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Kinostatistik 2020

Lange habe ich mich gefragt, ob ich 2020 überhaupt meine Kinobesuche auswerten sollte, schliesslich ist 2020 ein Filmjahr, in dem vieles anders war. Nicht nur waren die Kinos hierzulande coronabedingt während 100 Tagen geschlossen1 (in gewissen Kantonen sogar länger), auch in jenen Monaten, in denen wir dank Lockerungen wieder ins Kino durften, war die Auswahl nicht immer grossartig. Letzten Endes obsiegt aber der Komplettist in mir. Und so blicke ich in meiner Kinostatistik 2020 auch auf ein Filmjahr zum Vergessen zurück.

Die vergangenen Ausgaben meiner Kinostatistik findet ihr alle hier: 20192018201720162015

Anzahl Kinobesuche
Anzahl Kinobesuche, pro Jahr.

Nach einem lausigen Filmjahr 2019 startete ich sehr optimistisch ins 2020, schliesslich wollte ich diesmal den lausigen Vorjahreswert von 65 Besuchen toppen. Corona hatte andere Pläne, und so gelang mir das dann doch nicht wirklich: 2020 lande ich bei gerade einmal 41 Kinobesuchen. Zum Vergleich: Für Alan gab es 40 Kinobesuche allein am Zurich Film Festival.

Zugegeben, machbar wäre es gewesen, die 65 zu toppen: Mit einem Kino vor der Haustür und dem Zurich Film Festival hätte ich durchaus Möglichkeiten gehabt, mehr Filme zu schauen. Aber dass in diesem Jahr die Prioritäten bisweilen ein bisschen anders lagen, darf man auch verzeihen.

Der Gesamtdurchschnitt der letzten elf Jahre wird dadurch noch einmal erheblich gesenkt und liegt neu bei 98.273 Kinobesuchen pro Jahr (2019: 104 Tickets). Selbst mein Durchschnittswert ist ein besserer Kinofan als ich.

Die Monate im Vergleich

Gesehene Filme pro Monat.

Vom 16. März bis zum 6. Juni blieben die Kinos hierzulande geschlossen – ebenso seit dem 12. Dezember bis ins kommende Jahr. Das erklärt die grossen Lücken, die in der Monatsübersicht klaffen. Einmal mehr sticht der September heraus, der Monat, in dem sowohl das Trickfilmfestival Fantoche, als auch das Zurich Film Festival stattfanden.2

41 Filme, auf 7 Monate verteilt, das ergibt 5.9 Filme pro Monat. Rechnet man das auf 12 Monate hoch, so käme ich auf 70.8 gesehene Filme in diesem Jahr. Das heisst, auch ohne Corona wäre 2020 eher ein maues Jahr gewesen, denn 70.8 liegt nur knapp über dem Jahreswert von 2019. (Stimmt natürlich nicht, weil ohne Corona hätten wir auch viel mehr Filme gehabt und dann wäre ich öfter ins Kino gegangen, Ehrenwort.)

Mehrfachsichtungen

2020 habe ich nur einen Film mehr als einmal gesehen, und ich bereue es noch immer: «Tenet» sah ich zuerst in einer Vorabsichtung für die Presse, bevor ich mir denselben Film noch einmal an der Vorpremiere von Maximum Cinema zu Gemüte führen wollte. Ich hoffte, ich würde den Film dadurch irgendwie besser verstehen… nichts da. Immerhin liess ich mich nicht dazu verleiten, dieses Chaos noch ein drittes Mal anzuschauen.

Auf meinen All-Time-Charts findet «Tenet» so schnell keinen Platz, aber immerhin rutschen dieses Jahr zwei andere Filme von Christopher Nolan einen Platz nach vorn: «The Dark Knight» (6. Kinosichtung) und «Inception» (5. Kinosichtung) sah ich beide im Rahmen der Nolan-Retrospektive, die die Schweizer Kinos diesen Sommer veranstalteten, noch einmal auf Grossleinwand. Auch «SkyFall» rutscht einen Platz nach vorn, ich habe diesen Film dieses Jahr – ebenfalls in einer Retrospektive – zum sechsten Mal im Kino gesehen.3

  1. Star Wars: Episode VII – The Force Awakens (8 Sichtungen)
  2. The Dark Knight, The Dark Knight Rises, SkyFall (6 Sichtungen)
  3. Inception, Mad Max: Fury Road (5 Sichtungen)
  4. The Avengers, Jurassic World, Monsters University, Spectre (4 Sichtungen)

Nolan, Nolan, Nolan, Nolan, Nolan

Und wenn wir schon bei Nolan sind: Für Christopher Nolan war ich in diesem Jahr am meisten im Kino, gleich 5 Kinobesuche fielen auf den Regisseur, den ich trotz seines neuesten Werks noch immer zu meinen Lieblingsregisseuren zähle. Die 5 Kinotickets teilen sich auf 4 verschiedene Filme auf, «Tenet» habe ich ja, wie oben erwähnt, zweimal gesehen. Die weiteren Filme waren «The Dark Knight», «Inception» und «Interstellar», die ich alle schon längst wieder einmal im Kino sehen wollte.

