Selbstkopie – darf man das?

Seit „Transformers: Dark of the Moon“ gehen die Wellen hoch in den Reihen der Fans und Kritiker, wie das halb Chicago im Film selber tut – doch was ist der Grund? Nun, „findige“ Zuschauer haben herausgefunden, dass Michael Bay für diesen Film Aufnahmen einer Autobahnactionsequenz (ich denke nicht, dass das ein Spoiler ist, also ohne Sorge auf das Video klicken) aus seinem Film „The Island“ wiederverwendet hatte, und lediglich einige CGI-Decepticons bzw. Autobots darübergepackt hat. Das darf er natürlich nicht, und (Hobby-)Kritiker haben schon wieder einen Grund, Bay als schlechten Regisseur zu verschreien, der nicht einmal kreativ genug ist, neue Szenen zu drehen.

Aber was soll der ganze Terz? Warum darf Bay das nicht? Warum soll er nicht Szenen aus einem Film nehmen, die gut in den Film passen, anstatt kostspielig neue zu drehen? Und zur Info, wir reden von WENIGEN SEKUNDEN. Für die Bay wohl so oder so sechsstellige Beträge aufgewendet hat, um neue Roboter daraufzusetzen. Abgesehen vom finanziellen Aspekt ist es doch auch ein Easter Egg und eine Anspielung an seine alten Werke, von denen er auch schon in den ersten zwei Filmen welche hatte („This is better than Armageddon!“ und Sam der ein „Bad Boys II“-Poster vollsprayt).

Und das war auch nicht das erste Mal, dass Bay alte Szenen wiederverwendete, denn schon in „Transformers“, als Megatron im Laurentian Abyss versenkt wird, sehen wir eine kurze Aufnahme eines Flugzeugträgers. Die stammt aus „Pearl Harbour“. Und in „Transformers: Revenge of the Fallen“ sehen wir ebenfalls Flugzeugträger, diesmal ist es eine recyclete Aufnahme aus dem ersten Teil. Ebenfalls recyclet hat er den Anflug eines Predators aus Teil 1 (diese beiden Wiederverwendungen fielen sogar mir auf). Bay hat nun einmal seine Stilmittel (unter anderem Helikopter im Sonnenuntergang), und dazu gehört auch diese Wiederverwendung alter Szenen – warum sollte er diese also nicht entsprechend nutzen?

Mich stört allgemein diese Haltung von „Uh, der hat das geklaut.“, die immer wieder aufkommt, wenn jemand eine Hommage an ein bestimmtes Werk macht. Dann schreien sie gleich auf, die Filmnerds der Polizei der Einzigartigkeit. Das ist schlimmer als in jedem Kindergarten (Nachmacher! Ich hatte das zuerst!). Verdammt, auch die grossen Geister der Vergangenheit haben sich anderer Werke bedient, und nicht nur zur Inspiration. Aber wenn das ein Bay (oder Disney, jawohl auch da brachen Welten zusammen, als Fans das erfuhren) macht, dann ist gleich die Hölle los. Und dabei klauen sie nicht einmal an anderer Stelle, sondern wiederverwenden altes Material.

Aber was rede ich da, wie ich die Meckerer einschätze, ist dagegen eh kein Kraut gewachsen. Haters gon Hate, eben.

Ich empfehle übrigens wärmstens Damians Beitrag zu Bay und die darin verlinkten Meinungen der Mitarbeiter Bays. Wie zum Beispiel von Schauspieler John Turturro, aus den Transformers-Filmen – „He likes blowing things up.“

(Bild via)

  • zimtapfel

    Ohne jetzt den Film selbst zu kennen – ich finds im Grunde sogar gut, das er das so macht. Er klaut nicht bei anderen, er recycelt Dinge, die er mal selbst produziert hat. Ich meine, wenn er das so macht, dann war er mit dem bereits vorhandenen Material offensichtlich so zufrieden und es war für seine Zwecke offenbar so gut und passend, das es nur eine ungeheure Verschwendung von Zeit, Material und Energie gewesen wäre, nochmal etwas neues zu produzieren, nur, um etwas neues zu haben. Finde ich, jedenfalls da, wo es nur um allerkürzeste Sequenzen geht, eigentlich ’ne ziemlich gute Einstellung.

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  • Bendrix

    Kommt drauf an (haha, die Antwort geht immer). Das Problem das solche Selbstzitate/Homage/geklaute Szenen mit sich bringt ist die das man als Zuschauer die Szene erkennt und so „aus dem Film gerissen“* wird, was das Filmerlebnis durchaus trüben kann.
    Nun kann man darüber streiten ob ein Film wie Transformers nicht von sowas Profitiert bzw, man sich da nicht eher über eine Aneinanderreihung von im besten Fall gelungenen Szenen freut statt wirklich in die Story vertieft zu sein. Da fällt es dann eher nicht ins Gewicht.

    *Lässt sich vielleicht am ehesten mit einem schlechten SFX vergleichen. Warum stört einen sowas? Man sieht doch auch so was passiert und man weiß auch bei den besten SFX in der Regel das es sich um einen solchen handelt? Warum also die Aufregung? Weil man aus dem Film gerissen wird und nicht denkt „Cool, das Monster frisst den Typen“ sonder „Wow, das sieht ja nicht gut aus“.
    Und in so einem Fall denkt man vielleicht nicht „Hey, coole Verfolgungsjagd“ (keine Ahnung ob es sich um eine handelt, hab den Film nicht gesehen) sondern „Hey, das kenn ich doch“. JA nach dem nicht der gewünschte Effekt.

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  • zimtapfel

    Ich erinnere mich in dem Zusammenhang daran, das ich vor Jahren mal gelesen habe, das man beim Film „Vom Winde verweht“ für die Szenen, in denen Atlanta in Flammen stehen soll, ganz pragmatisch die Kulissen des vorher gedrehten Films „King Kong“ abgefackelt hat. Auch ’ne Art von Recycling. 😀

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  • Roberto

    Mir gefallen solche Aktionen. Bin ganz deiner Meinung!!

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  • Dr. Borstel

    Wenn man seine eigenen Filme recyclet, ist das dann … cineastischer Inzest? <.<

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  • Lukas Huda

    Versteh die Meckerer auch nicht. A) Stimm ich den Aspekten durchaus zu, dass es nicht nur künstlerisch okay ist, sondern auch einfach Geld spart. B) Versteh ich das Argument des „Diebstahls“ sowieso nich; warum sollte es DIEBSTAHL sein, wenn er doch lediglich Material recyclet, das aus SEINEN Filmen stammt? Also Filmen, in denen er selbst die Regie und damit letztlich den Stil geführt hat bzw. die Szenen selbst inszeniert hat.
    Abgesehen davon, ist’s mir in 2 von 3 Fällen eh nicht aufgefallen, obwohl ich alle genannten Filme (teilweise auch mehrfach) gesehen hab. Soo schlimm kann’s also nicht sein 😉

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