor Ideen zu sprudeln schienen, war schnell beschlossen: Da muss mehr her, und zwar eine Reihe ganzer Kurzfilme. Sie gründeten ein Studio namens Sun Creature und sammelten auf Kickstarter Geld, um eine siebenminütige Fortsetzung zu produzieren – die erste einer Reihe mit dem Titel The Reward: Tales of Alethrion. Das geplante Ziel von 115’000 Dollar wurde locker überschritten und mit der Hilfe des dänischen Filmförderbundes entstand eine kurze Folge, die am Schluss über zwanzig Minuten dauern sollte. The First Hero heisst die Geschichte und sie ist in meinen Augen in jeder Hinsicht stärker als der Vorgänger. Worum es genau geht, möchte ich nicht verraten – zumindest mir hat es sehr gefallen, nicht zu wissen, welche Geschichte hier genau erzählt wird.

Nach einem weiteren erfolgreichen Kickstarter-Crowdfunding steckt Sun Creature bereits mitten in der Produktion zweier weiterer Fortsetzungen. Das ist nicht nur schön für alle Fans dieser jungen Franchise, es ist auch schön für alle, die sich mehr Vielfalt im Animationsfilm wünschen.

(via)

Legend (2015)

Legend

„My loyalty to my brother is how I measure myself.“ – „What about your loyalty to me?“

Was macht man, wenn man für seinen Film eine schlechte Rezension bekommt? Jeder Marketing-Heini würde dazu raten, die Kritik zu ignorieren und erst recht nicht seinen Film damit zu bewerben. Doch genau das haben die Marketingleute hinter dem Gangsterbiopic Legend gemacht. Für den Film, der durchwegs gute Kritiken erhielt, liessen sie es sich nicht nehmen, dem Kritiker des Guardians eins auszuwischen und dessen zwei Sterne so auf dem Poster zu platzieren, dass es aussah, als hätte die Zeitung den Film positiv bewertet. Schlauster Marketing Move, ever (selbst der Kritiker des Guardians zückt den Hut) für einen sehr gelungenen Film. Brian Helgelands Gangster-Biopic über das Leben der britischen Kray-Zwillinge, die in den 60er-Jahren den Londoner Untergrund beherrschten ist ein starkes Stück Kino.

Das nicht zuletzt wegen Tom Hardy, der in diesem Film eine Doppelrolle spielt und gleich beide Brüder verkörpert: Reggie, den charmanten und coolen Kopf des Duos und Ronnie, ein unberechenbares und paranoides Pulverfass. Die beiden Brüder könnten unterschiedlicher nicht sein – doch das ist keine Challenge für Hardy, der den beiden Gangstern eindrücklich Leben einhaucht. Man darf aber auch festhalten, dass Legend durchaus seine Schwächen hat. Der Film bewegt sich in einem Genre, in dem in den letzten Jahren mit Black Mass und Public Enemies schon genug gewühlt wurde. Die Geschichte des grossen Gangsters, der eine Stadt in Angst und Schrecken versetzt, sich dadurch aber immer stärker von seiner Frau entfremdet, ist nicht wirklich neu – und ausser der ambivalenten Beziehung zwischen den beiden Brüdern fördert Legend auch wenig Neues zutage.

In Kürze:

Legend ist storytechnisch nicht immer ganz sattelfest – nicht alles funktioniert und vieles haben wir schon einige Male und besser gesehen. Das Gangster-Biopic von Brian Helgeland wäre bestenfalls eine Randnotiz wert, wäre da nicht Tom Hardy, der diesen Film mit Gewalt an sich reisst und einmal mehr beweist, was für ein starker und versierter Darsteller er ist.

Wertung:

4 von 5 Lutschbonbons mit Zitronengeschmack

Tout en Haut du Monde (2016)

ToutEnHautDuMonde
Animontag

„C’est pour sauver l’honneur de ma famille que je dois ramenner le Davai!“

Mit Tout en Haut du Monde (Long Way North) gibt Rémi Chayé seinen Einstand als Regisseur – und was für einen Einstand! Das Debüt des französischen Regisseurs ist ein erfrischender Film, der nicht nur durch seinen einzigartigen Look aus der Masse heraussticht. Chayé, der eigentlich aus dem Layout-Departement stammt und in dieser Funktion unter anderem beim oscarnominierten The Secret of Kells amtete, verleiht seinem Film einen Look, der mit seinem reduzierten Stil an Konzeptzeichnungen erinnert. Mit seinen atemberaubenden Landschaften und der meisterlichen Farbsetzung war dieser Film eines meiner Highlights der vergangenen Ausgabe des Fantoche. Doch Chayé verzaubert das Publikum nicht nur mit Schauwerten, sondern bietet ihm auch eine berührende Story mit viel Tiefgang.

