Tonari no Totoro (1988)

TotoroAnimontag

„Früher waren Menschen und Bäume einmal gute Freunde.“

Als ich Tonari no Totoro (Mein Nachbar Totoro) vor Kurzem im Kino gesehen habe, besuchte ich eine Nachmittagsvorstellung. Das bedeutete, dass das Kino voller Kinder war, die alle den Film in- und auswendig kannten (und dies lautstark kundtaten). Irgendwie überraschte mich das. Ich hätte nicht gedacht, dass Hayao Miyazakis wohl berühmtester Film auch heute noch Anklang finden würde – doch eine Schar kleiner Kinder belehrte mich eines Besseren. Diese anhaltende Begeisterung wurzelt sicher auch darin, dass der Film mit seiner einfachen Geschichte leichter zugänglich ist für ein westliches Publikum als Miyazakis fantastischere Stoffe. Die Geschichte der beiden Schwestern Mei und Satsuki, die mit ihrem Vater aufs Land ziehen und dort den Waldgeist Totoro treffen, Hayao Miyazakis erster wirklich ruhiger Film. Es geht nicht darum, die Welt zu retten oder böse Mächte in Schach zu halten – in Tonari no Totoro geht es um die Erfahrungen, die die beiden Schwestern in dieser, ihnen neuen Welt machen.

Miyazaki ist mit seiner vierten Regiearbeit ein visuell beeindruckendes Werk gelungen, das für mich auch heute, fast dreissig Jahre später immer noch zu den am schönsten animierten Filmen überhaupt zählt. Der Art Director des Films, Kazuo Oga, haucht der Landschaft auf eindrucksvolle Art und Weise Leben ein und auch das Charakterdesign, das mit bunten Farben einen deutlichen Kontrast zu den dunklen Tönen der Landschaft bildet, ist einzigartig. Die beim Publikum noch immer anhaltende Begeisterung für den knuffigen Totoro – quasi einen Bären mit Hasenohren – der es ins Logo der Ghibli Studios und sogar in Toy Story 3 geschafft hat, spricht in dieser Hinsich Bände. Dass Tonari no Totoro Kult ist, ist auch nicht zuletzt Joe Hisaishis Verdienst. Der japanische Komponist kreiert stimmige Themen und eingängige Songs, die mal melancholisch, mal verspielt die Gefühlswelt der kleinen Mädchen reflektieren.

In Kürze:

Tonari no Totoro ist ein beschaulicher, aber nicht minder berührender Film von Hayao Miyazaki, den ich mir immer wieder ansehen könnte.

Wertung:

5 von 5 kleinen Totoros

Übrigens:

Dass der Film beschaulich und familientauglich ist, ist lediglich meine Interpretation. Es gibt Theorien, die ziemlich schlüssig nahelegen, dass Tonari no Totoro eigentlich ein sehr tragisches Thema behandelt und damit eigentlich überhaupt nicht für Kinder geeignet ist.

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Ghibli
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Ab nächster Woche werde ich mich im Rahmen des Animontags wieder jeden Montag einem Animationsfilm widmen. Und zwar nicht irgendwelchen Filmen – bis Ende November steht der Animontag im Zeichen des japanischen Grossmeisters Hayao Miyazaki. In chronologischer Reihenfolge werde ich mich durch das Oeuvre dieses vielseitigen Filmemachers kämpfen, immer bemüht, seinen Werken gerecht zu werden und mein animationsgeschultes Auge auf die wichtigen Dinge zu werfen.

Im Übrigen bin ich mir bewusst, dass ich bereits früher einige Filme von Miyazaki rezensiert hatte – da ich diese Kritiken aber alle brutal schlecht geschrieben finde, werde ich sie grosszügig ignorieren. Einzig Gake no Ue no Ponyo (Ponyo) und Kaze Tachinu (The Wind Rises), werde ich nicht noch einmal besprechen.

Inside Out (2015)

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„Take her to the moon for me, Joy.“

Ab morgen steht Baden wieder im Zeichen des Animationsfilms – bereits zum dreizehnten Mal geht in der Bäderstadt das Animationsfestival Fantoche über die Bühne. Das Festival wird am 1. September von einem der berührendsten Filme des aktuellen Jahres eröffnet: Inside Out aus dem Hause Pixar. Nachdem die letzten Produktionen des amerikanischen Filmstudios, Monsters University, Brave und Cars 2 von der Kritik (mehr oder weniger zu Unrecht) abgestraft wurden, wurde der neue Streifen von der Kritik regelrecht mit Lobeshymnen eingedeckt. Die Geschichte über das, was im Kopf eines elfjährigen Mädchen vorgeht, schien Anklang zu finden. Auch ich bin hin und weg von Pete Docters ersten Animationsfilm in sechs Jahren. Der Film ist einer der lustigsten, aber auch einer der traurigsten Pixar-Filme – er deckt die ganze Bandbreite der Emotionen ab, und wird damit auch seiner Thematik mehr als nur gerecht.

Inside Out ist ein authentischer Film, der davon lebt, dass man sich mit der Geschichte und den Emotionen identifizieren kann. Wir alle kennen die Unsicherheit und Ängste, die Riley plagen – soeben ist sie mit ihrer Familie nach San Francisco gezogen, und das Leben an der Westküste ist überhaupt nicht so wie sie sich das vorgestellt hat. Ich wundere mich nur, ob auch Kinder soviel Spass an diesem Film haben werden. Denn mich faszinierte Inside Out vorallem, weil der Film das abstrakte und hochkomplexe Konzept des menschlichen Verstandes auf solch geschickte Art und Weise umsetzt. Diese Welt macht Sinn, so absurd sie auch ist. Zu diesem kunterbunten Verstand passt auch der verspielte Soundtrack von Pixar-Urgestein Michael Giacchino, dem mit Inside Out nach Jupiter Ascending und Tomorrowland wieder eine seiner besseren Arbeiten gelungen ist.

