Update: September 2017

Der September wird (zumindest für mich) ziemlich hektisch. Ich habe mir darum für einen kurzen Augenblick überlegt, einen Newsletter einzurichten, um diejenigen die wollen, auf dem Laufenden zu halten. Dann habe ich aber beschlossen, dass das auch ein bisschen doof ist, vorallem wenn man mit dem Blog eigentlich schon ein optimales Tool dafür hat.

(Falls dennoch das Bedürfnis nach einem Newsletter besteht darf man das an dieser Stelle natürlich gerne äussern.)

Festivals

Heute startet in Baden das Animationsfestival Fantoche, das bis am 10. September läuft. Wie immer wird das auch dieses Mal eine tolle Sache, nicht zuletzt, weil ich enger involviert bin als je zuvor. Meine Filme laufen zwar leider nicht im offiziellen Programm, und ich bin auch überhaupt nicht böse oder traurig oder verletzt oder desillusioniert oder so deswegen. Wer Mitleid mit mir hat: Im Festivalshop gibt’s Postkarten und Bücher von mir.

Dieses Jahr moderiere ich einige Filme und Wettbewerbe an und leite am Industry Day am Freitag zwei Talks über Animation & Games und Schulsysteme, was sicher sehr spannend sein wird. Das Fantoche ist zudem auch mein erster Gig für Maximum Cinema, wo ich künftig Co-Autor sein werde und über das Festival berichten werde. Mein erster Beitrag ging vor ein paar Tagen online. Was das für Owley.ch als Filmblog bedeutet, weiss ich noch nicht genau, im Moment lasse ich das noch offen, ich habe aber einige Ideen im Hinterkopf.

Am diesjährigen Zurich Film Festival (28. September – 8. Oktober) werde ich übrigens auch vor Ort sein und über die Filme schreiben. Bisher ist das Programm noch ein bisschen mager, einzig der Eröffnungsfilm «Borg vs McEnroe» reizt mich, aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass da noch mehr kommt.

Meine Filme in Luzern

Mein Abschlussfilm «Foglä» ist schon länger flügge – seine Premiere wird er am 13. September anlässlich des Luzerner Kurzfilmabends im Poolkino im Neubad Luzern feiern. Ich könnte nicht glücklicher sein, dass er ausgerechnet im coolsten Kino von Luzern zum ersten Mal seine Beinchen Flügel spreizen wird, und dann erst noch in Gesellschaft von grossartigen Filmschaffenden wie Sara Stäuble und Matteo Gariglio. 

Ebenfalls nach Luzern kommt mein anderer Film, «Machen Sie sich Notizen wenn Sie wollen». Der Experimentalfilm läuft nach mehreren Screenings in Nordamerika zum ersten Mal in der Schweiz. Am 22. und 23. September ist der Film im Wettbewerb des kleinen aber feinen Upcoming Filmmakers im Bourbaki. Der Film läuft dort im Filmblock 2.

In der Zwischenzeit habe ich die ersten Arbeit an einem neuen Filmprojekt aufgenommen – mehr dazu zu einem späteren Zeitpunkt…

Picture my Day Day #23

Traditionen muss man pflegen, und so auch diese: Einen bestimmten Tag im Jahr fotografisch festhalten, egal wie öde oder spektakulär es zu- und hergeht. Ausgerufen dazu hat diesmal Nils und ich bin dem Ruf ehrenhaft gefolgt, zum persönlichen sechzehnten Mal. Diesmal war es nicht wirklich spektakulär, ausser Aufräumen, Kuchen backen und einem Konzert am Abend.

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2017 bringt Foglä & Roar

Kleines Update: In wenigen Stunden schliesse ich mit meinem kunterbunten Vögelabenteuer Foglä mein Bachelorstudium an der Hochschule Luzern ab. Der Film hat mir viel abverlangt – ich sitze seit rund einem Jahr an dieser Idee (und habe die Arbeit dazu auch auf meinem Production Blog dokumentiert) und habe mein Privatleben zum Schluss schon ein bisschen vernachlässigt. Nun gilt es, sich zurückzulehnen und zu schauen, wie sich der Film in der grossen weiten Welt schlägt.