Für zwei weitere Filmemacher war ich 2020 immerhin zweimal im Kino, beides Bond-Regisseure: Sam Mendes («1917», «SkyFall») und Lewis Gilbert («The Spy Who Loved Me», «Moonraker»).

Laufzeit

Ich war im letzten Jahr während 4473 Minuten im Kino – das sind 74.55 Stunden, etwas mehr als 3 Tage oder 1 Million mal «Happy Birthday» singen beim Händewaschen. Ignoriert man die Kurzfilmprogramme, die nur selten Spielfilmlänge haben, so kommt man auf eine Durchschnittsdauer von 120 Minuten und 30 Sekunden pro Film. Damit steigt der Durchschnittswert (2019: 113 Minuten und 20 Sekunden) wieder stark an.

Der Grund dafür dürfte bei meinem erhöhten Nolan-Konsum zu finden sein: Der britisch-amerikanische Regisseur findet sich mit seinen Filmen gleich fünfmal unter den sechs am längsten dauernden Kinobesuchen 2020. Ebenfalls vorne mit dabei ist Quentin Tarantino mit seinem 160-Minüter «Once Upon a Time in Hollywood».

Der Animationsfilm

Rot: Anteil Animationsfilme (und -Kurzfilmblöcke) unter den gesehenen Filmen.

Von den 41 Filmen und Filmblöcken, die ich 2020 im Kino gesehen habe, handelt es sich bei nur gerade 12 um Animationsfilme. Mit einem Anteil von 29.2% sind die Animationsfilme schlechter vertreten als im Vorjahr (35.5%), doch auch bei der Unterstützung von Animation im regulären Kinoprogramm war ich dieses Jahr nicht gut unterwegs: Neun Tickets fallen aufs Trickfilmfestival Fantoche, einen Kurzfilmblock habe ich an den Solothurner Filmtagen gesehen und den verbleibenden Film, «Onward», habe ich ebenfalls nur an einer Pressevorführung gesehen. Nur für die «Oscar Nominated Shorts: Animation» habe ich 2020 Geld bezahlt – doch immerhin habe ich damit eine Sache unterstützt, die sehr erfreulich ist: Oscar-nominierte Kurzfilme sollten immer im Kino gezeigt werden.

Weibliche Regisseurinnen

Anteil gesehene Filme, die von Frauen gedreht wurden.

Auch mehr Werke von weiblichen Regisseurinnen zu sehen ist mir 2020 nicht wirklich gelungen. Wenn man die Kurzfilmblöcke, die ich dieses Jahr gesehen habe, nicht mitrechnet, habe ich mir 32 Filme angesehen. Nur bei sechs davon führte eine Frau Regie4. Das sind zwar 18.75% und somit schon mehr als im Vorjahr (14.2% bei 7 Frauen) – aber dass es trotzdem weniger und nicht mehr Frauen sind als 2019, von denen ich einen Film gesehen habe, ist nicht von der Hand zu weisen.

Zum Vergleich: Ich habe 2020 gleichviele James-Bond-Filme5 im Kino gesehen, wie Filme von weiblichen Regisseurinnen. Und das, obwohl gar kein neuer Bond-Film erschienen ist. Wenn ich das hinbekomme, sollte ich auch eine bessere Geschlechterverteilung bei den Regisseur*innen hinkriegen.

Was kostet das alles?

Durchschnittliche Ticketkosten in Franken.

Man könnte jetzt sagen: «Immerhin hast du 2020 auch weniger Geld ausgegeben.» Tatsächlich hätte ich in diesem Jahr aber gerne mehr Geld ausgegeben für die Kinobranche, der es nicht wirklich blendend geht. Meine Auslagen 2020 belaufen sich auf 267.00 Franken, weniger als noch 2019 (356.00 Franken). Immerhin wurde in diesem Jahr das durchschnittliche Ticket wieder teurer und kostet nun 6.51 Franken (2019: 5.55 Franken).

