Philomena (2013)

Philomena

„I did not abandon my child, he was taken away from me.“

1952 gebärt Philomena Lee in einer Abtei in Irland ein uneheliches Kind. Zu dieser Zeit ist das eine Sünde, für die Philomena schwer büssen muss: Ihr Sohn wird zur Adoption freigegeben. Als sie fünfzig Jahre später zum ersten Mal jemandem ihr Geheimnis anvertraut, nimmt sich der Journalist Martin Sixsmith der Geschichte an. Mit seiner Hilfe will Philomena ihren Sohn endlich ausfindig machen. Steve Coogan, der im Film die Nebenrolle spielt, wurde für Philomena gleich für zwei Oscars nominiert – sowohl als Produzent, als auch als Drehbuchschreiber. Regie führte bei diesem ergreifenden Drama mit Dame Judi Dench in der Hauptrolle der berühmte britische Filmemacher Stephen Frears.

Auch wenn uns Coogan ein vielschichtiges und facettenreiches Drehbuch vorlegt und Stephen Frears ein faszinierendes Talent für Timing an den Tag legt, so ist es in erster Linie die Hauptdarstellerin, die dafür verantwortlich ist, dass Philomena der schöne Film ist, der er ist. Nachdem sie während über 15 Jahren dem härtesten Agenten der Welt die Leviten lesen durfte, ist es eine helle Freude, Judi Dench dabei zuzusehen, wie sie diese unscheinbare Rolle spielt. Philomena ist keine Frau der grossen Töne, sie ist zurückhaltend, ruhig, bedacht. Und doch hat sie klare Ziele und Prinzipien vor Augen, denen sie mit einer bewundernswerten Sturheit folgt. Und auch wenn der Film zum Schluss ein bisschen viel Moralin statt Story bietet, so ist die Geschichte dieser Dame sehr inspirierend.

So behutsam wie seine Protagonistin ist auch der Soundtrack von Alexandre Desplat, dessen Kompositionen für Philomena aber weder eingängig noch bahnbrechend sind. Das kann er, den ich einen meiner Lieblingskomponisten nenne, dann doch entschieden besser. Dafür hat mir die Art und Weise wie sich Frears mit dem Thema der katholischen Kirche auseinandersetzt, sehr gefallen. Er beschönigt nichts, und gerade durch die Figur von Martin Sixsmith bringt er sehr viel Kritik an der Institution und dem Glauben an sich an. Und doch unterlässt er es, Philomena zum Kirchenbashing sondergleichen verkommen zu lassen, denn die Versuchung wäre gross. Was passiert ist, ist passiert – wichtig ist, was wir mit dem Heute anstellen.

"Was meinen Sie 'Fehlt nur noch der Aston Martin im Hintergrund', Philomena?"
„Was meinen Sie ‚Fehlt nur noch der Aston Martin im Hintergrund‘, Philomena?“

Mit Philomena ist Frears ein berührendes Drama gelungen, für das Judi Dench den Oscar definitiv verdient hätte. Ihre Darbietung ist berührend und auf der ganzen Linie überzeugend. Einer der schönsten Filme des noch jungen Jahres.

9 Sterne

  • Die Wunderbare Welt des Wissens

    Steve Coogan ist einfach gut. Ich hoffe, er hat eine Chance bei den Oscars.

    Na und Dame Judy macht sowieso alles richtig.

    *Knowing me, knowing you-summend ab*

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