Foglä ist jetzt online

Mit der kurzen, erotischen Satire «Foglä» habe ich 2017 mein Studium an der Hochschule Luzern mit dem Bachelor in Animation abgeschlossen – nun ist der Film online.

Die schwarze Komödie wurde im Sommer 2018 im Short Film Corner des Filmfestivals in Cannes gezeigt und konnte sich auf der Festivaltournee auch zwei Preise sichern: In Spanien am Erotic & Bizarre Art Film Festival gewann «Foglä» den Preis für den besten Trickfilm und an den Los Angeles Film Awards wurde der Komponist Jan Willem de With für seinen beschwingten Big Band-Soundtrack ausgezeichnet. Die Musik kann man übrigens auf Spotify oder Apple Music anhören.

Kinostatistik 2019

Or the lack there of. 2019 war nicht nur in kinobesuchstechnischer Hinsicht ein ernüchternder Jahrgang, sodass ich versucht war, die Kinostatistik heuer ausfallen zu lassen. Letzten Endes habe ich mich doch noch aufgerafft und präsentiere die Kinostatistik meines 2019 – und weil ich auch gleich die letzten 10 Jahre berücksichtigt habe, blicke ich dadurch auch gleich auf das vergangene Jahrzehnt zurück.

Die vergangenen Ausgaben findet ihr alle hier: 2018201720162015

Anzahl Kinobesuche


Nur gerade 65 Mal war ich 2019 im Kino – das ist nicht nur der schlechteste Wert seit 2011 (63 Besuche), sondern auch im Vergleich zum Vorjahr (138 Tickets) ein Rückgang von über der Hälfte. Woran das liegt? Es spielen hier verschiedene Gründe mit: Einerseits eine schwierige persönliche Situation, gekoppelt an einem arbeitsintensiven Herbst. 2019 ging es für mich beruflich vorwärts, was aber auch bedeutete, dass mir wenig Zeit für Kino blieb. Eine Kostprobe gefällig? Zu den Filmen, für die es im vergangenen Jahr nicht gereicht hat zählen «Once Upon a Time in Hollywood», «Frozen II» und… «Star Wars: The Rise of Skywalker». Wahnsinn. So retten wir das Kino also sicher nicht…

Der Durchschnitt des letzten Jahrzehnts wird dadurch gleich um 4 Kinobesuche gesenkt und liegt neu bei 104 Tickets (im Vorjahr lag er noch bei 108.333). Immerhin: Überboten habe ich diesen Durchschnittswert in den letzten 10 Jahren nur dreimal nicht, was Hoffnung für 2020 macht.

Monatsvergleich

65 Kinobesuche, das sind fast gleichviele Filme wie ich 2018 alleine in zwei Monaten (September und Oktober, insgesamt 64) geschaut habe. September und Oktober sind Jahr für Jahr die auffälligsten Monate, da in diese Zeit das Fantoche und Zurich Film Festival fallen und ich somit viel Zeit im Kino und vor der Leinwand verbringe und ein dicht gedrängtes Programm habe.

Das ist auch 2019 nicht anders – mit insgesamt 34 Kinobesuchen machen die beiden Herbstmonate über die Hälfte all meiner Tickets aus. Einen leeeeeeeeichten Kontrast dazu bilden November und Dezember mit keinem, respektive nur einem einzigen Kinobesuch. Richtig gelesen, im November war ich kein einziges Mal im Kino. Ein Monat ohne Kino, das gab es in den letzten fünf Jahren noch nie.

Vergleicht man die einzelnen Monate dieses Jahres mit den Durchschnittswerten seit 2015 (man ist ja masochistisch veranlagt), dann ergibt das ein interessantes Bild: Bis im Juni war ich vergleichsweise nicht einmal so schlecht unterwegs und hinkte dem Durchschnitt nur leicht hinterher. Aber spätestens ab den Sommermonaten nahm die Differenz zwischen den Monaten und dem Mittelwert deutlich zu, was dann auch das deutlich schlechtere Resultat erklärt.

Nummer 1000

2019 gab es auch Erfreuliches! Mein 1000. Kinobesuch war am 31. Juli 2019 – «Rocketman» im Allianz Cinema in Zürich. Taron Egerton und Elton John unter freiem Himmel, so muss das sein. Einer meiner Lieblingsfilme des Jahres für das Jubiläum, das passt für mich ganz gut.

Tatsächlich gibt es aber auch an diesem Wert etwas zu mäkeln. Denn nach meiner Prognose im Vorjahr hätte dieser 1000. Kinobesuch bereits am 8. März 2019 erfolgen sollen. Ausgehend vom Jahreswert von 2018 (138 Kinotickets) berechnete ich, wie lange es dauern würde um die verbleibenden Tickets bis zum 1000. Kinobesuch zu lösen. Als hätte ich es nicht eh schon gewusst, bestätigt das einmal mehr, dass ich 2019 langsamer war im Filmeschauen als 2018.

Nun muss ich auch meine weiteren Prognosen natürlich anpassen, denn ich hatte in der Kinostatistik 2018 auch berechnet, wann ich mein 1200., 1500. und mein 2000. Ticket lösen werde. Da ich das aktuelle Jahr aber nicht als Richtwert für meinen Kinokonsum verstehen möchte, berechne ich dies nicht mit dem 2019-Jahreswert, sondern verwende dabei den gesamten Durchschnitt der letzten 10 Jahre. Wenn man nun mit dem angepassten Wert von einem Kinobesuch alle 3.51 Tage1 ausgeht, dann ergeben sich folgende Termine für die angestrebten Jubiläen:

1200. Kinobesuch am 18. Juli 2021
1500. Kinobesuch am 5. Juni 2024
2000. Kinobesuch am 26. März 2029

Während für den 18. Juli 2021 gleich zwei Kinostarts bekannt sind («Space Jam 2» und «Spider-Man 3»), sind die anderen Daten noch zu weit in der Zukunft, um schon ausmachen zu können, auf welchen Film das Jubiläum dort fallen könnte. Ist vielleicht auch besser so, wenn ich wüsste, was das kommende Jahrzehnt filmtechnisch bringt, sieht man mich am Ende gar nie mehr im Kino…

Mehrfachsichtungen

…gab es, Wunder oh Wunder, gleich ein paar im vergangenen Jahr. Satte drei Sichtungen gab es für mich für «Joker», den ich offensichtlich sehr gelungen finde und eigentlich gerne noch öfters sehen würde. Je zweimal geschaut habe ich «Avengers: Endgame» von den Russo Brothers, «The Dead Don’t Die» von Jim Jarmusch, «Rocketman» von Dexter Fletcher und «Die fruchtbaren Jahre sind vorbei» von Natascha Beller.