Das liegt dank Filmfestivals und Pressevorführungen noch immer deutlich unter dem durchschnittlichen Ticketpreis in der Schweiz (14.00-20.00 Franken). Teilt man die 267.00 Franken nur durch jene Vorstellungen, für die ich auch bezahlt habe, so ergibt sich ein durchschnittlicher Preis von 13.35 Franken, der dem Preis für ein Ticket hierzulande bereits ein bisschen näher kommt.

Meine Lieblinge

Ich habe 2020 viele Filme nicht gemocht. Mir gefiel das Kinojahr 2020 so sehr nicht, dass ich soviel Mühe wie noch nie hatte, meine zehn Favoriten zusammenzutragen.

2020 war das Jahr der enttäuschenden Lieblingsregisseure: «Tenet» war ein pseudointellektueller Brunz, «Jojo Rabbit» eine brutale Enttäuschung und ich kann mich noch nicht entscheiden, ob mich «Hillbilly Elegy» oder «Solo: A Star Wars Story» von Ron Howard mehr angeödet hat. Nein, 2020 bereitete mir filmisch wirklich keine Freude – auch die gestreamten Sachen wie «Soul» und «Mulan», denen ich lange entgegengefiebert habe, liessen mich kalt. Hoffen wir, dass 2021 auch in dieser Hinsicht besser wird.

Trotzdem, hier meine Lieblingsfilme 2020:
(Filme, die ich nicht im Kino gesehen habe,6 sind kursiv)

  1. «Knives Out» von Rian Johnson
  2. «The Farewell» von Lulu Wang
  3. «Onward» von Dan Scanlon (meine Filmkritik)
  4. «1917» von Sam Mendes
  5. «Josep» von Aurel
  6. «Hamilton» von Thomas Kail
  7. «Never Rarely Sometimes Always» von Eliza Hittman
  8. «Once Upon a Time in Hollywood» von Quentin Tarantino
  9. «Da 5 Bloods» von Spike Lee
  10. «80’000 Schnitzel» von Hannah Schweier

Was bringt 2021?

Einen Impfstoff und einen neuen Präsidenten in den USA, der die Situation wohl etwas ernster nimmt – und hoffentlich damit eine Entspannung der aktuellen Lage. Denn was in den USA passiert, hat immer auch Auswirkungen auf die hiesige Filmlandschaft. Filmisch bedeutet das, dass vielleicht ein Bond-Film erscheint, und mit ihm ein, zwei andere Blockbuster. Die kleineren Kinos haben derweil mehr Raum (und Luft) für weniger teure Produktionen, weshalb das Arthouse-Kino ebenfalls profitieren dürfte. Wenn das alles gut läuft, dann dürfte die 41-Filme-Marke im kommenden Jahr zu knacken sein. Und, wer weiss, vielleicht auch die Marke von 65 Filmen aus dem Vorjahr gleich mit?

Korrektur vom 3.1.2020: Ergänzung der «Oscar Nominated Shorts: Animation», die vergessen gingen.

Black Sea Dahu – Rhizome

Für die Schweizer Band Black Sea Dahu durfte ich ein animiertes Musikvideo zu ihrem Song «Rhizome» gestalten. Der Song erschien 2019 auf ihrer zweiten EP «No Fire in the Sand» und berührte mich vom ersten Augenblick an. Umso mehr freue ich mich, dass ich das Video zu diesem wunderschönen Stück umsetzen, und damit einen persönlichen Blick auf «Rhizome» werfen durfte. Das Video entstand mit Unterstützung von Migros Kulturprozent.

Danke auch an Géraldine Cammisar, Joel Hofmann, Aira Joana und Manuela Leuenberger, die bei der Animation mitgearbeitet haben.

«No Fire in the Sand» gibt es auf Spotify, Apple, Amazon, Deezer oder Bandcamp.

 

Mini-Mäskli

Wirst du bei der Billetkontrolle nicht erkannt? Wird die Alterskontrolle im Coop zum Stress? Kein Problem!

Zusammen mit dem Instagram-Account @masksofzurich habe ich eine Lösung entwickelt:
Mit unseren Mini-Mäskli-Aufklebern kannst du den Ausweis deiner Wahl problemlos anpassen, sodass man dich auch mit Maske erkennt.

Das Set mit 5 Mäskli-Klebern gibt‘s jetzt auf Support Your Local Artist.