Tout en Haut du Monde erzählt die Geschichte von Sascha, einer jungen Russin, die im hohen Norden nach ihrem verschollenen Grossvater, dem Seefahrer Oloukine sucht. Sascha, die bisher nur das Leben als Tochter eines Aristokraten kannte, muss sich nun in dieser neuen, unwirtlichen Welt zurechtfinden und für sich selber einstehen. Sascha ist eine Protagonistin, wie sie Disney in Frozen gerne gehabt hätte: Unerschütterlich und kompromisslos folgt sie ihrem Traum durch das ewige Eis. Überhaupt erinnert Tout en Haut du Monde an die Filme der Disney Renaissance, geht dabei aber immer wieder eigene Wege und bricht mit Konventionen. So bleibt dieser Film von Chayé überraschend und spannend bis zum letzten Augenblick.

In Kürze:

Tout en Haut du Monde ist einer der interessanten Animationsfilme abseits der grossen Studios. Rémi Chayé ist mit diesem erfrischenden Abenteuerfilm ein Debüt gelungen, das Lust auf mehr macht.

Wertung:

5 von 5 verlorenen Schiffswracks

Trailer:

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Til Schweiger is bae.

YouTube Preview Image

Til Schweiger macht ja bekanntlich nicht nur Filme, sondern schreibt auch ab und zu deutsche Fernsehgeschichte, wenn er als Tatortkommissar Nick Tschiller ermittelt. Ich habe noch nie einen Tatort gesehen und entziehe mich daher der Polemik um Schweigers Figur (abgesehen davon, dass ich der Meinung bin, dass es verboten sein soll, seine Figuren, sofern sie ernstzunehmenden Charakters sein sollen, „Tschiller“ zu nennen). Jetzt kommt Nick Tschiller auf die grosse Leinwand mit seinem Tatort-Kino-Debüt im actionreichen Tschiller: Off Duty der so deutsch klingt, wie er ist. Gedreht wurde der Film irgendwo in Istanbul, was irgendwie passt, weil der Film anscheinend so ziemlich dieselbe Geschichte erzählt wie Taken. Ich habe ehrlich gesagt keinen Plan worum es geht und war auch bis vor 5 Minuten noch der Meinung, dass ich mir das nicht ansehen muss. Aber jetzt habe ich den Trailer gesehen und… meine Fresse. Diese unfreiwillige Hollywoodparodie – das muss ich einfach gesehen haben.

Meine persönlichen Highlights dieses wunderschönen Trailers:

  • „Ich spreche kein Fleischklops!“
  • Til Schweiger verzweifelt im Türkischunterricht (was er offenbar verständlicher hinbekommt als Deutsch)
  • Til Schweigers Tochter spielt… seine Tochter. Woah.
  • Woah, seine Tochter wird entführt. That’s a new one.
  • Til Schweiger bricht aus einem Gefängnis aus, because he’s badass.
  • „I’ll burn your house down and I’ll kill you all!“
  • Popmusik in einem Krimitrailer. Badass.

Krigen (2015)

Krigen
ZFF2015

„Es geht nicht darum, was du hättest tun sollen. Es geht darum, was du jetzt tust.“

Seit ich Kapringen (A Hijacking) von Tobias Lindholm gesehen habe, muss ich nicht zweimal überlegen, wenn der dänische Regisseur ruft. Lindholm ist ein Garant für packendes, ungeschöntes Kino, weshalb ich mir auch seine dritte Regiearbeit Krigen (A War) nicht entgehen lassen wollte. Dabei darf dieser Film durchaus in Verbindung mit Kapringen gebracht werden – nicht nur wegen seines ähnlich nüchternen Titels, sondern auch wegen seiner Story. Wie schon in Kapringen erzählt Lindholm von einem Konflikt, der an zwei Fronten ausgetragen wird: Claus Michael Pederson ist ein dänischer Kommandant, der in Afghanistan stationiert ist und sein Leben täglich für das Wohl der lokalen Bevölkerung aufs Spiel setzt. Zuhause wartet seine Frau mit ihren drei Kindern sehnlichst auf die Rückkehr ihres Mannes. Als Claus im Gefecht eine fragwürdige Entscheidung trifft, um seine Truppen zu retten, gerät er ins Visier der Militärpolizei.