Wenig Einfluss hat das auf meine All-Time-Charts, aber immerhin rauscht ein Film auf den dritten Platz. «SkyFall» habe ich dieses Jahr zum fünften Mal auf grosser Leinwand gesehen. Der Film hätte bereits im Vorjahr auf der Liste auftauchen müssen, ging jedoch vergessen – ein Blick in meinen Letterboxd-Account bestätigte mir aber, dass ich den Film tatsächlich schon fünf Mal gesehen habe.

  1. Star Wars: Episode VII – The Force Awakens (8 Sichtungen)
  2. The Dark Knight Rises (6 Sichtungen)
  3. The Dark Knight, Mad Max: Fury Road, SkyFall (5 Sichtungen)
  4. Inception, The Avengers, Jurassic World, Monsters University, Spectre (4 Sichtungen)

Niemand gewinnt… ausser den Russos

Eine Folge dieses lausigen Jahrgangs ist, dass ich (mit einer einzigen Ausnahme) von keinen Regisseur*innen mehrere, verschiedene Filme gesehen habe. In der vorherigen Jahren war ich auch schon mal für Hayao Miyazaki siebenmal oder für Steven Spielberg achtmal im Kino. In diesem Jahr gab es nur gerade von einem Regie-Duo zwei verschiedene Filme für mich – als Double Feature habe ich im April beide «Avengers»-Filme der Russo Brothers im Kino gesehen.

Laufzeit

Im vergangenen Jahr verbrachte ich 6957 Minuten im Kino – das sind 115.95 Stunden, 4.8 Tage oder zwei Artikel der Republik. Wenn man die deutlich kürzeren Kurzfilmblöcke, die ich 2019 gesehen habe, nicht mitzählt, so kommt man auf eine durchschnittliche Laufzeit von 113 Minuten und 20 Sekunden pro Film. Das sind 100 Sekunden weniger als noch im Vorjahr (115 Minuten) – was sehr lobenswert ist. Meine Vorliebe für kurze Filme, die die Zwei-Stunden-Marke unterschreiten habe ich an dieser Stelle ja zu Genüge kundgetan.

Der Animationsfilm

Als Animator interessiert es mich natürlich auch, wie es um den Anteil animierter Filme in meiner Jahresliste steht. Und auch wenn ich 2019 einige Filme verpasst habe («Frozen II» und so ziemlich jeden Animationsfilm mit einem Yeti in der Hauptrolle2 ), so ist mein Jahreswert 2019 zumindest was den Trickfilm betrifft ganz ordentlich.

23 Animationsfilme (und -Filmblöcke) habe ich im vergangenen Jahr gesehen, was bei 65 Filmen einen Anteil von 35.3 Prozent macht. Das ist gegenüber dem Vorjahr (24.6%) eine Steigerung von satten 10.7 Prozent und ein Rekordwert – gleichzeitig waren es 2019 aber deutlich weniger Animationsfilme als im Vorjahr (2018: 34 Filme).

Das Geschlechtergefälle

Künftig möchte ich hier aber auch die Verteilung in anderen Bereichen genauer betrachten und schauen, wie divers mein Filmkonsum ist. Eine Frage, die sich längst aufdrängt, ist, wie gross der Anteil von Filmen weiblicher Regisseurinnen in meinem Filmjahr ist, und leider präsentiert sich diese Zahl so ernüchternd, wie man erwartet.

Wenn man die ganzen Kurzfilmblöcke weglässt, war ich 2019 56 Mal für einen Langfilm im Kino. Nur gerade acht dieser Kinotickets wurden für Filme, die von Frauen gedreht wurden, gelöst. Dazu kommt, dass ich einen Film zweimal gesehen habe, und es somit nur sieben verschiedene Filme3 sind. Bei «Captain Marvel» teilte sich Regisseurin Anna Boden den Regiestuhl zudem mit einem Mann. Acht Tickets auf 56 Filme, das sind gerade einmal 14.2 Prozent – ein Wert, den es 2020 zu knacken gilt.

Kosten

Weniger Kinobesuche bedeutet auch mehr Geld für mich: 2019 habe ich fürs Kino insgesamt 356.00 Franken hingeblättert, das ist fast halb soviel wie im Vorjahr (692.10 Franken). Wenn man das auf die 65 Tickets runterrechnet, habe ich pro Kinobesuch 5.55 Franken bezahlt. Damit habe ich in diesem Jahr im Schnitt 55 Rappen mehr bezahlt als 2018 (5.00 Franken).

Das liegt weiter unter dem durchschnittlichen Ticketpreis, und liegt daran, dass ich auch 2018 oft an Pressevorführungen und Vorpremieren war, für die ich nichts bezahlt habe. Tatsächlich habe ich nur gerade 21 Mal für einen Kinoeintritt bezahlt. Wenn man nur diese Tickets berücksichtigt, so ergibt sich ein durchschnittlicher Ticketpreis von 16.95 Franken, der wieder viel näher an den Preisen liegt, die wir uns gewohnt sind.

Das Making-Of zu «Roar»

Zwei Trickfilmstudenten, zwei Saurier, achtundvierzig Stunden und am Ende steht ein kurzer Film: «Roar» erzählt die Geschichte eines gemütlichen Dinos, der sich gegen einen fiesen Widersacher beweisen muss. Der einminütige Kurzfilm von Ramón Arango und mir, der am Filmfest Bremen mit dem Preis für den besten animierten Kurzfilm ausgezeichnet wurde, ist jetzt online.