30 unter 30

Alle paar Jahre kürt das Branchenmagazin Schweizer Journalist die besten 30 Talente im Schweizer Journalismus. Dieses Jahr befindet sich zum ersten Mal ein Karikaturist auf der Liste: Moi.

Ich freue mich sehr, dass ich mich heuer zu den «Besten 30 unter 30» zählen darf, und mich dabei erst noch in wunderbarer Gesellschaft befinde: Benjamin von Wyl, Oliver Fuchs oder die grossartige Claudia Schildknecht sind auch dabei. Auch die Shortlist ist hochkarätig besetzt mit den talentierten Linda Koponen und Thi My Lien Nguyen.

Die ganze Ausgabe gibt es hier zum Bestellen oder Downloaden. Eine Auswahl meiner Arbeiten für die Zürichsee-Zeitung gibt es hier.

Pas à Paris

Lockdown! Die Paris-Reise fällt ins Wasser. Also reisen Vera Frasson und ich zeichnerisch in die Stadt der Lichter – zusammen teilen wir auf sozialen Medien unsere Erlebnisse einer Reise die nur in Gedanken stattfand.

Das gibt es jetzt auch als Heftli: «Pas à Paris» sammelt meine Reisecomics. Gibt’s im Machaon-Shop.

Foglä ist jetzt online

Mit der kurzen, erotischen Satire «Foglä» habe ich 2017 mein Studium an der Hochschule Luzern mit dem Bachelor in Animation abgeschlossen – nun ist der Film online.

Die schwarze Komödie wurde im Sommer 2018 im Short Film Corner des Filmfestivals in Cannes gezeigt und konnte sich auf der Festivaltournee auch zwei Preise sichern: In Spanien am Erotic & Bizarre Art Film Festival gewann «Foglä» den Preis für den besten Trickfilm und an den Los Angeles Film Awards wurde der Komponist Jan Willem de With für seinen beschwingten Big Band-Soundtrack ausgezeichnet. Die Musik kann man übrigens auf Spotify oder Apple Music anhören.

Kinostatistik 2019

Or the lack there of. 2019 war nicht nur in kinobesuchstechnischer Hinsicht ein ernüchternder Jahrgang, sodass ich versucht war, die Kinostatistik heuer ausfallen zu lassen. Letzten Endes habe ich mich doch noch aufgerafft und präsentiere die Kinostatistik meines 2019 – und weil ich auch gleich die letzten 10 Jahre berücksichtigt habe, blicke ich dadurch auch gleich auf das vergangene Jahrzehnt zurück.

Die vergangenen Ausgaben findet ihr alle hier: 2018201720162015

Anzahl Kinobesuche


Nur gerade 65 Mal war ich 2019 im Kino – das ist nicht nur der schlechteste Wert seit 2011 (63 Besuche), sondern auch im Vergleich zum Vorjahr (138 Tickets) ein Rückgang von über der Hälfte. Woran das liegt? Es spielen hier verschiedene Gründe mit: Einerseits eine schwierige persönliche Situation, gekoppelt an einem arbeitsintensiven Herbst. 2019 ging es für mich beruflich vorwärts, was aber auch bedeutete, dass mir wenig Zeit für Kino blieb. Eine Kostprobe gefällig? Zu den Filmen, für die es im vergangenen Jahr nicht gereicht hat zählen «Once Upon a Time in Hollywood», «Frozen II» und… «Star Wars: The Rise of Skywalker». Wahnsinn. So retten wir das Kino also sicher nicht…

Der Durchschnitt des letzten Jahrzehnts wird dadurch gleich um 4 Kinobesuche gesenkt und liegt neu bei 104 Tickets (im Vorjahr lag er noch bei 108.333). Immerhin: Überboten habe ich diesen Durchschnittswert in den letzten 10 Jahren nur dreimal nicht, was Hoffnung für 2020 macht.

Monatsvergleich

65 Kinobesuche, das sind fast gleichviele Filme wie ich 2018 alleine in zwei Monaten (September und Oktober, insgesamt 64) geschaut habe. September und Oktober sind Jahr für Jahr die auffälligsten Monate, da in diese Zeit das Fantoche und Zurich Film Festival fallen und ich somit viel Zeit im Kino und vor der Leinwand verbringe und ein dicht gedrängtes Programm habe.

Das ist auch 2019 nicht anders – mit insgesamt 34 Kinobesuchen machen die beiden Herbstmonate über die Hälfte all meiner Tickets aus. Einen leeeeeeeeichten Kontrast dazu bilden November und Dezember mit keinem, respektive nur einem einzigen Kinobesuch. Richtig gelesen, im November war ich kein einziges Mal im Kino. Ein Monat ohne Kino, das gab es in den letzten fünf Jahren noch nie.

