Kinostatistik 2017

Zum dritten Mal werfe ich einen statistischen Blick auf mein Kinojahr. Schnappt euch einen heissen Punsch oder eine Tasse Kakao und erfahrt, welch‘ wichtige Ereignisse mein Kinojahr 2017 prägen.

Anzahl Kinobesuche

Mein persönliches Kinojahr 2017 begann gleich, wie 2016 aufgehört hatte: Mit erschreckend wenigen Kinobesuchen ging es auch im neuen Jahr weiter, was vorallem meiner Bachelorarbeit geschuldet war. Betrachtet man nur die zehn Monate, in denen ich an meinem Abschlussprojekt sass (Ende September 2016 – Juni 2017) betrachten, so kommt man auf 52 Kinobesuche. Das sind 5.2 Kinobesuche pro Monat. Auf ein Jahr hochgerechnet ergäbe das 62.4 Kinobesuche. Nur 2010, als ich gerade einmal 33 Kinobesuche anhäufte, war ich noch seltener im Kino.

Ganz so bescheiden ging es zum Glück nicht weiter, in der zweiten Jahreshälfte 2017 habe ich deutlich mehr Kinotickets gesammelt: 98 an der Zahl. Insgesamt komme ich so auf 118 Kinobesuche in diesem Jahr. Damit habe ich es nicht mehr in einen rekordverdächtigen Bereich geschafft – im Gegenteil: Das ist ein neuer Tiefstwert seit 2012. Wenigstens den Durchschnittswert der letzten acht Jahre von 104.6 Tickets vermochte ich zu überbieten.

Dass ich in der ersten Jahreshälfte ausserordentlich selten im Kino war, wird deutlich, wenn man die maximalen Intervalle zwischen Kinobesuchen betrachtet. 2017 habe ich diesbezüglich für einen neuen Rekordwert gesorgt – so war ich nämlich fast einen ganzen Monat (28 Tage) lang nicht im Kino. Das geschah in der Schlussphase meiner Abschlussarbeit und war mit dafür verantwortlich, dass ich Filme wie «Kong: Skull Island», «Alien: Covenant» oder «Despicable Me 3» verpasst habe.

In acht Jahren komme ich so auf 837 Tickets. Damit nähere ich mich langsam (LANGSAM) dem 1000. Kinobesuch. Ausgehend vom aktuellen Richtwert von 118 Filmen pro Jahr wäre das in 518 Tagen der Fall – also am 5. Mai 2019. Das wäre also etwa um den Kinostart des vierten «Avengers» herum. Klingt machbar.

Monatsvergleich

Schaut man die Monate an, zeichnet sich ein ähnliches Bild wie schon im Vorjahr: Erneut ist der September der stärkste Monat mit 31 Tickets (2016: 33), und somit mehr Kinoeintritte als der Monat Tage hat. Dafür verantwortlich waren auch heuer die diversen Festivals, an denen ich mir mehrere Filme oder Filmblöcke pro Tag anschaute: Das Fantoche in Baden (10 Filme), Upcoming Film Makers in Luzern (4 Sichtungen) und das Zurich Film Festival (34 Filme, davon aber nur 11 im September).

Ich wollte herausfinden, ob es einen Trend gibt, in welchen Monaten ich oft ins Kino gehe und habe deshalb die letzten drei Jahre zusammen betrachtet. Tatsächlich gehe ich in der ersten Jahreshälfte deutlich weniger ins Kino. Das hat sicher auch damit zu tun, dass die Festivals, an denen ich die meisten Filme sehe, im Herbst sind – und sich die kalten Monate ohnehin anbieten, um sich im warmen Kino zu verkriechen. Auffällig ist aber auch der Akzent ins Negative, den der November setzt und den ich mir nicht schlüssig erklären kann (ausser vielleicht, dass ich nach September/Oktober die Schnauze voll habe).

Mehrfachsichtungen

In diesem Jahr ist die Zahl mehrfach angeschauter Filme noch einmal zurückgegangen. Das liegt daran, dass ich ohnehin schon seltener als sonst im Kino war, und dann nicht nochmal dieselben Filme sehen wollte. Und 2017 war meiner Meinung nach auch ein extrem ernüchternder Filmjahrgang. Nur gerade vier Filme habe ich mehrfach im Kino gesehen, und alle davon nur gerade zweimal: Beauty and the Beast, The Square, Loving Vincent und Star Wars: Episode VIII – The Last Jedi. Damit bleibt meine Rangliste der meisten Mehrfachsichtungen EVER wie gehabt:

8 Sichtungen: Star Wars: Episode VII – The Force Awakens
6 Sichtungen: The Dark Knight Rises
5 Sichtungen: The Dark Knight
4 Sichtungen: Inception, The Avengers, Jurassic World, Mad Max: Fury Road, Monsters University, Spectre

Laufzeit

Als jemand, dem die immer länger werdenden Blockbuster auf den Sack gehen (hörst du, Rian Johnson?), bin ich auch immer an den Laufzeiten interessiert. Johnson ist dieses Jahr jedoch nicht der grösste Übeltäter, die Krone in dieser Sache schnappt sich Denis Villeneuve für seinen fast dreistündigen «Blade Runner 2049» (164 Minuten), der aber fairerweise einer der wenigen nicht ermüdenden Blockbuster war. Die Reprise von «Saving Private Ryan» dauerte sogar noch länger, und zwar 169 Minuten.

Total war ich so 12674 Minuten im Kino (Werbung, Pause und Abspann ausgenommen). Wenn man die Kurzfilmblöcke, die meist nach unten ausscheren weglässt, komme ich so auf einen Durchschnittswert von 114 Minuten und 32 Sekunden pro Film, was minim weniger ist als im Vorjahr (115 Minuten). Das entspricht in Etwa den Laufzeiten von «Atomic Blonde» und «The Florida Project» und liegt wie schon zuvor unter den von mir geforderten zwei Stunden, die ein Film dauern darf.

Yorgos & Steven

2017 war ich für zwei Filmemacher mehrmals im Kino, denn beiden widmete mein Lieblingskino Xenix eine Programmreihe.