An einem Wochenende im November ist mit Roar zudem noch ein zweiter kurzer Film entstanden. Quasi die jugendfreie Alternative zu Foglä, erzählt dieser Film vom Streit zweier furchteinflössender Dinos. Den Film habe ich zusammen mit Ramón Arango gemacht und ich hoffe, ihr habt ebensoviel Spass wie wir bei der Arbeit.

Picture my Day Day #22

Auch wenn es hier in den letzten Monaten ziemlich ruhig wurde, lasse ich es mir natürlich nicht nehmen, am Picture my Day Day teilzunehmen und einen Tag lang alles, was ich mache, fotografisch festzuhalten. Das Datum für die 22. Ausgabe ausgesucht hat heuer Guddy, und dass es genau Ostern trifft, ist natürlich kein Zufall. Bei mir ging es an diesem Sonntag aber überhaupt nicht ostermässig zu und her – dafür hat mich mein Abschlussfilm zu fest in der Hand. Anstelle von Ostereiern gibt es Fotos vom Ausgang, Schnappschüsse meines Arbeitsplatzes und erstaunlich viel Bus- und Zugfahrt.

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Winterthur ist Cupsieger

Am Samstag traten die Basketballerinnen des BC Winterthur zum Schweizer Cupfinal an – den sie mit 61:59 gegen das favorisierte Fribourg für sich entschieden. Herzliche Gratulation an das ganze Team – und speziell auch an meinen Buddy Roger, der die A-Teams des BCW als Athletic Coach betreut. Umso mehr fühle ich mich natürlich geehrt, diese Mannschaft zu meinen Clients zu zählen

Disney und sein „gayest film ever“

„Einen entscheidenden Augenblick für Disney“ nannte Matt Cain, Herausgeber des Gay-Magazins Attitude die Entscheidung des Studios, der von Josh Gad verkörperten Nebenfigur LeFou in der Realverfilmung von Beauty and the Beast einen schwulen Subplot zu verleihen. Tatsächlich rieb man sich in Filmkreisen die Augen, als man las, dass sich ausgerechnet der erzkonservative Mickey-Mouse-Konzern plötzlich offen für Homosexualität oder generell LGBT-Themen ausspricht.

Der letztjährige Zootopia ist zwar ein klares Statement für Diversität – aber in erster Linie in Bezug auf die Rassenthematik, Fragen zu LGBT-Themen lässt der Film aussen vor. Wenn es um diese Themen geht, dann tat sich Disney schon immer eher schwer. Immerhin: Erste Andeutungen in diese Richtung gab es schon in Frozen. Wer wollte, konnte in Elsas Angst, zu ihren Kräften zu stehen, eine entsprechende Metapher für ein Coming Out erahnen – aber eben nur erahnen. Ein klares Statement in dieser Frage war von dem Studio, dessen Chefs die Trump-Präsidentschaft für eine gute Sache halten, auch gar nicht zu erwarten. Schön also, dass uns Disney mit seiner Offenheit und Toleranz überrascht und Mut zeigt, oder?

Leider nicht.

Meiner Meinung nach ist dieser LeFou-Moment sogar das komplette Gegenteil dessen, was Disney behauptet, damit erreichen zu wollen.

Bill Condon, der Regisseur des Remakes erzählt im grossen Attitude-Artikel, dass LeFou „verwirrt ist darüber, was er möchte“. Das klingt noch nicht sehr konkret – im gleichen Ton geht es weiter. Condon beschreibt den kleinen, dicken Sidekick als “jemand, der erkennt, dass er gewisse Gefühle hat.“ Der Schlüsselmoment für LeFou in Beauty and the Beast, die für den Regisseur alles klar macht, ist eine Szene am Schluss, in der er mit einem anderen Mann tanzt und ihm einen eindringlichen Blick zuwirft. Als „schönen, exklusiv schwulen Moment“ bezeichnet der Regisseur diese Szene – und genau da liegt mein Problem mit dieser Rhetorik: Ein eindringlicher Blick macht noch keine Homosexualität, genauso wie man vom Küssen nicht schwanger werden kann.

