Krigen (2015)

Krigen
ZFF2015

„Es geht nicht darum, was du hättest tun sollen. Es geht darum, was du jetzt tust.“

Seit ich Kapringen (A Hijacking) von Tobias Lindholm gesehen habe, muss ich nicht zweimal überlegen, wenn der dänische Regisseur ruft. Lindholm ist ein Garant für packendes, ungeschöntes Kino, weshalb ich mir auch seine dritte Regiearbeit Krigen (A War) nicht entgehen lassen wollte. Dabei darf dieser Film durchaus in Verbindung mit Kapringen gebracht werden – nicht nur wegen seines ähnlich nüchternen Titels, sondern auch wegen seiner Story. Wie schon in Kapringen erzählt Lindholm von einem Konflikt, der an zwei Fronten ausgetragen wird: Claus Michael Pederson ist ein dänischer Kommandant, der in Afghanistan stationiert ist und sein Leben täglich für das Wohl der lokalen Bevölkerung aufs Spiel setzt. Zuhause wartet seine Frau mit ihren drei Kindern sehnlichst auf die Rückkehr ihres Mannes. Als Claus im Gefecht eine fragwürdige Entscheidung trifft, um seine Truppen zu retten, gerät er ins Visier der Militärpolizei.

Krigen ist harte Kost. Wer nicht damit gerechnet hat, lernt das ziemlich rasch. Lindholm schönigt nichts und unternimmt keine Bemühungen, diesen Film für das Publikum in irgendeiner Form erträglich zu machen. Wenn die Protagonisten leiden müssen, soll der Zuschauer das auch. Seine parallele Erzählstruktur fasziniert auch in diesem Film, zeigt sie doch sehr eindrücklich die Ausmasse dieses Krieges: Es sind eben längst nicht nur die stationierten Soldaten betroffen, sondern auch ihre Angehörigen Getragen wird Krigen von der starken Schauspielleistung von Pilou Asbæk, der den fragilen Kommandanten Pederson gibt. Der Game of Thrones-Neuzugang ist aber nicht der einzige Darsteller aus Kapringen, den Lindholm erneut rekrutiert. Auch Dar Salim und Søren Malling, die bereits in Kapringen zu sehen waren, kehren für diesen Film zurück. Speziell Malling ist als charismatischer Anwalt eine Bereicherung für diesen Film.

In Kürze:

Krigen ist wie schon Kapringen ein schwer erträglicher und authentischer Film, der eine nahe Beziehung zu den Figuren aufbaut. Tobias Lindholms dritte Regiearbeit lebt von einem starken Script und überzeugenden Darstellern.

Wertung:

5 von 5 versteckten Landminen

Heidi (2015)

Heidi

„Man hat uns eine komplett verwilderte und ungebildete Kreatur ins Haus gebracht!“

Ambitionierte Schweizer Grossproduktionen haben – ein bisschen wie unsere Nationalmannschaft bei wichtigen Spielen – die Fähigkeit, es trotz guter Vorzeichen am Ende doch irgendwie zu verbocken. Und so blieb ich trotz hoher Erwartungen an die Heidi-Verfilmung von Alain Gsponer bis zum Schluss skeptisch. Das wäre nicht nötig gewesen, denn der Schweizer Regisseur liefert mit dieser Verfilmung der wohl urschweizerischsten aller Erzählungen eine schöne Arbeit, die sich auch ausserhalb der Landesgrenzen sehen lassen kann. Gsponer erzählt die bekannte Geschichte über das kleine Mädchen Heidi, das beim Alpöhi in den Bergen ein unbeschwertes Leben führt, bis es von seiner Tante nach Frankfurt geschickt wird, wo es unglücklich im Haushalt einer angesehenen Familie lebt, ohne grosse Überraschungen. Es sind die ernsthaften, sozialkritischen Töne, die der Regisseur immer wieder anschlägt, die überraschen.

Nicht, dass Heidi dadurch weniger kitschig wäre. Auch Gsponers Umsetzung kommt nicht ohne saftig grüne Alpwiesen, stahlblaue Himmel und lachende Kinder aus. Das einseitige Bild dieser Postkartenschweiz relativiert der Filmemacher aber ziemlich schnell, indem er ernste Themen wie Armut und soziale Ausgrenzung anspricht. Trotz allem ist Heidi aber ein äusserst hoffnungsvoller Film, den man einfach gern haben muss. Die charismatische Hauptdarstellerin Anuk Steffen trägt diesen Film und stellt selbst den grossen Bruno Ganz mit ihrer Verkörperung der kleinen Heidi in den Schatten. Überhaupt sind die Darsteller in diesem Film alle sehr gut besetzt, das Niveau der Darbietungen ist hoch – seien das die vor Energie nur so sprühenden Kinderdarsteller, der herrlich grummlige Bruno Ganz, Hannelore Hoger als einfühlsame Grossmama Sesemann oder natürlich die fiese Frau Rottenmayer alias Katharina Schüttler.