Krigen ist harte Kost. Wer nicht damit gerechnet hat, lernt das ziemlich rasch. Lindholm schönigt nichts und unternimmt keine Bemühungen, diesen Film für das Publikum in irgendeiner Form erträglich zu machen. Wenn die Protagonisten leiden müssen, soll der Zuschauer das auch. Seine parallele Erzählstruktur fasziniert auch in diesem Film, zeigt sie doch sehr eindrücklich die Ausmasse dieses Krieges: Es sind eben längst nicht nur die stationierten Soldaten betroffen, sondern auch ihre Angehörigen Getragen wird Krigen von der starken Schauspielleistung von Pilou Asbæk, der den fragilen Kommandanten Pederson gibt. Der Game of Thrones-Neuzugang ist aber nicht der einzige Darsteller aus Kapringen, den Lindholm erneut rekrutiert. Auch Dar Salim und Søren Malling, die bereits in Kapringen zu sehen waren, kehren für diesen Film zurück. Speziell Malling ist als charismatischer Anwalt eine Bereicherung für diesen Film.

In Kürze:

Krigen ist wie schon Kapringen ein schwer erträglicher und authentischer Film, der eine nahe Beziehung zu den Figuren aufbaut. Tobias Lindholms dritte Regiearbeit lebt von einem starken Script und überzeugenden Darstellern.

Wertung:

5 von 5 versteckten Landminen

Heidi (2015)

Heidi

„Man hat uns eine komplett verwilderte und ungebildete Kreatur ins Haus gebracht!“

Ambitionierte Schweizer Grossproduktionen haben – ein bisschen wie unsere Nationalmannschaft bei wichtigen Spielen – die Fähigkeit, es trotz guter Vorzeichen am Ende doch irgendwie zu verbocken. Und so blieb ich trotz hoher Erwartungen an die Heidi-Verfilmung von Alain Gsponer bis zum Schluss skeptisch. Das wäre nicht nötig gewesen, denn der Schweizer Regisseur liefert mit dieser Verfilmung der wohl urschweizerischsten aller Erzählungen eine schöne Arbeit, die sich auch ausserhalb der Landesgrenzen sehen lassen kann. Gsponer erzählt die bekannte Geschichte über das kleine Mädchen Heidi, das beim Alpöhi in den Bergen ein unbeschwertes Leben führt, bis es von seiner Tante nach Frankfurt geschickt wird, wo es unglücklich im Haushalt einer angesehenen Familie lebt, ohne grosse Überraschungen. Es sind die ernsthaften, sozialkritischen Töne, die der Regisseur immer wieder anschlägt, die überraschen.

Nicht, dass Heidi dadurch weniger kitschig wäre. Auch Gsponers Umsetzung kommt nicht ohne saftig grüne Alpwiesen, stahlblaue Himmel und lachende Kinder aus. Das einseitige Bild dieser Postkartenschweiz relativiert der Filmemacher aber ziemlich schnell, indem er ernste Themen wie Armut und soziale Ausgrenzung anspricht. Trotz allem ist Heidi aber ein äusserst hoffnungsvoller Film, den man einfach gern haben muss. Die charismatische Hauptdarstellerin Anuk Steffen trägt diesen Film und stellt selbst den grossen Bruno Ganz mit ihrer Verkörperung der kleinen Heidi in den Schatten. Überhaupt sind die Darsteller in diesem Film alle sehr gut besetzt, das Niveau der Darbietungen ist hoch – seien das die vor Energie nur so sprühenden Kinderdarsteller, der herrlich grummlige Bruno Ganz, Hannelore Hoger als einfühlsame Grossmama Sesemann oder natürlich die fiese Frau Rottenmayer alias Katharina Schüttler.

In Kürze:

Alain Gsponers Heidi ist kitschig aber nie schmalzig – ein wunderschöner Film mit einer tollen Hauptdarstellerin und tollen Bildern.

