Wanted (2009)

„Fuck the code.“

Mark Millar ist mein absoluter Lieblings-Comic-Autor – sein Comic Wanted ist einer meiner Favoriten, da er badass und völlig daneben ist, eine total schräge Story bietet und mit noch schrägeren Figuren aufwartet. Und wenn dann Timur Bekmambetov, Regisseur der gleichnamigen Film-Adaptation, ganz lässig sagt, dass er den Ton der Vorlage so toll findet, frage ich mich, warum zur Hölle er sie dann nicht entsprechend umgesetzt hat. Sein sich Film nennendes Etwas kommt nicht in die Nähe der Qualität des Comics.

Wesley Gibson führt ein Scheissleben: Sein Bürojob ödet ihn an, seine fette Chefin mobbt ihn, seine Freundin fickt seinen besten Freund und als wäre das nicht genug Stress, taucht eines Tages eine Killerin auf, die Wesley vor einem anderen Killer rettet. Die mysteriöse Killerin namens Fox verrät Wesley, dass sein Vater, der die Familie früh verliess, gestorben sei und Wesley Geld hinterlassen habe. Ausserdem bietet sie ihm einen Ausweg aus seinem öden Alltag an – indem er sich ihr und einer geheimen Bruderschaft von Killern anschliesst.

Das Problem bei Wanted sitzt auf dem Regie-Stuhl, ist dick und haarig und heisst Timur Bekmambetov. Und zwar aus drei Gründen: Erstens, weil er die Story des Comics bis zur Unkenntlichkeit abgeändert hat – eine Story, die ich mir immer noch irgendwann in Zukunft verfilmt wünsche. Zweitens, weil er mit James McAvoy und Angelina Jolie zwei Schauspieler (among many others) gecastet hat, denen man ihre jeweiligen Rollen nicht im Geringsten abnimmt – warum man nicht, wie im Comic, Eminem und Halle Berry genommen hat, verstehe ich nicht, denn McAvoy ist als winselnder Bürogummi zwar sehr, als Killer aber überhaupt nicht glaubhaft. Und Jolie hat auch nicht mehr drauf, als ein paar Lippen, Titten und ein bisschen Hintern. Oder wie Silencer in seiner Review treffend zusammenfasst: „Angelina Jolie sieht so abgemagert und ausgezehrt aus, dass sie sich eigentlich auf der Stelle selbst adoptieren müsste.“

Der dritte dieser Gründe ist es Bekmambetovs notorische Unfähigkeit, eine plausible Geschichte zu erzählen, die diesen Film definitiv gegen die Wand fährt. Der dicke Russe hat sich wohl nicht gedacht, dass sich der Zuschauer an seinen optischen Spielereien und in Slow Motion fliegenden Autos, Züge und Pistolenkugeln irgendwann sattsieht und zur Abwechslung auch eine halbwegs plausible Story erzählt bekommen will. Auf die man aber leider vergeblich wartet – sofern man sich nicht mal eben mit einer Bruderschaft, deren Daseinszweck nie wirklich erklärt wird, dem Webstuhl des Schicksals und altertümlichem Binärcode zufrieden geben möchte.

„Hey, dein Vater ist gestorben. Kann ich dich adoptieren?“

Timur Bekmambetov geniesst offenbar irgendwelche Immunität oder so – denn eigentlich dachte ich, dass Vergewaltigung strafbar sei. Wie dem auch sei, mit Wanted hat der russische Regisseur einen der bescheuertsten Filme gedreht, den ich je gesehen habe. Dabei hätte Mark Millars Vorlage so viel Potential gehabt – nur ist das Bekmambetov herzlich egal, er will fliegende Autos und Züge. Blödmann.

  • Dominik

    Mhm, Film mit Comic verglichen = Murx – da stimme ich dir zu.
    Film nicht mit Comic verglichen = Cool.

    Meine Einschätzung dazu.

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  • Andi

    Der Film ist wirklich Quatsch, ich habe dich gewarnt. Der Comic lebt davon, wie politisch unkorrekt er ist, aber der Film… Eine total dümmliche und harmlose Actiongeschichte. Alles, was die Vorlage interessant gemacht hat, wurde weggelassen. Schade. Hoffentlich wird Nemesis nicht so.