In Kürze:

Alain Gsponers Heidi ist kitschig aber nie schmalzig – ein wunderschöner Film mit einer tollen Hauptdarstellerin und tollen Bildern.

Wertung:

5 von 5 weichen Brötchen

Omoide no Marnie (2014)

OmoidenoMarnie

Animontag

„Du siehst genau aus wie das Mädchen aus meinen Träumen.“

Fast alle Ghibli-Filme, die ich gesehen habe, entstanden unter der Regie von Hayao Miyazaki. Man kann es drehen und wenden, wie man will, aber der Regisseur von Mononoke Hime (Prinzessin Mononoke) ist und bleibt die wichtigste und berühmteste Figur dieses renommierten Filmstudios. Mit Kaguya-Hime no Monogatari (Die Legende der Prinzessin Kaguya) habe ich im vergangenen Jahr am Fantoche meinen ersten Film des Studios gesehen, der nicht von Miyazaki stammt.  Mit dem bis dato letzten Werk des Studios, Omoide no Marnie (Erinnerungen an Marnie) folgte dieses Jahr der zweite. Hiromasa Yonebayashi erzählt die Geschichte des Waisenmädchens Anna, die von ihrer Pflegemutter zu Verwandten ans Meer geschickt wird, wo sie sich von ihren Asthmaanfällen erholen soll. Dort lernt sie Marnie kennen, ein mysteriöses Mädchen, mit dem sie sich sofort anfreundet.

Das Artwork von Omoide no Marnie ist wunderschön, daran besteht kein Zweifel. Das von der britischen Küste inspirierte Setting mit seinen satten Farben und dem rauschenden Meer ist atemberaubend – und die sanften Melodien von Komponist Takatsugu Muramatsu sorgen für eine angenehme Stimmung. Doch die Visuals können nur bedingt darüber hinwegtäuschen, dass Hiromasa Yonebayashis Film inhaltlich totaler Murks ist. Der Protagonistin ist die miese Laune auf den Charakter geschrieben, ob sie nun will, oder nicht. Ihre Beweggründe sind unverständlich, ihre Emotionen sind unglaubhaft. Ein Konflikt wird gross aufgebaut, nur um sich dann einige vorhersehbare Plottwists später auf magische Art und Weise zu lösen.

In Kürze:

Ich bin sehr wählerisch, wenn es um Anime geht – Omoide no Marnie konnte mich trotz seines wunderschön zum Leben erweckten Settings leider nicht überzeugen. Hiromasa Yonebayashis Film scheitert an seinen eindimensionalen Charakteren und der vorhersehbaren Story.

Wertung:

2 von 5 Holzeulen mit Kulleraugen

TGBIS 2015 Fazit

TGBIS15

Am 31. Dezember ist nicht nur meine Spendenauktion zu Ende gegangen, sondern auch das Trinkgeldbärliinhaltschätzis. Ihr hattet bis Jahresende Zeit die Summe des Trinkgeldes meiner Arbeit im Kino zu schätzen. Meine Vermutung hat sich bestätigt, und auch in diesem Jahr gab es weniger Trinkgeld. Der krasse Sinkflug aus dem letzten Jahr konnte zwar noch einmal gebremst werden, aber trotzdem ist die Gesamtsumme auch dieses Jahr noch einmal gesunken. Total kamen dieses Jahr 61 Franken und 45 Rappen zusammen, also noch einmal rund fünf Franken weniger als im Vorjahr.

TrinkgeldkurveAm Nächsten am effektiven Ergebnis war damit Simi, die überzeugt war, dass ich dieses Jahr mehr bekommen würde und 67.45 bekommen würde. Immerhin hat sie die Rappenzahl richtig geschätzt und liegt somit nur sechs Franken daneben. Hipp Hipp Hurra!