Gut, nicht ganz, denn Yorgos Lanthimos (4 Filme) war im November lediglich Teil einer Filmreihe zum neuen griechischen Kino. Drei seiner Filme habe ich dort entdeckt, einen weiteren habe ich am Zurich Film Festival gesehen. Das schräge Kino von Lanthimos ist jedem zu empfehlen, und es wird mir das Herz brechen, wenn «The Killing of a Sacred Deer» im Januar von der Academy schmerzlich übergangen wird.

Im Dezember schliesslich zeigte das Xenix einen Überblick des Schaffens von Steven Spielberg (5 Filme), teilweise sogar mit 35mm-Kopien. Das wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen, letztlich ist es aber den Feiertagen und dem ohnehin schon stressigen Dezember zu verdanken, dass es am Ende „nur“ fünf Filme waren.

Fun Fact: Diese Quote werde ich bereits am 2. Januar getoppt haben. Der Steven Spielberg-Block greift nämlich auch ins neue Jahr über, wo das Xenix am Neujahrstag alle vier Indiana Jones-Filme am Stück zeigt und Tags darauf eine Double Feature aus den ersten beiden Jurassic Park. Damit wäre ich dann 2018 bereits nach zwei Tagen sechsmal für Spielberg im Kino gewesen. Crazy.

Immerhin zwei Filme habe ich von Rob Reiner («When Harry Met Sally» und «Shock and Awe»), Robert Zemeckis («Forrest Gump» und «Allied»), Gus van Sant («Psycho» und «Elephant») sowie Denis Villeneuve («Arrival» und «Blade Runner 2049») gesehen. Villeneuve ist zudem der einzige Filmemacher von dem ich zwei neue Filme in einem Jahr gesehen habe. Damit gesellt er sich als erst dritter Regisseur zu dieser renommierten Kategorie – nach David Yates (2016) und Ridley Scott (2015).

Animationsfilme

Als Animator habe ich natürlich ein speziell grosses Interesse am Trickfilm. In den vergangenen Jahren war fast jeder vierte Film, den ich mir angesehen habe, ein Animationsfilm. 2017 waren es insgesamt deren 26 – miteingeschlossen sind auch Filmblöcke an Festivals, sofern sie ausschliesslich aus Animationskurzfilmen bestehen. 17 solcher Filmblöcke habe ich 2017 angesehen, und lediglich neun Tickets habe ich für animierte Langspielfilme gelöst.

26 Animationsfilme auf 92 Realfilme entspricht einem Anteil von 22.1%, womit die Quote tiefer ist als in den Vorjahren (2016: 23.9%, 2015: 23.2%). Ein weiterer Bereich wo ich mich im kommenden Jahr freilich verbessern kann.

Kosten

Dieses Jahr sind die Kosten für meinen Filmkonsum noch einmal massiv angestiegen. Das hat einen ganz einfachen Grund: Seit Januar 2017 arbeite ich nicht mehr im Kino und kann somit nicht mehr kostenlos Filme schauen. Entsprechend belaufen sich meine Ausgaben für alle Kinobesuche 2017 auf insgesamt 742 Franken, mehr als doppelt soviel wie im Vorjahr. Einmal mehr holt sich das KKL Luzern die Krone für den teuersten «Kinoeintritt» für zwei Besuche von Live-to-Projection-Vorführungen mit jeweils 60 Franken. Das ist aber jetzt auch nicht so überraschend, da es immerhin ein Konzert mit einem Orchester darstellt.

Im Schnitt habe ich pro Kinoticket 6 Franken und 29 Rappen hingeblättert, was für hiesige Verhältnisse, wo ein Ticket durchschnittlich 18 Franken kostet, verdammt wenig ist. Die Gründe finden sich bei zahlreichen kostenlosen Pressevorführungen und Festivals, sowie Vergünstigungen durch meine diversen Kinokarten.

Nachtrag vom 15. Januar 2018: Wie jedes Jahr muss ich auch dieses Jahr eine kleine Korrektur vornehmen, da ich einen Film vergessen habe und die Statistik sich so verändert. Wobei böse Zungen behaupten, dass die Tatsache, dass Gus van Sants «Psycho» existiert, ja auch gerne vergessen werden darf.

2017 in Review

Hier ist alles ein bisschen tot. Zumindest, während ich noch versuche, herauszufinden, wie es denn auf diesem Blog weitergeht. Am Wahrscheinlichsten ist, dass es genauso bleibt. Mehr Persönliches, mehr Kunst, weniger Film, weniger Privates. Ausgenommen natürlich eine Sache: Der Jahresrückblick, den ich nunmehr zum neunten Mal durchführe.

Was bisher geschah: 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016

2017 war für mich ein turbulentes Jahr. Ich habe viele Pläne geschmiedet und viele Projekte angedacht, von denen am Ende praktisch alle gescheitert sind. Das kostete mich einiges an Nerven, aber ich habe auch viel Neues gelernt und gehe voller Zuversicht ins 2018.

2017 zum ersten Mal getan?
Zunächst einmal habe ich erstmals einen eigenen Film an einem Festival gezeigt, das war schon eine Premiere für mich. Aber dann konnte ich sogar auch noch an Festivals dabei sein, an denen mein Film lief, was alles nochmal zauberhafter macht.

2017 nach langer Zeit wieder getan?
Eine neue Stelle angetreten, wenn auch nur Teilzeit.

2017 leider gar nicht getan?
«Kingsman: The Golden Circle» im Kino gesehen. Ist jetzt nicht so tragisch, aber doch überraschend, dass ich solch einen Film verpasse. Und im Moment ist das auch gerade das Einzige, was mir einfällt.

Der hirnrissigste Plan?
Am 24-Stunden-Comic teilzunehmen (ein Projekt wo man innert 24 Stunden einen 24-seitigen Comic zeichnet) und effektiv durchzuhalten und noch frühzeitig abzugeben. Crazy.

Die teuerste Anschaffung?
200 Kondome – zu Merchandisingzwecken, versteht sich.

Wort des Jahres?
«Gspässig»

Unwort des Jahres?
«Leider»

Stadt des Jahres?
Theoretisch müsste ich sagen Szamotuły (Samter) in Polen – meine Heimatstadt, die wir im Sommer besucht haben. Aber so warm wurde ich jetzt auch nicht. Dafür hat mir Ljubljana sehr gefallen, trotz Kälte und Winter. Brrr.

