Yume to Kyōki no Ōkoku (2013)

Yume

„Filmmaking only brings suffering.“

Es kommt sehr selten vor, dass ich mir Dokumentarfilme ansehe. Ich konnte mich nie wirklich für diese Erzählform erwärmen – dass das ignorant und doof ist, weiss ich eigentlich ja auch. Trotzdem ist es fast drei Jahre her, seit ich mit The Imposter meine bis dato letzte Dokumentation gesehen habe, wenn man jetzt einmal von den zahlreichen Sichtungen von Banksys genialer Mockumentary Exit Through The Gift Shop absieht. Für Yume to Kyōki no Ōkoku (The Kingdom of Dreams and Madness) der japanischen Dokumentarfilmerin Mami Sunada habe ich mich wieder einmal mit einem Beitrag des Genres befasst. Der Film blickt hinter die Kulissen des renommierten Studio Ghibli und gibt Einblicke in die turbulente Produktion der Filme Kaze Tachinu (The Wind Rises) von Hayao Miyazaki und Kaguya-Hime no Monogatari (Die Legende der Prinzessin Kaguya) von Isao Takahata. Sunada fokussiert sich bei ihrem Film vorallem auf Miyazaki, den sie auf Schritt und Tritt begleitet. Es gelingt ihr, diese unberührbar wirkende Ikone des Animationsfilms zu demystifizieren und ihm als Menschen zu begegnen.

Miyazaki ist ein inspirierender Künstler, der sich nicht auf seinen Lorbeeren ausruht und auch mit über 70 Jahren noch bemüht ist, sich selber zu verbessern. Sunada zeigt uns in Yume to Kyōki no Ōkoku aber auch einen verbitterten alten Mann, der von der Welt enttäuscht wurde. Im Zuge der Atomkatastrophe von Fukushima hat er den Glauben an die Regierung, aber auch die Gesellschaft allmählich verloren. Was auch auffällt, ist dass Hayao Miyazaki, so unbeholfen er zeitweise wirkt, diese Plattform, die ihm Sunada bietet, offenbar ganz bewusst zu nutzen weiss. Er erzählt viel aus seinem Leben und zeigt sich generell als weisen Patron dieses legendären Studios – kritischen Fragen muss sich Miyazaki kaum stellen. Hier hätte ich mir von der Regisseurin mehr Initiative und Nachdruck und vorallem mehr Mut erhofft. Ihr Respekt und ihre Achtung vor Hayao Miyazaki stehen da einem etwas differenzierteren Bild offenbar im Weg.

In Kürze:

Mami Sunadas Dokumentarfilm Yume to Kyōki no Ōkoku gibt einen spannenden Einblick in das Schaffen eines der legendärsten Filmstudios der Welt – der Blick auf die Animationsikone Hayao Miyazaki bleibt aber stets oberflächlich und damit recht brav.

Wertung:

4 von 5 abgenutzten Bleistiften

Kaguya-Hime no Monogatari (2013)

KaguyaFantoche

Animontag

„Ich wurde geboren, um zu leben – doch das konnte ich nicht.“

Ein Bambussammler findet eines Tages auf einem Feld eine kleine Prinzessin – zusammen mit seiner Frau zieht er das Mädchen bei sich auf. Doch der alte Mann ist überzeugt, dass dieses Leben einer Prinzessin nicht würdig ist und sorgt dafür, dass sie in der Hauptstadt ein entsprechendes Leben führen kann. Dass er damit ihre tiefsten Wünsche unterdrückt, wird ihm dabei viel zu spät bewusst. Kaguya-Hime no Monogatari (Die Legende der Prinzessin Kaguya) ist nach vierzehn Jahren der erste Film von Isao Takahata – die eigenwillige Fabel ist zusammen mit Hayao Miyazakis Kaze Tachinu (Wie der Wind sich hebt) eine der vorerst letzten Produktionen des Studios.

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