Vergleicht man die einzelnen Monate dieses Jahres mit den Durchschnittswerten seit 2015 (man ist ja masochistisch veranlagt), dann ergibt das ein interessantes Bild: Bis im Juni war ich vergleichsweise nicht einmal so schlecht unterwegs und hinkte dem Durchschnitt nur leicht hinterher. Aber spätestens ab den Sommermonaten nahm die Differenz zwischen den Monaten und dem Mittelwert deutlich zu, was dann auch das deutlich schlechtere Resultat erklärt.

Nummer 1000

2019 gab es auch Erfreuliches! Mein 1000. Kinobesuch war am 31. Juli 2019 – «Rocketman» im Allianz Cinema in Zürich. Taron Egerton und Elton John unter freiem Himmel, so muss das sein. Einer meiner Lieblingsfilme des Jahres für das Jubiläum, das passt für mich ganz gut.

Tatsächlich gibt es aber auch an diesem Wert etwas zu mäkeln. Denn nach meiner Prognose im Vorjahr hätte dieser 1000. Kinobesuch bereits am 8. März 2019 erfolgen sollen. Ausgehend vom Jahreswert von 2018 (138 Kinotickets) berechnete ich, wie lange es dauern würde um die verbleibenden Tickets bis zum 1000. Kinobesuch zu lösen. Als hätte ich es nicht eh schon gewusst, bestätigt das einmal mehr, dass ich 2019 langsamer war im Filmeschauen als 2018.

Nun muss ich auch meine weiteren Prognosen natürlich anpassen, denn ich hatte in der Kinostatistik 2018 auch berechnet, wann ich mein 1200., 1500. und mein 2000. Ticket lösen werde. Da ich das aktuelle Jahr aber nicht als Richtwert für meinen Kinokonsum verstehen möchte, berechne ich dies nicht mit dem 2019-Jahreswert, sondern verwende dabei den gesamten Durchschnitt der letzten 10 Jahre. Wenn man nun mit dem angepassten Wert von einem Kinobesuch alle 3.51 Tage1 ausgeht, dann ergeben sich folgende Termine für die angestrebten Jubiläen:

1200. Kinobesuch am 18. Juli 2021
1500. Kinobesuch am 5. Juni 2024
2000. Kinobesuch am 26. März 2029

Während für den 18. Juli 2021 gleich zwei Kinostarts bekannt sind («Space Jam 2» und «Spider-Man 3»), sind die anderen Daten noch zu weit in der Zukunft, um schon ausmachen zu können, auf welchen Film das Jubiläum dort fallen könnte. Ist vielleicht auch besser so, wenn ich wüsste, was das kommende Jahrzehnt filmtechnisch bringt, sieht man mich am Ende gar nie mehr im Kino…

Mehrfachsichtungen

…gab es, Wunder oh Wunder, gleich ein paar im vergangenen Jahr. Satte drei Sichtungen gab es für mich für «Joker», den ich offensichtlich sehr gelungen finde und eigentlich gerne noch öfters sehen würde. Je zweimal geschaut habe ich «Avengers: Endgame» von den Russo Brothers, «The Dead Don’t Die» von Jim Jarmusch, «Rocketman» von Dexter Fletcher und «Die fruchtbaren Jahre sind vorbei» von Natascha Beller.

Wenig Einfluss hat das auf meine All-Time-Charts, aber immerhin rauscht ein Film auf den dritten Platz. «SkyFall» habe ich dieses Jahr zum fünften Mal auf grosser Leinwand gesehen. Der Film hätte bereits im Vorjahr auf der Liste auftauchen müssen, ging jedoch vergessen – ein Blick in meinen Letterboxd-Account bestätigte mir aber, dass ich den Film tatsächlich schon fünf Mal gesehen habe.

  1. Star Wars: Episode VII – The Force Awakens (8 Sichtungen)
  2. The Dark Knight Rises (6 Sichtungen)
  3. The Dark Knight, Mad Max: Fury Road, SkyFall (5 Sichtungen)
  4. Inception, The Avengers, Jurassic World, Monsters University, Spectre (4 Sichtungen)

Niemand gewinnt… ausser den Russos

Eine Folge dieses lausigen Jahrgangs ist, dass ich (mit einer einzigen Ausnahme) von keinen Regisseur*innen mehrere, verschiedene Filme gesehen habe. In der vorherigen Jahren war ich auch schon mal für Hayao Miyazaki siebenmal oder für Steven Spielberg achtmal im Kino. In diesem Jahr gab es nur gerade von einem Regie-Duo zwei verschiedene Filme für mich – als Double Feature habe ich im April beide «Avengers»-Filme der Russo Brothers im Kino gesehen.

