Pirates of the Caribbean: On Stranger Tides (2011)

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„Did everyone see that? Because I will not be doing it again.“

Kino-Highlight Nummer 1 des Jahres 2011 – Check! Wer meine Vorfreude im Vorfeld miterlebt hat, die von Abwarten des ersten Trailers bis zum Ticketkauf am ersten Vorverkaufstag reichte, weiss, dass Pirates of the Caribbean: On Stranger Tides, der vierte Teil der Piratensaga um Captain Jack Sparrow, für mich mehr als nur „Ach, der läuft auch noch“-Kino darstellt. Die erste Trilogie wurde mit dem Tod Davy Jones durch Will Turner abgeschlossen, die Story musste zwangsläufig in anderen Bahnen fortgehen. Als dann die Hälfte der Hauptdarsteller mit noch lebenden Charakteren absprang beschloss man bei Disney einen Neuanfang. Back to the Roots – nach den nicht nur positiven Meinungen zu den Sequels wollte man wieder den Funken des ersten Teils entfachen, und beschloss dabei auf einige wenige Charaktere zu setzen und das ganze eine Nummer kleiner aufzuziehen.

Jack Sparrow ist immer noch hinter der Quelle der Ewigen Jugend her – und landet dabei auf der Suche nach einer guten Crew in London. Dort trifft er aber zuerst auf seinen alten Gegner Hector Barbossa, der als Freibeuter unter der Flagge des Königs segelt, und mit Sparrows Hilfe für den König Ewige Jugend erlangen will. Kaum hat Sparrow diesen Kerl abgeschüttelt, holt ihn abermals seine Vergangenheit ein – diesmal in der Form einer bildhübschen Spanierin namens Angelica, die die gemeinsame Vergangenheit mit Jack Sparrow nicht vergessen hat. Kaum versieht sich der wackere Piratenkapitän, findet er sich auf dem Schiff seiner ehemaligen Geliebten wieder, ein Schiff dessen Kapitän kein Geringerer als der berüchtigte Blackbeard ist – und Angelica seine Tochter. Und alle haben dasselbe Ziel: Die Quelle der Ewigen Jugend aka Jungbrunnen.

Bereits der Versuch, ein weniger komplexes Storykonstrukt als in den Vorgängern aufzubauen, scheitert. Oder zumindest teilweise. Zwar würde ich den Plot an sich als den simpelsten und für Pirates-Verhältnisse am wenigsten verworrenen bezeichnen, dafür lahmt es an Kontinuität in der Erzählung. Dümpelt die Geschichte die längste Zeit vor sich hin, hüpft sie bei den entscheidenden Stellen von Schauplatz zu Schauplatz und von Wendung zu Wendung und verwirrt dabei mehr, als das sie auflöst. Hie und da muss man sich sagen: „Das ist ein Pirates-Film, das muss so sein!“, denn stellenweise fehlen schlicht und einfach die Erklärungen für Beweggründe der Charaktere. Dafür muss man dem Film jedoch zu Gute halten, dass, anders als dies viele Reviews bereits im Vorfeld bemängelten, einem in den gesamten 137 Minuten in meinen Augen nie langweilig wird, da waren die Vorgängerfilme mit bis zu 3 Stunden Laufzeit deutlich länger und auch entsprechend langatmiger.

Bei soviel Abwechslung zur ersten Will/Elizabeth-Trilogie gibt es aber eine Konstante: Johnny Depp als Jack Sparrow ist bereits zum vierten Mal am Start, nach eigener Aussage sagte er bereits zu, bevor ein Script vorlag. Zum Glück! Pirates ohne Johnny Depp geht nicht, und das wissen auch die Macher. Denn umgekehrt heisst das, dass Pirates mit Johnny Depp viel Geld einspielt, weshalb bereits Teil 5 und 6 in der Pipeline sind. Doch zurück zu Johnny Depp: Viel zu sagen gibt es da jedoch nicht, da Depp erneut eine grandiose, tollpatschige Performance abgibt, man merkt auch, dass er beim Spielen des schrillen Piraten Freude hat.

Penélope Cruz gefällt in der Rolle der hübschen/toughen Dame, bzw. der Rolle, die Keira Knightley nie wirklich überzeugend verkörpern konnte. Als ihr Vater Blackbeard brilliert IanMcShane, der die Figur zwar weit weniger beeindruckend als ein Davy Jones spielt (wobei dessen Eindruck auch nur von CGI herrührt), dafür aber mit seiner berechnenden Fiesheit punktet. Überraschend gut ist aber der vierte im Bunde der Protagonisten, Sparrows ewiger Widersacher, [der nunmehr einbeinige] Hector Barbossa aka Geoffrey Rush, der den Part des Comic Relief übernimmt, und diesen konsequent bis zum Schluss durchzieht. Dafür sind die Nebendarsteller umso fader – den von Sam Claflin verkörperten Missionar möchte man bitte für den folgenden Teil in den Tiefen des Meeres ruhen lassen. Sein Gegenüber spielt die auch ziemlich untalentierte Astrid Bergès-Frisbey, die immerhin den Part als sehr hübscher Hingucker sehr gut, pardon, befriedigend, ausfüllt.

