Scheibenkritiken #8
In diesem Jahr erscheinen und erschienen ja viele Alben von Lieblingsbands und -Künstlern von mir (Die Ärzte im April, Madness später im Oktober), aber dass gleich in knapp einem Monat vier meiner Lieblingsbands neue Alben rausbringen, das war schon ziemlich derb. Deshalb gibt es so kurz nach der letzten Ausgabe auch gleich die achten Scheibenkritiken.
The Killers – Battle Born
Das vierte Album der Überflieger aus Las Vegas, The Killers erinnert stark an ihre Anfänge mit Hot Fuss. Und eine Rückkehr zu den Anfängen ist bei einer derartigen Erfolgsband doch eigentlich immer was Gutes. Battle Born ist solide und gefällt von A – Z. Mit Flesh and Bone hat das Album ausserdem einen einwandfreien Opener, der sich makellos in die Ahnengalerie neben Human oder Somebody Told Me stellen dürfte.
- 18. September 2012 (Island Records)
Mika – The Origin of Love
Ein Trend, der sich bei in Frankreich erfolgreichen Künstlern eingestellt hat, ist das Verkaufen verschiedener Alben – je nach Sprache ein anderes. Auch Mika brachte zwei Versionen seines dritten Albums The Origin of Love heraus, aber auch das hält die Platte nicht davon ab, ein ziemlicher Reinfall zu sein. Ich vermisse die Zeiten von Life in Cartoon Motion, als er noch inhaltlich ansprechende Songs schrieb und nicht nur auf billige Beats und Autotune setzte. Heute sind seine Lyrics austauschbar – etwas, was er im Falle von Elle Me Dit, bzw. Emily auch gleich selber tut. Schade.
- 16. September 2012 (Casablanca)
Yeasayer – Fragrant World
Die New Yorker Band, deren Musikstil irgendwo zwischen Hippie, Electro, Indie, Psychedelic und Experimental wandelt, bringen mit Fragrant World ein Album, das nicht ganz so bunt und verspielt wie der Vorgänger Odd Blood ist. Aber auch die neue Platte hat ihre Momente, etwa wenn sich die Band an subtilen Dubstep heranwagt oder sphärische Hymnen erklingen lässt. Yeasayer haben sich in den vergangenen Jahren stark verändert, ich mag es, aber ob sie mit diesem neuen, sehr ungewohnten Sound an frühere Erfolge anknüpfen können?
- 20. August 2012 (Secretly Canadian)
Muse – The 2nd Law
Das neue Album von Muse ist anders als die Vorgänger, setzt auf massentauglichere Melodien und mehr elektronische Mittel, spaltet sich aber nicht so sehr vom altbekannten Rock der britischen Band ab, wie man im Vorfeld vermutete. Vielmehr versucht Muse auf The 2nd Law ganz verschiedenes – von opulentem Stadionrock mit 80′s-Flair bis hin zu handgestricktem Dubstep. Und mit Supremacy gibt’s sogar ein Quasi-Bond-Theme. The 2nd Law ist ein sehr gelungenes Album, aber ein bisschen gar uneinheitlich ist das Ganze schon.
- 28. September 2012 (Warner Music)





18 Kommentare
Zu Killers: Die Band ist bei mir eh schon nach dem zweiten Album gestorben. Und seit dem “Hit” Human sowieso. Und live fand ich sie noch nie toll (wenigstens kann Brandon Flowers mittlerweile singen…). Aber das ist meine ganz persönliche Meinung. Das neue Album ist, wie alles andere der Band seit Hot Fuss, plump, einfallslos und langweilig.
Zu Mika: Ja, das neue Album ist von A-Z schlecht (mit ein paar Ausnahmen, es hat so seine Momente) und das ist sehr schade, da ich bis jetzt eigentlich grosser Fan war und immer noch bin. Ich werde auch ans Konzert im Volkshaus Züri gehen. Ganz einfach, weil er live immer noch eine der geilsten Shows bietet, die überhaupt möglich sind. Er ist ein genialer Entertainer und er schafft es sogar, aus primitiven und langweiligen Songs wie Celebrate auf der Bühne etwas ganz grosses herauszuzaubern (so gesehen im Sommer in Luzern am Blue Balls Festival). Und live kommen die Songs auch nicht so technisch überproduziert und schnöde daher, sondern rockiger und viel stimmungsvoller.
