Hauru no Ugoku Shiro (2004)

HowlAnimontag

„Was hat das Leben noch für einen Sinn wenn man nicht mehr schön ist?“

Mit der Kritik zu Hauru no Ugoku Shiro (Das wandelnde Schloss) geht heute meine Miyazaki-Kritik-Reihe zu Ende. „Aber Owley… Was ist mit Ponyo und The Wind Rises?“ Die beiden Filme hatte ich anlässlich ihres Kinostarts bereits rezensiert, und anders als etwa bei diesem Film (oder anderen) erachte ich es nicht als nötig, den Filmen eine neue Kritik zu widmen. Darum ist der bis dato drittletzte Miyazaki also der letzte Eintrag dieser Reihe. Hauru no Ugoku Shiro war bisher einer der wenigen Filme des Regisseurs, der mir nicht so gut gefallen hat. Der Film hat seinen Charme, konnte mich als Gesamtwerk aber nie wirklich überzeugen. In der Hoffnung, dass sich das nun, einige Jahre nach meiner letzten Sichtung ändern würde, habe ich ihn mir noch einmal angesehen und festgestellt, dass sich an meiner Meinung leider nichts geändert hat. In dieser Verfilmung eines Kinderbuches erzählt Hayao Miyazaki die Geschichte der jungen Hutmacherin Sophie, die von einer Hexe mit einem Fluch belegt und zu einer alten Frau wird. Beschämt sucht Sophie Unterschlupf beim Zauberer Howl, der ins Visier der Regierung gerät, als er dieser seine Unterstützung in einem grossen Krieg verwehrt. Auch wenn das Schicksal von Sophie und ihr Umgang mit dem Fluch berührend inszeniert wird, wirkt Hauru no Ugoku Shiro über weite Strecken unfertig und verwirrt den Zuschauer durch mangelnde Exposition.

Das Herzstück des Filmes ist das titelgebende wandelnde Schloss von Howl, eine Steampunk-Festung, die auf vier krähenartigen Füssen über Hügel und Berge krakselt. Das Schloss steckt voller kleiner Details – und entsprechend aufwendig ist es animiert. Ich glaube sogar, das Schloss ist das das erste vollkommen digital animierte Element in einem Film von Hayao Miyazaki, was angesichts des Aufwandes nur Sinn macht. Auch das Setting von Hauru no Ugoku Shiro gefällt – der Film spielt in einem fiktiven Königreich, das aber deutlich von einem Besuch von Miyazaki im Elsass inspiriert wurde. Die saftiggrünen Wiesen, der stahlblaue Himmel und die kleinen Städtchen lassen da keine Zweifel zu. Nur beim Charakterdesign enttäuscht mich Miyazaki mit diesem Film. Die menschlichen Figuren wirken – bis auf Sophie – lieblos und uninspiriert. Howl (der im japanischen als „Hauru“ ausgeschrieben wird, weshalb man ihn im Deutschen unverständlicherweise ebenfalls „Hauru“ nannte) wird als durchschnittlicher Anime-Schönling dargestellt und die weiblichen Nebenfiguren kann ich beim besten Willen nicht auseinanderhalten.

In Kürze:

Ein bisschen geht es Hauru no Ugoku Shiro wie dem titelgebenden Schloss: Es sieht zwar nett aus, fällt aber an allen Enden auseinander. Hayao Miyazakis neunte Regiearbeit ist kein schlechter Film, aber eben auch kein sehr gelungener.