Das Fazit der Spendenauktion

Gestern Abend, noch mit dem letzten Glockenschlag des alten Jahres, ist meine Spendenauktion, bei der ich meine Star Wars-Adventskalender-Karten versteigert habe, zu Ende gegangen. Zusammengekommen sind dabei 159 Franken, die aber nicht in meine Tasche wandern, sondern zugunsten der Stiftung Wunderlampe gehen, die kranken Kindern Herzenswünsche erfüllt. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie toll ich es finde, dass am Schluss so viel Geld zusammengekommen ist.

Verbleibend

Nun sind noch vier Karten übriggeblieben, und zwar jene mit Anakin Skywalker, Luke Skywalker, Yoda & Maz Kanata sowie Rey & BB-8 (ein Schelm, wer behauptet, dass hierbei der ganze Skywalker-Clan vereint ist). Diese Karten möchte ich jetzt nicht noch einmal versteigern, sondern biete sie einfach für 5 Franken pro Stück an, wobei ihr gerne auch mehr geben dürft. First come, first served. Der Einfachheit halber beachte ich nur Angebote via Facebook, Twitter oder den Kommentarbereich zu diesem Beitrag.

Nachtrag 1: Mittlerweile sind alle Karten weg und wir stehen bei 179 Franken. Dazu kommen noch 15 Franken, die ich schon im Vorfeld eingenommen habe für drei Karten. Das sind 194 Franken, bzw. wenn man das sauber rundet, 200 Franken, die an diese Stiftung gehen! Sehr cool, danke!

Nachtrag 2: Einige haben den Betrag noch einmal aufgerundet, was dazu führt, dass wir jetzt bei einem stolzen Total von 210 Franken stehen! Vielen Dank!

Diejenigen, die bereits Karten ersteigert haben, haben heute früh eine vorgefertigte Mail mit einem Paypal-Link erhalten – leider lässt das ansonsten sehr coole Plugin Ultimate Auction nur eine Zahlungsmöglichkeit zu. Lasst euch davon nicht einschüchtern: Ihr dürft mir das Geld natürlich gerne auch auf mein Konto überweisen, oder mir – wenn wir uns in absehbarer Zeit einmal sehen – auf die Hand geben. Dazu habe ich jenen, die noch nicht überwiesen haben, eine kurze Mail geschickt.

Ich werde euch auf jeden Fall auf dem Laufenden halten über die Entwicklungen. Und vielleicht machen wir ja wieder einmal so etwas, wer weiss?

Star Wars: Episode VII – The Force Awakens (2015)

SWTFA
„There’s been an awakening. Have you felt it?“

Seit drei Jahren fiebere ich diesem Film entgegen, und nun habe ich ihn endlich gesehen. Ich habe mich im Vorfeld gefragt, ob ich es überhaupt hinbekomme, etwas zu diesem Film zu schreiben. Und überraschenderweise fühle ich mich tatsächlich dazu fähig, nachdem ich bereits die alten sechs Filme rezensiert habe, nun auch eine Kritik zu Star Wars: Episode VII – The Force Awakens zu schreiben. Erwartungsgemäss hat mir der Film von J.J. Abrams sehr gut gefallen. Nach den im Ton sehr eigenen Prequels knüpft dieser Film gekonnt an die originale Trilogie an. Rund dreissig Jahre nach dem Tod des Imperators wirft die dunkle Seite noch immer einen Schatten über die Galaxis. Die sinistre First Order, angeführt vom dunklen Jedi Kylo Ren, macht der Neuen Republik das Leben schwer. Luke Skywalker ist auf der Suche nach den Anfängen der Jedi-Ritter verschwunden – sowohl First Order als auch die Republik machen sich auf die Suche nach dem letzten Jedi.

Spoiler

Mit Games und Comics und schlechten TV-Serien erhielt George Lucas seine Franchise fast zehn Jahre lang künstlich am Leben, bevor Disney und J.J. Abrams Star Wars zurück auf die grosse Leinwand und damit ins Bewusstsein der Kinogänger brachten. Star Wars lebt wieder. Zum ersten Mal seit Langem sieht die Zukunft für den Sternenkrieg rosig aus. J.J. Abrams macht mit The Force Awakens verdammt viel richtig und bietet eine grossartige Grundlage für die neue Trilogie. Der Ton und der Look dieses Films, das ist mehr Star Wars als alle Prequels zusammen. Auch der Soundtrack von Altmeister John Williams wartet, obschon ziemlich verhalten, mit ikonischen Themen auf. The Force Awakens fühlt sich trotz unzähliger Spezialeffekte „echt“ an, was sicher auch damit zusammenhängt, dass fast alles an realen Schauplätzen (Skellig Michael <3) gedreht wurde und der Film fast keine CGI-Kreaturen aufweist. Die einzig richtig relevante computergenerierte Figur, die alte und weise Maz Kanata wird von Lupita Nyong’o so unglaublich authentisch verkörpert, dass man nie an ihrer Echtheit zweifelt. Bei ihr hoffe ich schwer, dass wir sie dereinst wiedersehen.

