Jerry Cotton (2010)

Gestern Abend haben wir uns dann noch Jerry Cotton angeschaut, in der Hoffnung, einen Film à la Wixxer zu sehen. Was wir dann sahen, war eine Aneinanderreihung von Gags, die mal lustig, mal weniger lustig waren und letztlich zu einem Produkt führten, das die Welt nicht braucht. Aber welchen Film braucht die Welt schon? 😉

Story

[Spoiler]Nachdem dem Cop Jerry Cotton der Mord an seinem früheren Partner angehängt wird, begibt sich dieser auf die Flucht. An seine Fersen haftet sich sein letzter Partner, Decker, ein unfähiger Cop, aber ein Genie, was Maskerade betrifft. Erst sollte er die Polizei zu Cotton lotsen, doch letztlich schliesst er sich Cotton an. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach dem Mörder des Puppenspielers, einem Bösewicht, der für Cottons einzigen ungelösten Fall verantwortlich war. Zu allem Übel stellt sich den Beiden eine übereifrige Cop in den Weg, die Cotton von früher kennt…[/Spoiler] Die Story wirkt gestrickt und scheint sich an die Gags anzupassen, was ihr in meinen Augen schadet. Gegen Ende ist nicht klar, was jetzt genau passiert, der Zuschauer wird oft im Dunkeln gelassen. Storytechnischer Blödsinn. Auch die Monologe von Cotton zu Beginn gehen einem rasch auf die Nerven, interessiert keine Sau, wie lange er nicht mehr geschlafen hat.

Darsteller

Die Hauptdarsteller sind – bis auf Christian Tramitz, der eine gewissermassen solide Leistung abliefert – schlecht, bzw. einfach nicht gut. Christian Ulmen als Spassfaktor Decker bringt zwar die Lacher, versaut dafür aber die Szenen, in denen er durch Ernst überzeugen sollte, gänzlich. Und über Christiane Paul mag ich mich gar nicht mehr auslassen, abgesehen davon, dass ihre Figur nervt, mag ich Paul als Schauspielerin nicht. Dafür sind die Nebendarsteller viel besser gewählt – Heino Ferch als schwäbischer Bad Guy und in Neben-Neben-Nebenrollen Moritz Bleibtreu als toter Gangster, Oliver Kalkofe als Gangster und Bastian Pastewka als Baron Münchhausen. Es sind nämlich die Nebendarsteller, die für die eigentlichen Lacher sorgen, was in meinen Augen ziemlich traurig ist. Und Mónica Cruz überzeugt auch nur ihren Kurven wegen, schauspielerisch bleibt auch sie hinter den Erwartungen zurück.

Soundtrack

Dafür ist der Soundtrack, wie in so manchem neuen deutschen Film (vergleiche Wixxer und Keinohrhasen) grossartig. Vielleicht sogar einen CD-Kauf wert. Eventuell. Hollywood könnte einen Film kaum besser untermalen. Verantwortlich für diesen Soundtrack sind Helmut Zerlett und Christoph Zirngibl, die bereits einige Scores gemeinsam komponierten, so beispielsweise für Neues vom Wixxer oder zuletzt Rennschwein Rudi Rüssel. Zerlett ist Bandleader in Harald Schmidts Showband. Von Zirngibl ist hingegen weniger bekannt. Doch zurück zum Soundtrack. Auf der CD sind offenbar nur sechs Scorestücke, der Rest besteht aus im Film verwendeten Musikstücken, die einem ein geniales 60s-Feeling geben. Falls der Score es irgendwann mal auf YouTube schafft, empfehle ich euch das Stück „Hotel Alabama“, von dem, bis es soweit ist, auch hier ein Auszug angehört werden kann (Rechter Hand, Track 8).

Der Wixxer vs. Jerry Cotton

„Ach was, Jerry Cotton stammt von denselben Kerlen wie Neues vom Wixxer?“ – Nein, diese Frage wird man nicht so viel zu hören kriegen, denn die Handschrift der Wixxer 2-Regisseure Cyrill Boss und Philipp Stennert, des Produzenten Christian Becker ist unübersehbar. Dieser Versuch, Hollywood zu kopieren, der in beider Wixxer-TeileNeues vom Wixxer nicht wirklich gelang und auch hier erneut angerissen wird, zeigt sich erneut. Selbst im Soundtrack sieht man diese Parallelen, obwohl dieser hier klar rockiger ist. Allgemein lässt sich Jerry Cotton als misslungenes Sequel der Wixxer-Teile (Triple Wixxx sollte ja bald folgen!) bezeichnen. Misslungen darum, weil die Erwartungen an einen Wixxer-Film definitiv nicht erfüllt werden können, dazu spielt Der Wixxer einfach in einer zu hohen Liga. Jerry Cotton ist ein Film, den man nicht gesehen haben muss, den man aber sorglos sehen darf. 🙂

Bildquelle: Filmposterarchiv.de

  • christiansfoyer

    Christian Tramitz mag ich eigentlich gerne, ist vor allem auch ein klasse Synchronsprecher und ohne ihn sind Bully und Rick nicht mal die Hälfte wert. Nach allem, was man so hört, liest und selber sieht scheint „Jerry Cotton“ aber zu sein, als was du ihn bezeichnest: ein Produkt das die Welt nicht braucht. Sehr schade, denn Tramitz hätte ich ’nen großen Solo-Hit in jedem Fall gegönnt

    AntwortenAntworten

Kommentar schreiben