Owley am ZFF 2017: Ocean’s Eleven auf Beruhigungsmitteln

Tag 7: Mittwoch, 5. Oktober 2017

Vor einigen Jahren habe ich zum ersten Mal «Blade Runner» gesehen – im Kino. Damals ging ich mit einigen Freunden, die sich alle tierisch drauf gefreut haben, ihren Lieblingsfilm endlich auch einmal auf der grossen Leinwand zu sehen, ins Kino. Ich hatte entsprechend grosse Erwartungen, musste dann aber feststellen: Der Film liess mich kalt. Ich könnte inzwischen nicht einmal mehr sagen, worum es im Grossen und Ganzen ging, aber mich konnte der Science Fiction-Film nicht erwärmen. Ich kann nicht einmal behaupten, dass ich ihn schlecht finde, ich glaube, er ist schon gut – er war mir schlicht zu langweilig.

Als mich Simon von Maximum Cinema also fragte, ob ich am ZFF die Kritik zur Fortsetzung schreiben wolle, winkte ich ab – ich bin weissgott die unqualifizierteste Person um Fans, die sich auf den Film freuen, zu sagen, ob er sich lohnt oder nicht. Angesehen habe ich ihn mir natürlich trotzdem, und sei es nur, weil mit Denis Villeneuve ein fähiger Mann auf dem Regieposten sass. «Blade Runner 2049» (4/5) ist ein visuell bestechendes Werk, das einen in eine in ihrer Tristheit bezaubernde Welt entführt. Ryan Gosling kann in seinem ersten richtigen Blockbuster überzeugen – ansonsten bleibt der Cast jedoch hinter den Erwartungen zurück. Der zweieinhalbstündige Thriller ist sehr langsam erzählt, macht das aber so konsequent und bewusst, dass man ihm keinen grossen Vorwurf machen kann. Aber ein Meisterwerk, das ist «Blade Runner 2049» dann doch nicht.

Ursprünglich hätte auf den Film eine Pressevorführung zu Aaron Sorkins Debüt «Molly’s Game» folgen sollen, aber das Festival hat die Spielzeiten kurzfristig umgestellt, und nun werde ich den Film vor dem Ende des ZFF wohl nicht mehr sehen. Schade, aber das kommt halt vor. Ich geniesse deshalb einen langen Mittag und treffe mich mit einigen Freunden zum Pizzaessen. Ein bisschen Abstand vom Festival zwischendurch ist gar nicht mal so übel. Danach schaue ich mir zum ersten Mal einen Film abseits des Festivals an. Ich habe nun endlich Zeit um «Logan Lucky» (4/5) nachzuholen, der mittlerweile in einem winzigen Saal im Kino Frosch zu sehen ist. Ausser mir ist nur eine Person im Kino und allmählich wird mir klar, weshalb der Film nicht in einem grösseren Saal läuft. Soderberghs Neuester ist solide, ein witziger und gemächlicher Heist-Movie, der aber die Kinowelt kaum auf den Kopf stellen wird. Um es in den Worten meines geschätzten Kumpels Fredi zu sagen: «Ocean’s Eleven auf Beruhigungsmitteln».

Der dritte Film des Tages ist «Charlie Wilson’s War» (3/5), der von Aaron Sorkin geschrieben wurde, und deshalb als Reprise gezeigt wird. Es ist ziemlich irritierend, wie wenig Mühe sich das Zurich Film Festival gibt, vernünftige Kopien von seinen Filmen aufzutreiben. Dass «Mars Attacks!» in den mittlerweile digitalisierten Kinos nur als DVD bzw. BluRay gezeigt werden kann, verstehe ich ja noch, aber für einen erst zehn Jahre alten Film wie «Charlie Wilson’s War» sollte man doch zumindest ein DCP auftreiben können. Oder wenn man den Film schon ab Scheibe zeigt, dann wenigstens den Menümusik-Loop vor dem Film ausschalten. Der auf wahren Tatsachen basierende Film von Mike Nichols konnte mich nicht vollends überzeugen. Die Geschichte eines Kongressabgeordneten der Ende der Achtziger-Jahre quasi im Alleingang für die Finanzierung der Verteidigungskampagne der afghanischen Miliz gegen die russische Invasion auf die Beine stellt, ist faszinierend, aber auch viel zu pathetisch inszeniert. Nicholls beendet die Geschichte zudem genau an dem Punkt, wo sie spannend wird – die Folgen der Unterstützung der afghanischen Miliz bieten Stoff für einen viel interessanteren Film.

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