Auch die anderen neuen Figuren sind gut besetzt: Daisy Ridley ist als vorerst stammbaumlose Schrottsammlerin Rey eine starke Protagonistin, der ich zutraue, dass sie diese Trilogie tragen kann. Sie bekommt dabei aber Hilfe: Sowohl John Boyega, der den ehemaligen Stormtrooper Finn spielt, als auch Oscar Isaac als cooler X-Wing-Pilot Poe Dameron können gefallen. Dieses Trio mag ich schon jetzt und ich freue mich, Star Wars mit dieser neuen Generation zu erleben. Interessant ist auch Adam Driver, der den Bösewicht Kylo Ren mimt. Ren heisst eigentlich Ben und ist der der Sohn von Han Solo – er eifert aber lieber dem dunklen Darth Vader nach was ihn direkt in die Arme des finsteren Supreme Leader Snoke (gespielt von Andy Serkis, von dem ich mir mehr erhofft hatte) führt. Interessant ist Ren deshalb, weil er kein wirklicher Fiesling ist und auch nicht böse aussieht. Er ist ein fehlgeleiteter und unsicherer junger Mann, dessen Angst ihn auf die dunkle Seite treibt. Er ist das, was Anakin in den Prequels hätte sein können, ja, sein müssen. Seine ultimative Tat im Film ist der Vatermord, der ihn von der Versuchung der hellen Seite erlöst und ihn endgültig auf die dunkle Seite bringt – seine Entwicklung in diesem Film bildet damit eine gewisse Antithese zur Läuterung von Darth Vader in Return of the Jedi. Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie seine Geschichte fortgeführt wird.

Überhaupt lässt sich The Force Awakens ohne den erweiterten Kontext, also die nächsten zwei Episoden, nur schwer abschliessend bewerten. Es bleiben noch zu viele Fragen offen und einige Kritikpunkte könnten durch geschickte Auflösung in den folgenden Filmen ausgebügelt werden. Gewissermassen ist das Urteil über seine Qualität also von Filmen abhängig, die gar noch nicht gedreht wurden. Will man J.J. Abrams‘ siebten Star Wars-Film dennoch eigenständig bewerten, kommt man vermutlich nicht um den Elephant in the Room, nämlich die krassen Referenzen auf die alten Filme, herum. The Force Awakens spult zahlreiche Storyelemente und Plot Points der alten Filme ab – sei das die einsame, auf einem Wüstenplaneten gestrandete Heldin oder die planetenzerstörende Superwaffe, die eine kleine Schwäche hat, mit der sie unschädlich gemacht werden kann. Was als liebevoller, augenzwinkernder Seitenhieb beginnt, wird mit zunehmender Laufzeit ein bisschen zu einem störenden Element. Aber auch das kann ich Abrams und Co. verzeihen, vorausgesetzt, sie präsentieren uns mit dem nächsten Film eine eigenständigere Erzählung.

Zwei Szenarien, die ich mir im nächsten Film vorstellen könnte, möchte ich an dieser Stelle noch ansprechen: Die Identität von Rey dürfte wahrscheinlich im kommenden Teil gelüftet werden. Ich würde mich freuen, wenn es sich bei ihr nicht einfach um die Tochter von Luke Skywalker handeln würde, sondern – wie einige vermuten – um einen Abkömmling von Obi-Wan Kenobi. Natürlich würde das unser Bild des grossen Jedi-Meisters verändern, aber ich glaube, diese Veränderung würde der Dramaturgie dieser Trilogie gut tun. Kenobi vs. Skywalker, quasi – wobei Letztere die Bösen wären. Ein anderes Szenario, das ich mir für den nächsten Film wünsche, wäre die Rückkehr von Lando Calrissian. Nun, wo sich das Darstellerfeld etwas gelichtet hat, finde ich, dass es Raum für ihn gibt. Angeblich soll auch eine junge schwarze Schauspielerin gecastet worden sein (Guru Mbatha-Raw), die ich mir durchaus als seine Tochter vorstellen könnte. Ich glaube ein Auftritt des alten Lando würde deshalb gut funktionieren, weil es wie schon bei diesem Film eine gewisse Spiegelung der alten Trilogie gibt – auch in den originalen Filmen trat Lando erst im zweiten Teil zum ersten Mal auf.