Neue Orte entdeckt?
Ljubljana, Warschau, Poznan, Szamotuły, Zofingen.

Alkoholexzesse?
Keine wirklichen Exzesse. Ich werde alt und langweilig.

Davon gekotzt?
Nein.

Haare länger oder kürzer?
Nach fast einem Jahr ganz kurz sind sie wieder ein bisschen länger.

Kurzsichtiger oder Weitsichtiger?
Ich sage jedes Jahr, dass ich das überprüfen will und tue es dann doch nicht. Folglich: Keine Ahnung.

Mehr Kohle oder weniger?
Weniger, aber genug.

Mehr ausgegeben oder weniger?
Ich glaube, eher weniger.

Mehr bewegt oder weniger?
Etwa gleich wenig.

Höchste Handyrechnung?
138 Franken, aber auch nur, weil die Swisscom neu mehrere Monate zusammennimmt.

Krankenhausbesuche?
Keine und das ist auch gut so.

Verliebt?
Sehr.

Getränk des Jahres?
Glühwein. Bier oder Wein wäre ja irgendwie gewöhnlich, aber Glühwein ist in einer Klasse für sich.

Essen des Jahres?
Irgendwas vom Subway oder McDonald’s oder der Dönerbude neben unserer Schule.

Most called persons?
Meine Familie oder meine Freundin. Ich achte da nicht drauf und telefonieren find ich blöd.

Die schönste Zeit verbracht mit?
Meiner Freundin, denks.

Die meiste Zeit verbracht mit?
Gaspard, Ursula und Keni.

Song des Jahres?
Irgendwas hiervon:

«I’m Still Standing» von Elton John
«Vincent» von Don McLean
«Swing it like Roger» von Klischée

Special Mention für: «Woki mit deim Popo»

CD des Jahres?
Ich habe in diesem Jahr der CD praktisch ganz abgeschworen und auf Spotify gewechselt. Nichtsdestotrotz: «Ich vs. Wir» von Kettcar ist ein verdammtes Brett.

Buch des Jahres?
«Di schön Fanny» von Pedro Lenz hat mich sehr berührt, aber ich merke auch wieder, dass ich eindeutig zu wenig gelesen habe.

Film des Jahres?
2017 war filmtechnisch eher ernüchternd, die Blockbuster liessen mich zumeist kalt. «Loving Vincent» und «The Square» haben mich am Meisten berührt.

Konzert des Jahres?
Ich konnte über einen Freund an Tickets für ein Konzert von Keb’Mo und Taj Mahal am Blue Balls in Luzern gelangen und das war einfach wunderbar.

TV-Serie des Jahres?
Ich glaube, das dürfte «House of Cards» oder «Brooklyn Nine-Nine» gewesen sein, die ich beide gebinged habe bis zum Umfallen.

Erkenntnis des Jahres?
Manchmal einfach durchatmen.

Drei Dinge auf die ich gut hätte verzichten können?
1. Scheitern, Rückschläge und Misserfolge
2. Finanzielle Turbulenzen
3. Floating Leia Organa

Nachbar des Jahres?
Da die Auswahl begrenzt ist: Meine Nachbarin mit der ich zum ersten Mal so richtige Worte gewechselt habe und ihre Tochter, die ich mit einer Findelkatze zum Weinen gebracht habe. Nicht im guten Sinn.

Beste Idee/Entscheidung des Jahres
Obwohl ich es mir eigentlich nicht wirklich leisten konnte und nicht wirklich Zeit hatte dafür an ein Filmfestival in Slowenien zu gehen und einfach mal eine Woche Ferien zu machen.

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Ich konnte meinen Vater davon überzeugen, mit mir nach Polen in unsere «Heimatstadt» zu reisen.

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Ich glaube, mit einer grossen Überraschung, die ich im Sommer für einen guten Freund organisiert habe, habe ich ihm eine Freude bereitet.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Eigentlich nur ein virtuelles Geschenk: Eine persönliche Videobotschaft von Damian von OK GO an unseren studentischen Filmclub. Das war schon ein bisschen surreal.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
War zwar nicht zu mir, aber über mich, und das hat mich sehr gefreut: «Er geht seinen Weg»

Die grösste Enttäuschung?
2017 hatte ich zahlreiche Ideen, Träume und Wünsche und viele davon haben sich nicht erfüllt. Ich versuche inzwischen, mich davon gar nicht mehr enttäuschen zu lassen.

Schönstes Ereignis?
Mein Abschluss. Es war eine turbulente Zeit, aber ich verbinde sie mit verdammt vielen schönen Erinnerungen.

2017 war mit einem Wort?
2.0 (oder, damit es auch ein Wort ist: Zweikommanull)

Owley an der Gezeichnet 17

Seit knapp zwei Jahren zeichne ich im Auftrag der Zürichsee-Zeitung und nun darf ich zum ersten Mal einige dieser Arbeiten ausstellen. Zusammen mit 45 anderen Schweizer KarikaturistInnen bin ich Teil der Gezeichnet 17, der jährlichen Werkschau der Pressezeichner im Museum für Kommunikation in Bern. Für mich ist das eine riesengrosse Ehre und ich freue mich enorm zusammen mit diesen grossartigen Zeichnern abzuhängen.

Einen kleinen Übersicht über meine Arbeiten für die Zürichsee-Zeitung findet man in meinem Portfolio.

Die Gezeichnet 17 läuft vom 15. Dezember 2017 bis und mit 28. Januar 2018, die genauen Öffnungszeiten (speziell über die Festtage) kann man der Website des Museum für Kommunikation entnehmen. Am 14. Dezember um 18 Uhr wird die Ausstellung in Anwesenheit der Karikaturisten (inklusive meiner Wenigkeit) und einiger politischer Persönlichkeiten eröffnet.

Weitere Informationen über die Werkschau und die Teilnehmer gibt’s auf der offiziellen Website der Veranstaltung.

VIII

Die Legende geht weiter!