Nicht sehr befriedigend, und das ist für mich fast die grösste von zum Glück wenigen Enttäuschungen, ist die Musik zum Film. Da, es ist raus. Dabei hätte die Kombination aus Hans Zimmer und dem Duo Rodrigo y Gabriela sehr viel Potential gehabt. Meist nimmt die Musik der beiden Mexikaner oft nur den Platz von seichtem Hintergrundgeklimper ein, lediglich bei der „Palm Tree Escape“ geht etwas ab, aber da werden sie auch von einem Orchester unterstützt. Aber auch die reinen Zimmer-Klänge kommen nie an jene des dritten oder zweiten Teils heran. Herauszuheben ist gerade einmal Blackbeards Thema, das im Vergleich mit den anderen aufgewärmten Titeln und den schwachen neuen Klängen noch eine gewisse Düsterness auszustrahlen vermag. Vielleicht hätten sie doch besser zu Michael Bolton gegriffen:

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Ein [bisschen verschwendetes Potential ist in meinen Augen der Part der Spanier als Hauptgegner aller Parteien. Man hätte ihnen ruhig einen Kommandanten mit Format eines Beckett oder Norrington geben können, und ihnen mehr Platz in der Story verschaffen können. So bleiben ihnen nur einige wenige Auftritte, und diese werden erst noch in englischer Sprache geführt. Da hätten spanische Dialoge meiner Meinung nach viel authentischer gewirkt. Ebenfalls sehr schade ist, dass man das Potential von Spaniern vs. Spanierin (Angelica) damit auch nicht ausgeschöpft hat, ein kurzer, spanischer Dialog wäre schon Daseins-Rechtfertigung genug gewesn für die Iberier in diesem] Film. 😉

Dafür sind die Effekte abermals spitzenmässig – kommen sie doch aus der bewährten Effektschmiede ILM, die Jahr für Jahr für Staunen in den Kinos sorgt. Gerade die Meerjungfrauen sind schön anzusehen, aber auch so Details wie Blackbeards glühender Bart oder rumsausende Schlangenseile sind gelungen und stehen in der Tradition der was Effekte anbelangt hochwertigen Pirates-Filme. Dafür bricht die Tatsache, dass der Film keine einzige Seeschlacht aufweist, mit ebendieser Tradition, eine Tatsache die ich gerade im Piratengenre doch ein wenig bemängele. Vermutlich ist das 3D auch seine zusätzlichen 3 Franken nicht wert, ab und zu entlockte es aber auch mir ein „Uh!“, wenn mal wieder ein Schwert durch die Türe zugesaust kam.

Teil 4 ist nicht der Beste der Reihe, was zwangsläufig so kommen musste, gefiel mir doch „At World’s End“ eben gerade wegen dem Spektakel, das man bei diesem Teil weggelassen hat. Dafür punktet die Jungbrunnen-Suche an anderer Stelle – etwa beim Humor, der so erfrischend daherkommt wie in noch keinem Film der Reihe zuvor, oder den zur Höchstform aufspielenden Hauptdarstellern.

Und allein um die Queen Anne’s Revenge unter Barbossas Kommando zu sehen, wünsche ich mir einen 5. Teil.

  • Silencer

    Kommt die Black Pearl vor?

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  • Damian

    Also ich hab neulich einen Clip gesehen in dem er in einer Halle am Kronleuchter rumschwingt und so. Und das war wirklich wirklich ganz ganz schockierend schlecht. Allerüberübelster Slapstick.

    Aber bis an hin hab ich alle Teile gemocht. Wird bei diesem bestimmt auch der Fall sein. 🙂

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  • Dr. Borstel

    Hab’s noch nicht gelesen, weil ich noch nicht allzu viel über den Film wissen will. Aber nur 7/10 von einem Fanboy wie dir klingt ja eigentlich eher suboptimal … Trotzdem, ich mache mir schon selbst ein Bild.