Wenn Disney möchte, dass es in ihrem Film einen homosexuellen Charakter hat, dann sollen sie ihn gefälligst auch so inszenieren. Wenn ich erst durch den erweiterten Kontext (also in diesem Fall durch einen Beitrag in einem Magazin) erfahre, dass LeFou schwul ist, dann ist das bestenfalls Fanfiction. As far as I’m concerned, gibt es keinen Grund für mich zu glauben, dass LeFou homosexuell ist – genausowenig wie ich im Film das Gefühl bekomme, dass der Grundschullehrer oder der Bäcker schwul sein könnten.

„Aber Owley, warum wehrst du dich dagegen?“
„Dann ist es eben subtil, tut doch keinem weh!“
„Lieber ein angedeuteter Moment, als gar keiner!“

Natürlich finde ich jeden Schritt in die richtige Richtung begrüssenswert. Und ich bin auch nicht extrem überrascht, dass Disney noch keine grossen Schritte wagt. Aber ich werde das Gefühl nicht los, dass dieser LeFou-Moment aus den falschen Beweggründen geschah – und damit die gesamte LGBT-Bewegung verhöhnt.

Oder anders formuliert: Was passiert, wenn sich ein Familienkonzern wie Disney offen für Homosexualität ausspricht? Richtig, in konservativen Kreisen folgt ein massiver Shitstorm. So auch geschehen: Gewisse Kinos beschlossen, den Film nicht zu zeigen. In Russland wurde Beauty and the Beast sogar erst ab 16 freigegeben. Wäre das passiert, wenn Bill Condon nicht bewusst auf diesen „Moment“ hingewiesen hätte? Wohl kaum.

Es ist nicht so, als ob Bill Condon zufälligerweise in einem kleinen Interview nebenbei erzählt hätte, dass LeFou vielleicht schwul sein könnte. Nein, dieses „Coming Out“ geschah in einem Gay-Magazin. Das Beauty and the Beast – und speziell die Homosexualität von LeFou – zur Coverstory hatte. Und das den Film mit „Disney’s gayest film ever“ anpries. Deutlicher geht’s nicht. Das ist pures Marketing, ein bewusster Schachzug, der garantiert Reaktionen folgen lässt. Ganz nach dem Motto „any press is good press“. Dafür verleiht man mal eben, ohne grossen erzählerischen Aufwand – und auch ohne vor den konservativen Anlegern das Gesicht zu verlieren, weil es ja nichts Eindeutiges ist – einer Nebenfigur eine angebliche sexuelle Orientierung, und fertig ist der Skandal. Hässlicher geht’s kaum.

Disney in diesem Kontext also als mutig oder progressiv darzustellen, ist blanker Hohn. Wenn überhaupt, dann ist dieser Missbrauch ernstgemeinter Anliegen und die Verhöhnung des Rufs nach mehr sexueller Diversität in Blockbustern ein Rückschritt. Und ein Zeichen, wie weit das Studio noch davon entfernt ist, solche wichtigen Themen respektvoll und würdig umzusetzen.

Sollte es Disney irgendwann gelingen, seine alten und verstaubten Wertvorstellungen abzuschütteln, so wird bestimmt nicht Beauty and the Beast der Film sein, der diese Wende eingeläutet hat.

FOGLÄ Produktionsblog

In den letzten Monaten habe ich ja immer wieder von meinem Abschlussfilm erzählt, inzwischen ist bereits die eigentliche Produktionsphase meines dreiminütigen Animationskurzfilms FOGLÄ angelaufen. Dazu habe ich einen Produktionsblog eingerichtet, auf dem ich in den nächsten Monaten laufend über die Arbeit am Film berichten werde. Viel Spass beim Lesen 🙂

Geschichte einer missverstandenen Karte.