Zu Muse: Ja, das Warten hat ein Ende und das neue Werk ist da – und es ist kein Dubstep (grösstenteils). Jippiiie. Beim ersten ganzen Durchhören sind mir ganz viele Sachen aufgefallen wie: “Oh, das klingt ja wie Red Hot Chili Peppers”. “Oh, das klingt ja wie ein James Bond Titelsong.”. “Oh, das erinnert mich an einen alten Muse-Song…”. “Oh, ja das habe ich schon einmal hier und da gehört….”
Meiner Meinung nach ist das Album recht “zusammengeklaut”, ob bewusst oder unbewusst lasse ich mal so im Raum stehen. Grundsätzlich finde ich, ist es eigentlich ein ziemlich typisches Muse-Album und das kommt wahrscheinlich vor allem daher, dass Matthew Bellamy’s Stimme und sein schleppender Gesang tragend und sehr prominent wie ein roter Faden durch die Songs führt. Trotzdem bleiben sie ihrem Stil wie immer treu und vieles klingt auch wie schon einmal gehört von früheren Muse-Alben, garniert mit lustigen neuen Elementen, die du ja alle aufzählst. Ein Punkt, bei dem ich schmunzeln musste:
“…setzt auf massentauglichere Melodien…”
Muse hatten schon immer äusserst massentaugliche Melodien.
Ich finde die CD alles in allem zwar sehr mainstreamig, aber sehr gelungen und angenehm unterhaltsam.
So, genug Senf dazugegeben für heute. Grüsse von der Musikfront.
@Killerqueen: Aaaalso. Langer Kommentar verlangt lange Antwort
Killers: Warum sind sie denn gestorben für dich? Weil sie Erfolg hatten? Na? Na?

Mika: Bis auf das Live-Zeug stimme ich dir zu, und das auch nur, weil ich ihn live noch nicht erlebt habe.
Muse: Also bei den massentauglichen Melodien muss ich dann ja schon ein bisschen widersprechen, da Muse ja erst mit dem letzten Album wirklich bei der Masse ankamen. Und wenn ich mit Leuten über die Band sprach, wurde auch immer gleich das neue Zeug als Favoriten genannt, das alte Zeug gefiel manchen nicht so.
Mich erinnert das neueste Album der Killers eher an DAY & AGE, ihrem bisher schwächsten. Die ersten beiden fand ich dagegen richtig stark. Vielleicht muss ich mich aber auch erst einmal reinhören…
@Owley:
Killers: Weil sie nach Hot Fuss quasi nur noch Bullshit abgeliefert haben, was ich sehr doof fand, weil ich Hot Fuss echt cool finde. Und live waren sie zu Beginn grottenschlecht, Brandon traf keinen einzigen Ton. Das war furchterregend.
Muse: Wenn ich mich recht erinnere (und das tu ich), traten Muse zu Anfangszeiten sogar bei Top of the Pops auf… also von daher schon sehr mainstreamig
wenn du mit anderen über Muse redest, bist du vielleicht an *böse* Radiohörer */böse* geraten? Na? Na?
@bullion: Tu es, ich find es bekanntlich sehr, sehr gut!
Sind keine tollen Fans, aber leider das Mainstream-Publikum, das sich eine Band mit Twilight-Beteiligung an Bord holt.
@Killerqueen: Sam’s Town, hallo? Bestes Album des Jahrtausends? :O Und wegen Muse – nein, ich bin vermutlich eher an Twilight-Fangirls geraten. Gut möglich, dass die auch Radio hörten, aber Fan wurden die sicher durch die Vampirenfilme.
Ich reih mich mal in die Nichtmöger ein: Battle Born hat mich (erwartungsgemäß) enttäuscht. Nach Brandon Flowers’ Soloplatte war abzusehen, in welche Richtung es mit The Killers geht. Und dabei fand ich Day & Age noch richtig gut. Aber das hier ist mir eindeutig zu viel Kitsch und US-Schlager, und kombiniert mit Flowers’ dünner Stimme wirds auch nicht gerade besser… Mäh!