Wenn Mitte Dezember der neue Star Wars Film in die Kinos kommt, geht auch meine Poster-Reihe in die nächste Runde und zeigt abermals Rey in einem Fluggefährt des neuen Films. Bereits nach dem Ende von The Force Awakens war klar, dass ich für meine nächste Arbeit den Millenium Falcon darstellen wollte – schliesslich steuern den nun Rey und Chewie.

Zudem führt dieses Bild die Tradition fort, bei der im jeweils zweiten Film der Trilogie zwei Personen zu sehen sind: Bei Attack of the Clones waren es Anakin und Obi-Wan, bei The Empire Strikes Back Luke und der zu diesem Zeitpunkt leider schon leblose Dak Ralter.

Dazu habe ich Prints im Format 20×30 angefertigt, die man für 12 CHF (exklusiv Porto) bei mir beziehen kann. Das gilt auch für die Sujets zu Episode I – VII. Ein komplettes Set mit allen 8 Prints gibt es für 80 CHF (exklusiv Porto).

Wie gehabt gibt es auch A6-Postkarten à 2 CHF (exklusiv Porto), ein Set mit allen 8 Karten gibt es für 12 CHF (exklusiv Porto).

Und da man den Millenium Falcon auch ordentlich feiern muss, habe ich einen zweiten, limitierten Variant-Print (20×30) gestaltet. Den gibt es ebenfalls für 12 CHF (exklusiv Porto), aber eben – limitiert. Konkret heisst das, dass es hiervon gerade einmal 5 Exemplare gibt.

Jeder Print ist auf der Rückseite signiert.

Bestellungen kann man über das folgende Formular aufgeben, im Anschluss bekommt ihr von mir eine Bestätigungsmail mit einer Rechnung sowie der Zahlungsverbindung. Sobald das Geld eingetroffen ist, versende ich die Ware.

Anfragen zu Bestellungen bitte an owley[at]owley.ch.

Owley am ZFF 2017: Best Of

Das 13. Zurich Film Festival ist vorbei, das gläserne Zelt wird abgebaut und der grüne Teppich eingerollt. Irgendein Helfer packt noch einige Lindor-Kugeln in seine Tasche.

In den letzten Tagen habe ich nicht nur unzählige Filme geschaut (insgesamt habe ich etwas mehr als zweieinhalb Tage im Kino verbracht), ich habe euch an dieser Stelle auch tagebuchartig über meine Zeit am und neben dem Festival auf dem Laufenden gehalten. Nun ist es also Zeit für eine Bilanz über die Filme, die ich gesehen habe. Mein Best Of gibt Aufschluss darüber, was es auch nach dem Festival im Auge zu behalten gilt.

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri
Kinostart: 25. Januar 2018

Eine Mutter versucht, die Ermittlungen zum Vergewaltigungsmord an ihrer Tochter von Neuem aufzurollen, indem sie drei Werbeflächen am Strassenrand mietet und darauf den Sheriff anprangert. Der dritte Film des irischen Filmemachers Martin McDonagh ist pointiert geschrieben und schafft den Spagat zwischen Drama und Komödie, was gerade bei diesem Thema keine einfache Leistung ist.

Darum sollte man den Film auf dem Radar behalten:
Regisseur Martin McDonagh wird für das Drehbuch zu «Three Billboards Outside Ebbing, Missouri» seinen zweiten Oscar holen. Ob sich der Film auch in weiteren Kategorien durchsetzen kann, ist abhängig davon, wie offen die neu zusammengesetzte Academy für heftigere Stoffe ist.

You Were Never Really Here
Kinostart: TBA

Joaquin Phoenix spielt einen Veteranen, der versucht seinem Leben einen Sinn zu geben, indem er junge Mädchen aus den Fängen von Pädophilen rettet. Regisseurin Lynne Ramsay («We Need To Talk About Kevin») schafft mit diesem melancholischen Thriller ein starkes Stück Kino, das sich nahtlos neben den Grossen des Genres einreihen kann.

Darum sollte man den Film auf dem Radar behalten:
In Cannes wurde «You Were Never Really Here» mit dem Preis für das Beste Drehbuch, sowie Joaquin Phoenix mit dem Darstellerpreis ausgezeichnet. Mit viel Glück könnte sich Phoenix für diesen Film sogar ein Oscar-Ticket angeln.

120 battements par minute
Kinostart: 18. Januar 2018

Vor einigen Jahren gewann das französische Coming of Age-Werk «La vie d’Adèle» in Cannes die Goldene Palme und wurde in der Folge auf seine expliziten Lesbensexszene reduziert. Es bleibt zu hoffen, dass «120 battements par minute», der dieses Jahr mit dem Jurypreis ausgezeichnet wurde, ein ähnliches Schicksal in Bezug auf seine schwulen Protagonisten erspart bleibt. Das Drama von Robin Campillo um einige aidskranke Jugendliche im Paris der Neunzigerjahre ist ein berührendes Stück Kino, das aufwühlt und noch lange in Erinnerung bleibt.

Darum sollte man den Film auf dem Radar behalten:
«120 battements par minute» ist ein ehrlicher Film über die Stigmatisierung von aidskranken Menschen, der kein Blatt vor den Mund nimmt. Auch wenn sich die Lage in Frankreich inzwischen gebessert haben mag, so ist der Film auf die weltweite Entwicklung gesehen noch immer viel zu relevant. Und alleine deshalb muss dieser Film die Aufmerksamkeit bekommen, die er verdient.

Pop Aye
Kinostart: TBA

Eher zufällig landete ich in diesem Film und ich habe es nicht bereut. «Pop Aye» der singaporianischen Regisseurin Kirsten Tan erzählt von einem Architekten, der eines Tages mit einem gekauften Elefanten Reissaus nimmt. Ein feinfühliger, kleiner Road Movie, der einen in Versuchung bringt, selber mit einem Elefanten durchzubrennen.

Darum sollte man den Film auf dem Radar behalten:
Der Hauptpreisgewinner des ZFF ist Singapores Einreichung für die Oscars und zählt sicher nicht zu den Favoriten für eine Nominierung. Aber auch ohne Aussicht auf das Goldmännchen ist «Pop Aye» ein wunderschöner Film, der eine dringende Empfehlung verdient.