Die erste Idee zu «Roar» entstand vor ziemlich genau vier Jahren, als wir im zweiten Jahr unseres Bachelorstudiums an der Hochschule Luzern ein angewandtes Animationsprojekt mit einem Kunden umsetzen sollten. Für Cartoon Network entwickelte ich eine Idee für einen superkurzen Ident über zwei streitende Dinosaurier. Die Geschichte schaffte es damals jedoch nicht über den Pitch hinaus und landete in der Folge wieder in der Schublade. Stattdessen setzte ich zusammen mit Kerstin Zemp und Isabella Luu ein anderes Projekt für das Studio um.

Erste grobe Storyboardskizze zum Film

Eine Bieridee

Ein Jahr später: Ramón Arango und ich sitzen spätabends in der Gewerbehalle in Luzern bei unserem vermutlich nicht ersten Bier. Ramón, der die Idee über die beiden Dinos schon damals toll fand, schlägt vor, sie auf eigene Faust als Kurzfilm umzusetzen. Und nicht nur das: Der Film soll an einem einzigen Wochenende entstehen. Nicht zuletzt dank sehr wenig Schlaf und viel Koffein gelingt es uns, in 48 Stunden einen kurzen Dinofilm zu basteln. Einen Einblick in unseren Gemütszustand gibt dieses Making-Of:

Das Ziel ist es, der ursprünglich für einen zehnsekündigen Spot angedachten Geschichte etwas mehr Substanz zu verleihen, ohne dabei das Projekt unnötig aufzublasen. So entsteht ein etwas mehr als einminütiger Kurzfilm, der in nur wenigen Aspekten von der Originalidee abweicht.

Stimmen und Musik

Es dauert aufgrund unserer Abschlussarbeiten noch einmal ein halbes Jahr, bis die noch stummen Dinosaurier schliesslich ihre Stimmen bekommen. Eingesprochen werden die Dinos von Ramón und mir und dank Benjamin Lüthold und Thomas Gassmann bekommt der kurze Film auch eine schicke Geräuschekulisse. Unser guter Freund Jan Willem de With sorgt mit seinem wunderbar cartoonigen Orchestersoundtrack zudem für die perfekte musikalische Untermalung. Die Musik wurde im Sommer 2017 von einem Orchester an der Zürcher Hochschule der Künste live eingespielt.

Mit Jan setzte ich 2017 übrigens auch die Musik zu meiner Vögelsatire «Foglä» um – Jan wurde für seinen beschwingten Soundtrack an den Los Angeles Film Awards in diesem Jahr mit einem Preis für die beste Musik ausgezeichnet. Und weil aller guter Dinge drei sind, wird Jan auch die Musik zu «Jurassic Ark» schreiben, der Quasi-Fortsetzung zu «Roar», an der Ramón und ich seit einigen Monaten sitzen. Der Film, den wir ebenfalls an einem Wochenende initiiert haben, wird im kommenden Jahr erscheinen und stellt die Frage, was gewesen wäre, wenn die Dinos von ihrem tragischen Schicksal gewusst hätten.

Kinostatistik 2018

Sehr, sehr böse Zungen behaupten, dass die jährliche Kinostatistik mittlerweile der einzige Grund ist für mich, überhaupt noch ins Kino zu gehen. Das ist natürlich grober Unfug, aber nichtsdestotrotz ist es mir Jahr für Jahr aufs Neue ein Vergnügen, meine Kinobesuche auszuwerten und in einer grossen Rückschau abzuhandeln – diesmal sogar mit schicken Fussnoten. Wer das für ebenso interessant hält wie ich, ist herzlich eingeladen, sich das durchzulesen, allen anderen sei gesagt, dass ihnen lediglich einer der längsten Beiträge meines Blogs entgeht. Nochmal Glück gehabt. 😉

Die vergangenen Ausgaben findet ihr alle hier: 201720162015

Anzahl Kinobesuche

Beginnen wir mit etwas Erfreulichem: Der Rückgang an Kinobesuchen in den Vorjahren konnte zumindest ein wenig gestoppt werden und mit 138 Kinoeintritten verzeichne ich 2018 den zweithöchsten Wert aller Zeiten – nur 2013 sass ich öfters im Kino. 138 Tickets, das sind 20 mehr als im eher lausigen Vorjahr. Das entspricht einem Kinobesuch fast jeden dritten Tag (genauer jeden 2.64-ten Tag). Den Durchschnittswert von 108.333 Eintritten habe ich damit seit 2012 jedes Jahr überboten.

Dass ich diesen Wert ausgerechnet in jenem Jahr verzeichne, in dem ich mit meiner neuen Lebenssituation und dem Schritt in die Selbständigkeit eher wenig Zeit für Kino und Popcorn haben dürfte, erstaunt eigentlich nur auf den ersten Blick. Denn mitgerechnet sind bei diesen 138 Kinotickets auch jene von Filmfestivals, von denen ich 2018 auf Festivaltour nicht weniger als sechs besucht habe.1

An Filmfestivals ist es generell einfacher, in kurzer Zeit viele Filme (oder Kurzfilmblöcke, dazu später mehr) zu schauen, weshalb man annehmen könnte, dass meine erhöhte Festivalpräsenz in diesem Jahr auch einen Einfluss auf die Zahlen haben dürfte. Tatsächlich kamen durch die sechs Festivals 2018 insgesamt 33 Tickets dazu. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr waren es nur 15 Festivalkarten von zwei Festivals, die miteingerechnet wurden. Aber: Selbst wenn man diese Filmfestivaltickets der letzten beiden Jahre nicht mitzählen würde, wäre das aktuelle Jahr (105 statt 138 Tickets) noch immer erfolgreicher als 2017 (103 statt 118 Tickets).

Was hingegen nicht zu unterschätzen sein dürfte, sind die Kurzfilmblöcke, die generell weniger lang dauern als Spielfilme und von denen dann entsprechend auch mehr in einen Tag passen. So passiert etwa am Fantoche, als ich an einem Tag drei Filmblöcke, sowie zwei Langfilme geschaut habe. Man darf sich aber keine Illusionen machen: Auch wenn Kurzfilmblöcke generell kürzer dauern als Langfilme, so sind es doch viel mehr und vorallem verschiedene Eindrücke, die zu verarbeiten sind – und entsprechend würde ich einen Kurzfilmblock was Abnützung des Zuschauers angeht gleich gewichten wie einen Langfilm.