Laufzeit

Im vergangenen Jahr verbrachte ich 6957 Minuten im Kino – das sind 115.95 Stunden, 4.8 Tage oder zwei Artikel der Republik. Wenn man die deutlich kürzeren Kurzfilmblöcke, die ich 2019 gesehen habe, nicht mitzählt, so kommt man auf eine durchschnittliche Laufzeit von 113 Minuten und 20 Sekunden pro Film. Das sind 100 Sekunden weniger als noch im Vorjahr (115 Minuten) – was sehr lobenswert ist. Meine Vorliebe für kurze Filme, die die Zwei-Stunden-Marke unterschreiten habe ich an dieser Stelle ja zu Genüge kundgetan.

Der Animationsfilm

Als Animator interessiert es mich natürlich auch, wie es um den Anteil animierter Filme in meiner Jahresliste steht. Und auch wenn ich 2019 einige Filme verpasst habe («Frozen II» und so ziemlich jeden Animationsfilm mit einem Yeti in der Hauptrolle2 ), so ist mein Jahreswert 2019 zumindest was den Trickfilm betrifft ganz ordentlich.

23 Animationsfilme (und -Filmblöcke) habe ich im vergangenen Jahr gesehen, was bei 65 Filmen einen Anteil von 35.3 Prozent macht. Das ist gegenüber dem Vorjahr (24.6%) eine Steigerung von satten 10.7 Prozent und ein Rekordwert – gleichzeitig waren es 2019 aber deutlich weniger Animationsfilme als im Vorjahr (2018: 34 Filme).

Das Geschlechtergefälle

Künftig möchte ich hier aber auch die Verteilung in anderen Bereichen genauer betrachten und schauen, wie divers mein Filmkonsum ist. Eine Frage, die sich längst aufdrängt, ist, wie gross der Anteil von Filmen weiblicher Regisseurinnen in meinem Filmjahr ist, und leider präsentiert sich diese Zahl so ernüchternd, wie man erwartet.

Wenn man die ganzen Kurzfilmblöcke weglässt, war ich 2019 56 Mal für einen Langfilm im Kino. Nur gerade acht dieser Kinotickets wurden für Filme, die von Frauen gedreht wurden, gelöst. Dazu kommt, dass ich einen Film zweimal gesehen habe, und es somit nur sieben verschiedene Filme3 sind. Bei «Captain Marvel» teilte sich Regisseurin Anna Boden den Regiestuhl zudem mit einem Mann. Acht Tickets auf 56 Filme, das sind gerade einmal 14.2 Prozent – ein Wert, den es 2020 zu knacken gilt.

Kosten

Weniger Kinobesuche bedeutet auch mehr Geld für mich: 2019 habe ich fürs Kino insgesamt 356.00 Franken hingeblättert, das ist fast halb soviel wie im Vorjahr (692.10 Franken). Wenn man das auf die 65 Tickets runterrechnet, habe ich pro Kinobesuch 5.55 Franken bezahlt. Damit habe ich in diesem Jahr im Schnitt 55 Rappen mehr bezahlt als 2018 (5.00 Franken).

Das liegt weiter unter dem durchschnittlichen Ticketpreis, und liegt daran, dass ich auch 2018 oft an Pressevorführungen und Vorpremieren war, für die ich nichts bezahlt habe. Tatsächlich habe ich nur gerade 21 Mal für einen Kinoeintritt bezahlt. Wenn man nur diese Tickets berücksichtigt, so ergibt sich ein durchschnittlicher Ticketpreis von 16.95 Franken, der wieder viel näher an den Preisen liegt, die wir uns gewohnt sind.

Ein gebrochenes Herz auf Instagram

Dieser Text ist erstmals am 21. November 2019 in der Online-Ausgabe der Annabelle erschienen.