The Square
Kinostart: 26. Oktober 2017

Der Film von Ruben Östlund erzählt in «The Square» von einem Kuratoren, der versuchen muss, sein Leben und sein Kunstmuseum wieder in den Griff zu bekommen. Das Kunstdrama schildert auf charmante Weise, was passiert, wenn Parallelgesellschaften unverhofft aufeinandertreffen. Man verzeiht dem Film seine leichte Überlänge (zweieinhalb Stunden) gerne.

Darum sollte man den Film auf dem Radar behalten:
Östlund sorgte bereits mit «Turist» für internationales Aufsehen, mit «The Square» gewann er in Cannes nun die Goldene Palme. Der Film wurde zudem von Schweden für die Oscars eingereicht, wo er bereits als Kronfavorit gilt.

Le Fidèle (Racer and the Jailbird)
Kinostart: 12. April 2018

Ein rasantes Drama um eine toughe Rennfahrerin (Adèle Exarchopoulos), die sich in einen Bankräuber und Kleinganoven (Michael Schoenaerts) verliebt. Der Belgier Michaël R. Roskam («The Drop») erzählt mit seinem Film die Geschichte einer zerstörerischen Liebe, frei von Klischees und Moral.

Darum sollte man den Film auf dem Radar behalten:
Wie auch «The Square» geht «Le Fidèle» von einer Pole Position aus ins Oscar-Rennen, wo er Belgien vertritt. Und Roskam sollte man ohnehin im Auge behalten, der grosse Durchbruch des flämischen Filmemachers ist nur eine Frage der Zeit. Vielleicht mit seinem nächsten Film über einen russischen Tierschützer, für den er Brad Pitt gewinnen konnte?

Brigsby Bear
Kinostart: TBA

Aus der Feder zweier SNL-Schreiberlinge und mit Unterstützung von Lonely Island stammt die Geschichte eines jungen Mannes, der als Kind entführt wurde und nur mit der TV-Serie «Brigsby Bear» aufwuchs. Nachdem er von der Polizei befreit wird, macht er sich auf die Suche nach der neuesten Folge. Dave McCarys Komödie (mit Mark Hamill in der Rolle seines Lebens) ist ebenso absurd wie tiefsinnig und wartet mit interessanten Beobachtungen des Geek- und Fandom auf. Eine echte Trouvaille.

Darum sollte man den Film auf dem Radar behalten:
Was aus «Brigsby Bear» wird, steht noch in den Sternen. Der Film hat das Potential zum Grosserfolg, viel wahrscheinlicher ist aber, dass die schrullige Komödie sich beim breiten Publikum schwertun wird. Zu unrecht, denn dieser Geheimtipp ist ein behutsam erzählter und verdammt witziger Bärenfilm.

Blue My Mind
Kinostart: 9. November 2017

Es ist schon lange her, dass ich mich so sehr für einen Schweizer Langspielfilm begeistert habe wie für «Blue My Mind». Die Zürcherin Lisa Brühlmann erzählt in ihrem Regiedebüt die Geschichte der fünfzehnjährigen Mia, die sich mit den Veränderungen in ihrem Leben zurechtfinden muss. Ein wunderschön gefilmtes, düsteres Werk über die Angst vor Veränderung.

Meine ausführliche Kritik zum Film gibt es hier.

Darum sollte man den Film auf dem Radar behalten:
Am Zurich Film Festival wurde der Film mit gleich drei Preisen eingedeckt, und das ist erst der Anfang. Dieser Schweizer Film wird auch international für Furore sorgen, da bin ich mir sicher. Und das ist auch gut, denn unerschrockene, junge Filmschaffende wie Lisa Brühlmann braucht das Land.

The Killing of a Sacred Deer
Kinostart: 11. Januar 2018

Yorgos Lanthimos ist spätestens nach dem eigenwilligen «The Lobster» kein unbeschriebenes Blatt mehr. Mit «The Killing of a Sacred Deer» dürfte der griechische Filmemacher aber endgültig ins Rampenlicht treten. Die düstere Satire mit Colin Farrell und Nicole Kidman über einen Chirurgen, der von einem fremden Jungen (meisterlich: Barry Keoghan) gezwungen wird, eine schwerwiegende Entscheidung zu treffen ist ein zweistündiger Schlag in die Magengrube. Lanthimos erzählt in bester Hitchcock-Manier: Jede Szene ist unangenehm, jede Einstellung störend. Ich bin begeistert.

Darum sollte man den Film auf dem Radar behalten:
Lanthimos ist kein Unbekannter in der Academy, «The Killing of a Sacred Deer» wäre bereits sein dritter nominierter Film. Der Film ist momentan sicher noch ein Aussenseiter, aber seine Chancen sind auf jeden Fall intakt.

Jusqu’ à la garde
Kinostart: TBA

Ein eher kleiner Film von Xavier Legrand, der aber eine maximale Wirkung hat. Zwei Ehepartner streiten nach der Scheidung um das Sorgerecht und die Frage, ob der offenbar übergriffige Vater seinen Sohn noch sehen darf oder nicht. Legrand erzählt in langen Einstellungen und ohne Schnickschnack, was dem Film eine lähmende Authentizität verleiht, die ihn nahezu unerträglich macht.

Darum sollte man den Film auf dem Radar behalten:
Das Familiendrama von Xavier Legrand ist ein erbarmungsloser Film, der zeigt wie leicht eine falsche Einschätzung eine Familie ins Elend stürzen kann. Nicht unverdient ist daher die Auszeichnung für die beste Regie bei den Filmfestspielen von Venedig vor einigen Wochen.

Owley am ZFF 2017: Leergefegt

Tag 11: Sonntag, 8. Oktober 2017

Gestern Abend wurden die Preise verliehen und irgendwie fühlt sich das Zurich Film Festival dadurch heute anders an. Eine gewisse Aufbruchstimmung liegt in der Luft, niemand will mehr so richtig. Journalisten sind auf den Plätzen kaum noch zu sehen, das Festivalzentrum ist wie leergefegt. Warum die Preise bereits am Samstag verliehen werden, verstehe ich nicht ganz, wertet es doch die Sonntagsvorstellungen jener Filme, die nicht ausgezeichnet wurden ab – aber da ich da ja eh nichts verloren habe, soll’s meine Sorge nicht sein.