Monatsvergleich

Schaut man sich das Monat für Monat an, so fallen einmal mehr die Herbstmonate auf, an denen ich fast die Hälfte der Filme 2018 gesehen habe. Insgesamt 64 Kinobesuche gab es in den beiden Spitzenmonaten September und Oktober zusammen – das Fantoche und das Zurich Film Festival luden zusammen mit einigen anderen Festivals zu filmischer Völlerei im grauen Herbst – ein Angebot, das ich natürlich nicht ausschlug. Beide Monate bieten übrigens Spitzenwerte: Der September egalisiert den Monatsrekord von 2016, während die 31 Kinobesuche für den besten Oktober überhaupt sorgen.

Betrachtet man die Monatsübersicht im Vergleich zum Mittelwert der letzten vier Jahre (2015-2018, graue Linie), so ergeben sich nur wenige Abweichungen zum Durchschnitt. Der heisse Sommer hielt mich vom Kino fern, weshalb ein ohnehin schon schwacher Juni-Schnitt in diesem Jahr zwar noch zusätzlich unterboten wurde. Und auch der Juli war deutlich schwächer als der Mittelwert. Das wird im Gegenzug durch einen starken März und einen bombastischen Oktober locker ausgeglichen. Schön finde ich zudem, dass ich den Negativakzent im November (den ich der Übersättigung nach den vielen September-Oktober-Filmen zuschreibe) in diesem Jahr ein bisschen auffangen konnte.

Nummer 1000Seit 2010 bewahre ich meine Kinotickets auf. Mit allen Tickets zusammen stehe ich im Augenblick bei 975 Stück. Im letzten Jahr liess ich mich deshalb dazu verleiten, den Zeitpunkt meines 1000. Kinobesuchs zu prognostizieren.2

Ausgehend vom Wert von 2017 kam ich so zum Schluss, dass mein 1000. Kinobesuch am 5. Mai 2019 stattfinden würde. Da ich in diesem Jahr aber öfter im Kino war als im Vorjahr, muss ich entsprechend auch meine Prognose anpassen. Wenn ich 2019 gleich oft ins Kino gehe wie in diesem Jahr, löse ich also meine 1000. Kinokarte bereits am 8. März 2019. Ein Blick in den Kinokalender verrät, dass dann «Captain Marvel» anläuft, was besonders passend ist, da ich mit der letztjährigen Prognose noch auf den vierten «Avengers»-Film gesetzt hätte. Nun würde es halt einen Marvel-Film früher klappen.

Und weil wir schon dabei sind, hier noch ein paar angepeilte Jubiläen:

1200. Kinobesuch am 17. August 2020 (da sind momentan nur einige namenlose Studio-Blockbuster geplant)
1500. Kinobesuch am 18. Oktober 2022 (mit einer noch namenlosen Disney-Realverfilmung3?)
2000. Kinobesuch am 30. Mai 2026

Weiter mag ich ehrlich gesagt gar nicht denken, denn allein schon bei der Vorstellung, dass ich in den nächsten 7 Jahren noch 1000 Kinotickets kaufen werde wird mir ein bisschen schwindlig…

Mehrfachsichtungen

Die Zeiten, in denen ich mal eben einen Film hundertfach anschaue, scheinen endgültig vorbei zu sein (es sei denn J.J. Abrams gelingt im kommenden Winter das Kunststück von «The Force Awakens» ein weiteres Mal – die Hoffnung stirbt zuletzt). Ich habe im aktuellen Jahr zwar keinen Film dreimal oder öfter geschaut, dafür aber gleich vier Streifen zweifach:

«Isle of Dogs» von Wes Anderson, «First Man» von Damien Chazelle, «Wolkenbruch» von Michael Steiner und schliesslich «Bohemian Rhapsody» von Bryan Singer. Die ersten beiden, weil ich sie für Maximum Cinema anmoderierte, nachdem ich sie zuvor schon gesehen hatte (und dann gleich im Kino sitzen blieb), und die letzten zwei, weil ich sie schändlicherweise ohne meine Freundin geschaut hatte und wir das dann nachholten.

Dennoch gibt es eine kleine Veränderung in meiner Ewigen Bestenliste, denn dank der Openair-Retrospektive im Xenix und somit meiner fünften Kinosichtung braust «Mad Max: Fury Road» auf den dritten Platz, den sich George Millers rasanter Fiebertraum nun mit «The Dark Knight» teilen darf. V8!

  1. Star Wars: Episode VII – The Force Awakens (8 Sichtungen)
  2. The Dark Knight Rises (6 Sichtungen)
  3. The Dark Knight, Mad Max: Fury Road (5 Sichtungen)
  4. Inception, The Avengers, Jurassic World, Monsters University, Spectre (4 Sichtungen)

Auch thematische Mehrfachsichtungen gab es in diesem Jahr: So habe ich drei Jurassic Park-Filme4 im Kino gesehen, alle vier Indiana Jones Filme (an einem Tag, mehr dazu später), zwei Star Wars-Filme5, sowie sechs Superhelden-Filme6 (wovon glücklicherweise keiner «Venom» war).

Laufzeit

Wenn ein Film über zwei Stunden dauert, werde ich skeptisch. Am Liebsten habe ich meine Filme irgendwo um die 100-Minuten-Marke, aber Hollywood liefert leider nur selten auf Wunsch. In diesem Jahr galt aber durchaus: «Länger ist besser». Die rekordverdächtigen 188 Minuten von «Werk ohne Autor» etwa waren von Anfang bis Ende ein Genuss. Und auch «Once Upon A Time in the West» (175 Minuten) oder «Avengers: Infinity War» (149 Minuten) waren alles andere als zu lang geraten. Der umgekehrte Fall trifft ebenfalls zu: Der kürzeste Film, den ich 2018 gesehen habe, der gerade einmal 48-minütige Anime «The Shower» war leider eine völlige Enttäuschung.

Ganze 14’689 Minuten verbrachte ich in diesem Jahr mit Filmschauen, wenn man Vorspann und Pause nicht mitzählt. Das entspricht ein bisschen mehr als 10 Tagen, die ich im Kino verbracht habe. Wenn man das auf den einzelnen Film runterbricht (und dabei die ganzen kurzen Kurzfilmblöcke nicht mitzählt) ergibt das im Schnitt eine Filmdauer von exakt 115 Minuten, was gerade einmal 28 Sekunden über dem Vorjahres-Wert liegt. Hollywood kann also mitschreiben: Die optimale Filmlaufzeit liegt irgendwo zwischen 114 und 115 Minuten.