Mir gefällt die neue Killers-Scheibe auch sehr gut. Bin noch beim Einhören. Mindestens 3 Tracks sind absolut super (für meinen Geschmack).
Das neue Zeug von Muse finde ich überraschend gut. Mag die eigentlich nicht so sehr. (Der Olympia-Song ist grottenschlecht.) Aber auf “The 2nd Law” haben die wirklich gute Momente. Bei zwei Liedern musste ich an U2 denken. ^^
Und MIKA? Hm, mit dem habe ich immer noch Probleme. Gute Ansätze hat er zwar, aber im Gesamtwerk wird mir das schnell zu nervig.
Woooohhh ich mag deinen Musikgeschmack! Junger Mann sind sie bei Spotify?! Ich muss mal deine Playlisten durchstöbern…Link! Sofort!
@christian: Zu Battle Born spalten sich offensichtlich die Meinungen stark…
@Fox: Ja, so kann ich das auch unterschreiben. Genug grossartige, und viele gute Tracks auf Battle Born.
Zu Muse: Den Olympia-Song finde ich dann übrigens einen der besten vom Album.
Und Mika mag, oder hasst man. Da gibts keinen Kompromiss.
Spotify mag ich leider nicht unterstützen, finde das Konzept mehr als fragwürdig.
@Vorstadtprinzessin: Nein, bin ich leider nicht, aber danke dennoch
@Owley: warum?
@Vorstadtprinzessin: Das Ganze fing recht gut an, leider sind mittlerweile soviele Künstler dabei, dass die Leute Spotify als legale Alternative zum illegalen Download sehen. Was voll okay ist, nur hat durch diese Eigendynamik Spotify die Macht, die Künstler quasi zu zwingen, für einen Hungerlohn die Rechte abzutreten. Für die Künstler heisst es entweder noch ein bisschen was auf Spotify verdienen, oder gar nichts verdienen, weils die Leute umsonst saugen. Und je mehr Künstler ihnen die Rechte abtreten, desto mehr sind (logischerweise) auf der Plattform, weshalb Spotify immer mehr Druck anwenden kann. Klar ist es nicht immer so, und es gibt auch noch Leute, die es legal kaufen, aber die Tendenz geht immer stärker in diese Richtung. Spotify zahlt den Künstlern effektiv viel zu wenig.
@Owley: Hm also was Spotify den Künstlern zahlt hab ich mich nie gefragt und das es zu wenig ist, ist mir auch noch nicht zu Ohren gekommen. Mir ist es wichtig das ich legal Musik höre und das kann ich durh Spotify. Ich nutze den Dienst einfach gerne. Es gibt viele Möglichkeiten neue Musik kennenzulernen… Da ich Premium Kunde bin und zahle, habe ich mich wohl nie mit dem Thema beschäftigt.
@Vorstadtprinzessin: Die Thematik aus objektiver Sicht behandelt auch die Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Spotify#Kritik
Zu Killers: Miss Atomic Bomb hät immer nani richtig igschlage
Wieso bei MUSE auf einmal alle Kritiker Vergleiche anstellen und bei anderen Künstlern sehr wenig bis gar nie ist mir ein Rätsel.
@Marco: Ich? Oder andere? Ich stelle auf alle Seiten Vergleiche an, bei Muse ist eben die Queen-Parallele imho allgegenwärtig.
@Owley: Ist mir nur beim Lesen diverser Kritiken aufgefallen. Beispielsweise hier: http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/pop-und-jazz/Die-Wachstumsgrenze-ist-erreicht-/story/15602656
Warum kommt man schlecht weg, wenn man andere Sounds miteinfliessen lässt? Grundsätzlich klingt ja sowieso alles gleich
@Marco: Verstehe ich auch nicht. Solange das Ganze nicht Überhand nimmt, was es bisher nicht tat (auch wenn ich es befürchtete), ist es ja voll okay.