Wertung:

5 von 5 weichen Brötchen

Omoide no Marnie (2014)

OmoidenoMarnie

Animontag

„Du siehst genau aus wie das Mädchen aus meinen Träumen.“

Fast alle Ghibli-Filme, die ich gesehen habe, entstanden unter der Regie von Hayao Miyazaki. Man kann es drehen und wenden, wie man will, aber der Regisseur von Mononoke Hime (Prinzessin Mononoke) ist und bleibt die wichtigste und berühmteste Figur dieses renommierten Filmstudios. Mit Kaguya-Hime no Monogatari (Die Legende der Prinzessin Kaguya) habe ich im vergangenen Jahr am Fantoche meinen ersten Film des Studios gesehen, der nicht von Miyazaki stammt.  Mit dem bis dato letzten Werk des Studios, Omoide no Marnie (Erinnerungen an Marnie) folgte dieses Jahr der zweite. Hiromasa Yonebayashi erzählt die Geschichte des Waisenmädchens Anna, die von ihrer Pflegemutter zu Verwandten ans Meer geschickt wird, wo sie sich von ihren Asthmaanfällen erholen soll. Dort lernt sie Marnie kennen, ein mysteriöses Mädchen, mit dem sie sich sofort anfreundet.

Das Artwork von Omoide no Marnie ist wunderschön, daran besteht kein Zweifel. Das von der britischen Küste inspirierte Setting mit seinen satten Farben und dem rauschenden Meer ist atemberaubend – und die sanften Melodien von Komponist Takatsugu Muramatsu sorgen für eine angenehme Stimmung. Doch die Visuals können nur bedingt darüber hinwegtäuschen, dass Hiromasa Yonebayashis Film inhaltlich totaler Murks ist. Der Protagonistin ist die miese Laune auf den Charakter geschrieben, ob sie nun will, oder nicht. Ihre Beweggründe sind unverständlich, ihre Emotionen sind unglaubhaft. Ein Konflikt wird gross aufgebaut, nur um sich dann einige vorhersehbare Plottwists später auf magische Art und Weise zu lösen.

In Kürze:

Ich bin sehr wählerisch, wenn es um Anime geht – Omoide no Marnie konnte mich trotz seines wunderschön zum Leben erweckten Settings leider nicht überzeugen. Hiromasa Yonebayashis Film scheitert an seinen eindimensionalen Charakteren und der vorhersehbaren Story.

Wertung:

2 von 5 Holzeulen mit Kulleraugen

TGBIS 2015 Fazit

TGBIS15

Am 31. Dezember ist nicht nur meine Spendenauktion zu Ende gegangen, sondern auch das Trinkgeldbärliinhaltschätzis. Ihr hattet bis Jahresende Zeit die Summe des Trinkgeldes meiner Arbeit im Kino zu schätzen. Meine Vermutung hat sich bestätigt, und auch in diesem Jahr gab es weniger Trinkgeld. Der krasse Sinkflug aus dem letzten Jahr konnte zwar noch einmal gebremst werden, aber trotzdem ist die Gesamtsumme auch dieses Jahr noch einmal gesunken. Total kamen dieses Jahr 61 Franken und 45 Rappen zusammen, also noch einmal rund fünf Franken weniger als im Vorjahr.

TrinkgeldkurveAm Nächsten am effektiven Ergebnis war damit Simi, die überzeugt war, dass ich dieses Jahr mehr bekommen würde und 67.45 bekommen würde. Immerhin hat sie die Rappenzahl richtig geschätzt und liegt somit nur sechs Franken daneben. Hipp Hipp Hurra!

Das Fazit der Spendenauktion

Gestern Abend, noch mit dem letzten Glockenschlag des alten Jahres, ist meine Spendenauktion, bei der ich meine Star Wars-Adventskalender-Karten versteigert habe, zu Ende gegangen. Zusammengekommen sind dabei 159 Franken, die aber nicht in meine Tasche wandern, sondern zugunsten der Stiftung Wunderlampe gehen, die kranken Kindern Herzenswünsche erfüllt. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie toll ich es finde, dass am Schluss so viel Geld zusammengekommen ist.

Verbleibend

Nun sind noch vier Karten übriggeblieben, und zwar jene mit Anakin Skywalker, Luke Skywalker, Yoda & Maz Kanata sowie Rey & BB-8 (ein Schelm, wer behauptet, dass hierbei der ganze Skywalker-Clan vereint ist). Diese Karten möchte ich jetzt nicht noch einmal versteigern, sondern biete sie einfach für 5 Franken pro Stück an, wobei ihr gerne auch mehr geben dürft. First come, first served. Der Einfachheit halber beachte ich nur Angebote via Facebook, Twitter oder den Kommentarbereich zu diesem Beitrag.