Das weiss auch Steven Spielberg, denn dessen «Raiders of the Lost Ark» dauert genau 115 Minuten und war im vergangenen Jahr der erste Film, den ich im Kino gesehen habe. Und damit zum nächsten Punkt:

Hall of Steven

Nachdem er sich im Vorjahr bereits die Krone geschnappt hat, ist Steven Spielberg auch 2018 der Filmemacher, von dem ich die meisten verschiedenen Filme gesehen habe: Gleich achtmal war ich für den amerikanischen Regiemaestro im Kino, was ein neuer Rekord ist (bislang lag dieser bei 7 Filmen von Hayao Miyazaki im Jahr 2015).

Das Witzige an diesem Rekord ist, dass Spielberg bereits am 2. Januar 2018 praktisch als Gewinner feststand. Das Xenix eröffnete das Jahr am Neujahrstag nämlich mit einem Indiana-Jones-Marathon und doppelte tags darauf mit einer Double Feature der ersten beiden Jurassic Park-Filme nach. Mit dem gottsjämmerlichen «Ready Player One» sowie dem eindrücklichen «The Post» komplettierte ich mein spielberg’sches 2018.

Auch die Zweit- und Drittplatzierten Herren sind an dieser Stelle keine Unbekannten: Hayao Miyazaki, von dem ich dieses Jahr, dem Kino Nische sei dank, drei Filme7 sehen durfte, war wie gesagt schon 2015 der Gewinner. Yorgos Lanthimos war im vergangenen Jahr sogar mit vier Filmen vertreten, dieses Jahr gibt es für den schrägen Griechen nur gerade zwei: «The Killing of a Sacred Deer» und «The Favourite».

Da es sich dabei aber bei beiden Filmen um neue Werke handelt, ergattert sich Lanthimos – wie auch Steven Spielberg – einen der begehrten Plätze in der Ruhmesliste jener Filmemacher, von denen ich in einem Jahr zwei neue Filme gesehen habe. Ebenfalls dabei sind Denis Villeneuve (2017), David Yates (2016) und Ridley Scott (2015).8

Animationsfilme

Wem es – wie mir – ein Anliegen ist, dass Animationsfilm mehr gewürdigt wird, der muss selbstverständlich mit gutem Beispiel vorangehen. Darum schaue ich auch jedes Jahr meiner Trickfilmliebe auf die Finger und rechne aus, wieviele der Tickets für Animationsfilme waren. Im vergangenen Jahr komme ich so auf insgesamt 34, was ein neuer Rekordwert ist. Mitgezählt sind dabei nicht nur animierte Langfilme, sondern auch Filmblöcke an Festivals die rein aus Animationsfilmen bestehen. In diesem Jahr waren das gerade einmal 14, womit immer noch 20 Tickets für Langspielfilme bleiben.

34 Animationsfilme auf 138 Kinoeintritte ergibt einen Anteil von fast einem Viertel – genauer 24.6% – womit ich auch in dieser Hinsicht rekordmässig unterwegs bin.9

In diesem Jahr kann ich auch nicht von mir sagen, dass ich irgendeinen Animationsfilm, den ich gern hätte sehen wollen verpasst habe. Selbst wenn ich «The Incredibles 2» erst ganz spät (am 30. Dezember auf deutsch und als einzige Person im Kino) nachgeholt habe, so konnte ich doch alle Filme, die mich interessiert haben und irgendwann bei uns erschienen sind, sehen.

Kosten

Seit ich nicht mehr im Kino arbeite, und nicht mehr gratis Filme schauen kann, sind auch meine Ticketkosten rapide angestiegen. Interessanterweise ging der Betrag in diesem Jahr aber ein bisschen zurück, und ich habe für alle meine Kinotickets noch 692.10 Franken ausgegeben. Das dürfte unter Anderem auch daran liegen, dass ich die meisten Filme an Festivals geschaut habe, an denen ich entweder akkreditiert oder eingeladen war. Überraschend ist es dennoch, dass ich trotz mehr Filme weniger bezahlt habe.

Wenn man diesen Betrag runterbricht, habe ich für den einzelnen Film gerade einmal läppische 5.01 Franken bezahlt, was bestenfalls dem Ticketpreis am «Tag des Kinos» entspricht. In Zürich, wo ein normales Ticket kaum für unter 14 Franken zu haben ist, ist das also ein völlig solider Wert.

Die teuersten Tickets kaufte ich mir, wie schon in den Vorjahren, fürs KKL in Luzern. Dort führen das 21st Century Orchestra und das „neue“ City Light Orchestra ihre Live-Filmmusikkonzerte auf, was entsprechend auch mit teureren Ticketpreisen verbunden ist. Unter 80.00 Franken bekommt man da kaum eine gute Karte, doch das ist es auf jeden Fall wert.

Nachtrag 2. Januar: Kleine Zahlenkorrektur bei der Laufzeit von «Avengers: Infinity War» und entsprechende Anpassung des Durchschnittswerts.
Nachtrag 31. Dezember: Die durchschnittliche Laufzeit wurde falsch angegeben.

2018 in Review

Nicht mehr lange, dann geht ein weiteres Jahr zur Neige. Das bedeutet für mich auch, dass gewisse Blogtraditionen gepflegt werden wollen, selbst wenn hier kaum mehr etwas an meine Bloggervergangenheit erinnert. Irgendwie wirkt hier alles so… ausgestorben.

Mein Jahresabschluss-Fragebogen-Jubiläum will ich mir dann aber doch nicht entgehen lassen. Seit meinen Bloggeranfängen im 2009 fülle ich jedes Jahr Ende Dezember denselben Fragebogen aus und werfe einen persönlichen, ja fast schon intimen Blick zurück auf das vergangene Jahr.

