Warum mich der Erfolg von The Avengers nur bedingt freut

Ich will jetzt gar kein Heuchler sein, und sagen, wie wenig der Film den Erfolg verdient hat, während ich selber fünfmal ins Kino gehe für den Film. Aber ich muss sagen, der Erfolg, den The Avengers momentan einfährt, macht mir Sorgen. Nun gut, auch ich beobachte mit Freude, wie die Rächer einen Rekord nach dem anderen brechen, selbst jener von Avatar kommt langsam, aber bald in greifbare Nähe. Denn der Film ist gut, und hätte bzw. hat den Erfolg verdient.

Aber leider sendet dieser Erfolg ein falsches Signal aus, und davor habe ich Angst. Seit The Dark Knight floriert das Superheldengenre ohnehin schon, aber selbst als grosser Fanboy habe ich irgendwann genug. Zugegeben, meine Schmerzensgrenze diesbezüglich ist höher anzusetzen als beim durchschnittlichen Kinogänger, aber trotzdem fürchte ich um die Qualität von Superheldenfilmen. Beispiele wie Green Lantern zeigen, wie schief ein hektisch produziertes Superheldenprojekt gehen kann.

Sicher, im Moment freuen wir uns alle auf The Dark Knight Rises, und auf die kommenden Iron Man 3 und Thor 2 und wasauchimmer. Das ist die nahe Zukunft, und das ist im Moment noch in einem Stadium, in dem ich gerne mehr sehe. Aber irgendwann habe ich auch von denen genug – vielleicht sogar schneller, als mir lieb ist. Das tatsächliche Problem ist jetzt aber, dass The Avengers die Studiobosse überzeugen könnte, noch mehr Superheldenfilme zu produzieren, bis sie einem zum Hals heraushängen.

Und nicht nur eine Übersättigung, auch eine Abnahme der Qualität könnte folgen. Wenn man etwa Batman rebootet, wird das zwangsläufig nicht mehr so gut, wie bei Chris Nolan. Und wie lange dauert es, bis die X-Men wieder floppen? Mir wäre es lieber, wenn sich die Macher darauf beschränken, was sie haben – was ja im Moment schon verdammt viel ist -, und das langsam zu Ende führen (muss ja meinetwegen nicht vor 2020 sein), anstatt gleichzeitig mehrere Helden ins Rennen zu schicken, die alle nur mittelmässig begeistern und die untergehen in der Masse.

Konkret: Ich will keine Justice League sehen. Ich will keinen neuen Batman. Ich will keine neuen Fantastic Four. Ich will nicht mehr als drei The Amazing Spider-Man-Filme. Ich will nicht mehr als drei, höchstens vier The Avengers (plus dazugehörige Einleitungsfilme). Noch konkreter: Ich will dass 2025 Ruhe ist. Dass wir keine oder nur noch vereinzelte, das Kino nicht dominierende, offenen Reihen mehr haben. Dass die Superhelden auf DVD existieren. Sicher, mir macht es Spass. Aber ich will auch nicht täglich Lachsbrötchen essen, nur weil ich Lachs mag. So sehr ich mir das auch beim ersten Bissen nicht vorstellen kann, irgendwann verleidet mir das Brötchen. Kommen nun jährlich fünf Superheldenfilme (und ich kann mir das gut als unmittelbare Folge von The Avengers vorstellen), habe ich irgendwann keine Lust mehr.

Nun gut, schaue ich sie eben nicht, könnte ich jetzt sagen. Würde ich vielleicht auch machen. Doch wenn sie dann auch schlecht sind, werfen sie ein schlechtes Bild auf die anderen Filme, wie das einige der X-Men-Filme taten, oder noch besser, wie bei den Schumacher-Batmans. Das will ich vermeiden. Kann ich aber nicht. Und so bleibt mir nur zu hoffen, dass die grossen Filmstudios nicht auf die Idee kommen, dass Superhelden der letzte Schrei sind (denn damit sind sie gar spät dran) und alle Karten, wie damals bei Avatar und 3D auf dieses Genre setzten.