In Kürze:

Fantoche2015Inside Out ist ein witziger und berühender Film, der ganz klar die Handschrift des Studios aus Emeryville trägt. Die Reise in den Verstand eines kleinen Mädchens zeigt Pixar in Topform.

Wertung:

5 von 5 pinken Fantasiefreunden

Das Fantoche zeigt Inside Out am 1. September um 21.00 Uhr, am 2. September um 12.15 Uhr, am 5. September um 14.15 Uhr und am 6. September um 18.30 Uhr.

Minions (2015)

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„Work for me, and all this will be yours: respect, power…“ – „Banana!“ – „…Banana!“

Ich bin kein Fan von Comic Reliefs, erst recht nicht in Animationsfilmen. Seit Disney mit Timon und Poomba die Herzen des Publikums erobern konnte, müssen die lustigen Nebenfiguren immer noch dämlicher und furzender und marketingtauglicher werden. Lustigerweise störte ich mich aber gerade an den Minions nicht – ausgerechnet die kleinen gelben Männchen, die der Inbegriff von Dämlichkeit, Herumgefurze und Marketing sind.

Das heisst aber nicht, dass sie einen Solo-Film gebraucht hätten. Minions ist so… eh.

Machen wir uns nichts vor: Die Minions sind Nebenfiguren. Beigemüse. Als Protagonisten sind sie etwa gleich glaubwürdig wie Joffrey Baratheon als Weintester. Das liegt sicherlich auch daran, dass ihr knuffiges Charakterdesign nie darauf ausgelegt war, grossen Emotionen Raum zu bieten und sie so immer die „ulkigen kleinen Dinger“ bleiben. Dass sie in ihrem Kauderwelsch dann auch noch den Plot vorwärtsbringen und längere Dialoge führen müssen, ist meiner Meinung nach der grosse Schwachpunkt von Minions.

Dabei wäre die Grundidee des Films, der erzählt, wie die Minions jahrhundertelang nach einem würdigen Meister gesucht haben (und dabei aber offenbar einen Bösewicht verpasst haben), eigentlich ganz witzig. Wie schon die beiden Despicable Me-Filme kann Minions durch sein ausgefallenes Production Design, das keine Grenzen zu kennen scheint, überzeugen – ich denke da nur an das Fluggefährt der von Sandra Bullock verkörperten Bösewichtin Scarlett Overkill. Schade nur, dass man sich soviel Mühe gibt, den Film in den 60er-Jahren anzusiedeln, und dann das Finale dann nach London versetzt wo man auf diese kulturellen Bezüge verzichtet.

In Kürze:

Minions fehlt die Hauptfiguren. Die titelgebenden Gelbköpfe sind zwar witzig, sie können den Film aber nicht tragen. Da freue ich mich dann lieber auf Despicable Me 3, wo die kleinen Kerle wieder in einer Nebenrolle zu sehen sind.

Wertung:

3 von 5 gelben Hydranten

Shaun the Sheep Movie (2015)

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Eigentlich wollten Shaun und seine Bande nur einen Tag Ruhe – doch ihr Streich am Bauern endet damit, dass dieser mit seinem Wohnwagen in der grossen Stadt landet, wo er sich an nichts mehr erinnern kann. Als das Chaos auf dem Bauernhof Überhand nimmt, müssen Shaun und die anderen Schafe den Bauern zurückholen.

Nachdem die letzten Produktionen in Zusammenarbeit mit amerikanischen Studios floppten, wurde es für Aardman Animations immer schwieriger, für ihre Ideen interessierte Produzenten zu finden. Und so beschloss das britische Claymation-Studio, dem amerikanischen Markt vorerst den Rücken zu kehren und sich auf die Wurzeln zu besinnen. Wer käme dafür besser gelegen als Shaun the Sheep, das freche Schaf, das seinen Ursprung in den Anfängen von Wallace & Gromit hat und seither zur Identifikationsfigur des Studios herangewachsen ist? Und soviel sei verraten: Shaun the Sheep Movie rockt!

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Gestern habe ich meine letzte Disney Thirty-Rezension veröffentlicht. Mit diesem „Ein Disney-Film-pro-Woche“-Projekt endet eine Sache, die mir total viel Spass bereitet hat – auch wenn ich für die 30 Filme fast dreimal so lange gebraucht habe. Und schon seit Wochen werde ich gefragt, was denn als Nächstes folgt. Eine Pixar-Reihe? Eine Miyazaki-Retrospektive? Die Vorschläge kamen von allen Seiten und klangen verlockend – doch ich habe mich gegen eine thematische Einordnung entschieden. Ein Grund dafür ist, dass ich mir mehr Freiheiten in der Filmauswahl einräumen wollte.

Daher wird der Montag ab sofort zum Animontag – jede Woche werde ich hier einen Animationsfilm rezensieren. Dadurch habe ich nicht nur eine regelmässige Auseinandersetzung mit Animationsfilmen (dem Inhalt meines Studiums), sondern kann endlich filmische Lücken füllen und unbekannte Werke entdecken. Dabei werden aktuelle, aber auch ältere Filme rezensiert – auch für jene Disney-Filme, für die bisher kein Platz war, finde ich sicher dereinst Zeit.

Das genaue Format wird sich ergeben, wenn die Sache dann läuft, vielleicht bringe ich ab und zu auch mal Kurzfilme unter, generell werde ich mich aber auf Spielfilme fokussieren. Und auch ihr könnt zu einem gewissen Grad mitbestimmen, was ich schaue – über Vorschläge freue ich mich immer.