Was bisher geschah: 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017

2018 wartete mit vielen, meist positiven Überraschungen auf. Würde ich meinem 2017-Ich davon erzählen, es würde mir wohl nicht glauben. Nach dem ernüchternden letzten Jahr, das mich in vielen Bereichen auf den Boden der Tatsachen zurückgeworfen hat und mir viel Geduld und Durchhaltevermögen abverlangte, schöpfte ich 2018 wieder mehr Hoffnung, dass ich mich vielleicht ja doch auf dem richtigen Weg befinde.

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Spendenauktion 2018

Als ich im Dezember vor drei Jahren anlässlich der Spendenauktion 2015 Star-Wars-Zeichnungen versteigert habe, kamen dabei mehr als 200 Franken zusammen. Das Geld ging aber nicht in meine Tasche, sondern kam vollumfänglich der Stiftung Wunderlampe zugute, einer wohltätigen Stiftung, die kranken Kindern nicht-materielle Wünsche erfüllt und ihnen damit auf ihrem schwierigen Weg etwas Licht schenkt. Hier könnt ihr euch ein Bild davon machen: www.wunderlampe.ch

Der Erfolg dieser ersten Spendenauktion hat mich enorm gefreut, doch ich habe das Gefühl, dass da noch mehr drinliegt. Aus diesem Grund starte ich einen zweiten Durchgang – diesmal versteigere ich alle 31 Originalzeichnungen meines Inktober-Projekts «Moody Robots». Den ganzen Oktober hindurch habe ich nämlich jeden Tag einen kleinen Roboter gezeichnet, jeden davon in einer anderen, von euch vorgegebenen Gemütslage. So sind «Grumpy Robot», «Happy Robot» und sogar «Angry Robot» entstanden.

Alle diese Originalzeichnungen sind jetzt zu haben – und ihr unterstützt damit erst noch einen guten Zweck. Besser geht’s fast nicht.

Noch bis am 8. Dezember 2018 um 22 Uhr (MEZ) könnt ihr hier auf die Originale (im Format A6) bieten. Wichtig: Jedes Gebot, das ihr abgebt, ist verpflichtend. Solltet ihr die Karte ersteigern, könnt ihr mir das Geld entweder auf mein Konto überweisen oder per Paypal zahlen – ich werde euch instruieren. Anschliessend werde ich euch die Karte per Post zukommen lassen.

Doch das ist noch nicht alles! Dank dem grosszügigen Support meiner Druckerei Feldner Druck (die die Produktionskosten übernommen haben) habe ich zudem noch ein kleines A6-Heftli mit allen 31 Robotern produziert. Es trägt den Titel «Moody Robots» und ist in einer extremst limitierten Auflage von 31 Stück erhältlich. Ihr könnt euch eure Roboterkollektion auf www.machaon.ch für 8 Franken sichern. Ehrensache, dass auch diese Einnahmen vollumfänglich an die Stiftung Wunderlampe fliessen.

Owley am ZFF 2018: Die Letzten

Tag 10 & 11: Samstag, 6. Oktober & Sonntag, 7. Oktober 2018

Mein diesjähriges Zurich Film Festival ist grösstenteils bereist durch, für die letzten beiden Festivaltage stehen nur noch zwei Filme an, was einerseits daran liegt, dass ich meinen Samstagabend verplant habe, aber auch, dass ich schon alles gesehen habe, was ich sehen wollte.

Der erste dieser beiden Filme steht am Samstag auf dem Programm, im Anschluss an meine zweitletzte Moderation. Dazwischen bleibt noch etwas Zeit, in der ich den warmen Nachmittag geniesse, Kaffee trinke und mit Freunden plaudere. So muss das sein. Auf den Film, der ansteht habe ich mich schon eine Weile gefreut: «Matangi/Maya/M.I.A.» (4/5) heisst der Dokumentarfilm über die britische Musikerin M.I.A. von Steve Loveridge, der versucht, diese ebenso kontroverse wie faszinierende Persönlichkeit zu erfassen. Loveridge setzt dabei unter anderem auch auf Archivmaterial von M.I.A. selber – eine der grössten Stärken dieses Films. Nur schade, dass der Regisseur – ein langjähriger Freund der Musikerin – in seinem Werk eine komplett unkritische, ja bisweilen glorifizierende Haltung einnimmt.

Am Sonntag darf ich zum ersten Mal ein bisschen ausschlafen, hurra! Nach meiner letzten Moderation des diesjährigen ZFF steht auch mein letzter Film auf dem Programm. Ich muss zwar sagen, dass ich mir schon ein bisschen Sorgen gemacht habe, als ich gesehen habe, dass Sven dem Film gestern auf Letterboxd nur einen Stern gegeben hat. Die österreichische Komödie bestätigt leider sämtliche Bedenken – das war nichts. In «Womit haben wir das verdient?» (1/5) eröffnet eine pubertierende Tochter ihren Eltern, dass sie zum Islam konvertiert ist. Islamophobie, Feminismus, Genderwahn: Eva Spreitzhofer lässt in ihrem Regiedebüt keine Pointe aus – schade nur, dass sie alle scheisse sind. Statt einem Versuch, auf intelligente Weise Kulturen aufeinanderprallen zu lassen, bietet «Womit haben wir das verdient?» haufenweise plumpe Klischees der Schweiger’schen Sorte. Dieser letzte Film des ZFF ist wirklich das Letzte.

Owley am ZFF 2018: Off ZFF

Tag 9: Freitag, 5. Oktober 2018

Johnny Depp! OMG! Das Zurich Film Festival steht heute ganz im Zeichen des überbewertetsten Piraten der Welt, der am Abend über den Teppich schreiten und eine Master Class geben wird. Die Tickets dafür waren innert zehn Minuten ausverkauft, Kostenpunkt: 90 Franken. Die Dreistigkeit, die die Köpfe hinter diesem Festival bisweilen an den Tag legen, überrascht mich immer wieder. Aber dann wiederum bestimmt die Nachfrage den Preis, und offensichtlich rechtfertigt sie diesen.

Johnny ist mir egal, und der ganze Rummel ebenso. Ich habe auch keine Stars getroffen, nur Joel Basman bin ich begegnet, und der ist – bei all seinem Talent, das er dieses Jahr wiederholt unter Beweis gestellt hat – kein wirklicher Star. Ich nutze die Zeit lieber, um Filme zu schauen und Leute kennenzulernen. Ein bisschen Johnny Depp gibt es heute aber doch noch, denn als Erstes steht der neue Film des Schauspielers auf dem Programm, den er ans ZFF mitgebracht hat.