Immerhin, die Jury hat sich für zwei meiner Favoriten entschieden: Der herzerwärmende Road Movie «Pop Aye» aus Singapur holt überraschend die Krone im internationalen Wettbewerb, im deutschsprachigen Wettbewerb sichert sich «Blue My Mind» (5/5) das Goldene Auge. Das Regiedebüt von Lisa Brühlmann habe ich noch vor dem Zurich Film Festival sehen können und war begeistert. Das düstere Coming of Age-Drama ist packend inszeniert und mit vielversprechenden Jungdarstellerinnen besetzt – die Auszeichnung ist mehr als verdient.

Ich habe für Maximum Cinema eine ausführliche Kritik über den Film geschrieben, die man gerne hier nachlesen kann.

Mein letzter Film am diesjährigen Zurich Film Festival ist «Battle of the Sexes» (3/5) von Jonathan Dayton und Valerie Faris, die dabei die Geschichte der Tennisspielerin Billie Jean King erzählen. Diese setzte sich in den Siebzigern für Gleichberechtigung von weiblichen und männlichen Tennisspielern ein und trat in einem Tennismatch gegen den überheblichen Bobby Riggs an. Emma Stone und Steve Carell spielen die Hauptrollen in einem Film, der eine spannende Geschichte erzählt, dabei aber zu viel will und zu unfokussiert wirkt. Kein Meisterwerk, aber ein solider Film.

Am Abend treffe ich meine Freundin zum Essen und zum letzten Kinobesuch dieser elf Tage – doch kein ZFF-Film steht auf dem Programm, sondern eine Reprise in meinem Lieblingskino: Das Xenix zeigt nämlich «Forrest Gump» (5/5) als 35mm-Kopie und das wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Ziemlich geplättet fahre ich am Abend nach Hause. 33 Filme in 11 Tagen, das klang auf dem Papier viel gemütlicher, als es am Ende war. Nicht, dass ich es nicht noch einmal tun würde, aber für den Moment habe ich erst einmal genug von Filmfestivals und Kino.

Owley am ZFF 2017: Kurz mit Schokolade

Tag 10: Samstag, 7. Oktober 2017

Ich mache mich erst kurz nach Mittag auf den Weg ans Zurich Film Festival, denn heute steht nur ein Film auf meinem Programm. Tag 10 wird also der kürzeste Tag für mich – aber nach dreissig Filmen erlaube ich mir diese Pause auch. Grosszügigerweise. Ursprünglich hatte ich vor, am Morgen an die Pressevorführung von «An Unconvenient Sequel» zu gehen, aber ich habe mich letzten Endes dagegen entschieden, da ich dann bis zum nächsten Film noch einige Stunden hätte warten müssen. Und um früh aufzustehen und danach lange zu warten ist mir der Al Gore-Film dann doch nicht wichtig genug.

Stattdessen frühstücke ich ausgiebig und treffe anschliessend eine gute Freundin zum Kaffee. Das Wetter ist freundlich und ich merke, wie gut mir diese kleine Pause vom ganzen Trubel tut. Mein einziger Film heute heisst also «La Novia del desierto» (4/5) ein herziger und berührender argentinischer Road-Movie der mit 78 Minuten Laufzeit wohl alles unterbietet, was ich je gesehen habe. Aber die beiden Filmemacherinnen Cecilia Atán und Valeria Pivato brauchen auch nicht mehr Zeit um die herzerwärmende Geschichte über eine Haushälterin und einen gemütlichen Händler, die gemeinsam durch die argentinische Pampa reisen, zu erzählen.

Ich gehe noch einmal zum Festivalzentrum, um dort meinen Schokokugelnbedarf zu stillen – seit Jahren liegen dort nämlich Lindor-Kugeln auf, mit denen sich während der Festivalzeit vollzufressen eines jeden Journalisten Auftrag ist. Man munkelt, dass die ZFF-Verantwortlichen hinter den Kulissen eine heimliche Statistik führen. Der Gewinner, so die Gerüchteküche, bekommt ein Ticket für eine Galapremierenvorstellung im nächsten Jahr. Ich lange also noch einmal zu und schiebe mich und meine mit Lindor-Kugeln gefüllten Jackentaschen in Richtung Bahnhof.

Am Abend bin ich nämlich für ein Fondue verabredet (auch wenn ich mir inzwischen bereits den Appetit verdorben habe), weshalb der zweitletzte Festivaltag enstprechend kurz ausfällt.

Owley am ZFF 2017: Der drittletzte Tag

Tag 9: Freitag, 6. Oktober 2017

Langsam nähert sich das Zurich Film Festival dem Ende – bereits ist der drittletzte Tag angebrochen. Wenn alles so läuft, wie ich das geplant habe, stehen heute vier Filme auf meinem Programm. Ich starte den Tag mit «Breathe» (3/5), dem mit Spannung erwarteten Regie-Debüt von Andy Serkis. Ursprünglich wollte dieser ja eine Live Action-Umsetzung des Dschungelbuchs drehen, aber diese befindet sich nach dem Erfolg der Disney-Variante noch immer in Development Hell. Serkis hat nun stattdessen für seinen Erstling eine wahre Geschichte ausgesucht: «Breathe» erzählt die Geschichte von Robin Cavendish, der in den 60er-Jahren an Kinderlähmung erkrankte und der sich dank der Unterstützung seiner Familie und Freunde die Freude am Leben nicht nehmen liess. Der Film hat seine starken Momente, etwa wenn der von Andrew Garfield herrlich gespielte Robin an den Rollstuhl gefesselt nach Spanien reisen will, alles in allem ist «Breathe» aber zu unfokussiert und kitschig, als dass ich ihn ernst nehmen kann.

Noch nicht vollends überzeugt von Serkis’ Wechsel hinter die Kamera schlendere ich mit Nicoletta ins Riffraff, wo bereits die nächste Pressevorführung ansteht. «Jusqu’ à la garde» (5/5) steht auf dem Programm, und weder Nicoletta noch ich haben einen wirklichen Plan, was uns erwartet. Der vermeintliche Lückenfüller erweist sich aber als gute Entscheidung, denn das französische Familiendrama hat es in sich. Eine Mutter versucht, ihre Kinder nach der Scheidung von ihrem Mann (furchteinflössend gespielt von Denis Menochet) fernzuhalten – doch dieser gibt so schnell nicht nach. Xavier LeGrands Spielfilmdebüt ist ein aufwühlender Thriller, der einen so schnell nicht loslässt. Und wenn der Regisseur eine Szene dieses Films über einen missbräuchlichen Familienvater mit «Proud Mary» untermalt, stellen sich mir alle Nackenhaare auf.