Wertung:

3 von 5 eierschalenfressenden Feuerdämonen

Sen to Chihiro no Kamikakushi (2001)

ChihiroAnimontag
„Wenn man sich einmal getroffen hat, vergisst man das nie. Es kann nur sein, dass man sich nicht daran erinnert.“

So unglaublich das klingen mag: Obwohl ich Hayao Miyazakis oscarprämierten Film Sen to Chihiro no Kamikakushi (Chihiros Reise ins Zauberland) schon dutzende Male gesehen habe, fielen mir erst bei der letzten Sichtung die deutlichen Parallelen zu Alice in Wonderland auf. I know, right? Ich war selber überrascht, wie mir so etwas entgehen konnte. Denn wie Alice landet auch die junge Chihiro unverhofft in einer ihr fremden Welt, die von einer hinterlistigen Herrscherin regiert wird. Chihiro möchte ihre Eltern von einem Fluch, der sie in Schweine verwandelt hat, befreien und tritt in den Dienst dieser Herrscherin, der mächtigen Hexe Yubaba. Miyazaki schafft auf Basis von Lewis Carolls Erzählung und Elementen der japanischen Mythologie eine neue Welt, in der ich mich gerne verlieren könnte.

Die Vielfalt dieses „Zauberlandes“ mit den illustren Gästen von Yubabas Badehaus kommt bei Miyazaki gut zur Geltung – das Charakterdesign ist auch bei diesem Film einzigartig. Und natürlich die Welt selber, die von kuriosen Konzepten getragen wird. Da fahren Züge problemlos übers Wasser, während kleine, struppige Russmännchen dafür sorgen, dass der Laden rund läuft. Es ist eine zauberhafte Erzählung, die der Regisseur da spinnt, so wirr, dass man vermutlich mehrere Anläufe braucht, bis man diesen Film in seiner Ganzheit erfassen kann. Zumindest mir ging es so. Mit zwei Stunden Laufzeit ist Sen to Chihiro no Kamikakushi erstaunlich lang geraten, aber keine Angst: Langweilig wird dieser Film nicht. Hayao Miyazakis Film hat einen angenehmen Erzählrhythmus und bleibt dadurch bis zum Schluss spannend.

In Kürze:

Für Sen to Chihiro no Kamikakushi erhielt Hayao Miyazaki 2002 den Oscar für den besten Animationsfilm – zu Recht. Ihm ist ein zauberhaftes Werk gelungen, das zum Träumen einlädt.

Wertung:

5 von 5 verführerischen Goldklumpen

Mononoke Hime (1997)

MononokeAnimontag

„Deinem Schicksal kannst du nicht entgehen, mein Prinz. Aber du kannst ihm mutig entgegentreten.“

Ich kam zum ersten Mal mit Hayao Miyazaki in Berührung, als ich noch ein kleiner Junge war. Damals konnte ich als von westlicher Animation verwöhnter Junge nicht viel mit Anime anfangen und auch Mononoke Hime (Prinzessin Mononoke) konnte daran nichts ändern. Es dauerte fast ein Jahrzehnt, bis ich nach mehreren Sichtungen endlich Gefallen an dem Film finden konnte. Hayao Miyazaki, der in seinen frühen Arbeiten immer sehr augenzwinkernd unterwegs war, schlägt mit Mononoke Hime ernstere Töne an: Sein Film thematisiert den Umgang des Menschen mit der Natur. Es geht aber in erster Linie nicht darum zu zeigen, wie schlecht der Mensch seine Umwelt behandelt, sondern um seine mangelnde Bereitschaft, im Einklang mit der Natur zu leben. Diese wird repräsentiert durch riesige tierische Götter, die in den Wäldern hausen. Ein solcher Wildschweingott, Nago, wird von den Menschen schwer verletzt, was ihn so in Rage versetzt, dass er zum Dämon wird. Der junge Prinz Ashitaka gerät zwischen die Fronten dieses Krieges und bezahlt teuer: Im Kampf mit Nago wird er von einem Fluch befallen.