Ich wurde verlassen. Vor nicht allzu langer Zeit, und völlig unerwartet. Die Trennung kam an einem Punkt, an dem wir grad damit begonnen hatten, zu zweit Pläne zu schmieden, uns allmählich eine gemeinsame Zukunft auszumalen. Die Vorstellung, zusammen eine Familie zu gründen – plötzlich nicht mehr so absurd. Jetzt, im Nachhinein denke ich, dass vielleicht nur ich mit diesen Gedanken gespielt habe. Oder zumindest war für mich alles viel konkreter – und jetzt stand ich ganz alleine da und las die Scherben zusammen. Meine Welt stand plötzlich Kopf, und ich versuchte verzweifelt, irgendwie auf den Beinen zu bleiben – hoffnungslos. Noch nie hatte ich so intensiv geliebt, entsprechend hatte ich auch noch nie so intensiv gelitten. Obwohl ich schon früher Trennungen und Schicksalsschläge überwinden musste, war nichts vergleichbar mit diesem unbändigen Schmerz, der nun in mein Leben trat. Es war, als ob meine zuvor noch bunte und heile Welt in einen hässlichen Grauton getaucht wurde. Wenn mir Freunde rieten, jetzt Dinge zu unternehmen, die mir Spass machen, so wusste ich beim besten Willen nicht, was das sein könnte. Nichts ergab mehr einen Sinn.

Gleichzeitig stellte ich fasziniert fest, wie alltäglich so ein Erlebnis eigentlich ist. Und wie unspektakulär etwas, das für mich so eindringlich ist, für andere sein kann. Denn während für mich eine Welt zusammenbrach, schien sie sich für alle anderen ganz normal weiter zu drehen. Der Alltag nahm seinen Lauf, der Bus war morgens so überfüllt wie am Tag davor und der Brexit war noch immer nicht vollzogen. Zu merken, dass mein Drama auf das Weltgeschehen keinerlei Einfluss hatte, tat offen gesagt schon ein bisschen weh, es nahm dem Ganzen aber auch die Macht. Das Wissen um die Alltäglichkeit meiner Situation gab mir Hoffnung, dass sich, auch wenn es mir im Augenblick unwahrscheinlich erschien, meine Gefühle irgendwann ändern könnten. Und ich wieder – man möge mir an dieser Stelle den Kitsch verzeihen – glücklich sein könne.

Ich versuchte darüber zu reden, aber auch das fiel mir schwer. Ich merkte: Mit Verlassenen tut sich die Gesellschaft schwer. Man will nichts Falsches sagen, klar. Und doch kam mir der Umgang so ungelenk vor. Ich suchte ja gar nicht nach Weisheiten oder einer Lösung. Ich wollte den Schmerz nicht weggeredet bekommen, es ging mir vielmehr darum, einfach mal erzählen zu können. Doch genau das geht meiner Meinung nach oft vergessen. In mir kämpften plötzlich so viele verschiedene Emotionen darum, gehört zu werden. Die Wut, die Trauer, die Einsamkeit und auch die Liebe wechselten sich im Minutentakt ab. Und ich? Ich wollte mir sie einfach nur von der Seele schreien. Oder von der Seele zeichnen.

Ich bin Künstler, das Zeichnen ist nicht nur mein Beruf, es ist auch meine Art, mich auszudrücken. Und so nahm ich eines Abends den Stift in die Hand und erzählte in einem Comic, was mir widerfahren war, und wie es mir damit ging. Ich merkte, dass es mir guttat, zu erzählen. So entstanden immer mehr kurze Geschichten über meine Versuche, wieder auf die Beine zu kommen. Das Zeichnen war mein Weg, schrittweise die Kontrolle darüber, was mit mir passiert, zurückzuerlangen und zu entscheiden, wie meine Geschichte erzählt wird. Was darin vorkommt – und was nicht. Ich entschied, meine Comics auf Instagram zu teilen. Warum ich das tat, kann ich nicht abschliessend sagen. Ich weiss nur, dass es sich richtig anfühlte, offen mit meinen Emotionen umzugehen – erst Recht auf Instagram, dieser Plattform, auf der man sich stets erfolgreich und schön zeigt, glücklich und unbeschwert.