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Mein Grosspapi war Grafiker und Illustrator und ist für mich bis heute eine der wichtigsten Inspirationen in meinem Schaffen. Bis zu seinem Tod pflegte er die Tradition einer selbstgestalteten Weihnachtskarte, die in seinem breiten Baseldytsch immer irgendein Geschehen des zu Ende gehenden Jahres aufgriff. Im letzten Jahr vor seinem Tod kam er zu mir und bat mich, mit ihm zusammen die Karte zu gestalten. Ich wusste da nicht wirklich, warum ausgerechnet ich ihm in seine Zeichnung pfuschen sollte, doch um seine Sehkraft stand es so schlecht, dass er die Karte nicht alleine fertigstellen konnte. Also setzte ich seine Idee um. Nach seinem Tod beschlossen wir in der Familie, dass ich die Tradition weiterführen sollte, was mir zu Beginn enorme Schwierigkeiten bereitete, schliesslich wollte ich ihm gerecht werden, aber auch mich selber sein können.

Dieses Jahr stand meine dritte eigene Weihnachtskarte an, die ich bereits im Sommer ausarbeitete, da ich schon dann ahnte, dass 2016 von einem Thema geprägt werden würde, um das ich wohl kaum herumkommen würde: Dem orangen Wüterich. Ich hatte die Idee eines Weihnachtsmannes, der mit seinem Esel eigentlich gerne in den USA Geschenke verteilen möchte, aber jetzt leider vor einer Mauer ansteht. Simpel, on point und zeitgemäss. Was konnte da schon schiefgehen? Entsprechend stolz wartete ich also Mitte Dezember auf die Reaktionen auf meine Karte, die meine Familie und ich immerhin dutzendfach verschickten. Doch die Reaktionen blieben aus. Erst als wir nach den Festtagen die ein oder andere Person darauf ansprachen, erfuhren wir, dass nicht Undankbarkeit der Grund für die ausbleibenden Reaktionen waren – sondern Verwirrung.

Mir war etwas passiert, was für einen Karikaturisten der Super-GAU ist: Im Versuch, das Bild so stark herunterzubrechen wie möglich und es auf das Minimum zu reduzieren, habe ich den Bogen überspannt. Die Illustration war nicht mehr lesbar, der Witz dadurch verloren. Das entscheidende Element dürften vermutlich die drei Buchstaben an der Mauer gewesen sein. Ich mag es ja, wenn ein Logo oder Textelement nur angeschnitten gezeigt wird, und es nach einem nebensächlichen Element aussieht, das aber eigentlich ganz entscheidend ist. Dazu muss es aber noch genug erkennbar sein, um unmissverständlich zu sein. Und genau da hatte ich versagt. Die Buchstaben, die eigentlich den Anfang des Namens TRUMP bilden sollten, ergaben durch den unglücklichen Anschnitt das neue Wort TRI – wer ohnehin schon verwirrt war, wurde dadurch nur noch zusätzlich verwirrt.

Anstatt mich jetzt über die nicht ganz gelungene Karte aufzuregen, will ich die lieber herausfinden, was schief lief, um es beim nächsten Mal besser zu machen. Dabei habe ich zwei Dinge gelernt: Jedes Element des Bildes muss 100% unmissverständlich sein, so reduziert es auch sein mag. Nur noch ein Buchstaben mehr hätte vermutlich gereicht. Eine weniger perspektivische und deutlicher als solche erkennbare Mauer. Das Zweite, was ich unterschätzt habe, ist das Testen. Gerade bei Karikaturen bietet es sich an, diese an Publikum zu testen. Wenn ich unsicher bin, teste ich eine Idee, indem ich sie einer fremden Person vorlege, die nicht in den Prozess involviert war. Die Reaktion ist immer ehrlich und unverfälscht. Hier habe ich das nicht getan, sondern nur mit Leuten besprochen, die bereits die ursprüngliche Idee kannten.

Trotz allem bin ich mit meiner Karte zufrieden. Die Illustration gefällt mir und auch die ursprüngliche Idee finde ich noch immer witzig. Und so hoffe ich, dass sie – Verwirrung hin oder her – auch manchem Emfpänger Freude bereitet hat.

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