Mit Ashitaka schafft Miyazaki einen klassischen Helden, der für die wahren Werte einsteht und stets die richtigen Entscheidungen trifft. Ashitaka mag zwar der Protagonist von Mononoke Hime sein, wirklich interessant ist er nicht. Da gefallen mir die anderen Figuren besser – etwa die charismatische und kompromisslose Eboshi, die Anführerin der Menschen, die die Natur als Ressource sieht, die es auszubeuten gilt. Eboshi ist keine Bösewichtin – Miyazaki zeichnet sie als eine starke Person, die von den falschen Idealen getrieben wird. Ihr gegenüber steht San, ein von den Wölfen aufgezogenes Mädchen, das die Menschen verabscheut und nur eines will: Eboshis Kopf. So brutal und düster Mononoke Hime daherkommen mag (der Film verdient sich seine FSK-12-Freigabe schon in den ersten Minuten), so bezaubernd ist das Artwork und so schillernd sind die Figuren. Hayao Miyazakis filmische Moralpredigt wartet mit atemberaubenen Landschaften auf – der japanische Regisseur zaubert mit seinem Film eine Welt, in der man sich verlieren möchte. Dazu kommen die wunderschönen Klänge von Joe Hisaishi, die bei mir immer wieder für Gänsehaut sorgen. Nicht ohne Grund habe ich seinen Soundtrack in dreifacher Ausführung rumliegen.

In Kürze:

Was soll ich sagen? Mononoke Hime ist und bleibt einer der schönsten Filme von Hayao Miyazaki. Sicherlich kein leicht zugängliches Werk, aber ein ungemein berührendes.

Wertung:

5 von 5 putzigen Kodamas

Yume to Kyōki no Ōkoku (2013)

Yume

„Filmmaking only brings suffering.“

Es kommt sehr selten vor, dass ich mir Dokumentarfilme ansehe. Ich konnte mich nie wirklich für diese Erzählform erwärmen – dass das ignorant und doof ist, weiss ich eigentlich ja auch. Trotzdem ist es fast drei Jahre her, seit ich mit The Imposter meine bis dato letzte Dokumentation gesehen habe, wenn man jetzt einmal von den zahlreichen Sichtungen von Banksys genialer Mockumentary Exit Through The Gift Shop absieht. Für Yume to Kyōki no Ōkoku (The Kingdom of Dreams and Madness) der japanischen Dokumentarfilmerin Mami Sunada habe ich mich wieder einmal mit einem Beitrag des Genres befasst. Der Film blickt hinter die Kulissen des renommierten Studio Ghibli und gibt Einblicke in die turbulente Produktion der Filme Kaze Tachinu (The Wind Rises) von Hayao Miyazaki und Kaguya-Hime no Monogatari (Die Legende der Prinzessin Kaguya) von Isao Takahata. Sunada fokussiert sich bei ihrem Film vorallem auf Miyazaki, den sie auf Schritt und Tritt begleitet. Es gelingt ihr, diese unberührbar wirkende Ikone des Animationsfilms zu demystifizieren und ihm als Menschen zu begegnen.

Miyazaki ist ein inspirierender Künstler, der sich nicht auf seinen Lorbeeren ausruht und auch mit über 70 Jahren noch bemüht ist, sich selber zu verbessern. Sunada zeigt uns in Yume to Kyōki no Ōkoku aber auch einen verbitterten alten Mann, der von der Welt enttäuscht wurde. Im Zuge der Atomkatastrophe von Fukushima hat er den Glauben an die Regierung, aber auch die Gesellschaft allmählich verloren. Was auch auffällt, ist dass Hayao Miyazaki, so unbeholfen er zeitweise wirkt, diese Plattform, die ihm Sunada bietet, offenbar ganz bewusst zu nutzen weiss. Er erzählt viel aus seinem Leben und zeigt sich generell als weisen Patron dieses legendären Studios – kritischen Fragen muss sich Miyazaki kaum stellen. Hier hätte ich mir von der Regisseurin mehr Initiative und Nachdruck und vorallem mehr Mut erhofft. Ihr Respekt und ihre Achtung vor Hayao Miyazaki stehen da einem etwas differenzierteren Bild offenbar im Weg.

In Kürze:

Mami Sunadas Dokumentarfilm Yume to Kyōki no Ōkoku gibt einen spannenden Einblick in das Schaffen eines der legendärsten Filmstudios der Welt – der Blick auf die Animationsikone Hayao Miyazaki bleibt aber stets oberflächlich und damit recht brav.

Wertung:

4 von 5 abgenutzten Bleistiften

Kurenai no Buta (1992)

KurenainoButaAnimontag

Nur ein fliegendes Schwein ist ein gutes Schwein!