Wenn man sich exponiert, lassen die Reaktionen nicht lang auf sich warten. Es gab viele positive und ermutigende Stimmen. Der Schwall der Liebe, der über mich hereinbrach, tat einfach nur gut. Hin und wieder hörte ich von Leuten, die sich von meinen Geschichten verstanden fühlten oder die fanden, dass sie diese Erzählungen berührten. Das bestärkte mich. Es gab es aber auch jene Stimmen, die meine Art, offen mit meinem Trennungsschmerz umzugehen, kritisierten. Heftige, fast schon vorwurfsvolle Reaktionen, die mich bisweilen auch meine Arbeit hinterfragen liessen. Ich habe schliesslich kein Interesse daran, jemanden zu verletzen oder Mitleid zu erzwingen. Am meisten fiel mir allerdings auf, wie oft ich gefragt wurde, ob eine solche Geschichte wirklich an die Öffentlichkeit gehöre und ob man sich denn wirklich so verletzbar zeigen dürfe. Mir fiel auf, dass mich das vor allem Männer fragten, ich weiss nicht, woran das liegt. Denn für mich ist das auch als Mann eine Frage, die ich mir nie gestellt habe. Ich habe nicht gelernt, Emotionen in mich hineinzufressen – und das will ich auch gar nicht erst lernen. Für mich ist ein ehrlicher Umgang mit Gefühlen enorm wichtig. Nicht anderer Leute wegen, sondern für mich selber. Vielleicht stehe ich damit schräg in der Landschaft. Damit muss ich leben können, denn ich will mich davon nicht abhalten lassen, auf mich selber Rücksicht zu nehmen. Und wenn es im Augenblick eine Person gibt, die weiss, was mir gut tut, dann bin das ich.

Das Making-Of zu «Roar»

Zwei Trickfilmstudenten, zwei Saurier, achtundvierzig Stunden und am Ende steht ein kurzer Film: «Roar» erzählt die Geschichte eines gemütlichen Dinos, der sich gegen einen fiesen Widersacher beweisen muss. Der einminütige Kurzfilm von Ramón Arango und mir, der am Filmfest Bremen mit dem Preis für den besten animierten Kurzfilm ausgezeichnet wurde, ist jetzt online.

Die erste Idee zu «Roar» entstand vor ziemlich genau vier Jahren, als wir im zweiten Jahr unseres Bachelorstudiums an der Hochschule Luzern ein angewandtes Animationsprojekt mit einem Kunden umsetzen sollten. Für Cartoon Network entwickelte ich eine Idee für einen superkurzen Ident über zwei streitende Dinosaurier. Die Geschichte schaffte es damals jedoch nicht über den Pitch hinaus und landete in der Folge wieder in der Schublade. Stattdessen setzte ich zusammen mit Kerstin Zemp und Isabella Luu ein anderes Projekt für das Studio um.

Erste grobe Storyboardskizze zum Film

Eine Bieridee

Ein Jahr später: Ramón Arango und ich sitzen spätabends in der Gewerbehalle in Luzern bei unserem vermutlich nicht ersten Bier. Ramón, der die Idee über die beiden Dinos schon damals toll fand, schlägt vor, sie auf eigene Faust als Kurzfilm umzusetzen. Und nicht nur das: Der Film soll an einem einzigen Wochenende entstehen. Nicht zuletzt dank sehr wenig Schlaf und viel Koffein gelingt es uns, in 48 Stunden einen kurzen Dinofilm zu basteln. Einen Einblick in unseren Gemütszustand gibt dieses Making-Of:

Das Ziel ist es, der ursprünglich für einen zehnsekündigen Spot angedachten Geschichte etwas mehr Substanz zu verleihen, ohne dabei das Projekt unnötig aufzublasen. So entsteht ein etwas mehr als einminütiger Kurzfilm, der in nur wenigen Aspekten von der Originalidee abweicht.

Stimmen und Musik

Es dauert aufgrund unserer Abschlussarbeiten noch einmal ein halbes Jahr, bis die noch stummen Dinosaurier schliesslich ihre Stimmen bekommen. Eingesprochen werden die Dinos von Ramón und mir und dank Benjamin Lüthold und Thomas Gassmann bekommt der kurze Film auch eine schicke Geräuschekulisse. Unser guter Freund Jan Willem de With sorgt mit seinem wunderbar cartoonigen Orchestersoundtrack zudem für die perfekte musikalische Untermalung. Die Musik wurde im Sommer 2017 von einem Orchester an der Zürcher Hochschule der Künste live eingespielt.

Mit Jan setzte ich 2017 übrigens auch die Musik zu meiner Vögelsatire «Foglä» um – Jan wurde für seinen beschwingten Soundtrack an den Los Angeles Film Awards in diesem Jahr mit einem Preis für die beste Musik ausgezeichnet. Und weil aller guter Dinge drei sind, wird Jan auch die Musik zu «Jurassic Ark» schreiben, der Quasi-Fortsetzung zu «Roar», an der Ramón und ich seit einigen Monaten sitzen. Der Film, den wir ebenfalls an einem Wochenende initiiert haben, wird im kommenden Jahr erscheinen und stellt die Frage, was gewesen wäre, wenn die Dinos von ihrem tragischen Schicksal gewusst hätten.

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