In Kürze:

J.J. Abrams erweckt die Macht mit The Force Awakens eindrücklich wieder zum Leben. Sein Star Wars-Film bietet tolles Spektakel, interessante Charaktere und beeindruckende Effekte – wie man es aus der alten Trilogie kennt. Dass sich der Film zu stark an den alten Filmen orientiert, ist ein kleiner Schönheitsfehler, der aber nie wirklich ins Gewicht fällt. Nicht, wenn wir einen so starken Film bekommen.

Wertung:

4 von 5 irgendwo im Hyperraum rumschwebenden Rathtars

Star Wars According to Frau Laura: #Here For It

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Zwei Wochen läuft The Force Awakens in den Kinos, gesehen habe ich die neueste Star Wars-Episode aber noch nicht. Im Hinblick auf Owleys wunderschöne Review, die morgen (oder im nächsten Jahr) folgt, haben wir die Star Wars According to Frau Laura-Gastreihe noch um eine Ausgabe verlängert. Dieses Mal soll ich aus der Perspektive einer Nichtsahnenden zwei Stills aus Episode VII beurteilen:

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„Eine Massenversammlung von Soldaten, welche gehorsam dem Sprecher auf der Empore zuhören… Das kann nichts Gutes bedeuten.“

Wenn ich mir dieses Still so ansehe, komme ich mir irgendwie so vor, als sitze ich gerade im Geschichtsunterricht. Die Komposition des Bildes erinnert sehr stark an – wenn auch aus alternativer Perspektive – die Fotos des Nazi-Aufmarsches zum Reichsparteitag, die wir dort alle gesehen haben. Eine Massenversammlung von Soldaten, welche gehorsam dem Sprecher auf der Empore zuhören… Das kann nichts Gutes bedeuten. Wüsste ich gar nichts von Star Wars, noch nicht einmal was Stormtrooper sind, würde ich intuitiv allein schon wegen der Farben – schwarz, weiß und tiefrot – wissen, dass sich mir hier nicht die “gute Seite” offenbart. Das Logo des Galactic Empire, welches auf dem Vorhang im Hintergrund der Empore halb abgeschnitten zu sehen ist, könnte genauso gut der Kraken mit Schädel sein, der im Filmuniversum von Marvel von der Terrororganisation Hydra (welche dort quasi als Nazi-Co-Organisation fungiert), genutzt wird.

Im Kontext der Saga und mit dem Wissen, dass The Force Awakens etwa dreißig Jahre nach Return of the Jedi spielt, heißt das also, dass das Empire mit dem letzten Angriff nicht endgültig geschlagen wurde. Nun besteht die Frage, ob das Empire gleich wieder auf die Beine kam, oder ob es sich dann in der vorigen Position der Rebellen befand, mit wenig Streitkraft, aber großem Willen, den eigenen Status Quo zu verbessern. Wurde innerhalb von drei Dekaden von Grund auf ein neues, besseres, stärkeres, Empire geschaffen? Wird den Stormtroopern hier vom Motivationssprecher Feuer unter’m Hintern gemacht und verkündet, es sei Zeit für das Empire zurück zu alter Macht zu finden?

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„Hat Finn also sein Raumschiff in die andere Richtung geparkt? Vielleicht sollte Rey ihm doch mal zuhören…“

Als Owley mir dieses Still in digitaler Weise ‘rüberschob, war mein erster Gedanke: Hier passiert ja Einiges. Zunächst mal kann ich schonmal die Charaktere identifizieren. Wir hätten hier im Vordergrund Rey, die Heroine, die laut dem Internet eine würdige Nachfolgerin für Leia ist. Finn, welcher in den ersten Stills zum Film im Stormtrooper-Outfit aufgetaucht ist. (Was ja nichts heißen muss. Han Solo hatten wir ja auch undercover als Stormtrooper.) Und BB-8, den Roboter, den ja alle so süß finden.