Vor einigen Jahren machten Gerüchte die Runde, dass Hayao Miyazaki an einer Fortsetzung zu Kurenai no Buta (Porco Rosso) arbeiten würde, die einige Jahre nach dem originalen Film spielen soll und einen deutlich gealterten Titelhelden zeigen soll. Aus dem Projekt wurde nie etwas und nun, wo Miyazaki im Ruhestand ist, wird das wohl auch nichts mehr werden. Schade eigentlich, denn anders als bei vielen Filmen des japanischen Regisseurs hätte ich mir einen zweiten Teil von Kurenai no Buta gut vorstellen können. Der Film über einen schweinischen Piloten, der an der Adria gegen Luftpiraten kämpft und immer stärker ins Visier der faschistischen Geheimpolizei gerät, ist Miyazakis ehrlichstes Werk. Auch technisch kann der Film überzeugen. Die Animation ist einwandfrei und der Soundtrack von Joe Hisaishi weiss in den richtigen Momenten zu berühren.

In Kurenai no Buta gibt sich Hayao Miyazaki so politisch, wie nie zuvor. Kaze no Tani no Naushika (Nausicaä aus dem Tal der Winde) und Tenkū no Shiro no Rapyuta (Das Schloss im Himmel) thematisieren zwar auch die Folgen des Krieges, doch so direkt wie in diesem Film war er noch nie. Den Aufstieg der Faschisten macht er zur eigentlichen Bedrohung des Films, die wie ein Schatten über die romantische Welt der wagemutigen Fliegerasse fällt. Dass er keine Liebe für die damalige Regierung und ihre Sympathisanten übrig hat, macht Miyazaki deutlich. „Ich bin lieber Schwein als Faschist“, erwidert Porco Rosso auf die Rekrutierungsversuche eines Majors. Der zynische Pilot mit dem Schweinekopf ist ein charismatischer Held, einer von der gleichen Sorte wie Humphrey Bogart. Ein einsamer Cowboy, der das Rennen gegen die Zeit längst verloren hat.

In Kürze:

Kurenai no Buta ist einer von Miyazakis Besten – ein berührendes Drama über einen Helden, der seine besten Tage hinter sich hat.

Wertung:

5 von 5 feuerroten Flugmaschinen

Majo no Takkyūbin (1989)

MajoNoTakkyubinAnimontag

„Ich finde diese Stadt toll, Jiji!“ – „Freu dich bloss nicht zu früh!“

Meine letzte Sichtung von Majo no Takkyūbin (Kikis kleiner Lieferservice) liegt schon einige Jahre zurück. Anlässlich der Hayao Miyazaki-Retrospektive im Zürcher Filmpodium habe ich mir diesen Film wieder einmal angesehen und festgestellt, dass Miyazakis Kinderbuchverfilmung nichts von seiner Schönheit eingebüsst hat – auch wenn mich die Längen dieses Filmes stärker störten als noch zuvor. Die Geschichte von Majo no Takkyūbin ist schnell erzählt: Die kleine Hexe Kiki zieht von zu Hause aus, um sich in einer Grossstadt niederzulassen – ein Jahr muss sie dort überstehen, um eine echte Hexe zu werden. Der Film schildert, was Kiki in dieser Stadt widerfährt, und wie sie sich nach anfänglicher Unsicherheit allmählich einlebt. Hayao Miyazaki schafft einen berührenden Film über das Erwachsenwerden – ein Vorgang, den er wunderbar anhand seiner kleinen Protagonistin illustriert.