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  • Intergalactic Ape-Man

    Vielleicht war hier mein Glück, daß ich zuerst den Film gesehen habe. Der hat durchaus seine Qualitäten. Den Comic finde ich deutlich besser, weil er im Gegensatz zum Film einen ganz anderen Tiefgang hat. Ich kann es aber trennen. Vielleicht auch einfach deshalb, weil es bis auf die Ausgangssituation kaum Ähnlichkeiten gibt. Mit Glück schaffe ich auch nebst dem Film noch was zum Comic zu bloggen. Hab durch mein Comic-Revival grad eh genug Material, was ich umsetzen könnte. Hab allerdings gerade die ersten Seiten von Batman: Killing Joke angebetet. Das wird wohl heute erstmal mein Leseabenteuer werden müssen, bevor ich noch was mache.^^

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  • Intergalactic Ape-Man

    Genau genommen find ich das alles super wie es ist. Ich hab Wanted ja auch nach Kick-Ass gelesen und ich würde Kick-Ass vielleicht auch weniger gut finden, weil es ja durchaus auch hier ein paar Parallelen gibt, was die grundlegenden Emotionen des Protagonisten angeht. So hab ich halt mit allem maximum Spaß. 😀

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  • Dominik

    @Owley: Den Comic habe ich ebenfalls gelesen und mich über den laufenden Scheißehaufen köstlich amüsiert. Dennoch schafft es der Film mich gut zu unterhalten. Vll. kann ich da einfach nur besser den jeweils anderen ausblenden. 😉

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  • Lukas

    Muss Dominik irgendwie zustimmen, soo schlimm fand ichs nicht – und an diverse coole Szenen (und sogar Lacher) kann ich mich definitiv erinnern. Vielleicht ists etwas lang her, aber selbst Angelina fand ich eigentlich absolut ordentlich.
    Klar ist der Film beileibe kein Meisterwerk, mehr als wirr erzählt und ich kenne den Comic noch nicht – was vermutlich der entscheidende Punkt ist – aber angucken kann man ihn sich imho schon.

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  • Sibel

    Ich kenne den Comic nicht. Habe den Film im Kino gesehen und bin begeistert! Geschmäcker sind eben doch verschieden :/

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  • Intergalactic Ape-Man

    Jein. Hast du Kick-Ass 2 schon gelesen? Da gibts schon Parallelen, auch wenn es nie identisch ist, klar. Es dockt aber als Millars Gedankenwelt so ungemein aneinander an, daß man den Eindruck hat, er mache da grad so eine Phase durch. 😀

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  • donpozuelo

    Richtig so. Der Comic ist einfach nur großartig. Der Film einfach nur Schrott. Eine der schlechtesten Comic-Verfilmungen aller Zeiten… eben weil das alles hier gar nichts mit dem Comic zu tun hat. Ich habe den Film gesehen, bevor ich den Comic kannte… und da war das schon einfach nur Müll. Erst nachdem ich dann las, was Miller eigentlich erzählen wollte, wurde mir klar, dass dieser Film sofort in die Tonne gehört!!!

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  • Bendrix

    Ein Stern zu viel 😀
    Finde den Film, auch ohne den Vergleich zum Comic, unter aller Sau. Als Verfilmung ist es dann noch mieser. Also quasi unter unter aller Sau. Bin alles andere als ein Millar Fanboy. Er ist als Autor arg limitiert, kann Geschichten meist nicht vernünftig abschließen und hat so seine schreiberischen Ticks, die es mir persönlich unmöglich machen, noch irgend etwas von ihm zu lesen. Aber Wanted ist super. Das stimmt alles. Es ist quasi Millar kondensiert und enthält alles was ihn ausmacht, ob gut oder schlecht, perfektioniert. Ein Klassiker.

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  • Fox

    ich mag die Comic-Version auch lieber, kann mit dem Film überwiegend leben (müsste den nach langer Zeit mal wieder schauen) ^^

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  • Stefan

    Endlich mal jemand, der erkennt, wie scheißer der Film doch ist!

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  • Bendrix

    Bin auch einigermaßen verblüfft. Kenne eigentlich niemanden der den Film auch nur okay fand.

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  • Andi

    Ja, ich bin durch. Interessant, es hat wirklich einige Wendungen, die ich definitiv nicht erwartet hätte, und das gefällt mir. Aber Wanted und Kick-Ass waren etwas besser.
    Wenn Nemesis verfilmt wird, dann bitte wirklich dreckig!

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