Looper (2012)

„This time-travel crap fries your brain like an egg!“

Spätestens mit Inception hat das Genre der Sci-Fi-Thriller die breite Masse erreicht. Klar, dass es nicht lang dauerte, bis sich die Studios aktiv um ähnliche Projekte kümmerten. Source Code und In Time waren beispielsweise im vergangenen Jahr zwei Filme, die in diese Richtung gingen, und die leider nicht ganz hielten, was ich mir von ihnen versprach. Und so war ich im Vorfeld von Looper schon ein bisschen skeptischer, auch wenn der Film so aussah, als würde er die Fehler der anderen Beispiele nicht begehen…

Joe ist ein Looper, das heisst, er muss für Mafiosi aus der Zukunft ihre Opfer entsorgen, indem sie diese zurück in die Vergangenheit zappen, wo Joe sie erschiesst. Durch diesen Job kann es sich Joe leisten, in Saus und Braus zu leben und einen extravaganten Lebensstil zu pflegen, doch das Ganze hat einen Haken. Nach dreissig Jahren beschliessen die Mafiosi nämlich, den Loop zu schliessen, und den Looper (in der Zukunft dann) zurückzuzappen, wo ihn sein jüngeres Ich erschiessen muss. Und wehe, wenn sich der Looper nicht an diesen Teil des Deals hält…

Vorallem am Anfang des Films zeigt sich, dass Rian Johnson erzählen kann wie kaum ein anderer. Er zeigt eine realistische, ziemlich dystopische und karge Zukunftswelt, in der der orientierungslose Junkie Joe herumirrt. Die erste halbe Stunde des Films ist unglaublich beeindruckend – optisch wie inhaltlich. Leider kann Johnson diese Qualität und Glaubhaftigkeit nicht wirklich lange halten, denn im Mittelteil flacht die Story von Looper etwas ab, die Erzählung wird langatmig und repetitiv – man glaubt fast, dass dem Regisseur allmählich etwas langweilig wurde. Um dem entgegenzuwirken, spickte er die Story mit Mutanten. Was leider irgendwie auch ziemlich deplaziert wirkt, und dem interessanten Gewissenskonflikt von Joe immer mehr Platz raubt.

Yippie Ki Yay, Motherfucker!

Dafür ist dann der Schluss wieder ziemlich bombastisch, auch bezüglich der technischen Umsetzung. Schliesslich sieht man nicht alle Tage, dass Leute in der Luft zerplatzen wie Wasserballons. Und auch abgesehen von der Action hat Johnson ein gutes Auge und bietet spannende Aufnahmen. Er ist nämlich kein Schlechter, nur ein bisschen gelangweilt mit seinem Film, und erzählt fast ein bisschen zuviel, anstatt sich aufs Wesentliche zu fokussieren. Dafür hat er aber zwei geniale Hauptdarsteller, die selbst kleinere Schwächen ausmerzen. Joseph Gordon-Levitt erfasst Bruce Willis in den kleinsten Details und auch der Glatzkopf beweist spätestens in einer Action-Sequenz à la Die Hard, dass er noch lange nicht zum alten Eisen gehört. Dennoch hätte die Idee von Looper als Mini-Serie vermutlich fast ein bisschen besser funktioniert, denn es gibt sehr viel, das man als Zuschauer noch wissen möchte, und was in einer Serienadaptation sicher Platz gefunden hätte.

Looper ist aber keine Mini-Serie, sondern ein Film, und – abgesehen von einigen kleineren Schwächen – ein sehr gelungener dazu. Trotz allem. Er ist zwar nicht die Erleuchtung, auf die ich seit Source Code oder In Time warte, aber er ist ein weiterer Schritt in die richtige Richtung – mit zwei ungeahnt solide aufspielenden Hauptdarstellern.

Das 8. Zurich Film Festival zeigt Looper am 27. September um 21.00 Uhr (Corso 1).

  • donpozuelo

    Ich freue mich schon sehr auf den Film, auch wenn ich mich immer wieder frage, warum die Mafia so umständliche Wege eingeht, um Leute los zu werden. Früher haben ein paar Zementschuhe doch noch vollkommen ausgereicht… 😉

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  • Cem

    „…mit zwei ungeahnt solide aufspielenden Hauptdarstellern.“ Was bitteschön bedeutet ungeahnt solide aufspielend? LOL

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  • Lukas

    Freu mich auch auf den Streifen. Aber…
    1.) Muss ich entnehmen (und mich irgendwann mal zurück besinnen, hmm) dass du Source Code dementsprechend enttäuschend/schlecht fandest? Falls ja, muss ich leider Schluss machen. :/
    2.) Den letzten Satz kapier ich auch nicht ganz; ist denn bei JG-L und Bruce Willis „ungeanht solide aufspielend“? Oo

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  • donpozuelo

    @Owley: Dann bin ich ja beruhigt.

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  • Mister Nick

    Bruce Willis ist eben nicht „nur“ ein Actiondarsteller, sondern beherrscht auch das „ernstere“ Fach; was er mit Filmen wie „The fifth Element“, “ 12 Monkeys“ (thematisch ähnlich wie Looper) oder jüngst „Moonrise Kingdom“ immer wieder aufs neue beweist.

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  • Sascha

    Rian Johnson begann mit seiner Arbeit an Looper lange vor 2008.
    Source Code war bereits 2009 auf der Black List.
    Just saying.

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  • Owley

    Am besten liest du noch einmal in aller Ruhe die Einleitung durch, und zeigst mir, wo ich was anderes behauptet habe. Just sayin‘.

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