Kiki ist eine charismatische aber auch unsichere Protagonistin, mit der sich der Zuschauer schnell identifiziert – schliesslich wissen wir alle, wie das ist, wenn wir uns plötzlich in einer uns fremden Welt wiederfinden. Joe Hisaishis mal verspielter, mal melancholischer Soundtrack gibt das Gefühlschaos der kleinen Hexe wunderschön wieder. Mein Lieblingscharakter des Filmes ist und bleibt aber ihr zynischer schwarzer Kater Jiji, der seine Unzufriedenheit über die Situation lautstark kundtut. Doch Miyazakis Kinderbuchverfilmung hat eine grosse Schwäche: Sie ist eindeutig zu lang geraten. Das liegt sicher nicht an der Laufzeit von rund 100 Minuten, die dem entspricht, was man sich von einem durchschnittlichen Animationsfilm gewohnt ist. Vielmehr liegt das im episodenhaften Stoff, der nicht viel mehr hergibt. Majo no Takkyūbin hängt irgendwo im Mittelteil stark durch und verlangt viel Sitzleder von seinem Publikum.

In Kürze:

Majo no Takkyūbin ist ein episodenhaftes Werk über das Erwachsenwerden, das seine Längen mit einer berührenden Geschichte über das Erwachsenwerden wettmacht.

Wertung:

4 von 5 schwarzen Stoffkatern

Tonari no Totoro (1988)

TotoroAnimontag

„Früher waren Menschen und Bäume einmal gute Freunde.“

Als ich Tonari no Totoro (Mein Nachbar Totoro) vor Kurzem im Kino gesehen habe, besuchte ich eine Nachmittagsvorstellung. Das bedeutete, dass das Kino voller Kinder war, die alle den Film in- und auswendig kannten (und dies lautstark kundtaten). Irgendwie überraschte mich das. Ich hätte nicht gedacht, dass Hayao Miyazakis wohl berühmtester Film auch heute noch Anklang finden würde – doch eine Schar kleiner Kinder belehrte mich eines Besseren. Diese anhaltende Begeisterung wurzelt sicher auch darin, dass der Film mit seiner einfachen Geschichte leichter zugänglich ist für ein westliches Publikum als Miyazakis fantastischere Stoffe. Die Geschichte der beiden Schwestern Mei und Satsuki, die mit ihrem Vater aufs Land ziehen und dort den Waldgeist Totoro treffen, Hayao Miyazakis erster wirklich ruhiger Film. Es geht nicht darum, die Welt zu retten oder böse Mächte in Schach zu halten – in Tonari no Totoro geht es um die Erfahrungen, die die beiden Schwestern in dieser, ihnen neuen Welt machen.

Miyazaki ist mit seiner vierten Regiearbeit ein visuell beeindruckendes Werk gelungen, das für mich auch heute, fast dreissig Jahre später immer noch zu den am schönsten animierten Filmen überhaupt zählt. Der Art Director des Films, Kazuo Oga, haucht der Landschaft auf eindrucksvolle Art und Weise Leben ein und auch das Charakterdesign, das mit bunten Farben einen deutlichen Kontrast zu den dunklen Tönen der Landschaft bildet, ist einzigartig. Die beim Publikum noch immer anhaltende Begeisterung für den knuffigen Totoro – quasi einen Bären mit Hasenohren – der es ins Logo der Ghibli Studios und sogar in Toy Story 3 geschafft hat, spricht in dieser Hinsich Bände. Dass Tonari no Totoro Kult ist, ist auch nicht zuletzt Joe Hisaishis Verdienst. Der japanische Komponist kreiert stimmige Themen und eingängige Songs, die mal melancholisch, mal verspielt die Gefühlswelt der kleinen Mädchen reflektieren.

In Kürze:

Tonari no Totoro ist ein beschaulicher, aber nicht minder berührender Film von Hayao Miyazaki, den ich mir immer wieder ansehen könnte.

Wertung:

5 von 5 kleinen Totoros

Übrigens:

Dass der Film beschaulich und familientauglich ist, ist lediglich meine Interpretation. Es gibt Theorien, die ziemlich schlüssig nahelegen, dass Tonari no Totoro eigentlich ein sehr tragisches Thema behandelt und damit eigentlich überhaupt nicht für Kinder geeignet ist.

