Le Petit Prince (2015)

PetitPrinceAnimontag

„It is only with the heart that one can see rightly. What is essential is invisible to the eye.“

Ich finde es immer wieder schön, wenn sich gestandene Animationsfilmemacher von den grossen Studios lösen können und in Eigenregie Projekte verwirklichen, die bei den grossen Studios nie umgesetzt worden wären. Das neueste Beispiel dafür ist Mark Osborne, der DreamWorks nach dem Grosserfolg von Kung Fu Panda verliess und sich mit dem französischen Studio On der Verfilmung des Buches Le Petit Prince von Antoine de Saint-Exupéry widmete. Dass sich diese dünne und skurille Geschichte nur schwer abendfüllend verfilmen lässt, dürfte Osborne klar gewesen sein – deshalb rahmt er de Saint-Exupérys Erzählung mit einer neuen Geschichte ein. Ein kleines Mädchen lebt in einer Welt, in der alles klar strukturiert und geordnet ist – Dinge, die keinen Nutzen haben, werden weggeschafft. Eine Begegnung mit ihrem Nachbarn, einem alten Fliegernarr, der ihr eine Geschichte über einen kleinen Prinzen erzählt, stellt ihre Welt völlig auf den Kopf.

Die Geschichte über das kleine Mädchen setzt Osborne mit 3D-Animation um, die ein wenig generisch daherkommt, unterm Strich aber gefällt. Die Welt, in der diese Rahmenhandlung angesiedelt ist, wird einem leider nie richtig erklärt, sodass man sich auch nur begrenzt mit den Figuren und ihren Schicksalen identifizieren kann. Richtig eindrücklich wird Le Petit Prince erst, wenn sich die Geschichte des alten Mannes entfaltet – die fantastischen Welten von de Saint-Exupérys Erzählung setzt Osborne mit atemberaubenden Stop Motion-Bildern um. Diese verspielte, handgemachte Optik passt perfekt zum zuckersüssen Soundtrack, den Hans Zimmer und Richard Harvey in Zusammenarbeit mit der französischen Chanteuse Camille beisteuern. Die Musik zu Le Petit Prince ist für mich definitiv eines der Soundtrack-Highlights des aktuellen Kinojahres.

Was mich übrigens ziemlich irritierte, war die Diskrepanz in der Animation selber: Während sich das Lip Sync, also die Lippenbewegungen, an der englischen Synchronisation orientiert, ist das Produktionsdesign mit den Beschriftungen, in französischer Sprache gehalten. Das ist ein Phänomen, das ich auch bei internationalen Co-Produktionen so noch nie beobachtet habe, und das ich mir ehrlich gesagt auch nicht erklären kann.

In Kürze:

Osborne versucht die Erzählung von Antoine de Saint-Exupéry mit einem neuen Handlungsstrang zu verbinden, was ihm nicht immer gleich gut gelingt. Es ist die liebevolle Umsetzung der in dieser neuen Rahmenhandlung angesiedelten Vorlage, die Le Petit Prince zu einem der spannendsten Animationsfilme der letzten Jahre macht.

Wertung:

4 von 5 eitlen Rosen

  • donpozuelo

    Klingt ja doch besser als gedacht… 😉

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