Zum Glück haben wir noch etwas Zeit, um diesen heftigen Film ein bisschen sacken zu lassen. Wir setzen uns im Riffraff hin und beruhigen uns mit einem Kaffee. Ein Typ neben uns klinkt sich irgendwann ins Gespräch ein und empfiehlt mir noch einen Film für den morgigen Tag – ein südamerikanischer Roadmovie, der angeblich total gut sein soll. Mein nächster Film ist ein bisschen leichter verdaulich: «Shock and Awe» (2/5) von Rob Reiner hat dafür andere Schwächen. Der Discount-«Spotlight» über die Massenvernichtungswaffen-Rhetorik der USA vor dem Irak-Krieg geht einem mit seiner «Told you so!»-Attitüde und der undifferenzierten Charakterzeichnung verdammt schnell auf die Nerven. «Shock and Awe» hat seinen kurzen, starken Moment, als er in einigen Audioschnipseln fast schon nebenbei zeigt, wie nicht nur die Republikaner, nein auch die Helden der Demokraten für den Krieg gestimmt haben. Leider kann Reiner darauf nicht aufbauen – sein Film bleibt bis zum Schluss flach.

Ich bin noch ein bisschen hin- und hergerissen, welchen Film ich mir als nächstes ansehen möchte – ursprünglich war «Mother!» von Darren Aronofsky, der regulär im Kino läuft, geplant. Im letzten Moment beschliesse ich aber, mir noch das letzte Ticket für den Cannes-Gewinner «120 battements par minute» (5/5) zu schnappen. In rund zweieinhalb Stunden erzählt Robin Campillo die Geschichte einiger aidskranker Menschen im Paris der Neunziger Jahre, die sich mit allen Mitteln für eine offene Kommunikation seitens des Staates und vorallem gegen die Ausgrenzung von HIV-Positiven einsetzen. Die Figuren sind glaubhaft und die Schicksale gehen einem nah. «120 battements par minute» ist ein Film, der aufwühlt und wütend macht.

Am Abend wäre ich noch an einen Apéro und eine Party des ZFF 72-Wettbewerbs eingeladen, aber ich merke rasch, dass daraus nichts wird. Ich bin nach 9 Tagen und 30 Filmen ziemlich platt und brauche erst einmal meine Ruhe.

Owley am ZFF 2017: Musik in meinen Ohren

Tag 8: Donnerstag, 5. Oktober 2017

Ein bisschen übermüdet mache ich mich heute, am achten Tag des Zurich Film Festival auf den Weg in die Innenstadt. Gestern wurde es ein bisschen länger als geplant und zusammen mit meinen wenigen Schlafstunden kommt hier ordentlich was an Müdigkeit zusammen. Dabei muss ich jetzt sehr wach sein, denn auf dem Programm steht der vielversprechende «The Killing of a Sacred Deer» (5/5) von Yorgos Lanthimos. Mit seinem letzten Film «The Lobster» konnte ich zwar nicht viel anfangen, aber dieser Film haut mich komplett aus den Socken. Der Thriller mit Colin Farrell und Nicole Kidman erzählt von einem Chirurgen, der völlig unverhofft von seiner Vergangenheit eingeholt wird. Schnell wird klar: Er muss eine schwerwiegende Entscheidung treffen, wenn er seine Familie retten will. Lanthimos erzählt in bester Hitchcock-Manier: Jede Szene ist unangenehm, jede Einstellung störend, jede Dialogzeile beunruhigend. Ich bin begeistert.

Wie schnell aus Glück Elend werden kann, zeigt hingegen der nächste Film, oder vielmehr die Sichtung davon: «The Ballad of Lefty Brown» (0/5) heisst der Western mit Bill Pullman, der für mich die erste grosse Nullnummer des Festivals ist. Offenbar haben meine Kritikerkollegen sogar noch weniger Geduld als ich, denn bereits nach den ersten 20 Minuten verlässt rund ein Drittel der anwesenden Journalisten das Kino. Ganz so streng bin ich nicht: Ich versuche, dem Cowboy-Film über einen trotteligen Stiefelhelden, der einen Mord aufdecken will, noch eine Chance zu geben – aber vergebens. «The Ballad of Lefty Brown» ist kein schrecklicher Film, aber mir will beim besten Willen nichts einfallen, was an diesem Western gut sein soll. Die hölzernen Darsteller spielen von ungenügend bis schlecht und die klischierte Story ist vorhersehbar. Schade um Bill Pullman, der damit seiner Karriere (oder dem was davon noch übrig ist) einen weiteren Rückschlag verpasst.

Ich treffe mich auf einen Kaffee auf dem Sechseläutenplatz mit meiner Freundin, wo wir die letzten sommerlichen oder die ersten herbstlichen Sonnenstrahlen geniessen. Oder zumindest versuchen wir das, denn es dauert nicht lange, bis sich zwei Strassenkünstler vor unserer Nase einnisten und gegenseitig zu übertönen versuchen. Am Abend habe ich noch den Filmmusikwettbewerb eingeplant, doch die Zeit davor reicht noch gut, um mir einen Film anzusehen. Nach mehreren Empfehlungen fällt die Wahl auf «Pop Aye» (5/5) einen singapurianisch-thailändischen Road-Movie, der auch als Kandidat des Stadtstaates ins Oscar-Rennen geht. Die Geschichte ist schnell erzählt: Ein in die Jahre gekommener Architekt beschliesst eines Tages mit einem Elefanten, den er einem Strassenhändler abkauft, Reissaus zu nehmen. Sicher, der Film deckt jeden erdenklichen Plot Point des Genres ab, aber Kirsten Tans Langfilmdebüt macht das so liebevoll und geschickt, dass man ihm nicht wirklich böse ist.