Tenkū no Shiro Rapyuta (1986)

LaputaAnimontag

„Wie willst du König sein, wenn dein Reich nur eine Ruine ist?“

Immerhin erklärt Hayao Miyazaki in seinem dritten Film Tenkū no Shiro no Rapyuta (Das Schloss im Himmel), dass der Name der titelgebenden, fliegenden Insel nicht seine Erfindung ist, sondern die von Jonathan Swift. Der Brite schrieb in seinem Roman Gulliver’s Travels nämlich von einer fliegenden Insel namens Laputa. Es ist anzunehmen, dass er sich der Mehrdeutigkeit dieses Begriffs durchaus bewusst war. Miyazaki übernahm diesen Namen in der Folge für seinen Film, der wohl deshalb in fast allen internationalen Märkten ganz bewusst als „Schloss im Himmel“ vermarktet wird und in spanischsprachigen Regionen sogar von einer Insel namens „Lapuntu“ erzählt. Versteht sich von selbst, dass Hayao Miyazakis Film über die Suche nach einer geheimen fliegenden Insel nicht einaml ansatzweise so schlüpfrig ist wie sein Titel. Noch immer dem Steampunk verfallen, erzählt der japanischen Filmemacher in Tenkū no Shiro no Rapyuta eine berührende Geschichte über Freundschaft und Treue, übt aber auch einmal mehr offen Kritik am Kriegstreiben.

Seine zauberhafte Insel ist nämlich, so schön und idyllisch sie aussehen mag, eine gefährliche Waffe, mit der ein sinistrer Spion die Erde unterwerfen will. Sowohl die Prinzessin Sheeta und der Waisenjunge Pazu als auch eine Bande von ruchlosen Luftpiraten stellen sich ihm in den Weg und es entbrennt ein wilder Wettstreit. Tenkū no Shiro no Rapyuta ist ein packender Abenteuerfilm, der den bescheuerten Humor von Rupan Sansei: Kariosutoro no Shiro (Das Schloss des Cagliostro) mit den atemberaubenden Bildern von Kaze no Tani no Naushika (Nausicaä aus dem Tal der Winde) kombiniert. Joe Hisaishi, der nach Miyazakis Manga-Verfilmung hier nun zum zweiten Mal die Musik schreiben darf, setzt abermals stark auf Synthesizerklänge. Er versieht diese mit pompösen Bläsern und einem dezenten Streicherteppich und kreiert daraus einen stimmigen und immer wieder berührenden Soundtrack.

In Kürze:

Ich hatte bislang immer ein bisschen Mühe mit Tenkū no Shiro no Rapyuta, den ich zu wirr und trashy fand. Doch nach erneuter Sichtung gefällt mir dieser Steampunk-Abenteuerfilm mit seiner tollen Musik und den schönen Bildern sogar sehr gut.

Wertung:

5 von 5 plongenden Robotern

Kaze no Tani no Naushika (1984)

NausicaaAnimontag

„Sie kann den Wind lesen wie ein Buch!“

Nachdem er mit Rupan Sansei: Kariosutoro no Shiro (Das Schloss des Cagliostro) eine Quasi-Auftragsarbeit ablieferte, setzte Hayao Miyazaki mit seinem zweiten Film ein persönliches Projekt um. Kaze no Tani no Naushika (Nausicaä aus dem Tal der Winde) ist die Verfilmung seines gleichnamigen Manga-Epos. Der Film, der nur lose auf der zu diesem Zeitpunkt wenig fortgeschrittenen Vorlage basiert, erzählt von einer postapokalyptischen Zukunft. Nach einem brutalen Krieg breitet sich ein giftiger Pilzwald auf der Erde aus, das „Meer der Fäulnis“. Die Prinzessin des durch seine günstige Lage vor den Sporen geschützte Tal der Winde, Nausicaä, strebt ein friedliches Zusammenleben zwischen der Natur und der Menschheit an. Es brauchte mehrere Anläufe, bis ich in dieser überladenen Story ganz durchblickte, doch mittlerweile stört mich die Komplexität dieses Films nicht mehr so stark wie früher. Dennoch ist das holprige Storytelling eine der hauptsächlichen Schwächen dieses Filmes.

