ParaNorman (2012)

„I’d like to be alone.“ – „So do I! Let’s do this together!“

Der Animationsstreifen ParaNorman der Coraline-Macher Laika steht eigentlich am Anfang meiner Mittelohrentzündung, die mich in den letzten Tagen heimsuchte – denn kurz davor sah ich mir den Film an. Entsprechend wollte ich eigentlich gar keine Review schreiben, weil es mir aber dank Schmerzmitteln und sonstigen rezeptpflichtigen Medikamenten wieder sehr gut geht, möchte ich dennoch ein paar Worte verlieren zu einem der besten Animationsfilme des Jahres.

Norman ist ein Aussenseiter – weil er mit Geistern reden kann, lachen ihn seine Mitschüler aus, und selbst seine Familie behandelt ihn zeitweise wie einen Aussätzigen. Nur Neil, der wegen seines Übergewichts und sonstiger Schwächen ebenfalls gehänselt wird, versteht Norman und gibt sich mit ihm ab. Und einen Freund kann Norman durchaus brauchen, jetzt wo die Toten wiederaufzuerstehen drohen…

Als ich den Trailer zum Film im Kino sah, nahm ich an, dass ich es mit einem gruseligen, aber für Kinder dennoch geeigneten Film zu tun habe. Doch das ist nicht der Fall, wenn ich schon früher fand, dass ein Film eher nichts für Kinder wäre, dann ist das nichts im Vergleich zu ParaNorman, der mit den zahlreichen Horror- und Splatter-Anspielungen für Fans des Genres ein Genuss ist, jüngere Leute aber mit seinem kruden Humor irritieren dürfte. Und auch die Themen, die der Streifen behandelt, sind stellenweise etwas gar anspruchsvoll und nicht immer politisch ganz so korrekt, wie man es von einem Animationsfilm erwarten dürfte. Damit bietet der Film aber auch einen angenehm ungeschönten Blick auf die Thematik des Aussenseiterdaseins, das Norman und Neil gleichermassen fristen – natürlich nicht, ohne das mit viel schwarzem Humor anzugehen.

Selbst jene Filmkritiker, die ParaNorman ein schlechtes Zeugnis ausstellten, haben es in den Film geschafft.

Technisch ist der Film zudem top notch – die Stop-Motion-Animationen sind nicht nur einwandfrei, auch das ganze Setting und die Optik allgemein sind sehr liebevoll und detailgenau gestaltet. Und wenn die Geister Norman auf seinem Schulweg begleiten, oder Zombies aus ihren Gräbern steigen, dann hüpft das Herz eines jeden Fanboys höher. Dazu kommt ein ebenfalls sehr genretypischer, basslastiger Soundtrack von Jon Brion (und ein Abspanntrack von The White Stripes – na welcher wohl?), der diese grossartigen Bilder perfekt untermalt. Laika ist damit definitiv ein Studio, das man im Auge behalten sollte, (noch) kein so grosser Player wie Pixar oder DreamWorks, aber auf dem besten Weg, einer zu werden.

Wer findet, ich verteile zuviele Bestnoten, wird sich hiermit bestätigt sehen, denn etwas anderes als die volle Punktzahl wird ParaNorman einfach nicht gerecht. Dabei muss man aber bemerken, dass er, so gut er auch sein mag, kein Film für Jedermann ist, vorallem nicht für jüngere Kinder. Die kommen mit dem Humor und dem eigentlich artgerechten Grusel vermutlich nicht ganz klar, alle anderen dürften sich bestens amüsieren mit diesem – nun, man muss es fast so ausdrücken –  Meisterwerk.

  • Dominik

    Klingt nach genau dem, was ich vom Film erwarte. Nice!

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  • donpozuelo

    Mmhh… der Trailer hatte mich ja nicht sooo sehr überzeugt. Aber eine 10 lügt nur selten… und zu Stop-Motion kann ich eigentlich eh nie „Nein“ sagen.

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  • christian

    Der ist irgendwie komplett an mir vorbeigegangen, obwohl man letzten Monat in New York fast erschlagen wurde von der Werbung, die für ihn gemacht wurde. Jetzt bin ich aber angefixt und werde mir zumindest endlich mal den Trailer anschauen.

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