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  • Lukas

    Och mensch. Jetzt musste ich mich schon zusammenreißen und hab jeden verdächtig aussehenden Absatz gleich mal übersprungen, und hab doch noch nen Spoiler mitbekommen, von dem ich eigentlich nix wissen wollte. Mist aber auch. Nächstes Mal les ich einfach gar nix, halte mir die Ohren zu und singe laut *lalalalalalaaichkannnixhöööören* 🙁
    Ich geh aber morgen rein und freue mich auch schon riesig – ich hoffe nur, dass die reservierten Karten halbwegs gute Plätze bereithalten…
    7/10 klingt ja durchaus nach dem, was ich jetzt mit nem Neuanfang erwartet hätte, von daher 😀

    PS: The Lonely Island sind einfach genial. Das Video hab ich in den 2 Wochen, die es das jetzt gibt, unzählige Male gesehen. Ohrwurmtrack mit TLI-Humor und geiler Qualität ist einfach unschlagbar 😀

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  • Lichtschwert

    Mann, bei mir dauert’s noch zwei Wochen. 🙁

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  • Roberto

    Ich hab in nun auch gesehen! Und muss sagen, dass ich in fast allen Punkten mit dir übereinstimme. Der Soundtrack gefällt mir wohl etwas besser als dir. Zugegeben – an den 3. kommt er nicht heran, nur schon deswegen, weil kein wunderschönes Thema à la „One Day“ oder „At Wit’s End“ vorkommt, aber das Angelica-Theme weckt in mir meine spanischen Wurzeln und die Mermaids-Szene und -Musik finde ich cool. Blackbeards Schiff ist der Hammer! Im Kino hab ich zwar in der Szene mit den Seilen ein „So en Scheiss!!“ gehört. Ich schwöre bei der Pearl, hätte ich ein Schwert dabeigehabt, wäre es im Bach dieses Typen gelandet! Pirates ist fun, Pirates ist Unterhaltung! Basta! Das „Back to the roots“ ist deutlich spürbar – Musik, der plot, die erste Szene mit Angelica erinnert sehr an die erste Szene mit Jack und Will – und wie auch du erwähnst, Rush ist genial. Barbossa ist nebst Jack mein absoluter Liebling. Und ich schwöre bei der Pearl und bei Jacks Kompass, hätte ich den Film in den Staaten geschaut, wäre ich bei Barbossas letzter Szene aufgestanden und hätte gejubelt und geklatsch – denn er macht genau das, was ich von ihm schon immer erwartet habe. Schaut den Film im O-Ton, um die tollen Dialekte zu hören! 3D – naja, manche Szenen waren in der dritten Dimension, manche überhaupt nicht. Ich gebe Pirates4 (ohne Fanbrille) auch 7/10 Sternen. In einem Satz: „On Stranger Tides“ ist für mich der Anfang einer wunderbaren neuen Piraten-Trilogie!
    Graval, lass uns morgen ausführlich darüber diskutieren 😀

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  • TanzendepiratenTUNE « Ploppers Wörld

    […] bin nicht wirklich begeistert vom Soundtrack zu Pirates of the Caribbean: On Stranger Tides. Liegt daran, dass von den 18 Titeln 7 Remixes sind, und erst noch schlechte. Und auch den […]

  • Pirates of the Caribbean: On Stranger Tides (2011) « of bastards and dwarves

    […] Meinungen: Ploppers Wörld (7/10) Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am Sonntag, 22. Mai 2011 um 11:52 am und getaggt mit […]

  • Laosüü

    Nun hört man ja sowas und sowas. Also wohl ein DVD-Kandidat.

    Und zu dem Video: Lonely Island for the wööööörld! oO/

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  • Kyo

    Jaja, die Spanier. Hätte man sich die gespart, wäre ich glücklicher gewesen und hätte wohl keine Überlänge zahlen müssen. Der Storyzweig war zum einen völlig unlogisch und auch so einfach nur überflüssig. Dann die Meerjungfrau-Romanze die wohl nur als Disney-Must-Have dabei war. Und dann noch der „lange“ Auftritt von Keith Richards (den du nicht erwähnst?)

    Wie du dann noch auf 7/10 kommst ist mir schleierhaft. 😉 Also zum nächsten Teil muss sich noch viel besseren.

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  • X-Men: First Class (2011) « Ploppers Wörld

    […] auf meiner Liste der Highlights für das Jahr 2011 stehen, bzw. standen „Pirates of the Caribbean: On Stranger Tides“ und „Captain America: The First Avenger“. Dahinter reihen sich solche […]

  • Wham! – SPECIAL: Pirates of the Caribbean 5 « Ploppers Wörld

    […] ein fünfter Pirates of the Caribbean-Teil kommt, das war schon lange klar, erst recht, als „On Stranger Tides“ als erst achter Film überhaupt, die Milliardenmarke knackte und vermutlich auch die […]

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