Kaze no Tani no Naushika deckt mehrere Themenbereiche ab, die Hayao Miyazakis Karriere auch in späteren Jahren massgeblich prägen. Der japanische Filmemacher prangert in seinem Film den Umgang des Menschen mit der Umwelt an und zeigt die Folgen von Kriegen, die auf Kosten der Natur ausgetragen werden. Miyazaki schlägt in diesem Film aber noch hoffnungsvollere Töne an als er das 13 Jahre später im deutlich düstereren Mononoke Hime (Prinzessin Mononoke) tun wird. Die Fliegerei ist allgegenwärtig im Schaffen von Hayao Miyazaki – und das ist auch in Kaze no Tani no Naushika nicht anders. Die dynamischen Flugszenen wurden – gerade im Vergleich zu den ansonsten sehr simplen Animationen – für ihre Zeit sehr gekonnt umgesetzt und können sich auch heute noch sehen lassen. Weniger gut gealtert ist dagegen der allzu dominante Synthesizer-Score von Joe Hisaishi, der im Schaffen des Komponisten stark abfällt.

In Kürze:

Kaze no Tani no Naushika ist ein wirrer Film, den man mehrmals gesehen haben muss, um wirklich durchzublicken. Das macht Hayao Miyazakis Steampunk-Ökofabel aber nicht weniger kultig – alleine schon wegen den ikonischen Bildern und den starken Animationen sollte man diesen Film nicht verpassen.

Wertung:

4 von 5 wutentbrannten Ohmus

Rupan Sansei: Kariosutoro no Shiro (1979)

LupinAnimontag

„Wem helfen wir?“ – „Dem Mädchen.“ – „Typisch.“

Ich kenne die Filme von Hayao Miyazaki in- und auswendig, doch einem Film hatte ich mich bisher immer entzogen: Rupan Sansei: Kariosutoro no Shiro (Das Schloss des Cagliostro). Der Film ist eine Umsetzung der erfolgreichen japanischen Anime-Serie Lupin III. der wiederum eine ebenso erfolgreiche Manga-Reihe zugrundeliegt. Die Serie über den Enkel des Meisterdiebs Arsène Lupin markierte in den Siebzigern eine der ersten Arbeiten des jungen Hayao Miyazaki, der mit der Langfilm-Adaptation schliesslich sein Kinodebüt gab. Rupan Sansei: Kariosutoro no Shiro erzählt, wie Lupin III. im Fürstenstaat Cagliostro eine Prinzessin aus den Händen des finsteren Grafen zu retten versucht.

Man merkt dem Film sein Alter an: Die Animationen sind sehr einfach und lassen den Schluss zu, dass das Budget dieses Films nicht sehr hoch gewesen sein dürfte. Das tut dem Witz dieses Filmes aber keinen Abbruch. Der japanische Filmemacher zeigt sich mit seinem Debüt von seiner humorvollen Seite: Mit seinen durchgeknallten Einfällen und dem überraschend hohen Mass an Slapstick ist Rupan Sansei: Kariosutoro no Shiro einer von Miyazakis lustigsten Filmen, der auch fast vierzig Jahre später nichts von seinem Charme eingebüsst hat. Während die Fliegerei hier noch nicht so einen grossen Stellenwert einnimmt wie in seinen späteren Filmen, zeigt sich schon jetzt deutlich Miyazakis Liebe zum Steampunk. Viele der in Rupan Sansei: Kariosutoro no Shiro behandelten Themen und gezeigten Figuren erinnern – vermutlich nicht zufällig – an seine späteren Filme der Achtziger Jahre, im Speziellen Kaze no Tani no Naushika (Nausicaä aus dem Tal der Winde) aber auch Tenkū no Shiro Rapyuta (Das Schloss im Himmel).

In Kürze:

Einen derart verspielten und unbeschwerten Animationsfilm wie Rupan Sansei: Kariosutoro no Shiro sucht man heute lange. Miyazaki, der mit den Jahren zunehmend ernstere Themen behandelte, zeigt sich hier von seiner witzigen Seite.

Wertung:

5 von 5 gefälschten Banknoten

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