Die Drei rennen, oder in BB-8s Fall, rollen, da von einer Explosion als Resultat eines pew pew pew-Angriffes weg. Finn scheint nicht so ganz mit der Richtung, die Rey sich ausgesucht hat, einverstanden zu sein. Rey interessiert das aber null. Sie und ihr… Jedi-Kampfstock?…wollen da nur schnell weg. Nun besteht die Frage, ist Finn ein Pilot? Sein Outfit sieht irgendwie aus wie ein Ensemble, das auch Han Solo tragen würde (wenn er noch so jung und knackig wie Finn wäre). Hat Finn also sein Raumschiff in die andere Richtung geparkt? Vielleicht sollte Rey ihm doch mal zuhören… Ihr Outfit erinnert mich mehr an das von Luke Skywalkers. Sie ist also ein Jedi, und Finn ist Han Solo 2.0?

Eines ist klar: diese beiden Stills versprechen Action. Und ich bin #HereForIt. Direkt mal checken, wann die nächste Kinovorstellung läuft…

Kinostatistik 2015

Film_HeadIch habe Eay immer ein bisschen für seine detaillierte und mit einer unglaublichen Disziplin geführte Kinostatistik bewundert. Statistiken sind ja mein zweites Star Wars, weshalb ich mir dieses Jahr vorgenommen habe, auch so etwas zu machen. Und während ich alle anderen Vorsätze fürs 2015 ziemlich bald einmal in den Wind schlug, habe ich diesen Plan dann auch tatsächlich umgesetzt.

Daher präsentiere ich an dieser Stelle meine erste – und vermutlich nicht letzte – Kinostatistik:

Anzahl Kinobesuche

In diesem Jahr konnte ich 129 Kinobesuche verbuchen, was zehn Tickets mehr bedeutet als noch im letzten Jahr. Dem Rekord von 148 Kinoeintritten aus dem Jahr 2013 kam ich aber auch in diesem Jahr nie nahe. Einer der Hauptgründe dürfte da mein intensives Studium sein, das mich auch in diesem Jahr stark gefordert hat. Aber ich denke, auch 129 Kinobesuche sind ganz okay. Immerhin reicht es dieses Jahr für den zweiten Platz in der Gesamtstatistik.

129 Kinoeintritte entspricht einem Kinobesuch alle 2.8 Tage. Tatsächlich war ich manchmal auch länger nicht im Kino, die längste Durststrecke entspricht 15 Tagen (was in jene Zeit fällt, in der ich mich eine Woche in die verschneiten Berge verzogen habe). An zwei Tagen war ich viermal im Kino: Am 3. September während des Fantoche in Baden, wobei davon drei Wettbewerbblöcke waren, sowie am 16. Oktober, als ich mir einen Marathon aus Yume to Kyōki no Ōkoku, The Martian, American Ultra und Hotel Transsylvania 2 einrichtete.

Stärkster Monat

Aufgeteilt auf die 12 Monate ergibt sich zudem ein interessantes Bild – nicht wie erwartet im Hochsommer, zur Blockbusterzeit, sondern im September war ich am Meisten im Kino. Was erstaunlich klingen mag, wird relativiert, wenn man bedenkt, dass ich im September gleich an zwei Filmfestivals war – dem Animationsfilm-Festival Fantoche in Baden und am Zurich Film Festival. Daher ist dieser Monat mit 23 Kinoeintritten (fast gleich viel wie in den Monaten Januar bis April zusammen) der Stärkste in diesem Jahr.

Was sich an dieser Auflistung ebenfalls gut herauslesen lässt: Die Zeit im Frühjahr, als ich vor und nach der Vernissage meines Buches komplett ausgebrannt war mit eher wenig Kinobesuchen und meine langen und entspannten Sommerferien mit deutlich mehr Kinobesuchen.

Mehrfachsichtungen

Dieses Jahr habe ich elf Filme mehrmals gesehen, gleich vier Filme davon habe ich sogar viermal gesehen. Es handelt sich dabei um Mad Max: Fury Road, Jurassic World, SPECTRE und Star Wars: Episode VII – The Force Awakens. Ich wurde immer wieder gefragt, warum ich mir einen Film mehrmals anschaue und in diesem Fall hat es verschiedene Gründe:

Mad Max: Fury Road ist für mich einer der wenigen Filme, die nur auf der grossen Leinwand funktionieren. Deshalb wollte ich mir den Film während seines Kino Runs so oft ansehen, wie es nur geht. Jurassic World bot für mich viel Nostalgie, tolle Effekte und einen wunderbaren Score, die über die schwache Story hinwegtäuschen konnten und jeden Kinobesuch zum Erlebnis machten. Bei SPECTRE war es vorallem eine logistische Frage, da ich den Film mit vielen Leuten sehen wollte und wir es nicht alle auf einmal geschafft hatten. Und Star Wars: The Force Awakens ist, nun ja, Star Wars, eben.