Nachtrag 1: Mittlerweile sind alle Karten weg und wir stehen bei 179 Franken. Dazu kommen noch 15 Franken, die ich schon im Vorfeld eingenommen habe für drei Karten. Das sind 194 Franken, bzw. wenn man das sauber rundet, 200 Franken, die an diese Stiftung gehen! Sehr cool, danke!

Nachtrag 2: Einige haben den Betrag noch einmal aufgerundet, was dazu führt, dass wir jetzt bei einem stolzen Total von 210 Franken stehen! Vielen Dank!

Diejenigen, die bereits Karten ersteigert haben, haben heute früh eine vorgefertigte Mail mit einem Paypal-Link erhalten – leider lässt das ansonsten sehr coole Plugin Ultimate Auction nur eine Zahlungsmöglichkeit zu. Lasst euch davon nicht einschüchtern: Ihr dürft mir das Geld natürlich gerne auch auf mein Konto überweisen, oder mir – wenn wir uns in absehbarer Zeit einmal sehen – auf die Hand geben. Dazu habe ich jenen, die noch nicht überwiesen haben, eine kurze Mail geschickt.

Ich werde euch auf jeden Fall auf dem Laufenden halten über die Entwicklungen. Und vielleicht machen wir ja wieder einmal so etwas, wer weiss?

Star Wars: Episode VII – The Force Awakens (2015)

SWTFA
„There’s been an awakening. Have you felt it?“

Seit drei Jahren fiebere ich diesem Film entgegen, und nun habe ich ihn endlich gesehen. Ich habe mich im Vorfeld gefragt, ob ich es überhaupt hinbekomme, etwas zu diesem Film zu schreiben. Und überraschenderweise fühle ich mich tatsächlich dazu fähig, nachdem ich bereits die alten sechs Filme rezensiert habe, nun auch eine Kritik zu Star Wars: Episode VII – The Force Awakens zu schreiben. Erwartungsgemäss hat mir der Film von J.J. Abrams sehr gut gefallen. Nach den im Ton sehr eigenen Prequels knüpft dieser Film gekonnt an die originale Trilogie an. Rund dreissig Jahre nach dem Tod des Imperators wirft die dunkle Seite noch immer einen Schatten über die Galaxis. Die sinistre First Order, angeführt vom dunklen Jedi Kylo Ren, macht der Neuen Republik das Leben schwer. Luke Skywalker ist auf der Suche nach den Anfängen der Jedi-Ritter verschwunden – sowohl First Order als auch die Republik machen sich auf die Suche nach dem letzten Jedi.

Spoiler

Mit Games und Comics und schlechten TV-Serien erhielt George Lucas seine Franchise fast zehn Jahre lang künstlich am Leben, bevor Disney und J.J. Abrams Star Wars zurück auf die grosse Leinwand und damit ins Bewusstsein der Kinogänger brachten. Star Wars lebt wieder. Zum ersten Mal seit Langem sieht die Zukunft für den Sternenkrieg rosig aus. J.J. Abrams macht mit The Force Awakens verdammt viel richtig und bietet eine grossartige Grundlage für die neue Trilogie. Der Ton und der Look dieses Films, das ist mehr Star Wars als alle Prequels zusammen. Auch der Soundtrack von Altmeister John Williams wartet, obschon ziemlich verhalten, mit ikonischen Themen auf. The Force Awakens fühlt sich trotz unzähliger Spezialeffekte „echt“ an, was sicher auch damit zusammenhängt, dass fast alles an realen Schauplätzen (Skellig Michael <3) gedreht wurde und der Film fast keine CGI-Kreaturen aufweist. Die einzig richtig relevante computergenerierte Figur, die alte und weise Maz Kanata wird von Lupita Nyong’o so unglaublich authentisch verkörpert, dass man nie an ihrer Echtheit zweifelt. Bei ihr hoffe ich schwer, dass wir sie dereinst wiedersehen.