Als letzter Programmpunkt des Tages steht, wie gesagt der Filmmusikwettbewerb an. Das ist ein Rahmen-Event des ZFF, den es zu loben gilt. Publikumswirksam verpackt als Filmmusik-Konzertabend des Tonhalle-Orchesters soll diese Veranstaltung Komponisten ins Rampenlicht rücken. Die Aufgabe dabei ist, einen vorgegebenen Kurzfilm zu vertonen. Fünf Finalisten werden an die Veranstaltung eingeladen, wo das Tonhalle-Orchester im ersten Block des Abends ihre Musik live aufführt. Das ist auch für ein breites Publikum sehr spannend, sieht man doch sehr gut, wie unterschiedlich man an eine solche Arbeit herangehen kann. Ein bisschen unglücklich ist die Tatsache, dass das Zurich Film Festival diesen Abend moderieren lässt und so die Musik selber immer wieder in den Hintergrund drängt. Aber eben – ohne grosse Selbstinszenierung geht bei diesem Festival offenbar nichts.

Nachdem der Gewinner gekürt wurde, präsentiert das Orchester im zweiten Teil des Konzertabends ein spezielles Konzertprogramm. Letztes Jahr wurden Melodien aus Science-Fiction gespielt, heuer ist das Motto «James Bond». Die Auswahl der Agenten-Themen ist zwar ein bisschen Thomas-Newman-lastig, aber das was wir zu hören bekommen macht Spass. Bei einem Bier lassen wir den musikalischen Abend ausklingen, und dann gehe ich auch schon auf den Zug. Schliesslich will ich zumindest so tun, als ob ich ein bisschen Schlaf bekomme – richtig ausschlafen werde ich auch morgen nicht können.

Owley am ZFF 2017: Ocean’s Eleven auf Beruhigungsmitteln

Tag 7: Mittwoch, 5. Oktober 2017

Vor einigen Jahren habe ich zum ersten Mal «Blade Runner» gesehen – im Kino. Damals ging ich mit einigen Freunden, die sich alle tierisch drauf gefreut haben, ihren Lieblingsfilm endlich auch einmal auf der grossen Leinwand zu sehen, ins Kino. Ich hatte entsprechend grosse Erwartungen, musste dann aber feststellen: Der Film liess mich kalt. Ich könnte inzwischen nicht einmal mehr sagen, worum es im Grossen und Ganzen ging, aber mich konnte der Science Fiction-Film nicht erwärmen. Ich kann nicht einmal behaupten, dass ich ihn schlecht finde, ich glaube, er ist schon gut – er war mir schlicht zu langweilig.

Als mich Simon von Maximum Cinema also fragte, ob ich am ZFF die Kritik zur Fortsetzung schreiben wolle, winkte ich ab – ich bin weissgott die unqualifizierteste Person um Fans, die sich auf den Film freuen, zu sagen, ob er sich lohnt oder nicht. Angesehen habe ich ihn mir natürlich trotzdem, und sei es nur, weil mit Denis Villeneuve ein fähiger Mann auf dem Regieposten sass. «Blade Runner 2049» (4/5) ist ein visuell bestechendes Werk, das einen in eine in ihrer Tristheit bezaubernde Welt entführt. Ryan Gosling kann in seinem ersten richtigen Blockbuster überzeugen – ansonsten bleibt der Cast jedoch hinter den Erwartungen zurück. Der zweieinhalbstündige Thriller ist sehr langsam erzählt, macht das aber so konsequent und bewusst, dass man ihm keinen grossen Vorwurf machen kann. Aber ein Meisterwerk, das ist «Blade Runner 2049» dann doch nicht.

Ursprünglich hätte auf den Film eine Pressevorführung zu Aaron Sorkins Debüt «Molly’s Game» folgen sollen, aber das Festival hat die Spielzeiten kurzfristig umgestellt, und nun werde ich den Film vor dem Ende des ZFF wohl nicht mehr sehen. Schade, aber das kommt halt vor. Ich geniesse deshalb einen langen Mittag und treffe mich mit einigen Freunden zum Pizzaessen. Ein bisschen Abstand vom Festival zwischendurch ist gar nicht mal so übel. Danach schaue ich mir zum ersten Mal einen Film abseits des Festivals an. Ich habe nun endlich Zeit um «Logan Lucky» (4/5) nachzuholen, der mittlerweile in einem winzigen Saal im Kino Frosch zu sehen ist. Ausser mir ist nur eine Person im Kino und allmählich wird mir klar, weshalb der Film nicht in einem grösseren Saal läuft. Soderberghs Neuester ist solide, ein witziger und gemächlicher Heist-Movie, der aber die Kinowelt kaum auf den Kopf stellen wird. Um es in den Worten meines geschätzten Kumpels Fredi zu sagen: «Ocean’s Eleven auf Beruhigungsmitteln».

Der dritte Film des Tages ist «Charlie Wilson’s War» (3/5), der von Aaron Sorkin geschrieben wurde, und deshalb als Reprise gezeigt wird. Es ist ziemlich irritierend, wie wenig Mühe sich das Zurich Film Festival gibt, vernünftige Kopien von seinen Filmen aufzutreiben. Dass «Mars Attacks!» in den mittlerweile digitalisierten Kinos nur als DVD bzw. BluRay gezeigt werden kann, verstehe ich ja noch, aber für einen erst zehn Jahre alten Film wie «Charlie Wilson’s War» sollte man doch zumindest ein DCP auftreiben können. Oder wenn man den Film schon ab Scheibe zeigt, dann wenigstens den Menümusik-Loop vor dem Film ausschalten. Der auf wahren Tatsachen basierende Film von Mike Nichols konnte mich nicht vollends überzeugen. Die Geschichte eines Kongressabgeordneten der Ende der Achtziger-Jahre quasi im Alleingang für die Finanzierung der Verteidigungskampagne der afghanischen Miliz gegen die russische Invasion auf die Beine stellt, ist faszinierend, aber auch viel zu pathetisch inszeniert. Nicholls beendet die Geschichte zudem genau an dem Punkt, wo sie spannend wird – die Folgen der Unterstützung der afghanischen Miliz bieten Stoff für einen viel interessanteren Film.

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