Immerhin drei Sichtungen gab es für Inside Out von Pete Docter, und zweimal gesehen habe ich Avengers: Age of Ultron, Ex Machina, The Good Dinosaur, Kingsman: The Secret Service und Shaun the Sheep Movie. What We Do In The Shadows habe ich eigentlich dreimal gesehen, die Erstsichtung war aber noch 2014, weshalb ich ihn in diesem Jahr „nur“ zweimal gesehen habe.

Was ich noch spannend fand, war der Vergleich, wie schnell ich wieder im Kino gelandet bin für denselben Film. Insgesamt ging es bei Star Wars: Episode VII – The Force Awakens am Schnellsten, ich habe den Film innert weniger als 24 Stunden zweimal gesehen. Und abgesehen von der schnellsten Zweitsichtung (da war ich einen Tag langsamer als bei Mad Max: Fury Road und Jurassic World) hat dieser Film in allen Belangen die Nase vorn. Innert fünf Tagen habe ich ihn dreimal und innert elf Tagen sogar viermal gesehen.

Am Längsten gedauert hat es für Kingsman: The Secret Service, den ich im Februar lange vor seinem Kinostart zum ersten Mal und dann erst 164 Tage später im August zum zweiten Mal gesehen habe.

Die grossen Regisseure

Hinter grossen Filmen stehen auch grosse Filmemacher – für einige von ihnen war ich auch 2015 im Kino: Quentin Tarantino, Wes Anderson, Chris Columbus… oh… wait. Doch für welchen Filmemacher war ich am Meisten im Kino? Diese Frage ist schnell beantwortet, mit sieben Filmen habe ich im Kino dieses Jahr die meisten Arbeiten von Hayao Miyazaki gesehen. Dabei hatte der japanische Animationsfilmemacher gar keinen neuen Film im Programm – aber mit der Retrospektive, die ihm das Filmpodium diesen Sommer widmete, war das auch gar nicht nötig. Das dürfte auch meinen Miyazakimontag diesen Herbst erklären.

Interessanter wird es beim zweiten Platz, den Ridley Scott mit vier Filmen belegt. Ich habe dieses Jahr sowohl seine neuen Filme The Martian und Exodus: Gods and Kings, als auch seine Klassiker Alien und Blade Runner im Kino gesehen – letztere sogar als 35 Millimeter-Kopien. The Walk habe ich dieses Jahr leider verpasst, aber auch so schafft es Robert Zemeckis mit drei Filmen auf die Liste. Gesehen habe ich alle am 21. Oktober 2015. Richtig, es handelt sich natürlich um die drei Back to the Future-Filme, die ich diesen Herbst zum ersten Mal überhaupt gesehen habe. Ebenfalls als 35-Millimeter-Kopien.

Film_Regisseur

Animationsfilme

Wenn wir schon bei Miyazaki sind – wieviele Animationsfilme waren in diesem Jahr dabei? Von 129 Kinotickets habe ich 30 für Animationsfilme gelöst, das entspricht fast 23 Prozent aller Besuche. Damit war fast jeder vierte Kinoeintritt für einen Animationsfilm, was sich, denke ich für einen Studenten der Animation sehen lassen kann. Zumal dieses Jahr mit Inside Out, Shaun the Sheep Movie oder Le Petit Prince einige starke Beiträge dabei sind. Sechs dieser dreissig Tickets stehen für Wettbewerbsblöcke am Fantoche in Baden, die jeweils insgesamt Spielfilmlänge hatten.

Kosten

129 Kinobesuche, das geht ins Geld. Ausser, man arbeitet im Kino und schreibt einen Filmblog und darf deswegen gratis Filme schauen. Ist ja gut, ich hasse mich auch dafür. Tatsächlich habe ich in diesem Jahr nur für dreizehn meiner Kinobesuche bezahlt, was unterschiedliche Gründe hatte – entweder, weil ich den Film in London gesehen habe, wo selbst ich nicht gratis reinkomme, oder weil es sich um eine spezielle Vorstellung handelte, in die ich als Pressevertreter nicht ohne weiteres reingekommen wäre. Diese dreizehn Tickets haben mich insgesamt 208 Franken gekostet, was im Schnitt 16 Franken ergibt und damit dem durchschnittlichen Ticketpreis in der Stadt Zürich entspricht.