Auch die anderen neuen Figuren sind gut besetzt: Daisy Ridley ist als vorerst stammbaumlose Schrottsammlerin Rey eine starke Protagonistin, der ich zutraue, dass sie diese Trilogie tragen kann. Sie bekommt dabei aber Hilfe: Sowohl John Boyega, der den ehemaligen Stormtrooper Finn spielt, als auch Oscar Isaac als cooler X-Wing-Pilot Poe Dameron können gefallen. Dieses Trio mag ich schon jetzt und ich freue mich, Star Wars mit dieser neuen Generation zu erleben. Interessant ist auch Adam Driver, der den Bösewicht Kylo Ren mimt. Ren heisst eigentlich Ben und ist der der Sohn von Han Solo – er eifert aber lieber dem dunklen Darth Vader nach was ihn direkt in die Arme des finsteren Supreme Leader Snoke (gespielt von Andy Serkis, von dem ich mir mehr erhofft hatte) führt. Interessant ist Ren deshalb, weil er kein wirklicher Fiesling ist und auch nicht böse aussieht. Er ist ein fehlgeleiteter und unsicherer junger Mann, dessen Angst ihn auf die dunkle Seite treibt. Er ist das, was Anakin in den Prequels hätte sein können, ja, sein müssen. Seine ultimative Tat im Film ist der Vatermord, der ihn von der Versuchung der hellen Seite erlöst und ihn endgültig auf die dunkle Seite bringt – seine Entwicklung in diesem Film bildet damit eine gewisse Antithese zur Läuterung von Darth Vader in Return of the Jedi. Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie seine Geschichte fortgeführt wird.

Überhaupt lässt sich The Force Awakens ohne den erweiterten Kontext, also die nächsten zwei Episoden, nur schwer abschliessend bewerten. Es bleiben noch zu viele Fragen offen und einige Kritikpunkte könnten durch geschickte Auflösung in den folgenden Filmen ausgebügelt werden. Gewissermassen ist das Urteil über seine Qualität also von Filmen abhängig, die gar noch nicht gedreht wurden. Will man J.J. Abrams‘ siebten Star Wars-Film dennoch eigenständig bewerten, kommt man vermutlich nicht um den Elephant in the Room, nämlich die krassen Referenzen auf die alten Filme, herum. The Force Awakens spult zahlreiche Storyelemente und Plot Points der alten Filme ab – sei das die einsame, auf einem Wüstenplaneten gestrandete Heldin oder die planetenzerstörende Superwaffe, die eine kleine Schwäche hat, mit der sie unschädlich gemacht werden kann. Was als liebevoller, augenzwinkernder Seitenhieb beginnt, wird mit zunehmender Laufzeit ein bisschen zu einem störenden Element. Aber auch das kann ich Abrams und Co. verzeihen, vorausgesetzt, sie präsentieren uns mit dem nächsten Film eine eigenständigere Erzählung.

Zwei Szenarien, die ich mir im nächsten Film vorstellen könnte, möchte ich an dieser Stelle noch ansprechen: Die Identität von Rey dürfte wahrscheinlich im kommenden Teil gelüftet werden. Ich würde mich freuen, wenn es sich bei ihr nicht einfach um die Tochter von Luke Skywalker handeln würde, sondern – wie einige vermuten – um einen Abkömmling von Obi-Wan Kenobi. Natürlich würde das unser Bild des grossen Jedi-Meisters verändern, aber ich glaube, diese Veränderung würde der Dramaturgie dieser Trilogie gut tun. Kenobi vs. Skywalker, quasi – wobei Letztere die Bösen wären. Ein anderes Szenario, das ich mir für den nächsten Film wünsche, wäre die Rückkehr von Lando Calrissian. Nun, wo sich das Darstellerfeld etwas gelichtet hat, finde ich, dass es Raum für ihn gibt. Angeblich soll auch eine junge schwarze Schauspielerin gecastet worden sein (Guru Mbatha-Raw), die ich mir durchaus als seine Tochter vorstellen könnte. Ich glaube ein Auftritt des alten Lando würde deshalb gut funktionieren, weil es wie schon bei diesem Film eine gewisse Spiegelung der alten Trilogie gibt – auch in den originalen Filmen trat Lando erst im zweiten Teil zum ersten Mal auf.

In Kürze:

J.J. Abrams erweckt die Macht mit The Force Awakens eindrücklich wieder zum Leben. Sein Star Wars-Film bietet tolles Spektakel, interessante Charaktere und beeindruckende Effekte – wie man es aus der alten Trilogie kennt. Dass sich der Film zu stark an den alten Filmen orientiert, ist ein kleiner Schönheitsfehler, der aber nie wirklich ins Gewicht fällt. Nicht, wenn wir einen so starken Film bekommen.

Wertung:

4 von 5 irgendwo im Hyperraum rumschwebenden Rathtars

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