«Richard Says Goodbye» (2/5) heisst das Drama, das Johnny als Literaturprofessor zeigt, der seine Krebsdiagnose zu verarbeiten versucht. Der Film wurde mir als eine Art «The Bucket List» angepriesen, was aber aus diversen Gründen überhaupt nicht zutrifft. Einer davon ist, dass das Freeman-Nicholson-Vehikel effektiv witzig ist, dieser Film hingegen überhaupt nicht. Das halbgare und wirre Drehbuch hätte einen starken Darsteller gebraucht, der daraus noch einen vernünftigen Film hätte machen können – stattdessen gab es Johnny Depp. Der Schauspieler nuschelt sich derart lustlos durch diesen Film, dass er wohl sämtlichen Träumen eines zweiten Karrierefrühlings ein Ende setzt.

Durch einen Wechsel im Pressevorführungsprogramm steht nun im unmittelbaren Anschluss «Der Vorname» (4/5) von Sönke Wortmann an, den ich ansonsten verpasst hätte. Ich habe das französische Original dieses Kammerspiels leider nicht gesehen, aber habe gehört, dass es gut sein soll. Immerhin: Das Remake ist witzig und lässt während seiner gesamten 90 Minuten keine einzige Pointe aus. Da verzeiht man dem Film auch gerne seinen fehlenden Mut (etwa wenn Christoph Maria Herbst in der Rolle von Christoph Maria Herbst besetzt wird) und die gar zahme Auflösung. Für gute Unterhaltung sorgt «Der Vorname» aber auch so auf jeden Fall.

Ohne Pause geht es weiter in meinen zweiten Dokumentarfilm des Festivals: «Putin’s Witnesses» (4/5) von Vitaly Mansky. Der frühere Hausdokumentarist des russischen Präsidenten war zur Jahrtausendwende, also dem Beginn von Putins Herrschaft, ein steter Begleiter des mittlerweile mächtigsten Manns der Welt. Der kritische Dokumentarfilm ist auch ein Eingeständnis zur eigenen Rolle von Mansky, der wesentlich dazu beigetragen haben dürfte, den Mythos Putin in den Köpfen des russischen Volkes zu verankern.

Als Menschen erlebt man den Präsidenten in «Putin’s Witnesses» nicht – dafür stellt sich Putin zu geschickt an. Es ist stattdessen sein Vorgänger Boris Yeltsin, den Mansky ebenfalls begleitet hat, der uns hinter die Fassade blicken lässt. Innert kürzester Zeit wird Yeltsin vom Königsmacher zur Randnotiz der Geschichte degradiert – am Ende bleibt nur ein gebrochener alter Mann.

Mein nächster Film ist meine erste Vorstellung abseits des ZFF. «A Star is Born» (2/5) wurde Anfang Woche noch am Festival gezeigt und ist inzwischen bereits regulär im Kino zu sehen. Zusammen mit Alan schaue ich mir Bradley Coopers gefeiertes Regiedebüt über den parallel verlaufenden Aufstieg und Fall zweier Musiker an. Man kann dem Film einen gewissen Charme nicht absprechen und die beiden Hauptrollen sind mit Cooper und Lady Gaga gut besetzt – vorallem Letztere spielt in ihrer ersten Filmrolle überraschend stark. Doch bei der Story fällt «A Star is Born» für mich durch – allzu geradlinig und konventionell erzählt, bleibt dieser Musikfilm so fad wie seine Songs.

Nachdem ich die letzten acht Stunden durchgängig Filme geschaut habe, genehmige ich mir eine kurze Pause, treffe meine Freundin zum Znacht und setze mich anschliessend ein letztes Mal ins Kino, wo «Mission: Impossible – Fallout» (3/5) auf dem Programm steht. Nein, der Film läuft nicht am Festival, aber ich nutze die Lücke in meinem Plan, um diesen Film endlich nachzuholen. Im schlechtesten Kino der Stadt und in unnötigem 3D schaue ich also, wie Tom Cruise einmal mehr die Welt rettet. Die Story ist natürlich völliger Müll und die wenigen Plottwists, die noch nicht in den Trailern verraten wurden, sind nicht der Rede wert. Zum Glück macht das Christopher McQuarrie mit rasanten Actionsequenzen und schicken Set Pieces wett. Der sechste Teil von Tom Cruise’ Agentenreihe ist zwar bei weitem kein Volltreffer, aber immerhin gute Unterhaltung bietet.

Owley am ZFF 2018: Double Feature

Tag 8: Donnerstag, 4. Oktober 2018

Der heutige Tag dürfte der kürzeste Tag des Festivals werden für mich: Nur zwei Filme stehen auf dem Programm: Einer am Morgen, einer am Abend. Dazwischen muss ich arbeiten, denn es gibt doch noch Projekte, die kann und will ich selbst am Zurich Film Festival nicht beiseiteschieben. Ich bin ein bisschen früher beim Kino, weshalb ich noch einen Kaffee trinke und langsam in den Tag starte.

Los geht es mit «Ballon» (5/5) von Michael Bully Herbig, der für mich einer der Filme des Festivals ist, auf den ich mich am Meisten freue. Nicht, dass ich jetzt ein grosser Bully-Fan wäre, aber das erste Drama des deutschen Regisseurs sieht wirklich gut aus, und irgendwie wünscht man es Bully ja, dass es ihm endlich gelingt, aus seiner Haut zu können. Und tatsächlich erweist sich «Ballon» als eines meiner Festival-Highlights. Basierend auf der wahren «Ballonflucht» zweier deutscher Familien aus der DDR liefert Bully einen nervenaufreibenden und berührenden Thriller, der unter die Haut geht.

Ursprünglich wollte ich an diese Pressevorführung diejenige zu «Whitney» anhängen – da die Vorstellungen aber nur 10 Minuten und zahlreiche Kilometer auseinander liegen, entschied ich mich dazu, «Whitney» stattdessen am Abend zu schauen. Als ich nach «Ballon» auf die Uhr blicke, stelle ich aber fest, dass der Film deutlich früher fertig war als gedacht und beschliesse, es doch noch mit der zweiten Pressevorstellung zu versuchen. Und tatsächlich: Kurz darauf sitze ich im Film und freue mich darüber, dass sich meine Tagesplanung dadurch nun wesentlich einfacher gestaltet.