Der Teuerste dieser Kinobesuche war bei Weitem der Unnötigste: Anlässlich eines Film-Moduls in meiner Schule gab es Mitte Dezember eine Kinopremiere eines Überraschungsfilms, was uns 28 Franken kostete – gezeigt wurde schliesslich das träge Schachdrama Pawn Sacrifice, das ich selbst mit einem Gratisticket eigentlich gar nicht hätte sehen wollen. Mit nur 8 Franken erstaunlich günstig war dafür das Ticket für Star Wars: Episode IV – A New Hope, den das Schweizer Filmarchiv als originale, unbearbeitete, Jabba-freie und Han-Shot-firstige 35-Millimeter-Kopie ausgegraben hat.

Nebensächliches

Ich schliesse diesen Beitrag mit einigen statistischen Kuriositäten und unwichtigen Informationen ab:

  • Dieses Jahr war ich fünfmal für Star Wars (einmal für A New Hope und viermal für The Force Awakens) und Pixar (dreimal für Inside Out und zweimal für The Good Dinosaur) im Kino.
  • Eine Premiere gab es für mich mit Maggie, den ich nach der Hälfte etwa verlassen habe, weil er mir überhaupt nicht gefiel.
  • Ich war für alle 129 Sichtungen insgesamt 14706 Minuten im Kino (Werbung, Pause und Abspann ausgenommen). Das ergibt eine durchschnittliche Filmdauer von 112 Minuten entspricht und damit die von mir an einen Film geforderten zwei Stunden unterbietet.

The Best Films of 2015

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Wie schon 2013 und 2014 präsentiere ich auch dieses Jahr meine filmische Top 10 – dargestellt wie schon zuvor mit mehr oder weniger zentralen Gegenständen und Accessoires. Diesmal sind es keine minimalistischen Vektorgrafiken sondern handgezeichnete und digital kolorierte Illustrationen. Ich bin mal gespannt, ob jemand alle zehn Filme errät.

Eine etwas ausführlichere Kinostatistik folgt morgen.

Bridge of Spies (2015)

BridgeofSpies

„We have to have the conversations our governments can’t.“

Drei Jahre sind vergangen seit Steven Spielbergs letztem Film, dem epischen Biopic über Abraham Lincoln. Historische Stoffe scheinen das Spätwerk des Kultregisseurs zu dominieren, wie auch sein neues Werk Bridge of Spies beweist. Nach der Weltkriegs-Gutenachtgeschichte War Horse und Lincoln ist das bereits der dritte Film in Folge, in dem Spielberg geschichtliche Ereignisse aufarbeitet. Diesmal geht es um den Kalten Krieg und den Anwalt James B. Donovan, der als Vermittler in einem Gefangenenaustausch zwischen den USA und der Sowjetunion zwischen die Fronten gerät. Gespielt wird Donovan von Tom Hanks, der damit zum ersten Mal seit zehn Jahren wieder für Spielberg vor der Kamera steht. Von Spielbergs letzten Filmen ist dieser bei Weitem der Stärkste – der Regisseur verzichtet auf die Grandezza von War Horse oder das Schüren der Great Man Theory wie bei Lincoln.

Bridge of Spies ist ein nüchterner Thriller, dessen Herzstück das packende Script der Coen Brothers ist. Ohne den ganzen Schnickschnack muss Spielberg beweisen, was er kann, und das tut er eindrücklich. Dieser Cold War Thriller wird kaum in die Geschichtsbücher eingehen, aber der Film bietet solides Handwerk – sei das von Spielberg als Regisseur, Kameramann Janusz Kamiński, der das verschneite Berlin bezaubernd einfängt oder von Komponist Thomas Newman, der hier für den mit Star Wars beschäftigten John Williams einspringt. Auch die Schauspieler können überzeugen, Tom Hanks ist noch immer Garant für gutes Kino. Wie schon bei Captain Phillips wird Hanks aber von seinem eher unbekannten Co-Darsteller in den Schatten gestellt. Der Brite Mark Rylance ist als nüchterner russischer Spion Rudolf Abel eine Wucht und dürfte sich mit dieser Rolle endlich die Aufmerksamkeit von Hollywood gesichert haben. Ich bin gespannt, ob und wie er das nutzen wird.

In Kürze:

Basierend auf einem Script der Coen Brothers bringt Steven Spielberg mit Bridge of Spies einen packenden Thriller, der mit Tom Hanks und Mark Rylance zwei tolle Darsteller aufweist. Unspektakuläres, aber unheimlich wirkungsvolles Kino.

Wertung:

4 von 5 teuren Wintermänteln

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