Sherlock Holmes (2010)

Achtung: Massive Storyspoiler!! o.O

Ich hab mir gestern Abend Guy Ritchies Sherlock Holmes angetan. Meine Erwartungshaltung vor dem Film war knietief – oder um es in Silencers Worten auszudrücken „tief wie Limbostange“. Wahrscheinlich half mir diese Tatsache, dass ich dem Film noch etwas abgewinnen vermochte. Der Film ist unterhaltend, und von der im Vorfeld so kritisierten Beziehung zwischen Holmes und Watson ist nichts zu sehen…

Story

Die Story des Films ist wirr. Zwar wird zum Schluss etwas Licht ins Dunkle gebracht, doch das mindert den Umstand, das der Zuschauer gut zwei Stunden lang keine Ahnung hat, was jetzt genau passiert, nicht. Das ist der wohl gewichtigste Negativpunkt am Film. Gut finde ich jedoch, dass gegen Ende des Films aufgedeckt wird, dass doch keine Magie im Spiel war und sämtliche magischen Ereignisse perfekt vorbereitet und ausgeklügelt waren. Ebenso gefiel mir, wie Holmes anhand kleinster Details grössere Zusammenhänge erkannte – ziemlich unrealistisch, aber cool 😀

Darsteller

Die Darsteller sind im Grunde sehr gut. Jude Law mimt den Watson glaubwürdig und auch der Bösewicht, Lord Blackwood ist grossartig gespielt, und erinnert optisch zeitweise an den Grossmeister des Horrors, Christopher Lee. Speziell gefallen hat mir der Unterhund Dredger, der französische Muskelprotz – eine der besten Figuren und auf eine coole Art unendlich sympathisch. Rachel McAdams gibt eine intrigante und starke Irene Adler, eine Bösewichtin und die Frau an Holmes‘ Seite. Nicht wirklich gefallen und annähernd enttäuscht hat mich – und das ist der zweite Minuspunkt an diesem Film – Robert Downey Jr. als Holmes. Er wirkte oft abwesend und wird der Rolle des Holmes nicht wirklich gerecht. Ob er gedanklich schon bei Iron Man 2 war?

Soundtrack

Dem Soundtrack gegenüber war ich anfangs recht skeptisch. Hans Zimmer tanzt mir in letzter Zeit auf zu vielen Hochzeiten. Und in den meisten Fällen, bzw. an den meisten Hochzeiten ist sein Sound derselbe wie bereits in tausend Produktionen zuvor. Lediglich Madagascar 2, der Simpsons Movie, die Pirates-Filme und Batman verfügen über eine hörbar eigene Musiksprache, die sich klar von den anderen Filmen mit Zimmer-Soundtracks unterscheidet. Und eben Sherlock Holmes. Zimmer setzt dabei auf irische und schottische Klänge und Banjos, was dem Ganzen einen altenglischen Hauch verleiht. Ganz cool ist auch der Song „Rocky Road to Dublin“ von „the Dubliners“, der während dem Boxkampf ertönt. Eine Perle sondergleichen. 😀

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Humor

Der Film wird von seinen Witzen und dem Slpastick getragen. Anstelle einer guten, durchdachten Story entschied man sich für schräge Sprüche und Slapstick-Einlagen. Naja, dann halt. Ich muss jedoch gestehen, dass die Comedy im Film echt gelungen ist und die Running Gags allesamt funktionieren! Unfreiwillig komisch ist der Dialog zwischen Holmes und dem erwähnten französischen Schläger Dredger auf französisch. Während der eine Schauspieler tatsächlich französischsprachig ist, müht sich der andere mit franggsee ab und bringt echt schiefe Zeilen raus 🙂 Als Billingue hab ich mich bei dieser Szene natürlich totgelacht – allein 😀

Bilder & Sound

Ein grosses Plus kriegt der Film in seiner Bildsprache. Die Aufnahmen sind grandios, was sich schon zu Beginn abzeichnet, als die Kamera im Intro der Pferdekutsche folgt. Die Bilder auf der unvollendeten Tower Bridge sind ein weiteres Highlight und zeigen, dass Guy Ritchie weit mehr drauf hat, als Beziehungsgeschichten mit Madonna. Echt spitze sind die Szenen, in denen Holmes kämpft und die einzelnen Schritte durchgeht. Die Schläge werden dann hollywoodtypisch abgeslowt und mit knochenbrechenden Krschs! verstärkt – echt schräg. Diese Szenen sind immer wieder lustig anzusehen 🙂

Der Film ist zwar nicht schlecht, doch er ist keine Wucht. Viel zu belastend ist die Tatsache, dass man den Faktor „Story“ zu stark vernachlässigt hat. Ansonsten wär der Film gelungen, aber so kriegt er nur ein „Nett“ von mir 🙂

  • Christian

    Ach ich weiß nicht, für mich ist und bleibt Sherlock Holmes der spießig-britische Gentleman und kein sprücheklopfender Haudegen 🙁 Vielleicht ändere ich ja meine Meinung, wenn ich den Film gesehen habe, was aber frühstens bei der DVD-Veröffentlichung der Fall sein dürfte.

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  • spanksen

    Oh mann, bitte beim nächsten Filmreview kurz vor massiven Storyspoilern warnen,wollte den morgen eigentlich im Kino sehen und noch nicht so viel über den Schluss wissen

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  • Schonzeit

    gute Rezension des Films. Das Problem des Films ist die Konzeption. Man wollte sich nicht komplett auf actionlastige Handlung versteifen und verlor sich dann in dem Anspruch ein wenig Story einzubauen, aber das bröckchenweise.

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  • christiansfoyer

    Der Bösewicht großartig gespielt – aber von Robert Downey jr. ennttäuscht, das ist ja mal ’ne sehr exklusive Meinung 😉
    Aber sei’s drum, in vielen Punkten hast du schon recht. Die Story kam mir mit Beginn des Mittelteils in sich selbst sehr austauschbar vor, sprich, die Reihenfolge der einzelnen Szenen war irgendwie willkürlich und eigentlich egal, statt wirklich stringent aufgebaut zu sein. Gut gefallen hat mir „Holmes“ eben gerade wegen Downey jr. trotzdem, ist keine allzu ausgenudelte Art von Blockbuster-Kino und mit der Bildsprache lobst du genau das richtige Element!

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  • christiansfoyer

    Danke 🙂

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  • Christian

    Ich bin die Nummer eins! Oo/

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  • christiansfoyer

    Keine Sorge, Namensvetter, den Platz werd und will ich dir nicht streitig machen 😉

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  • SERIES: Sherlock Holmes (2009 – 2011) « Ploppers Wörld

    […] diese Möglichkeit. Denn ich verspürte neben einer Meinung zum neuen Teil, auch einen Drang, meine damalige Meinung nochmal ein bisschen anzupassen, war ich ursprünglich doch überhaupt nicht begeistert vom ersten […]

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