«Whitney» (4/5) ist mein erster Dokumentarfilm des Festivals, ein Genre mit dem ich mich immer wieder schwertue. Ich schaue viel zu wenige Doks und weiss nach dem Film auch gar nicht so recht, ob ich jetzt einen guten oder einen schlechten Film gesehen habe. Kevin Macdonalds Film über Whitney Houston hat mir auf jeden Fall sehr gut gefallen. Es ist sehr berührend, den kometenhaften Aufstieg der Sängerin, aber auch ihren ebenso rasanten Fall zu beobachten. Dafür holt Macdonald zahlreiche Freunde und Familienmitglieder von Whitney Houston vor die Kamera und lässt sie Auskunft geben über das Leben dieser aussergewöhnlichen Musikerin.

Damit endet mein viertletzter Festivaltag auch schon, und ich freue mich auf meinen ersten filmfreien Nachmittag seit einer Weile.

Owley am ZFF 2018: Abgestumpft

Tag 7: Mittwoch, 3. Oktober 2018

Beinahe wäre es heute zu einem 6-Filme-Tag gekommen, doch letzten Endes habe ich mich zugunsten eines ein bisschen entspannteren Abends dagegen entschieden. Der Tag beginnt auch so genug früh, da ich diesmal von Luzern anreisen muss. Das lohnt sich nur bedingt, denn der erste Film des Tages, «Red Joan» (2/5) mit Judi Dench, ist ein ziemlicher Reinfall. Die britische Schauspielerin spielt in dem Film im Grunde die gleiche Rolle wie in «Philomena»: Auch Joan wird von ihrer Vergangenheit eingeholt, wird sie doch dafür angeklagt, während des Kalten Kriegs britische Geheimnisse an Russland weitergegeben zu haben. Auch eine solide (lies: nicht überragende) Darbietung von Judi Dench kann dieses seichte Drama, das seine Figuren selber nicht wirklich zu kennen scheint, retten.

Im direkten Anschluss steht «Kursk» (2/5) auf dem Programm, Thomas Vinterbergs Drama über den Untergang eines russischen U-Boots. Der Film wurde von Luc Bessons EuropaCorp produziert und entsprechend ist das Drama auch international besetzt, weshalb man sich darauf geeinigt hat, dass alle Russen im Film ein akzentbehaftetes Englisch reden. Das nagt an der Glaubwürdigkeit dieses auf wahren Tatsachen beruhenden Katastrophenfilms, der auch ansonsten nie wirklich in die Gänge kommt. Bis zum Schluss bleibt etwas zwischen uns und den Protagonisten und Vinterberg, der zuvor wiederholt bewiesen hat, dass er mit Figuren umzugehen weiss, tut sich mit diesem auf dem Papier stark besetzten Ensemble überraschend schwer. «Kursk» tut es seinem realen Vorbild gleich und ist eine Katastrophe.

Alle meine Filme heute laufen in Kinos, die in Gehdistanz zum Festivalzentrum liegen, was mir den Stress von Tram- und Zugfahren ersparen. So kann ich die Sonne ein bisschen geniessen, bevor mit «Monsters and Men» (4/5) mein nächstes Screening ansteht. Das Regiedebüt von Reinaldo Marcus Green erzählt vom Mord eines Polizisten an einem Schwarzen in New York, bzw. was diese Tat mit betroffenen Menschen macht. Mit seiner etwas holprigen Erzählweise ist «Monsters and Men» zwar kein perfekter Film, aber das charmant besetzte Drama besticht durch eine differenzierte Figurenzeichnung und authentische Inszenierung.

Auch der nächste Film stammt von einem Regiedebütanten, der aber alles andere als ein unbeschriebenes Blatt ist: Paul Dano. Bevor ich mich aber in sein Familiendrama «Wildlife» setze, schnappe ich mir noch einen Kaffee vom Vicafe-Stand beim Bellevue. Das ist eine meiner zwei ZFF-Traditionen: Die andere ist die Wurst vom Vorderen Sternen, die ich bereits am ersten Tag gegessen habe. Die Schlange vor dem Kaffee-Stand ist erwartungsgemäss ziemlich lang, ist ja schliesslich auch der beste Kafi der ganzen Stadt.

«Wildlife» (3/5) von Paul Dano ist ein interessantes Drama über eine Familie in den 60er-Jahren, deren heile Welt langsam auseinanderbricht. Der Film ist wunderschön gefilmt und überragend besetzt (Carey Mulligan, Jake Gyllenhaal, sowie der junge Ed Oxenbould), aber leider dann doch ein bisschen sehr schleppend erzählt. Was mir Dano mit «Wildlife» sagen wollte, weiss ich bis jetzt noch nicht so recht.

Mein letzter Film des Tages ist «Juliet, Naked» (3/5) von Jesse Peretz. Dabei handelt es sich ein bisschen um eine persönliche Angelegenheit, denn als grosser Nick Hornby-Fan mochte ich bislang alle seine Verfilmungen. Aus diesem Grund habe ich mir für den Film auch Tickets gekauft, um ihn sicher sehen zu können. Und ich habe es sogar geschafft, meine Freundin in ihre allererste ZFF-Vorstellung zu schleppen. Das Verdikt: «Juliet, Naked» ist okay. Die Geschichte über eine Frau, die sich ausgerechnet in den Lieblingsmusiker ihres Mannes verliebt war schon als Buch nicht mein Lieblingsstoff von Hornby, und auch die Verfilmung kann mich nicht vollends überzeugen. Der Charme eines «About a Boy» fehlt diesem Film, der mit Ethan Hawke, Rose Byrne und Chris O’Dowd gut besetzte Musikfilm ist nichtsdestotrotz eine kurzweilige Angelegenheit.

Immerhin: Der Film hat meiner Freundin deutlich besser gefallen als mir (4/5), und sie attestiert, dass ich nach 28 Filmen meine Sinne womöglich ohnehin abgestumpft habe und daher Filme nicht mehr richtig wahrnehmen könne. Vermutlich hat sie Recht.

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